The 100 2x03

Mit den neuen Entwicklungen und Figurenkonstellationen im Blick fühlt sich die erste The 100-Staffel wie ein cleveres Vorspiel an. Besser könnte die zweite kaum starten. Wir sehen, wie die alten Vorstellungen aller Figuren zusammenbrechen, wie neue, unerwartete Allianzen geschaffen werden und jeder sein inneres Wertesystem überprüfen muss. Ja, auch Clarke (Eliza Taylor) fällt ein Stück weit von ihrem moralischen Thron.
Das Traumpaar
Wow, die gemeinsame Flucht von Clarke und Anya (Dichen Lachman) ist auf gleich mehreren Ebenen einfach nur gut. Die Story ist spannend und die Charakterentwicklung bemerkenswert intensiv.
Die langsame Entfaltung der Zustände und Zusammenhänge auf der Erde macht einen großen Teil des Charmes der neuen Staffel aus. In der ersten Staffel haben wir zwar an der Hand der Jugendlichen ebenfalls immer wieder Neuigkeiten über die Grounder erhalten, doch nun zeigt sich, wie eingeschränkt unser Bild damals war. In erster Linie ging es darum, die Jugendlichen kennenzulernen und die Gruppendynamik zu entwickeln.
Nun hat sich der Blickwinkel, den die The 100-Macher uns zugestehen, deutlich ausgeweitet. Dank Clarkes und Anyas Flucht erfahren wir von einer unseligen Koalition zwischen den Bergmenschen und den Reapern. Genaues wissen wir nicht und für Erklärungen ist nicht die Zeit. Aber nach der Episode Reapercussion liegt die Vermutung nahe, dass die Reaper die Grounder für die Bergmenschen fangen und dafür die halbtoten Gestalten nach der Ausbeutung wieder abholen dürfen, zur weiteren Verwendung nach freier Gestaltung. Unselige oder zumindest überraschende Allianzen finden sich an jeder Stelle dieser Episode, die Zusammenarbeit zwischen den Bergmenschen und den Reapern ist noch die am wenigsten überraschende, immerhin wissen wir von beiden Gruppen bisher so wenig, dass alles möglich scheint.
Interessanter ist die kleine Kampfgruppe, die sich aus Clarke und Anya formt. Clarke hat auch in der ersten Staffel hin und wieder Fehler begangen, so zum Beispiel, als sie die Jagd auf Murphy (Richard Harmon) ermöglichte, weil sie ihn des Mordes beschuldigte. Doch trotz aller Fehler ist sie uns als jemand präsentiert worden, der kaum etwas falsch machen kann. Fehler hat sie immer schnell eingesehen. Dass etwas in Mount Weather nicht stimmt, wussten wir alleine deshalb, weil Clarke nicht verrückt ist, sondern einen guten Instinkt und jede Menge Courage hat. Jasper (Devon Bostick) hat sich in der letzten Episode einiges herausgenommen, ihr zu sagen, dass sie der Feind der Gruppe sei. Doch wir wussten ja bereits, dass es ihm am Ende leid tun wird, wenn er erkennt, dass Clarke von Anfang an Recht hatte.
Anders läuft es jetzt mit Anya. Sie lässt sich von Clarkes Masche nicht um den Finger wickeln. Dazu sind die beiden sich zu ähnlich - geborene Anführerinnen, die schon so manch schwierige Entscheidung treffen mussten. Clarke ist gewohnt, dass die anderen tun, was sie will oder direkt aufseiten des Feindes stehen. Mit Anya hat sie eine Mitspielerin gefunden, die ihr Paroli bietet, ohne direkt zur Feindin zu werden. Anya hat ihren eigenen Kopf und sie sieht vieles genauso wie Clarke. Gemeinsam teilen sie die Fürsorge für ihre Leute.
Clarke fordert, dass Anya die ihren zurücklässt, weil es im Moment keine Chance gibt, sie zu retten. Doch Clarke hat auch leicht reden. Ihre Leute sitzen in sauberen Sachen an gedeckten Tischen und genießen große Kunst. Anyas Leute sitzen in Käfigen und sehen mit jeder Sekunde dem drohenden Tod ins Auge. Wenn Jasper der Tod drohen sollte, würde Clarke ihre Sicht der Dinge wohl noch einmal überdenken.
Anya lässt sich nicht so einfach herumkommandieren, doch sie lässt Clarke auch nicht alleine. Am Ende stellt sich heraus, dass sie Clarke als Preis mit zu ihren Leuten bringen will, doch ist das der einzige Grund, wieso sie sie vor den Wächtern der Bergmenschen rettet? Das Team aus den beiden ist jedenfalls eine der besten Herausforderungen, die die The 100-Macher für sie finden konnten.
Kampftruppe zwei
Während Clarke versucht, dem Berg zu entkommen, versuchen Finn (Thomas McDonell), Bellamy (Bob Morley) und die anderen, erst einmal dorthin zu gelangen, um ihre Freunde zu retten. Auch hier ist die Charakterentwicklung zwischen all dem Dreck, dem Blut und der Gewalt unübersehbar. Finn war in der ersten Staffel ein ruhiger Charakter, der durch Bellamy und Clarke oft übergangen wurde. Er hat immer den Weg gesucht, auf dem sie am wenigsten Gewalt und Streit zu befürchten hatte. In einer anderen Umgebung wäre er ein Sonnyboy, der sympathische Typ von nebenan, mit dem jeder gerne rumhängt.
