Ted 1x01

© Peacock
2012 war der erste Kinofilm rund um den frechen, sprechenden Teddybären „Ted“ (Seth MacFarlane) eine kleine Sensation und spielte trotz R-Rating weltweit über 549 Millionen Dollar wieder ein. Ein Rekord, den dann erst wieder „Deadpool“ brechen konnte. Der zweite Teil aus dem Jahr 2015 konnte dann mit 215 Millionen US-Dollar weltweit nicht mehr an den Erstling anknüpfen und die Marke mit Mark Wahlberg lag brach. Bis der Streamingdienst Peacock auf die Idee kam, daraus eine siebenteilige Prequel-Miniserie zu machen, die nun in den USA online gegangen ist.
Statt dem Erwachsenen John Bennett (Wahlberg), haben wir es nun mit dem 16-jährigen John zu tun, der von Max Burkholder (Parenthood) gespielt wird. Entsprechend ergeben sich allerhand juvenile Gags über Videospiele, Masturbieren, Popkultur und Drogen - und das alles unter dem Deckmantel einer Familien-Sitcom ohne große Filter in alle Richtungen.
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Worum geht es in der Serie „Ted“?

Worum genau es in der Serienfassung von Ted geht, lässt sich wohl noch (oder generell?) schwer zusammenfassen, weil wie bei anderen TV-Comedyserien, an denen Seth MacFarlane beteiligt ist - also Family Guy, American Dad, Dads, The Cleveland Show -, wirkt der Flow der Erzählung mitunter sehr willkürlich. Dabei möchte ich das durchaus sehenswerte und traditionell strukturierte The Orville explizit ausschließen.
Die Blaupause des Humors in der leider mit 50 Minuten viel zu langen Auftaktfolge von „Ted“ entstammt am ehesten „Family Guy“. Die Handlung spielt im Jahr 1993 im Arbeitermilieu von Boston. John lebt zusammen mit seinen Eltern, Matty (Scott Grimes, The Orville) und Susan (Alanna Ubach, Euphoria) sowie Cousine Blaire (Giorgia Whigham, 13 Reasons Why) in einem Häuschen.
Das Stofftier, das John sich einst mit einem Wunsch lebendig machte, war kurzzeitig berühmt, ist nun aber ein mehr oder weniger nützlicher Mitbewohner, der die Zeit ohne seinen Kumpel mit Unfug füllt, wozu hantieren mit der väterlichen Waffe oder Frauenbesuch gehört.
Als er dabei den Familienfernseher zerschießt, muss es Konsequenzen haben, denn er soll als bildungsferner Bär Schulbildung nachholen. Sein Plan ist es jedoch nun, so schnell wie möglich von der Schule zu fliegen. Dabei macht er Bekanntschaft mit den örtlichen Bullys und einer gewissen Sheila (Charly Jordan), die den beiden ihren Pot-Dealer nennen kann.
Es stellt sich heraus, dass Cousine Blair sich das College mit Drogendeals finanziert, was Onkel Matty wütend werden lässt und er sie somit vor die Tür setzt. Ted tauscht daraufhin ein Stück Film-Memorabilia aus „Rocky“ dagegen ein, dass Blair doch im heimischen Haus wohnen darf. Blair hatte eigentlich nie vor, dass der Cousin mit Pot in Berührung kommt und hilft somit dabei, dass die Loser-Entwicklung entsteht, die man aus den Filmen kennt, in denen beide gerne nutzlos kiffend auf dem Sofa „Flash Gordon“ gucken und immer noch untrennbar sind...
Who is Laughlin now?
Wer auch immer die Idee hatte, aus dem Stoff 40- bis 50-minütige Folgen zu machen, hat wohl vergessen, dass die meisten Sitcoms traditionell 20 Minuten lang für schnelle Lacher gesorgt haben. In Zeiten von Kabelfernsehen und Streaming haben HBO, Netflix und Co bereits dafür gesorgt, dass daraus - bisweilen völlig unnötig - 30 Minuten pro Folge werden. Aber gerade ein Stoff wie dieser würde von mehr Knackigkeit profitieren und MacFarlane selbst hat in wahrscheinlich insgesamt fast 50 Staffeln Network-Comedy eigentlich gelernt, warum in der Kürze oftmals die Würze liegt...
Womöglich war er durch die Filme verleitet, auf Länge zu setzen, denn diese erzählen ja auch meist eine Story in 90 Minuten und mehr. Dazu kommt natürlich eine sprachliche Freiheit, die er bei FOX oder auch im Kabelfernsehen bei TBS (bei welchem „American Dad“ heimisch ist), nicht hatte. Denn f-bombs, Beleidigungen und sonstige durchaus explizite Inhalte sind bei einem Streamer vollkommen normal.
