Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x20

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In eigener Sache / Widmung
Eigentlich wollte ich heute bei einer Hochzeit dabei sein, womit sich mein Review zum Finale verzögert hätte. Aber mein Körper hatte andere Pläne mit mir, so dass ich meine geplante Reise nach Bremen nicht antreten konnte und stattdessen das Bett hüten musste. Nachdem mein Fieber aber nun fast weg ist, konnte ich doch schon etwas eher diesen Artikel abliefern.
Gewidmet ist dieser Text Anna-Lena und Christian, die sich heute das Ja-Wort gegeben haben. Lasst euch ordentlich feiern und genießt den heutigen Tag - ich bin in Gedanken bei euch und wünsche euch nur das Beste für die gemeinsame Zukunft. Wirklich schade, dass ich nicht dabei sein konnte.
Stop lying!
Moriah setzt nach dem üblichen Rückblick mit gewohnter Musik (Carry On Wayward Son) direkt am Ende von Jack in the Box ein. Jacks (Alexander Calvert) erster Satz - „You lied to me.“ - ist nicht nur als Ausdruck der Enttäuschung an Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) zu verstehen, sondern ebnet direkt den Weg zum anfänglichen Thema der Episode. Was passiert, wenn niemand mehr lügen kann und alle ausschließlich die Wahrheit sprechen?
Jack verlässt den Bunker nach einer kleinen Machtdemonstration, die unsere Brüder und Cas (Misha Collins) aber nicht ernsthaft verletzt (ein nicht unwichtiger Punkt, aber mehr dazu später). In der Stadt bekommt er anhand zahlreicher Gespräche mit, dass viele Menschen sich gegenseitig belügen, ist offensichtlich (und verständlicherweise) erzürnt davon und setzt der Lügerei (weltweit) ein Ende, was uns abermals aufzeigt, wozu er fähig ist und uns das folgende, lügenfreie Szenario beschert.
Durch die Winchesters bekommen wir die Auswirkungen dieses Szenarios zu spüren. So kann Dean sich nicht mehr als FBI Agent ausgeben, Sam offenbart sich unfreiwillig als Céline Dion Fan und ein bestimmter US-Präsident legt in einer langen Ansprache seine finanziellen Verbindungen zu Russland und Nordkorea offen und bestätigt (sehr köstlich), einen dämonischen Deal mit Crowley (Mark Sheppard) zu haben. Der Humor kommt nicht zu kurz, was auch anhand der Mitarbeiter von „Mirror Universe" demonstriert wird. Unsereins kann sich da prächtig amüsieren, wenngleich es nicht lange dauert, ehe das Geschehen ins Absurde bis Lächerliche abdriftet. Aber der wesentliche Punkt wird mehr als deutlich herausgestellt und schließlich von Chuck (Rob Benedict) direkt angesprochen: Lügen helfen zuweilen, den Frieden untereinander zu bewahren.
Diese Botschaft klingt zwar nicht ganz richtig - auch mit Blick auf eines der zehn Gebote - aber es ist tatsächlich vorstellbar, dass ohne die Möglichkeit der Lüge schnell ein Chaos in der Welt entsteht, welches zu apokalyptischen Ausmaßen führen könnte. Jack hat dafür zwei Worte benötigt und eine gute Absicht gehabt. Chuck stellt die Ausgangslage mit einem Fingerschnipsen wieder her, aber die Frage, wie es um Indien bestellt ist, falls Jack nießen muss, bleibt bestehen - der Junge ist einfach zu mächtig, als dass man ihn weiter und ohne etwas wie erzieherische Maßnahmen oder eine Seele auf die Welt loslassen könnte. Ein Punkt übrigens, bei dem sich unsere Protagonisten trotz unterschiedlicher Vorstellungen, wie man mit Jack umgehen sollte, einig sind.
