Supernatural 12x03

© am und Dean in âSupernaturalâ / (c) The CW
Team-up against the devil
Lucifer (Rick Springfield) hat Rowena (Ruth Connell) in seiner Gewalt und bemerkt, dass sein neuer Wirt ihn nicht mehr lange wird beherbergen können. Da liegt es auf der Hand, dass Rowena ihm helfen und den drohenden Verfall von Vince stoppen soll. Aber kann er ihr trotz einiger Drohungen trauen?
Nein, natĂŒrlich nicht. Es ist Rowena und somit lieĂ sich kommen sehen, dass sie zwar einen Zauber ausfĂŒhrt, dieser aber nicht die von Lucifer gewĂŒnschte Wirkung haben wĂŒrde. Sie wird nun aber vorsichtig sein mĂŒssen, denn wenn der âPrince of Darknessâ ihr nĂ€chstes Mal ĂŒber den Weg lĂ€uft, wird er seine Drohung sicher wahr machen und vielleicht ihren rothaarigen Kopf dort verstecken, wo auch immer er gerade durch ihren Zauber gelandet ist - natĂŒrlich getrennt vom Rest des Körpers.
Diese kleine Nebenhandlung zeigt uns aber noch mehr als bloĂ Rowena, wie sie sich aus den FĂ€ngen Lucifers befreien kann. Castiel (Misha Collins) weiĂ nĂ€mlich ebenfalls, dass der Teufel noch irgendwo da drauĂen ist und fĂŒhlt sich (alleine) dafĂŒr verantwortlich. Somit lĂ€sst er Sam (Jared Padalecki) und Dean (Jensen Ackles) im Bunker zurĂŒck und begibt sich auf den Weg, den ein gewisser Crowley (Mark Sheppard) bereits beschritten hat.

Castiels Entscheidung, alleine loszuziehen, wirkt zunĂ€chst dumm. Jeder der Beteiligten weiĂ, wie gefĂ€hrlich und mĂ€chtig Lucifer ist und wie schwierig es war, ihn damals in den KĂ€fig zu verfrachten. Da macht er sich nun allen Ernstes alleine auf den Weg und will die Winchesters erst kontaktieren, wenn er fĂŒndig geworden ist? Passt nicht so ganz ins Bild und wirkt eher wie eine ins Skript geschriebene Ausrede, um den Engel abseits der Haupthandlung zu haben.
Allerdings ist das anschlieĂende (unfreiwillige) Team-up mit Crowley mehr als amĂŒsant. Die beiden laufen sich nĂ€mlich ĂŒber den Weg und nach anfĂ€nglichem Zögern lĂ€sst sich Castiel darauf ein, gemeinsame Sache mit dem ehemaligen King of Hell zu machen, was fĂŒr mehrere witzige Momente sorgt. Agent BeyoncĂ©? Ein BrĂŒller. Mal schauen, mit welchen Namen er demnĂ€chst noch um die Ecke kommt (âAgent Gagaâ wĂ€re Ă€hnlich passend).
Unterm Strich war natĂŒrlich gut, dass man Castiel eine neue Aufgabe gibt, obwohl sein Umgang mit Mary (Samantha Smith) auch einiges fĂŒr sich hatte. Er hatte im Bunker abgesehen von den kleineren Konversationen nicht besonders viel zu tun (warten, wĂ€hrend die anderen schlafen oder es versuchen, hört sich auch nicht gerade spannend an). Jetzt ist er also erstmal mit Crowley (und Rowena) unterwegs, was eine recht nette Abwechslung ist. Schade nur, dass es zu Lucifers PlĂ€nen nichts Neues gab. Gut, er braucht einen stabilen Wirt und es ist möglich, dass wir Rick Springfield bereits zum letzten Mal in der Rolle gesehen haben (jedenfalls, sofern er tatsĂ€chlich âfull Iggy Popâ ging). Aber was den Plan danach angeht, gibt es noch keine Hinweise. Bleibt uns nur, die weiteren Entwicklungen abzuwarten und das Beste zu hoffen.
Fall der Woche
Mit Mary an Bord bekommt das âHunting Businessâ einen erfrischend neuen Touch, auch wenn Sam am Ende richtigliegt, wenn er meint, dass die Jagd bloĂ ein Weg fĂŒr Mama Winchester ist, um sich von ihrer neuen Situation abzulenken (KunststĂŒck, denn Sam und Dean haben es oft nicht anders gemacht). Aber mehr zur Familiensituation spĂ€ter.
WĂ€hrend man sonst oft mit den Augen rollt, wenn es mal wieder einen bösen Geist (Cameron Grierson) gibt, der sein Unwesen in einem verlassenen Haus treibt, wirkt das Abenteuer hier nicht nur durch die Anwesenheit von Mary frischer. Wobei âfrischâ vielleicht nicht das richtige Wort ist. âOld schoolâ beschreibt es besser, denn zumindest beim Rezensenten kam das GefĂŒhl auf, hier einen Fall vor sich zu haben, wie es sie einst zuhauf in den ersten Staffeln der Serie gab. Das Horror-Element, was Supernatural heutzutage leider nicht mehr sehr oft verwendet, kommt stĂ€rker zum Zuge und auch wenn wir derartige FĂ€lle bereits mehrfach gesehen haben, bleibt eine unheimliche, gruselige Stimmung in der Handlung. Mag daran liegen, dass es um kleine Kinder ging, die von Hugo Moriarty beziehungsweise seinem Geist getötet wurden oder am GerĂ€usch schreiender Babys (wie gruselig war bitte die Nahaufnahme in der Krippe?) oder dass man wider besseren Wissens nicht sicher ist, ob Mary nicht doch unvermittelt stirbt oder sich durch den Griff von Lucas (Christian Convery) etwas Schwerwiegenderes eingefangen hat.
Auf jeden Fall wohnte dem Abenteuer eine unheimliche Spannung bei, wie es sie schon lĂ€nger nicht mehr zu spĂŒren gab. Sieht ganz so aus, als wenn die neuen Showrunner (und gleichzeitig alten Hasen der Serie) Robert Singer und Andrew Dabb ihren Job richtig angehen - und das, ohne vorerst einen neuen Ăbergegner vorzustellen.

