Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 8x04

Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 8x04

Mit der Episode Bitten liefern die Macher von Supernatural eine eher ungewöhnliche Einzelfolge ab. Abgesehen von wenigen Szenen dominieren drei Gastdarsteller das Geschehen der Found-Footage Folge.

Die Winchesterbrüder Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) in der Episode „Bitten“ der Serie „Supernatural“ / (c) The CW
Die Winchesterbrüder Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) in der Episode „Bitten“ der Serie „Supernatural“ / (c) The CW

Was ist passiert?
Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) treten abseits vom Folgenrahmen lediglich im Hintergrund der Episode auf. Sie untersuchen offenbar merkwürdige Mordfälle, bei denen den Opfern (mal wieder) das Herz fehlt - zusätzlich dazu sind die Leichen in einem schlechten Zustand und sehen aus, als wenn sie von einem wilden Tier angefallen worden wären. Es gelingt ihnen im Verlauf der Episode, den Täter unschädlich zu machen. Allerdings erfahren sie dabei, dass noch mehr Personen in den Fall verwickelt sind und der „Werwolf“ nicht alleine war. Sie finden neben zwei Leichen in einer blutgetränkten Wohnung einen Laptop mit einer Videodatei, die die ganze Geschichte erzählt.

Brian (Leigh Parker), Michael (Brandon Jones) und Kate (Brit Sheridan) scheinen große Fans von Found Footage-Filmen zu sein und starten, angetrieben von Brian, ein eigenes Filmprojekt. Als Michael und Brian ein paar neue Kameras austesten wollen, kommt es zu einem Zwischenfall, bei dem Michael von einem Tier angefallen und gebissen wird. Die Bisswunde ist kurze Zeit später verschwunden und Michael hat plötzlich enorme Kräfte. Da die beiden merkwürdigen FBI-Agenten mehr über die Sache zu wissen scheinen, machen sich die drei daran, Sam und Dean auszuhorchen beziehungsweise -filmen.

Spannungen in der Gruppe führen dazu, dass Brian im Alleingang den verantwortlichen „Beißer“, einen Lehrer der drei, zur Rede stellt und sich seinerseits von ihm beißen lässt - er sieht darin die Chance, von seinem Verlierer-Image loszukommen und sich seine Ziele zu erfüllen. In Bezug auf die Dreiergruppe ist das Kate, die aber mit Michael zusammen ist. Es kommt zum Kampf zwischen Michael und Brian, wobei Michael nicht überlebt. Um Kate doch noch für sich zu gewinnen, fügt Brian ihr ebenfalls einen Biss zu und wird kurz darauf von Kate zur Strecke gebracht. Da Kate von Sam und Dean weiß, bastelt sie das Video auf dem Laptop zusammen und dreht eine letzte Szene, in der sie den beiden verspricht, niemanden mehr umzubringen und sie darum bittet, ihr doch eine Chance zu lassen.

Nach Betrachtung des Videos ist der Fall für Sam und Dean damit abgeschlossen - sie machen keine Anstalten, Kate hinterherzujagen.

Found Footage
Bitten ist eine sehr ungewöhnliche Folge, der sich vielleicht etwas abgewinnen lässt, wenn man dem Filmstil nicht allzu abgeneigt ist. Für alle, die den Stil nicht mögen, dürfte die Episode allerdings eine Qual gewesen sein - das Bild wackelt, verschwimmt und aufgrund der „authentischen“ Einstellungen wird es manchmal schwierig, dem Geschehen zu folgen (ohne dass einem schwindelig wird).

Bei der Betrachtung der Folge werden unweigerlich Erinnerungen an den Film „Chronicle“ wach, denn grob betrachtet wird dort eine ähnliche Story erzählt. Die Abwandlung besteht hauptsächlich darin, hier eine Gruselgeschichte um einen Werwolf als Aufhänger zu nehmen. Einerseits macht sich diese Orientierung auch bezahlt, denn das Verhalten der drei Hauptfiguren mit einander (auch wenn es klischeehaft ist) wirkt glaubwürdig. Andererseits, und daran ist auch das Opening der Folge schuld, lässt sich vieles vorhersehen. Das drückt natürlich auf die Spannung.