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Jack
Unser Nephilim muss derweil diese Woche einiges verarbeiten und zeigt bereits zu Episodenbeginn, dass der innere Lucifer keinesfalls am Steuer sitzt (der glänzt sogar durch Abwesenheit) und dass Jack durchaus lernfähig ist, was den Einsatz seiner Kräfte betrifft. Sam, Dean und Castiel werden zwar zurückgeschleudert, aber ohne, dass es mehr als ein paar kleinere Schrammen gibt. Später besucht Jack seine Großmutter Helen Kline (Chilton Crane), weil er sich von ihr weitere Gespräche über seine Mutter erhofft. Er versucht, sich an das Gute zu klammern, die guten Erinnerungen (wie den letzten Besuch bei Helen) wieder aufleben zu lassen. Sein Bestreben gibt er später gegenüber Castiel auch mit eigenen Worten wieder. „All I ever wanted was to be good.“ - das geht nahe und zeugt von seinem (guten) Ziel, das Richtige tun zu wollen. Und er ist auf dem richtigen Weg dahin, schließlich führt seine Abweisung durch Helen nicht dazu, dass sie einen „Unfall" hat - seine Augen glühen zwar auf, aber er kann sich kontrollieren.
Auch in Sachen Lügen darf Jack lernen. Der Besuch bei Helen öffnet ihm die Augen, dass selbst er, der eben noch wollte, dass jeder ausschließlich die Wahrheit spricht, bereits gelogen hat. Helen hat nachgeforscht, was Jacks angebliche berufliche Beziehung zu ihrer Tochter und deren geheime Mission angeht und schleudert ihm diese Lüge ins Gesicht. Jack findet sich plötzlich am gegenüberliegenden Ende des Auftakts wieder, die Rollen von Belogener und Lügner wurden getauscht. Ein geschickter Schachzug der Autoren, der unseren Nephilim dazu zwingt, sich mit beiden Seiten der Lügenmedaille auseinanderzusetzen.
Das Gespräch mit Cas führt anschließend zu weiteren Erkenntnissen, was Jacks eigene Natur und seinen aktuellen Zustand betrifft. Er ist innerlich leer und wenngleich er gerne etwas fühlen würde, kann er es nicht mehr. Seine Seele ist fort, was ihn zwar nicht davon abhält, gute und böse Ereignisse auseinanderzuhalten, aber eben Gefühle wie Hass oder Liebe missen lässt. Als Dean schließlich auftaucht, um die neue Waffe auf Jack zu richten, leistet dieser keinen Widerstand. Im Gegenteil, er geht auf die Knie, er versteht, bezeichnet sich selbst als Monster und ist bereit, sein Schicksal zu akzeptieren.
Ein großartig selbstloser Moment von Jack, der nicht wissen kann, dass der Einsatz der Waffe auch Dean das Leben kosten würde. Und vermutlich auch der Moment, der bei Dean ein Umdenken bewirkt - denn welches „Monster" würde schon bereitwillig den eigenen Tod akzeptieren?

Castiel
Für Castiel steht außer Frage, ob man Jack aufgeben sollte oder nicht. Eine Vernichtung des Nephilims ist keine Option für unseren Engel. Eine Alternative, nachdem die Kiste letzte Woche gescheitert ist, könnte der Käfig sein, in dem Lucifer einst gefangen war. Doch die Bemühungen von Cas, sich das vorübergehende Zuhause des Teufels näher anzuschauen, scheitern. Stattdessen tritt Chuck auf und versucht, die Strippen zu ziehen.
Bei Cas, der sich zu Beginn bereits mit Dean wegen Jack angelegt hat, hat unser göttlicher Autor aber keine Chance, ihn für die vorgeschlagene Lösung zu begeistern. Unser Engel bleibt stur und lässt nichts unversucht, um Jacks Tod zu verhindern. Entsprechend liefert er auch den Vorschlag, Chuck möge doch Jacks Seele wiederherstellen - wenn das jemand kann, dann schließlich derjenige, der die Dinger einst geschaffen hat. Doch auch dieser Versuch - mit dessen Umsetzung durch „Deus from the Machina" einige Leser gerechnet hatten - geht ins Leere. Am Ende bleibt nur noch der Vorschlag an Jack, dass man gemeinsam die Flucht ergreift, um irgendwo im Nirgendwo eine Lösung zu finden. Was ebenfalls nicht passiert.