Winchesters
Dass es in dem Fall der Woche um Kinder ging, spielte natĂŒrlich auch etwas in die neuen UmstĂ€nde rein, die Mary umgeben. Sie muss sich nĂ€mlich nicht nur mit der weiterentwickelten Technik zurechtfinden, sondern hat einen ganzen Stapel von VerĂ€nderungen vor sich, der sich nicht einfach verarbeiten lĂ€sst. Sam und Dean hĂ€tte eigentlich schon ein Licht aufgehen mĂŒssen, als sie mit neuer Frisur am FrĂŒhstĂŒckstisch auftauchte - wenn Frauen derart radikal ihr Aussehen verĂ€ndern, ist meistens etwas im Busch.
Wobei Mary sich allerdings verdammt gut in den JĂ€geralltag einfĂŒgt. Da werden Witze ĂŒber Sams lange Haare gemacht oder die Musik im Impala aufgedreht. Oft wird somit der Eindruck geweckt, hier das neue Winchester-Team vor sich zu haben, auch wenn Mary ab und zu auĂen vorsteht, weil sie nicht weiĂ, wie sie das Internet nutzen kann und lieber zum Telefon greift oder die Nachbarschaft befragen will. Ihr Weg, der sich auch wieder als âold schoolâ beschreiben lĂ€sst, bringt aber auch Vorteile mit und ergĂ€nzt die Ermittlungen, die Sam und Dean im Netz durchfĂŒhren, auf gelungene Art und Weise. Sie ist daher kein fĂŒnftes Rad am Wagen, sondern kann durch ihre Vorgehensweise durchaus punkten.
Was Dean nicht sehen will und Sam wĂ€hrend der Episode öfter mal anspricht, stellt sich spĂ€ter allerdings als Tatsache heraus. Der Fall sollte Mary von ihrer neuen Situation ablenken. Ăhnlich, wie ihre Söhne es auch des Ăfteren getan haben, wenn sie sich nicht mit dem Hier und Jetzt auseinandersetzen wollten, dient ihr die Jagd als vorĂŒbergehender Ausweg. Aber sie hat die letzten 33 Jahre verpasst. Sie hat nicht miterlebt, wie sich die Welt weiterentwickelt hat. Sie hat nicht sehen können, wie ihre Söhne aufgewachsen sind. Sie muss sich wie eine Zeitreisende vorkommen, die sich plötzlich in der Zukunft wiederfindet und nicht mehr zurĂŒck kann.
Ihr Entschluss, den Bunker zu verlassen und sich etwas Zeit zu genehmigen, um hoffentlich in der Gegenwart anzukommen und den Schock zu ĂŒberwinden, der offensichtlich noch in ihr steckt, ist nachvollziehbar. Wir können sehen, dass es ihr nicht leichtfĂ€llt, ihre Söhne vorerst zurĂŒckzulassen, aber sie braucht verstĂ€ndlicherweise etwas Luft und die kann sie nur bekommen, wenn sie nicht permanent von ihren jetzt erwachsenen Söhnen umgeben ist und stĂ€ndig daran erinnert wird, was sie alles verpasst hat.

Und Sam und Dean? Die sind natĂŒrlich sichtlich bedröppelt, als Mama ihren vorĂŒbergehenden Abschied verkĂŒndet. Besonders hart trifft es Dean, dem gĂ€nzlich die Worte fehlen und dessen Blick nur den FuĂboden anpeilt. Als Zuschauer mag man sich auch etwas wundern, weshalb Mary bereits in der dritten Folge ihren Hut nimmt und nicht erst noch fĂŒr ein paar Episoden dabei bleibt. Aber der Moment ist durchaus passend gewĂ€hlt, denn eine spĂ€ter angesetzte Auszeit wĂŒrde ihre GrĂŒnde nur schmĂ€lern. Aber wer weiĂ, vielleicht bekommen wir nĂ€chste Woche trotzdem etwas von Mary zu sehen - bloĂ, weil sie jetzt ohne Sam und Dean unterwegs ist, kann man ihr schlieĂlich trotzdem einen kleinen Handlungsbogen verpassen. Andererseits, aber das ist reine Spekulation, wĂ€re ihre RĂŒckkehr weitaus dramatischer, wenn sie fĂŒr einige Folgen abwesend bleibt und sich schlieĂlich in einer misslichen Lage vorfindet - beispielsweise in den HĂ€nden von Mr. Ketch, der sich diese Woche noch nicht blicken lĂ€sst.
Fazit:
Eine sehr gute Episode, die so ziemlich alles bietet, was die Serie ausmacht. Castiel und Crowley sorgen fĂŒr die amĂŒsanteren Szenen, es gab einen Fall, wie man ihn aus den AnfĂ€ngen der Serie kennt und vor allem die Entwicklungen innerhalb der Winchester-Familie sorgen fĂŒr das nötige Drama. Beste Folge der aktuellen Staffel bislang, was hoffentlich nicht (nur) der Abwesenheit der britischen Men of Letters geschuldet ist. Kleinere MĂ€ngel wie beispielsweise Castiels Aufbruch sind allerdings vorhanden. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 29. Oktober 2016Supernatural 12x03 Trailer
(Supernatural 12x03)
Schauspieler in der Episode Supernatural 12x03
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