Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x02

© zenenfoto aus der Supernatural-Folge Raising Hell (c) The CW
Raising Hell
Bereits bei Sichtung der Episode Raising Hell hat sich bei mir nicht das übliche Supernatural-Feeling breitgemacht und auch, während ich diese Zeilen schreibe und über das Gesehene resümiere, komme ich nicht an dem Punkt an, wo ich der Meinung wäre, die Autoren Brad Buckner und Eugene Ross-Leming hätten zusammen mit Robert Singer auf dem Regiestuhl eine gute Fortsetzung zu Back and to the Future abgeliefert.
Dabei sind die Zutaten nicht schlecht. Rowena (Ruth Connell) hatte sich bereits letzte Woche per Telefonat mit Dean (Jensen Ackles) angekündigt und spielt in dieser Folge erwartungsgemäß eine wichtige Rolle. Zusammen mit Arthur Ketch (David Haydn-Jones), der ziemlich überraschend die Bühne betritt, versucht sie, das Geisterproblem in Harlan, Kansas, in den Griff zu kriegen (mehr zu den beiden in Kürze). Dann taucht auch noch unverhofft Kevin Tran (Oscric Chau) als Geist auf und wir bekommen in Reno zu sehen, wie Chuck (Rob Benedict) sich mit Amara (Emily Swallow) trifft. Zugegeben, die Opening Credits spoilern die Auftritte bereits, dennoch ist zu dem Zeitpunkt die Spannung hoch, was die Macher da zusammenmixen werden.
Und das Ergebnis ernüchtert an vielen Ecken. Hier und dort gibt es stimmige Momente, aber im Endeffekt kommen Sam (Jared Padalecki), Dean und die anderen mit ihren Problemchen nicht weiter und stehen am Ende der Folge genau dort, wo sie zu Anfang bereits standen - wenn sie nicht gar einem wesentlich schlimmeren Schicksal entgegenblicken. Es gibt keine „Belohnung“ für uns oder die Figuren, sondern lediglich die (vorübergehende) Zurückgewinnung der Ausgangslage, wenn nicht sogar eine Verschlimmbesserung (mit Blick auf Arthur und Kevin und auch auf die Anwohner, die teilweise zurück in die Stadt und damit in den Tod laufen).
Obendrein ist der Nostalgiefaktor im Vergleich zur Auftaktepisode rapide gesunken - wo sind denn die bekannten Geister von letzter Woche hin? Stattdessen dominiert der Geist von Jack the Ripper alias Francis Tumblety (Lane Davies) die Gegenseite. Zugegeben, den Namen musste ich mir in Verbindung mit dem Ripper erstmal wikifizieren (interessante Wahl), aber einen großen Eindruck kann das neue Gesicht leider nicht hinterlassen.
Ihr merkt sicher schon, dass ich nicht gerade glücklich mit der Folge bin. Vielleicht sind meine Erwartungen auch ein bisschen hoch gewesen, nachdem mir der Auftakt so gut gefallen hat. Keine Ahnung, aber zu einer guten Supernatural-Folge gehört für mich einfach mehr als ein paar bekannte Gesichter. Und wenn die Autoren schon auf die BM-Szene verzichten, Castiels (Misha Collins) prägnantester Moment der ist, wo er Arthur nicht heilen kann und leider Gottes auch noch Chuck in seiner Welt festsitzt (für ein allmächtiges Wesen kommt der hier verdammt mittellos rüber), dann passt einfach vieles nicht.
Chuck und Amara
Aktuell stehen sowohl Chuck als auch Amara noch außerhalb des Geschehens. Aber Sams Hoffnung, dass die Winchesters nun quasi Chuck-frei agieren könnten, bekommt diese Woche ein paar Dellen. Denn Amara ist überhaupt nicht heiß darauf, neue Welten oder gar Universen zusammen mit ihrem Bruder zu erkunden oder zu erschaffen - und dieser ist dahingehend offensichtlich auf sie angewiesen. Ihr gefällt es wunderbar in Reno, Nevada, wo sie sich gerade eine Massage gönnt, als Chuck dazwischenkommt.
Im Grunde genommen gönne ich Chuck da sehr, dass Amara nichts von seinen Vorschlägen wissen will und sich am Ende aufmacht, um wieder Abstand von ihm zu gewinnen. Da kommt sogar die Hoffnung hervor, dass Amara mitbekommt, was ihr kleiner Bruder da ausgelöst hat und eingreift, um die Welt, die sie offenbar recht liebgewonnen hat, zu retten. Natürlich nicht ohne Hilfe der Winchesters, aber mir würde es tatsächlich gefallen, falls Amara unseren Brüdern zur Seite steht...
