Supernatural 12x08

© ensen Ackles als Dean Winchester in âSupernaturalâ / (c) The CW
Der Anfang
Nachdem Vince Vincente (Rick Springfield) letzte Woche das Zeitliche gesegnet hat, schlĂŒpft Lucifer dieses Mal zunĂ€chst in einen Erzbischof (Michael Querin) hinein. Die anfĂ€ngliche Sequenz kann man dabei als gelungen bezeichnen und als Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) am Ort des Geschehens eintreffen, erwartet sie ein schauriger Anblick. Lucy hat erneut eine Spur aus Leichen hinterlassen und beim Zuschauer macht sich die Hoffnung breit, dass der Lieblingsbösewicht in Form des Erzbischofs vielleicht wieder zur alten StĂ€rke zurĂŒckfindet. Und wĂ€re es nicht sehr höhnisch gegenĂŒber Gott, wenn Lucifer fortan als ranghohes Mitglied der Kirche an Macht gewinnt und aus dieser Position eine Art Hölle auf Erden inszeniert?
Leider bleibt die Hoffnung nur von kurzer Dauer, denn unter den Toten, die die Winchesters finden, befindet sich auch der Erzbischof selbst - womit die Suche nach dem MissetÀter wieder von vorne beginnt. Schade.
Lucifer of the United States (LOTUS)
Aus dem Episodentitel lĂ€sst sich relativ leicht ableiten, wessen Körper der Teufel als nĂ€chstes fĂŒr seine Machenschaften aussucht. Er gönnt dem amtierenden PrĂ€sidenten Jefferson Rooney (David Chisum) sogar einen Sitz in der ersten Reihe und verdrĂ€ngt das Bewusstsein seines Wirts nicht komplett - was der Tarnung extrem förderlich ist. Nachdem die Winchesters durch einen Tipp von Crowley (Mark Sheppard), den er wiederum von einer Quelle aus dem Secret Service (Kathleen Duborg) hat, darauf aufmerksam gemacht werden, stehen sie vor einem gewaltigen Problem. Denn dummerweise gehört der PrĂ€sident zu einem Personenkreis, an den nur sehr schwierig heranzukommen ist.

Hier hĂ€tte Lucifer nun tatsĂ€chlich die Möglichkeit gehabt, als mĂ€chtigster Mann der Welt fĂŒr Chaos zu sorgen. WĂ€hrend wir noch darauf warten, wie sich die Wahl von Donald Trump zum US-PrĂ€sidenten auf die Welt auswirken wird (Anmerkung vom Rezensenten: Sorry, lag einfach nah, den hier zu erwĂ€hnen), scheint Lucifer keinerlei Interesse zu haben, seine neu gewonnene Macht fĂŒr politische Zwecke einzusetzen. Das Chaos bleibt somit aus und beschrĂ€nkt sich stattdessen auf ein paar Witze (wie „Nuk'em.“ oder die Begnadigung von Charles Manson) und jede Menge BettgesprĂ€che mit Kelly Glen (Courtney Ford). Denn der PrĂ€sident hat offensichtlich eine AffĂ€re.
An sich wĂ€re dieser eher humoristische Ton des Teufels ja noch zu verkraften, denn immerhin sind die Episoden der Serie, die sich hauptsĂ€chlich auf den Humor konzentrieren, oftmals wirklich witzig. Nur passt das hier leider nicht. Lucifer ist nun mal keine witzige Figur. Die Rolle wird in den âunteren Etagenâ ohnehin schon lange von Crowley verkörpert und einen zweiten Crowley brauchen wir ganz sicher nicht. Lucifer muss eine ernstzunehmende Gefahr sein und bleiben, sonst kann man sich den Charakter beziehungsweise seine Auftritte gleich schenken.
Das Ende
Und gerade, wenn man meint, die Episode wird am Ende Ă€hnlich schnarchig wie die Vorfolge, passieren doch noch ein paar interessante Dinge. An erster Stelle ist dabei die Schwangerschaft von Kelly zu vermelden, welche Castiel (Misha Collins) auch direkt wahrnimmt und vermutlich noch fĂŒr groĂe Probleme in der Zukunft sorgen wird. Denn wenn man den Teufel weiterhin in der Serie haben möchte, ist die Geburt des Antichristen mal ein Plan, der einiges an Potenzial mit sich bringt. Guter Ansatz, den man vielleicht schon eher hĂ€tte bringen können.
Dabei weiĂ allerdings weniger zu gefallen, dass a) Kelly ihre Meinung darĂŒber, ob sie das Kind behalten will, wieder Ă€ndert - obwohl sie zu dem Zeitpunkt genau weiĂ, wer wirklich der Vater ist - und b) wie leicht sie Castiel entkommen kann. Gut und schön, Castiel ist noch immer recht naiv. Aber es wurde Kelly viel zu einfach gemacht, am Ende abzuhauen. Da fragt man sich auch gleich wieder, weshalb er manche seiner FĂ€higkeiten benutzen kann (Gedankenkontrolle beim Secret Service Agenten - erfolgreich) und andere (Teleportation - musste Crowley machen) wiederum nicht. Aber gut, Kelly ist jetzt erstmal weg und wird vermutlich ihr Kind austragen. Vorhersehbar wĂ€re hier, dass die Winchesters sich an ihre Fersen heften und versuchen, die Geburt des Nephilims zu verhindern. Aber ob das fĂŒr den Staffelbogen reicht? Fraglich.
Der zweite Punkt, der das Ende ein wenig merkwĂŒrdig macht, ist die Gefangennahme der Winchesters durch den Secret Service. Weshalb blieben sie noch gleich in dem Raum, im dem der PrĂ€sident am Boden lag und sind nicht - wie Castiel und Kelly - durch das Nebenzimmer abgehauen? Dieser recht forcierte Cliffhanger stört irgendwie, zumal die BrĂŒder durch VerbĂŒndete wie Castiel oder Crowley keinerlei Probleme haben sollten, in der nĂ€chsten Folge wieder freizukommen.