In der Welt von The 100 war er jemand, der so wenig Gelegenheit hatte, Charakter zu zeigen, dass man ihn fast vergessen konnte. Nur die Tatsache, dass er Clarkes love interest war, hat ihn in der Riege der Hauptfiguren gehalten. Doch die jüngsten Ereignisse haben eine Veränderung in ihm bewirkt. Raven ist gelähmt und Clarke wird vermisst - die beiden Personen, die ihm am nächsten stehen, sind in Gefahr.
In dieser Situation zeigt Finn sein anderes Gesicht: Er holt auf brutalem Weg die Informationen aus dem Grounder. Und während der oft hartherzige Bellamy und der verrückte Murphy noch diskutieren, erschießt Finn die Geisel, nachdem sie nicht mehr von Nutzen ist. Innerhalb einer Episode hat er die beiden Figuren, die eigentlich für Kopflosigkeit und Gewalt zuständig sind, überholt und gezeigt, wozu er fähig ist. Man darf nur hoffen, dass sich das alles nicht in einer „Er-tut-alles-für-Clarke-Story“ auflöst, sondern echte Charakterentwicklung beinhaltet.
Machtanspruch
Unterdessen bleibt Kane (Henry Ian Cusick) undurchschaubar. Erst macht er sich Gedanken darüber, dass auf der Erde die alten Gesetze nicht mehr notwendig sein könnten, kurz darauf lässt er Abby (Paige Turco) bestrafen und noch einmal wenige Minuten später trägt er ihr die Kanzlerwürde an. Ganz deutlich ist, dass er sich verändert hat. Er sieht in Abby nicht durchgehend eine Konkurrentin, er ist zur Zusammenarbeit fähig. Doch die Szene, in der er sich dafür entscheidet, Abby bestrafen zu lassen, hätte etwas besser ausgeleuchtet werden müssen. Nun wirkt sein Verhalten in der Episode Reapercussion undurchsichtig bis widersprüchlich.
Bereit zu einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit ist auch Octavia (Marie Avgeropoulos), die ebenfalls härter geworden ist, seit sie das Raumschiff verlassen hat. Sie hat die meiste Zeit ihres Lebens als Gefangene verbracht, erst in der Wohnung ihrer Mutter, dann im Jugendknast. Auf der Erde hat sie versucht zu kämpfen, doch im Endeffekt war es ihr Aussehen und die ihr verfallenen Männer, die sie immer wieder gerettet haben.
Daher scheint es auch nur folgerichtig, dass sie die erste ist, die eine Verbindung zu den Groundern aufnimmt. Lincoln (Ricky Whittle) ist vielleicht ihre erste echte Chance, eine Beziehung aufzubauen und sie stürzt sich mit voller Kraft darauf. Und das wirkt zwar immer noch etwas seltsam, aber immerhin macht es sie in der Episode Reapercussion zur ernstzunehmenden Kämpferin. Ihr Mann ist verschollen, zum ersten Mal muss sie für sich selbst einstehen. Die Grounder, die auch noch unter weiblicher Führung auftreten, sind nicht geneigt, ihr einen Sonderstatus einzuräumen, nur weil sie hübsch ist. Octavia schafft es, diese Herausforderung zu meistern, sie gewinnt den Respekt der Grounder und schafft dadurch eine weitere überraschende Zusammenarbeit.
Zusammenarbeit
Überhaupt sind die Allianzen in der Episode Reapercussion bemerkenswert. Nicht neu, aber für uns und Clarke trotzdem überraschend ist die Zusammenarbeit zwischen den Bergmenschen und den Reapern. Auch die Kampftruppe aus Clarke, Himmelsbewohnerin, Grounder und Anya kann sich sehen lassen. Noch gewöhnungsbedürftiger ist die Dynamik, die die Gruppe aus Finn, Bellamy und Murphy genommen hat, seit Murphy der vernünftigere ist. Kane und Abby schaffen es, zu verwirren. Irgendwie stehen sie auf einer Seite, doch sie sind ganz deutlich noch von der Veränderung ihrer Umgebung verwirrt.
Und das ist vielleicht auch die große Lehre, die wir aus der Episode ziehen können. Manchmal finden alte Überzeugungen keinen Platz mehr in einer sich ständig verändernden Welt. Diejenigen, die sich anpassen und alte Muster überdenken, haben die größten Überlebenschancen. Das demonstriert diese Episode deutlich. Die Figuren sind in einer Welt gefangen, in der es keine Sicherheit und keinen verlässlichen Status Quo gibt. Jeder Tag, jede Ecke kann eine komplette Veränderung der Umstände hervorrufen.
Fazit
Die Episode Reapercussion zeigt uns interessante, neue Allianzen, was die The 100-Macher in bester Weise dazu nutzen, um die Charaktere weiterzuentwickeln und eine immer unsicherer wirkende Umwelt zu zeichnen. Immer wieder erstaunlich ist ein Blick zurück. Wer hätte zu Beginn der The CW-Serie gedacht, dass sie sich derart vorteilhaft entwickeln könnte?
The 100: Promo zur „The 100“-Episode „Many Happy Returns“ (2x04):
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 6. November 2014The 100 2x03 Trailer
(The 100 2x03)
Schauspieler in der Episode The 100 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?