Castiel bleibt für mich in diesem Finale die sympathischste Figur neben und mit Jack. Der Einsatz für seinen Ziehsohn ist nicht nur löblich und verständlich, sondern zeigt uns, wie menschlich unser Engel mittlerweile geworden ist. Davon kann sich das himmlische Geflügel hinter dem Sandkasten-Portal gerne mal eine Scheibe abschneiden. Ein wenig rätselhaft mag bleiben, weshalb unser ebenfalls seelenloser Engel dazu fähig ist, Jack väterlich zu lieben, aber mit Blick auf seine Vergangenheit aus den letzten Staffeln fällt das in der Tat nicht schwer und zeigt uns auf, dass auch ein seelenloser Jack vielleicht eines Tages dazu in der Lage sein könnte, ähnlich zu empfinden.
Winchesters
Sam und Dean nehmen zwar grundsätzlich ähnliche Positionen ein was Jack betrifft, sind sich aber dennoch nicht einig. Sam steht für die Balance zwischen den Extremen. Einerseits schmerzt ihn der Verlust von Mary (Samantha Smith), andererseits behält er im Blick, wie es dazu gekommen ist und vor allem durch welchen Akt Jack die beiden Brüder vor Michael gerettet hat.
Dean ist da sehr viel zugänglicher für Chucks Plan und den Einsatz der verhängnisvollen Pistole. Sehr viel hinterfragt er da nicht und akzeptiert (vielleicht etwas zu schnell), dass der Einsatz der neuen Waffe die einzige Option bietet, um Jack zu stoppen. Ich kann hier durchaus mit Dean mitfühlen, auch wenn ich es schade finde, dass er zunächst Chucks Gitarre zertrümmert (einen weiteren Song, gesungen von Rob Benedict, hätte ich gerne gehört) und kurz darauf doch mit der scheinbar einzigen Lösung mitgeht.
Sam gibt sich da sehr viel kritischer gegenüber dem Schöpfer und Autoren der „Show". Seine Fragen sind berechtigt, vor allem, was das Ausbleiben göttlicher Intervention betrifft, wenn die Lage der beiden Brüder (in der Vergangenheit wie hier) sehr aussichtlos war (ist). Schließlich würde sich jeder eine schützende Hand wünschen, erst recht, wenn einst alles darangesetzt wurde, Chuck und die gesamte Schöpfung vor Amara zu retten.
Entsprechend will Sam auch eingreifen, als Dean am Drücker ist und Jack vor ihm kniet. Sam weiß, wie falsch es wäre, wenn sein Bruder den Nephilim (und sich selbst als Folge davon) tötet. Seinen Standpunkt hat der jüngere Bruder bereits vermittelt, konnte aber nicht wirklich zu Dean durchdringen, auch wenn er vielleicht erreicht hat, dass Dean nicht sofort abdrückt.
Letzten Endes ist es an Dean, ob er den Abzug betätigt. Und da können wir uns in der Tat unsicher sein und die (An-)Spannung fühlen. Wir kennen ihn einfach zu gut und wissen, wie er mit „Monstern" umgeht (zuweilen eben auch hinter Sams Rücken). Jack hat Mary getötet und die Schuld dafür auf sich genommen, was ebenfalls dafürspricht, dass Dean abdrücken wird. Doch kurz vor knapp und mit Sicherheit durch Jacks bereitwillige Akzeptanz seines Schicksals, wächst Dean über sich hinaus und trifft die richtige Entscheidung. Selbst eine mögliche Belohnung durch Chuck kann den Ausgang nicht ändern. Hut ab, Dean! Dass du diese Kurve noch kriegst, ließ sich nicht vorhersehen.

