Supergirl 3x08

Supergirl 3x08

Es ist mal wieder Crossover-Zeit im Arrowverse: Die Helden und Heldinnen von The CW vereinen abermals ihre Kräfte, um den Mächten des Bösen gemeinsam entgegenzutreten. Im vierteiligen TV-Event Crisis on Earth-X bekommen es die Superfreunde dabei mit fiesen Nazis aus einer Parallelwelt zu tun.

Iris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin) in „Crisis on Earth-X, Part 1“ (c) The CW
Iris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin) in „Crisis on Earth-X, Part 1“ (c) The CW
© ris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin) in „Crisis on Earth-X, Part 1“ (c) The CW

Es wurde im Vorfeld groß vorbereitet und stilvoll angekündigt, nun ist es endlich so weit: Nach ein paar größeren, ausladenden sowie kleineren Crossover-Events von The CW zu seinen vier Superheldenserien Arrow, The Flash, Supergirl und Legends of Tomorrow lässt man es in dieser Woche mal wieder richtig krachen. An zwei Abenden strahlt man in den USA das neueste gemeinsame Abenteuer der hauseigenen DC-Ikonen aus, „Crisis on Earth-X“, das auch hier bei SERIENJUNKIES.DE® in seiner Gänze von meinem Kollegen Adam Arndt und meiner Wenigkeit mit Reviews begleitet wird.

Den Auftakt macht „Supergirl“ mit Crisis on Earth-X, Part 1, wobei gleich von Beginn an deutlich wird, dass die Macher um den neuerdings umstrittenen Andrew Kreisberg (Serienjunkies.de berichtete) und Marc Guggenheim keine Grenzen zwischen den unterschiedlichen Formaten kennen. Es handelt sich hier fast schon um eine Art eigenständige Miniserie, was zum Beispiel auch das eigens für dieses Serienereignis kreierte kurze Intro unterstreicht. Um die zahlreichen Charaktere zusammenzuführen, nutzt man indes einen romantischen Anlass, auf den in der aktuellen Staffel von „The Flash“ sukzessive hingearbeitet wurde: Die Vermählung von Iris (Candice Patton) und Barry (Grant Gustin), die alle ihre Freunde, Nächsten und Liebsten dazu eingeladen haben, an diesem wunderschönen Moment in ihrem Leben teilzuhaben.

Best wedding ever?

Doch mit den idyllischen Festivitäten ist es schon bald vorbei, denn die gesamte Hochzeitsgesellschaft sieht sich urplötzlich dem Angriff von ein paar finsteren Superschurken und deren Nazischergen ausgesetzt. Diese stammen wiederum von einer der vielen Parallelwelten des Multiversums, in der Deutschland einst den Zweiten Weltkrieg für sich entschieden hat und die Welt sich folglich ganz anders gestaltet hat, als wir sie kennen. Die Rebellion gegen das Nazi-Regime auf Earth-X wird brutal niedergeschlagen, während die bedrohlichen Superbösewichte aus dem ersten Teil des Crossovers aus noch nicht komplett ersichtlichen Gründen die guten Helden des Multiversums attackieren.

Bring back the hope

In Zeiten, in denen der politisch rechte Flügel global, ob nun in den USA, in Deutschland oder in vielen anderen Ländern, traurigerweise erstarkt ist, kommt „Crisis on Earth-X“ zu einem interessanten Zeitpunkt. Von der ersten Minute an macht man keinen Hehl aus der fürchterlichen Bedrohung, die von den Antagonisten dieses Crossover-Events ausgeht. Dabei treibt man es bei der Darstellung von Earth-X comicmäßig auf die Spitze und hält sich in der Darstellung von Nazi-Ikonografie, zum Beispiel durch gewaltige Banner mit riesigen Hakenkreuzen, nicht zurück. So entsteht vom Start weg ein sehr unbequemes Gefühl beim Zuschauer, der mit einer schrecklichen, faschistischen Dystopie konfrontiert wird.

