Supernatural 11x06

© zenenfoto aus der âSupernaturalâ-Episode âOur Little Worldâ / (c) The CW
Broken Angels
Castiel (Misha Collins) ist in der Supernatural-Episode Our Little World mal wieder aktiv mit von der Partie - auch wenn sein Hobby mittlerweile die ZĂŒge des âEndstadiumsâ eines Serienjunkies annimmt. Völlig apathisch schaut er sich Wiederholungen des Tagesprogramms an. Und als Dean (Jensen Ackles) ihm rĂ€t, mal wieder frische Luft zu schnappen, bringt er es zunĂ€chst nicht mal fertig, den Bunker zu verlassen.
Entsprechend fertig erleben wir unseren Engel zu Beginn der Folge. Tiefe AugenrĂ€nder, Lustlosigkeit, die ganze Aufmerksamkeit auf belanglose TV-Sendungen fokussiert, die ab und an mal eine emotionale Reaktion hervorrufen. GlĂŒcklicherweise Ă€ndert sich das, als er zufĂ€llig Metatron (Curtis Armstrong) in einer der Wiederholungen erblickt, welcher sich seinen Lebensunterhalt mit Sensationsvideos verdient, die er an TV-Sender verhökert. Ăhnlich wie es Jake Gyllenhaal in „Nightcrawler“ tat.
Hier nimmt der Handlungsstrang dann auch gehörig an Fahrt auf, vor allem was die dramatische und charakterliche Ebene angeht. Metatron schafft es nÀmlich ziemlich treffend, Castiels jetzigen Zustand zu beschreiben und liefert eine Salve verbaler Munition nach der anderen ab. Dabei ist er seinem himmlischen Kollegen körperlich - dank fehlender Grace - eindeutig unterlegen. Uns wird mehr als deutlich gezeigt, dass Castiel seine vergangenen Traumata - nicht zuletzt Rowenas (Ruth Connell) Zauber und deren Auswirkungen - noch nicht verarbeitet hat.
Es ist schon recht schmerzhaft, Cas bei alledem zuzuschauen und auch wenn er am Ende Metatron in seine Schranken verweist und neben der DĂ€monentafel wichtige Informationen ĂŒber Amara (nĂ€chste Schauspielerin: Samantha Isler) erhĂ€lt, wird man das GefĂŒhl nicht los, es hier mit einer innerlich gebrochenen Persönlichkeit zu tun zu haben. Mal schauen, ob er sich in den nĂ€chsten Episoden wieder etwas fĂ€ngt. Immerhin ist er ja jetzt wieder voll am Geschehen beteiligt, und mit einem Ziel vor Augen lĂ€sst es sich besser leben, auch wenn der Schuh der vergangenen Miseren weiterhin drĂŒckt.

Metatron auf der anderen Seite kommt zunĂ€chst gewohnt selbstbewusst rĂŒber und weckt den Anschein, dass er sich mit dem Menschsein und seinem jetzigen Job abgefunden hat. Aber wir können im Folgenverlauf hinter die Fassade blicken und sehen einen gebrochenen (ehemaligen) Engel, der sich sein Dasein gĂ€nzlich anders vorgestellt hatte. Zwar weiĂ man beim Schreiberling Gottes nicht immer, wann er seine echten Ansichten preisgibt. Aber es lĂ€sst sich vermuten, dass er gegen Ende ehrlich und offen ĂŒber sein jetziges Leben gesprochen hat. Curtis Armstrong ist dabei darstellerisch kein Jake Gyllenhaal, aber hier wird auch eine andere Schiene eingeschlagen, als es âNightcrawlerâ tat. Und es gibt tatsĂ€chlich Momente, in denen der Zuschauer Mitleid fĂŒr Metatron empfindet. Aber das Highlight ist natĂŒrlich, als er von Gott spricht und uns offenbart, was es mit Amara auf sich hat: The Darkness, His sister.
King of Hell
Crowley (Mark Sheppard) sieht sich derweil der Aufgabe gegenĂŒber, seine rebellische Ziehtochter Amara unter Kontrolle zu halten. Wir erfahren nun, dass sie in Thin Lizzie ausgebĂŒxt ist, weil er ihr untersagt hatte, die Seelen seiner DĂ€monen zu verspeisen - was uns diese Woche anhand der ausgedĂŒnnten Gefolgsleute unseres Höllenkönigs veranschaulicht wird.