Chuck
Wenn Chuck auftritt, dann ist die Lage für gewöhnlich sehr aussichtslos und bedarf göttlicher Hilfe. „Wow, yeah, you guys are screwed.“ Entsprechend ließ sich erwarten, dass der Autor der Supernatural-Bücher vielleicht eingreifen würde, wenn das Problem namens Jack sich nicht ohne Weiteres lösen lässt. Dabei möchte ich gleich anmerken, dass ich Chucks Kommentare zu vorherigen Staffeln (er erwähnt die Leviathane aus Staffel sieben und die britischen Men of Letters aus Staffel zwölf) durchaus lustig und auch selbstkritisch seitens der Autoren fand. Chuck durchbricht ohnehin mehr als einmal die vierte Wand, was ihm aufgrund seiner göttlichen Funktion zunächst noch sehr gut steht. Selbst mit der Einführung der Pistole wollte meine Begeisterung für Chucks neuerlichen Auftritt nicht schwinden - Opferbereitschaft für das größere Ziel ist schließlich eine der Prämissen, von denen die Serie lebt und daher eine konsequente Möglichkeit zum Thema Jack.
Dummerweise erweist sich der Helfer aber nicht als Hilfe, sondern als Gaffer. Chuck möchte sehen, wie Dean Jack (und sich selbst) tötet, ähnlich wie Abraham damals bereit war, seinen einzigen Sohn Isaak (ergo auch der Titel der Folge, denn die Opferung von Isaak sollte in Moriah stattfinden) zu opfern - mit dem Unterschied, dass Chuck hier eben nicht eingegriffen hätte, sondern auf den Tod von Jack (und Dean) aus ist. Das zeigt sich auch im Anschluss, als er Jack mit einem Fingerschnipsen in die Leere befördert, nachdem Dean sich weigert, den Abzug zu drücken.
Chuck offenbart sich damit gleichzeitig als Lügner, was meine Sympathien für ihn noch weiter sinken lässt, benutzt er unsere Protagonisten doch nur als Spielbälle zur eigenen Unterhaltung. Er hätte die ganze Zeit eingreifen können, vermutlich sogar in Sachen Seelenheilung - schließlich ist er der allmächtige Autor. Addieren wir noch dazu, dass die Winchesters ihm bei Amara geholfen haben, ist sein Auftritt hier geradezu widerlich. Ich glaube, da hätte ich am Sams Stelle auch die Pistole aufgehoben und auf Chuck gefeuert.
God was never on your side
Sams Schuss auf Chuck hätte sich übrigens prima als Cliffhanger angeboten. Was danach folgt, ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Zu den Klängen von Motörhead sehen wir zunächst, wie Jack in der Leere erwacht (Rückkehr somit nicht ausgeschlossen) und dort nicht nur von der schattenhaften Kreatur, sondern ebenfalls von Billie (Lisa Berry) erwartet wird. Ob das anschließende Chaos auch damit zusammenhängt?
Auf jeden Fall lässt die Hölle ihre Seelen wieder frei und die Welt ist in Dunkelheit gehüllt. Figuren wie John Wayne Gacy (Shaun Magee) aus Lebanon oder Mary Worthington (India Shaw-Smith) aus Bloody Mary sind wieder frei und die Toten erheben sich aus ihren Gräbern. Chuck hat das Ende eingeleitet und lässt Moriah mit einem geradezu apokalyptischen Cliffhanger enden.
Spekulationen zur weiteren Handlung lassen sich nur schwerlich anstellen (immer her damit in den Kommentaren). Wird Chuck nun zum großen Bösewicht der 15. Staffel? Billies Vorgänger hatte sich mal dazu geäußert, dass der Sensenmann unseren Schreiberling überleben würde - vielleicht wird die letzte Staffel darauf hinausarbeiten und die Schöpfung vom Schöpfer befreien?
Fazit
Moriah lässt die 14. Staffel Supernatural auf einer hohen Note enden und vereint zahlreiche Merkmale der Serie und ihrer Figuren in einem großen Finale. Humor und Drama kommen nicht zu kurz, wobei so manche Figur die Gelegenheit erhält, die eigene Einstellung zu überdenken und entsprechend zu handeln. Von mir gibt es trotz einiger kritischer Anmerkungen die volle Punktzahl. Episodenaufbau, charakterliche Züge und das große Thema Lügen sind wunderbar stimmig gestaltet und lassen uns mit einem Cliffhanger zurück, der sich sehen- und hören lassen kann. Fünf von Fünf Sternen. Und wie sieht das bei euch aus?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 27. April 2019Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x20 Trailer
(Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x20)
Schauspieler in der Episode Supernatural: Zur Hölle mit dem Bösen 14x20
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