Andererseits liebt es der Serienmacher eben, auch Gags und Unterhaltungen zu Tode zu reiten und aus einer kurzen Bemerkung eine viel zu lange Szene zu machen - in der Hoffnung, dass es dann wieder deshalb lustig wird... Genau davon gibt es allein in der Folge Just Say Yes so einige. Wie schon beim großen Erfolgsmodell „Family Guy“ klappt das mal mehr oder mal weniger. Im Fall von „Ted“ leider generell eher weniger - und das schreibe ich als jemand, der zu Beginn von „Family Guy“ und als The Simpsons-Ultra eigentlich sehr empfänglich für diese Art von Humor ist. Als Ü-30er bin ich aber womöglich auch nicht mehr die primäre Zielgruppe dafür, weiß dumme Gags aber, wenn sie kreativ sind, dennoch zu schätzen.
Ted/MacFarlane machen sich beispielsweise über stupide Namen lustig, die Angewohnheit der Mutter Susan, keine Flüche zu benutzen, die Scheinheiligkeit der Cousine, was das Zurechtweisen anderer bei Beleidigungen oder auf nicht mehr angebrachte Ausdrücke hinzuweisen angeht, aber man liefert teilweise völlig willkürlich Exkurse von einem Bankangestellten zum Thema Erwachsenenwindeln. Referenzen an die 80er und 90er, etwa in Form der inzwischen kriminell vorbelasteten Schauspielerin Lori Loughlin aus Full House, sind natürlich ebenfalls Teil des Gesamtpakets.
Im Prinzip handelt es sich um eine durchaus bekannte Humor-Farbe für diejenigen, die die Filme mochten oder eben „Family Guy“ und Co (noch) etwas abgewinnen können. Ab und zu gelingt es natürlich durchaus, mit den Erwartungen zu spielen und doch für Schmunzler zu sorgen. Insgesamt konnte mir dieser Auftakt allerdings nicht so viele heitere Momente bescheren, wie ich es gerne gewollt hätte.
MacFarlane kann für die Besetzung auf einen Mix aus alten Bekannten und neuen Gesichtern sorgen und verteilt außerdem großflächig Cameos an Personen, mit denen er bei anderen Projekten bereits zusammengearbeitet hat. Wozu zum Beispiel Penny Johnson Jerald aus „The Orville“ oder Ian McKellen als Sprecher aus „Family Guy“ gehören, um nur zwei herauszupicken.
Die auf den ersten Blick merkwürdigste Figur ist dabei Mutter Susan, die einen seltsamen Sprachduktus erhalten hat, aber vielleicht auch einfach dem Klischee einer viel zu lieben Sitcom-Mom entspricht, die mit einem einfältigen Typen verheiratet ist. Blair ist eine klassische Rebellin, die im Laufe der Folge ihre tragische Familiengeschichte offenbart. Und Ted und John kennt man eigentlich direkt auf Anhieb als einfältiges Duo...
Loben muss man außerdem natürlich die Effekte, mit denen Ted zum Leben erweckt wird, weil diese eigentlich immer gut aussehen und einen nie aus der Handlung reißen, wobei die Filme dafür natürlich ein gutes Grundgerüst geliefert haben, auf dem man nun aufbauen kann.
Fazit

Ob die Serie Ted nun der Comedyhit ist, der Peacock bei mehr potentiellen Kunden auf den Radar bringt, ist fraglich. Wahrscheinlich hätte man die Serie auch binge-barer machen sollen. Es klingt vielleicht paradox, aber 13 Folgen mit 20-minütiger Laufzeit hätten in meinen Erwartungen bessere Erfolgschancen als sieben Folgen mit 40 oder gar 50 Minuten. Allein durch die undynamischen ersten 50 Minuten muss man sich erst einmal durchboxen wie „Rocky“... So bleibt das wohl eher ein Format für Liebhaber der Figuren und des MacFarlane-Humors (abseits von The Orville) als eine Art einsteigerfreundliche Sitcom für alle.
Wir vergeben: drei von fünf Punkten.
Hier abschließend noch ein Originaltrailer zur nun gestarteten Miniserie „Ted“:
Ted 1x01 Trailer
(Ted 1x01)
Schauspieler in der Episode Ted 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?