Crowley gibt sich alle nur erdenkliche MĂŒhe, Amara im Zaum zu halten. Er möchte, dass sie ihn trotz seiner erzieherischen MaĂnahmen gutheiĂt, möglichst lange mit ihm kooperiert, seine RatschlĂ€ge und sein Wissen zu schĂ€tzen weiĂ. Ihm ist schlieĂlich bewusst, dass er ihr frĂŒher oder spĂ€ter unterlegen sein wird. Entsprechend versucht er, sie möglichst geschickt zu manipulieren.
Aber am Ende kann man sein Vorhaben da nur als gescheitert bezeichnen. Seine Unterlegenheit manifestiert sich nĂ€mlich frĂŒher, als man noch zu Beginn der Episode annehmen konnte. Und Amara weist ihren Ziehvater in seine Schranken - da hat auch die LektĂŒre von ErziehungsbĂŒchern nichts genutzt. (Anmerkung am Rande: Witzig ĂŒbrigens, dass die Seelenanzahl der Hölle eine Ă€hnlich groĂe Rolle spielt wie die Gewinne von groĂen Firmen - ein Seitenhieb auf das kapitalistische System?) Uns stellt sich somit die Frage, wie und ob sich der King of Hell von seiner Niederlage erholen wird. Fraglich scheint auĂerdem, wie viel er ĂŒber Amaras mythologische Rolle weiĂ. Dass sie sehr mĂ€chtig wird, klar, war ihm bekannt. Aber ob er wohl wusste, dass er es hier mit Gottes Schwester zu tun hatte?
Wie dem auch sei, es kommt nicht sehr oft vor, dass Crowley den KĂŒrzeren ziehen muss. In einigen Momenten lieĂ sich sogar befĂŒrchten, dass Amara sich an seiner Seele verköstigen wĂŒrde. Aber ganz so weit gehen die Macher dann doch (noch?) nicht, was einerseits vielleicht etwas unlogisch erscheint (weshalb sollte Amara ihn nicht aus dem Weg rĂ€umen?), uns andererseits aber eine beliebte Figur erhĂ€lt, die frĂŒher oder spĂ€ter zurĂŒckschlagen wird. Hoffentlich frĂŒher.
God's only kin
Amara wird zusehends mĂ€chtiger und jedes Mal, wenn eine neue Darstellerin ihre Rolle ĂŒbernimmt, hat sie den nĂ€chsten Schritt zur Allmacht vollzogen. Wir erfahren diese Woche, dass âAllmachtâ in der Tat das ist, wohin sich die Figur entwickeln wird. Denn wenn Gott eine Schwester hat, dĂŒrfte sie ebenfalls allmĂ€chtig sein.
Aber bleiben wir zunĂ€chst bei der Folge. Noch scheint die aufmĂŒpfige Teenagerin im Wachstum zu sein und findet sich nach ihren Abenteuern in Crowleys FĂ€ngen wieder, der ihre heimlichen AusflĂŒge in die Menschenwelt tadelt. Auf eine bizarre Art und Weise lĂ€sst sich sogar verstehen, dass das MĂ€dchen mehr von âder Welt da drauĂenâ sehen möchte und den Belehrungen und Anstrengungen ihres unfreiwilligen Ziehvaters mĂŒde wird. Ihr Trotz, als Crowley ihr beispielsweise eine weitere Seele anbietet und sie dann mit I'm not hungry antwortet, bleibt somit nachvollziehbar. Wir können uns in sie hineinversetzen und sind gespannt darauf, ob und wann sie es schaffen wird, ihrem momentanen GefĂ€ngnis zu entkommen.
Dieser Spannungsknoten platzt anschlieĂend und weit frĂŒher, als man es vielleicht erwartet hĂ€tte. Mag sein, dass manche den Machtwechsel zwischen ihr und Crowley als verfrĂŒht empfinden werden, aber nach der Offenbarung ihrer Rolle war es genau der richtige Weg, sie bereits jetzt wieder auf die StraĂe zu schicken. Und mit dem Gedanken daran, dass sie Gottes Schwester ist und sich entsprechend mĂ€chtig entwickeln wird, verfehlt auch das Abschlusslied, bei dem wir Amara wieder unter Menschen sehen, nicht seine Wirkung. Girl - da schwant einem schon, dass die Macher sich hier GroĂes vorgenommen haben und die Winchesters kein leichtes Spiel haben werden.