Scooby Gang
Episoden, in denen Crowley und Castiel an der Seite der Winchesters sind, stellen fĂŒr gewöhnlich sehr brauchbare Folgen dar. Was den Humor angeht, passt das alles auch recht gut, obwohl es keine sehr groĂen Lacher zu verbuchen gibt. Crowley kann einem da schon fast ein bisschen leidtun, wenn unsere Gang Kelly erklĂ€rt, was Sache ist und er dabei schlieĂlich den Raum verlĂ€sst. Wird wirklich Zeit, dass der King of Hell mal wieder bessere Szenen bekommt, in denen die Witze nicht auf seine Kosten gehen, sondern von ihm kommen. Im Ăbrigen wĂ€re es langsam an der Zeit, Crowleys Ambitionen wieder stĂ€rker in den Fokus zu setzen. Die Figur wirkt momentan etwas planlos, denn selbst wenn sich das Lucifer-Problem lösen lĂ€sst, wird er nicht automatisch wieder auf seinen Thron zurĂŒckkehren können.
Positiv zu erwĂ€hnen ist allerdings die Beteiligung Rowenas (Ruth Connell), die diese Woche tatsĂ€chlich hinzugezogen wird und Lucifer in die Hölle verbannen darf, wĂ€hrend Sam dafĂŒr sorgt, dass der Teufel seinen Wirt verlĂ€sst. „Go to Hell!“ - ja, das hatte was. Und die Special-Effects Abteilung hat hier auch gute Arbeit geleistet.
Bleibt allerdings die Frage offen, weshalb der Bannspruch jetzt fĂŒr einen Sieg sorgen sollte. Kann Lucy die Hölle jetzt nicht mehr verlassen? WĂ€re komisch, zumal er zuvor immer mal wieder dort war. Oder ist er jetzt wieder im KĂ€fig gelandet? Der Rezensent ist jedenfalls ein bisschen verwirrt, was Lucys jetzige Lage angeht. Und Crowley dĂŒrfte es doch gar nicht gefallen, wenn sein groĂer Konkurrent jetzt âuntenâ wieder die Regentschaft besitzt, oder?
Unterm Strich war es gut, dass es fĂŒr alle beteiligten Figuren einiges zu tun gab. Aber nachdem das Motto scheinbar âback to the rootsâ lautet (jedenfalls mit Blick auf viele Episoden der jetzigen Staffel), ist es etwas ernĂŒchternd, wenn Charaktere wie Crowley oder Castiel dabei ausgespart werden. Denn gerade bei denen wĂŒrde es sich lohnen, die âalten Zeitenâ wieder etwas aufleben zu lassen.

British Men of Letters
Mr. Ketch (David Haydn-Jones) meldet sich diese Woche zurĂŒck und darf die Winchesters unterstĂŒtzen. Das klingt mal ĂŒberhaupt nicht nach dem, was wir bereits von den Briten zu sehen bekommen haben und so richtig ĂŒber den Weg trauen ihm auch die Winchesters nicht. Aber die Waffe, die er ihnen zur VerfĂŒgung stellt, hat genau die Wirkung, die er vorhergesagt hat und lĂ€sst sich in der Tat auch bei Lucifer anwenden. Beeindruckend.
Das gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten, die die British Men of Letters (BMOL) in ihrem Arsenal haben und mit Blick auf den Erfolg der Anwendung dĂŒrften unsere BrĂŒder jetzt wieder etwas Vertrauen zu den britischen Kollegen fassen. Zumal Ketch die beiden (mit einem Granatwerfer!) auch aus einer brenzligen Situation rettet.
Es bleibt zwar zu bezweifeln, dass Mr. Ketch und Konsorten sich als âgute Freundeâ erweisen werden. Aber sie zunĂ€chst als helfende Hand den Winchesters zur Seite zu stellen, ist sicherlich besser als das, was uns die Auftaktepisoden von den Briten gezeigt haben.
Letzte Anmerkung: Habt ihr auch die Blicke von Rick Sanchez (Stephen Lobo) bemerkt? Bei dieser Figur hatte man stets den Eindruck, dass er etwas im Schilde fĂŒhrt - aber es ist nicht greifbar. Ist er womöglich ein Spitzel der BMOLs? Oder vielleicht ein DĂ€mon? Keine Ahnung warum, aber die Figur wirkte nicht ganz geheuer.
Fazit:
Unterm Strich eine Steigerung im Vergleich zur Vorwoche. Aber leider keine groĂe. GlĂŒcklicherweise taucht mit Kellys Schwangerschaft nun ein neues Problem auf dem Radar der Winchesters auf, welches groĂes Potenzial bietet und scheinbar wurde Lucifer vorerst aus dem Weg gerĂ€umt (wobei es wie gesagt fraglich ist, inwiefern diese Lösung von dauerhafter Natur sein soll). Ferner wurde der Strang um die BMOLs wieder aufgegriffen, die in Form von Mr. Ketch tatsĂ€chlich mal hilfreich zur Seite stehen. Die Serie muss aber definitiv noch mehr an den bekannten Figuren arbeiten, um zu alter StĂ€rke zurĂŒckzufinden. Hoffen wir mal, dass das den Machern nach der Pause gelingt. Von mir gibt es diese Woche 2,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 10. Dezember 2016Supernatural 12x08 Trailer
(Supernatural 12x08)
Schauspieler in der Episode Supernatural 12x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?