Auf der anderen Seite bleibt uns Chuck wohl noch erhalten. Sorgen dürfen wir uns außerdem wegen der Verbindung zwischen ihm und Sam machen - denn die Schussverletzung schwächt Chuck (was Amara erkennt) und ist offenbar direkt mit Sam verbunden. Welche Folgen das hat, bleibt noch abzuwarten. Aber eine Verbindung ist da und wird sicher auch noch zu tragen kommen. Da bin ich wirklich gespannt.
Verwundert bin ich derweil, dass Amara noch nichts von den entflohenen Seelen aus der Hölle mitbekommen hat. Oder sich zumindest nichts davon anmerken lässt. Zumal sie ja in „ihrer Staffel“ Seelen geradezu verschlungen hat und als ebenso mächtiges (oder mächtigeres) Wesen wie Chuck doch mitbekommen müsste, wenn die Hölle ihre Pforten geöffnet hat.
Rowena und Arthur
Während Rowena die Aufgabe erhält, einen Soulcatcher (passender Begriff von Dean) zu basteln, darf Arthur ihr ein wenig unter die Arme greifen. Dabei funkt es zwischen den beiden und ich muss zugeben, dass der gesamte Dialog über Magie und Wissenschaft mitsamt den Blicken zwischen Arthur und Rowena mich prächtig amüsiert hat. Diese - leider von Dean unterbrochene - Turtelei ist ein kleines Highlight, welches in Zukunft gerne wieder aufgegriffen werden darf.
Mit Blick auf das aktuelle Abenteuer erweisen sich beide als nützlich. Natürlich ist es gefährlich, die Seelen der Geister auf diese Art einzufangen (wir werden eingangs sogar noch einmal darauf hingewiesen, dass damit eine Bombe geschaffen wird). Vielleicht gehört der Soulcatcher zu einem noch unbekannten Motiv von Belphegor (Alexander Calvert)? Von Arthur kommt derweil die Andeutung, dass Belphegor kein angenehmer Zeitgenosse ist. Mehr noch, Ketch hat den Auftrag von einem anderen Dämon erhalten, Belphegor auszuschalten. Es darf also weiterhin munter spekuliert werden, wie lange der hilfsbereite Dämon den Winchesters noch zur Seite steht - bislang zeigt er selbst jedenfalls keinerlei Anzeichen von niederen Motiven.
Noch einmal zurück zu Ketch. Nachdem er von Francis umgehauen wurde, ist die hübsche Kette, die er von Dean erhalten hat, nicht mehr zu sehen. Von daher überrascht es kaum, dass er gegen Ende vom Ripper besessen ist und sich gegen die anderen wendet. An der Stelle hätte ich mir gewünscht, dass mindestens einer unserer Protagonisten (die alle noch ihre Kettchen um den Hals tragen, sofern sie nicht Engel oder Dämonen sind) das Fehlen von Arthurs Schmuckstuck bemerkt hätte.
Kevin Tran

Chuck hat also auch gelogen als er meinte, dass Kevin in den Himmel kommt. Eine weitere Lüge und auch wenn Kevin sagt, dass er sich da unten eine gewisse Reputation aufgebaut hat, ist sein Aufenthalt dort sicher kein Zuckerschlecken gewesen und vollkommen unverdient. Dazu braucht man nur auf die ganzen Strapazen blicken, die er als Prophet (der er nie sein wollte) durchmachen musste. Schöner Plan, den Chuck da für ihn hat(te).
Kevin kann Dean und Arthur jedenfalls kurz aus der Patsche helfen, als diese nach zwei verschwundenen Jägern suchen. Er kann ebenfalls zu den Geistern stoßen und ein paar Dinge für die Brüder in Erfahrung bringen. Aber wie es aussieht, wurden in der Hölle regelmäßig Kaffeekränzchen zwischen den Folterungen abgehalten. Jedenfalls ist Francis Tumblety hervorragend im Bild über Kevins Vergangenheit und auch die Winchesters sind den Hölleninsassen keine unbekannten. Obendrein kennt der Ripper auch noch Rowena und gehört zu den mächtigeren Geistern, die besonders stark sind und gegebenenfalls mal einen der ihrigen verschlingen können.
Mich hat es ohnehin schon leicht genervt, dass die Geister überhaupt Versammlungen abhalten und Pläne schmieden. Gut, in Anbetracht der Lage müssen sie sich schon zusammenraufen und einen Ausweg aus dem Gefängnis finden, wenn sie weiterhin böse Dinge verüben und Opfer finden wollen. Aber wir kennen sie eigentlich nur als Einzelgänger mit ganz persönlichen Motiven - da ist es nun ein wenig spät, sie im Team-up zu zeigen und obendrein noch so gut informiert über die Geschehnisse und Personen da oben.