Mysteriös bleibt allerdings noch Amaras Verbindung zu Dean. Hier wirkt es an einigen Stellen gerade so, als wenn sich da was Romantisches anbahnen könnte. Eine gewisse Neugierde auf die Schöpfung ihres Bruders ist sicher vorhanden und Dean als erster Mensch, dem sie begegnet ist, war damit etwas Besonderes (nicht zuletzt natĂŒrlich auch, weil er das Kainsmal trug). Aber sollte sich hier wirklich eine romantische Beziehung anbahnen, wĂ€re das nicht nur sehr bizarr (Hey, ich bin mit Gottes Schwester zusammen), sondern geradezu abstrus. SchlieĂlich fehlt momentan noch eine ErklĂ€rung dafĂŒr, weshalb sie den Ă€lteren Winchester-Bruder nicht als reine Nahrungsquelle wahrnimmt - Kainsmal hin oder her.
Andererseits ist es natĂŒrlich gut, dass wir hier keine Wiederholung eines bereits abgeschlossenen Themas prĂ€sentiert bekommen. Denn wenn Amara sich Deans Seele einverleibt hĂ€tte, wĂ€ren wir wohl wieder in der sechsten Staffel angelangt.
Winchesters

Sehr positiv fĂ€llt diese Woche bei Sam (Jared Padalecki) und Dean auf, wie sie den aktuellen Fall gemeinsam angehen. Das Zusammenspiel passt und zwar, obwohl sich die beiden mal wieder einiges verschweigen (Sam seine Visionen und Dean seine ominöse Verbindung zu Amara). Sehr schön war auch die Entwicklung wĂ€hrend der Spurensuche zu beobachten. Hatte es anfangs noch den Anschein, dass die beiden âbloĂâ erfahren, dass Crowley sich Amara angenommen hat, spielt The Darkness am Ende doch viel tiefgreifender in das Leben der BrĂŒder hinein.
Storytechnisch werden sie durch das Ableben von Len (Jared Gertner), dem somit wohl keine weiteren Gastauftritte beschert werden, auf Amara und Crowley aufmerksam gemacht, was ein durchaus guter Kniff ist und die KontinuitĂ€t von letzter zu dieser Woche wahrt. Auch Sams Anliegen, das FamiliengeschĂ€ft von „hunting things“ auf „saving people“ zu fokussieren, wird beim Kampf gegen die DĂ€monen wieder deutlich. WĂ€hrend Dean schon bei der Befragung des ersten DĂ€mons die Klinge wetzt, will Sam doch tatsĂ€chlich einen Exorzismus durchfĂŒhren - genau der Punkt, der sich zuvor des Ăfteren bemĂ€ngeln lieĂ, wenn die BrĂŒder diesen Versuch erst gar nicht unternahmen. Kritisieren lĂ€sst sich allerdings trotzdem, wie einfach Sams Kampf gegen die dĂ€monischen Gegenspieler verlĂ€uft - schlieĂlich sollten selbst die niederen DĂ€monen ĂŒber groĂe KrĂ€fte und Ausdauer verfĂŒgen und sich nicht so leicht im Zweikampf besiegen lassen.
Was den Zuschauer aber so richtig aus den Socken haut, sind Sams Visionen, die uns diesmal tatsĂ€chlich einen KĂ€fig zeigen, aus dem jemand raus möchte. Viele Möglichkeiten bleiben da jetzt nicht mehr fĂŒr den Ursprung von Sams Bildern im Kopf. Luzifer oder Michael? Mit Blick auf die mythologische Entwicklung könnte jeder der beiden ĂŒber zusĂ€tzliche Informationen darĂŒber verfĂŒgen, wie Amara beizukommen ist - und wer immer das auch ist, will Sam offensichtlich helfen.
Womit wir auch schon beim nĂ€chsten Punkt wĂ€ren. Sam und Dean konnten in der fünften Staffel die Apokalypse stoppen. Aber werden sie The Darkness ebenfalls mehr oder weniger alleine aufhalten können oder wird der Schöpfer persönlich noch aktiv? Es bleibt auf jeden Fall spannend.
Fazit:
Our Little World ist eine groĂartige Supernatural-Folge, an der es kaum was zu kritisieren gibt. Der Humor mag diese Woche etwas zu kurz kommen und die DĂ€monen haben ihre Bedrohlichkeit schon lange eingebĂŒĂt. Aber figurentechnisch wurde sichtlich Arbeit in die Folge gesteckt und sĂ€mtliche Offenbarungen fĂŒgen sich wunderbar in das Geschehen ein. Die aktuelle Staffel weiĂ somit auch diese Woche positiv zu ĂŒberraschen. Von mir gibt es diesmal 4,5 von 5 Sternen.
Der Serientrailer zur Episode Plush der Serie Supernatural (11x07):
Verfasser: Christian SchÀfer am Freitag, 13. November 2015Supernatural 11x06 Trailer
(Supernatural 11x06)
Schauspieler in der Episode Supernatural 11x06
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