Die Macher unterstreichen den Found Footage Effekt mit den Credits. Statt wie üblich die Namen der Schauspieler zu Beginn einzublenden, werden diese erst nach Sichtung des von Sam und Dean gefundenen Filmmaterials gezeigt. Wollte man wirklich in dieser fiktiven Serie die Spannung heben, indem das Material dem Zuschauer als „echt“ verkauft wird? Found Footage kann hervorragend in Filmen funktionieren und dem Zuschauer eine Echtheit vorgaukeln, wie es normale Filme nicht können. „Blair Witch Project“ machte lange Zeit ein Geheimnis daraus, ob das gezeigte Material wirklich echt oder nur gestellt ist. „Cannibal Holocaust“ (wohl einer der ersten Filme, die Found Footage verwendeten) gab dem Exploitation Genre damit einen glaubwürdigeren Effekt (so glaubwürdig, dass der Regisseur Ruggero Deodato sich vor Gericht verantworten musste - man hatte angenommen, er hätte die Schauspieler wirklich für die Kamera sterben lassen).

Aber in der Serie Supernatural weiß der Zuschauer bereits, was er sich ansieht - der Gag ist weg. Es bleibt damit lediglich eine Hommage an das Genre und als solches muss man die Episode Bitten auch auffassen.

Wo waren Sam und Dean?
Ob es von den Autoren nun mutig oder dämlich ist, die beiden Serien-Hauptfiguren Sam und Dean nehmen nur eine Nebenrolle ein. Entsprechend fehlt dem Zuschauer die Verbindung zu den drei Hauptcharakteren der Folge. Leider hält das auch die ganzen vierzig Minuten an, denn wer möchte schon eine Bindung zu Personen aufbauen, von denen zwei ohnehin sterben werden? Man kann höchstens raten, welcher der drei am Ende nicht tot in der Wohnung liegt und selbst das ist nicht schwer.

Generell schadet es einer langlebigen Serie nicht, durch etwas Neues und zuvor noch nie Gemachtes, neue Frische ins Spiel zu bringen. Warum nun gerade Found Footage dafür auserkoren wurde und zudem noch Sam und Dean nur als Beiwerk fungieren, bleibt dem Rezensenten schleierhaft. Es wurden schon oft andersartige Einzelfolgen gedreht, aber dabei blieben die Brüder stets im Fokus der Geschichte. Ängstlich fragt man sich nun, was wohl als nächstes kommt - eine Musical Folge, in der Jared Padalecki und Jensen Ackles singen und tanzen dürfen?

Der Fall der Woche ist zudem auch eher mäßig. Als erfahrener Zuschauer kommt einem das Wort „Werwolf“ relativ schnell als Erklärung über die Lippen. Einzig das Ende mag etwas überraschend gewesen sein und zwar in Bezug auf Dean: Er hat kein Problem damit, Kate nicht nachzujagen, was eine grundlegende Veränderung zum Dean aus Staffel sieben ist. Vielleicht hat er durch Benny (Ty Olsen) entdeckt, dass auch Monster gute Seiten haben können?

Gesamteindruck
Wer mit Found Footage etwas anfangen kann und auch mit wenig Screentime der Winchester-Brüder keine Probleme hat, könnte mit Bitten zufrieden sein. Die Gastdarsteller machen einen guten Job, aber das typische Supernatural-Feeling kommt dabei nicht auf.

Von mir gibt es für dieses Experiment 2 von 5 Sternen.

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 27. Oktober 2012
Episode
Staffel 8, Episode 4
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 8x04)
Deutscher Titel der Episode
Gebissen
Titel der Episode im Original
Bitten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. Oktober 2012 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 26. September 2013
Autor
Robbie Thompson
Regisseur
Thomas J. Wright

Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 8x04

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