Insofern wird Kevin sehr schnell wieder die Möglichkeit genommen, hier ohne großes Aufsehen zu wandeln und als „guter Geist“ zu wirken. Wieder einmal erhält er am Schluss die Wahl zwischen Pest und Cholera und entscheidet sich dafür, auf Erden zu bleiben. Belphegor hilft ihm aus dem Gefängnis hinaus, aber ein Happy End sieht einfach anders aus.
Castiel

Unser Engel ist aktuell mein größtes Sorgenkind. Einerseits vielleicht verständlich, weil Jack vorerst hinüber ist. Andererseits, nunja, kommt er weder im Dialog mit Sam noch im Gespräch mit Dean besonders gut weg.
Gegenüber Sam moniert er, dass man die Bewohner nicht mehr lange hinhalten kann (vollkommen richtig, weil einige sich bereits heimlich in die Todeszone aufmachen), aber die Wahrheit kann hier leider keine Lösung sein - da sind andere Ansätze gefragt und es nicht besonders hilfreich, wenn man das aktuelle Vorgehen kritisiert, ohne konstruktive Vorschläge zu machen.
Gegenüber Dean scheint er Chuck ein wenig verteidigen zu wollen. Freier Wille wäre hier das Stichwort und wenn schon alles vorgegeben ist und einem perfiden Plan folgt, so sind doch wenigstens alle Personen real und können eigene Entscheidungen treffen. An sich kann man die Aussage als richtig erachten, aber mit Blick auf das letzte Staffelfinale ist das mit den eigenen Entscheidungen wohl Fehlanzeige - von daher finde ich Deans Reaktion nur allzu verständlich.
Und dann gibt es diesen einen Moment, wo Cas seine Fähigkeiten nutzen und Arthur heilen könnte. Aber er kann es nicht. Vielleicht eine Folge davon, dass Chuck angeschlagen ist? Vielleicht bricht das gesamte Konstrukt zusammen, was Gott erschaffen hat? Das wäre eine mögliche Erklärung, aber irgendwie glaube ich nicht, dass die gesamte Welt und alle Kreaturen darin ihre Fähigkeiten jetzt verlieren (dann hätte bei den Geistern schon einiges passieren müssen).
Winchesters

Im Grunde genommen machen unsere Brüder diese Woche wieder das, wofür wir sie kennen und versuchen, der Lage Herr zu werden. Auf der einen Seite muss die Zivilbevölkerung hingehalten und auf der anderen muss die Situation in Harlan adäquat aufgelöst werden. Der Plan mit dem Soulcatcher ist nicht schlecht, die erwartete wie unerwartete Verstärkung durchaus willkommen. Aber gerade, als es ein wenig Licht am Ende des Tunnels gibt, werden die Winchesters wieder zurück auf Episodenstart gesetzt - denn Harlan scheint nun der hauptsächliche Anlaufpunkt für alle zu sein, die aus der Hölle befreit wurden.
Mir ist dabei klar, dass es nicht von jetzt auf gleich eine Lösung zum Gesamtproblem geben kann. Aber es fällt mir schwer - auch mit Blick auf die wenigen verbleibenden Episoden - einen Fortschritt auszumachen. Der kleine Teilerfolg durch den Soulcatcher wirkt wie ein Tropfen auf dem heißen Stein und mit Blick darauf wirken auch einige der Gastauftritte verschenkt. Natürlich bin ich weiterhin gespannt, wie die Geschichte sich entwickelt und wo sie enden wird. Aber der Weg dahin geht bestimmt besser als diese Woche und ja, mir hat ein abschließendes Gespräch zwischen den Brüdern tatsächlich gefehlt.
Fazit
Leider ist Raising Hell eine kleine Enttäuschung. Gut möglich, dass die Erwartungshaltung da bei mir eine große Rolle spielt, die mit Blick auf die zahlreichen bekannten Gesichter und auch das Ende der Episode nicht erfüllt wurde. Es gibt zwar Sachen, die zu gefallen wissen und insgesamt wollen die Macher offensichtlich die Situation erstmal so ausweglos wie möglich halten - und sei es nur, um die Spannung zu schüren. Aber irgendwie geht der Plan - zumindest für mich - vorerst nicht auf. Von meiner Seite gibt es jedenfalls 2,5 von 5 Sternen (und das ist schon aufgerundet). Und wie sieht das bei euch aus? Liege ich vollkommen falsch? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 19. Oktober 2019Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x02 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x02)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 15x02
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