Vor allem hierzulande darf man gespannt sein, wie sich die Ausstrahlung dieser Folgen im Free-TV gestalten wird. Nicht nur mit Blick auf das Publikum, sondern auch auf die Inhalte dieser Episoden. Doch wie bereits erwähnt stehen Themen wie „Alt-Right“-Bewegungen, Neo-Nazi-Aufmärsche sowie eine neue Welle an Ignoranz und Fremdenhass auch in den Vereinigten Staaten derzeit im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Diskurses. Da kann es schon einmal guttun, wenn die strahlenden Superfreunde der DC-Serienwelt gemeinschaftlich ein paar Nazis auf den Deckel geben. Um es mit dem Worten des legendären Archäeologen und Universitätsprofessors Dr. Henry Walton Jones Jr. zu halten, der im ersten Teil von „Crisis on Earth-X“ sogar indirekt zitiert wird: „Nazis. I hate these guys.

The CW
The CW - © The CW

Commitments

Die Auftaktepisode dieses Crossover-Events gestaltet sich als eine sehr klassische Einführung (mit der einen oder anderen rührseligen Montage) in die Geschichte, um den zentralen Konflikt dieses Ereignisses zu etablieren. Neben den schauerlichen Anfangsminuten, in denen Jimmy Olson aka Guardian (Mehcad Brooks) auf Earth-X gegen „Dark Arrow“ den Kürzeren zieht, und dem furiosen Ende der Folge, als es zum Angriff der Parallelweltnazis kommt, widmet man sich aber auch sehr ausführlich den vielen zwischenmenschlichen Momenten, die sich im Zuge der Hochzeitsvorbereitungen und dem eigentlichen Festakt ergeben. Dabei greift man ein paar persönliche Probleme von verschiedenen Figuren auf, die man aber gut nachvollziehen kann, auch wenn man bei einer oder mehreren der vier Arrowverse-Serien nicht auf dem aktuellen Stand ist.

So sehr sich die Gäste von Iris und Barry über deren Liebesglück freuen, die Hochzeit der beiden löst einige unerwünschte Gegenreaktionen aus. Kara (Melissa Benoist) wird so zum Beispiel an ihre Beziehung mit Rückkehrer Mon-El (Chris Wood) erinnert, der seit neuestem verheiratet ist, was zum Herzschmerz der jungen Superheldin nur noch beiträgt. Als sie sich in einer Szene Barry anvertraut, dass für sie wohl nur ein Leben als Supergirl infrage kommt, ganz ohne Dasein als normaler Erdenbürger mit Hoffnungen auf eine erfüllende Liebe, möchte man die niedergeschlagene Kara fast schon durch die Mattscheibe hindurch trösten. Auch ihre Schwester Alex (Chyler Leigh) wird schmerzvoll an ihre Fasteheschließung mit Maggie erinnert, was große Wunden hinterlassen hat, die nun wiederum auf gewisse Art und Weise geheilt werden...

Making things go away

Das perfekte Paar Iris und Barry bringt ebenfalls Oliver (Stephen Amell) zum Grübeln, der sich überlegt, gemeinsam mit Felicity (Emily Bett Rickards) den nächsten Schritt zu wagen. Diese ist von der Idee aber eher weniger angetan, was zu einer recht unangenehmen Situation vor versammelter Mannschaft führt. Es menschelt also gewaltig zwischen den vielen Charakteren des Arrowverse, was dank gewohnt charmanter Darbietungen der Darstellerriege auch ganz lockerleicht von der Hand geht. Jemand wie Melissa Benoist sticht hier wohl noch am meisten heraus, was aber auch damit zu tun hat, dass Supergirl aktuell die emotional kohärenteste Superheldenserie von The CW ist. Hier fühlt sich ihr Marsch durch das tiefe Tal der Tränen am authentischsten an, aber auch die anderen, beziehungslastigen Szenen sind mehr als solide.

Put a ring on it

Im Fall von Arrow kann man eventuell noch am ehesten darüber diskutieren, ob der Ausflug von Felicity und Oliver nach Central City zum richtigen Zeitpunkt kommt, aber auch die beiden haben in den letzten Wochen ihre neue Art der Beziehung als zusammengewürfelte Familie (inklusive Olivers Sohn William) auf eine neue Ebene gehoben. Bei den Legends of Tomorrow ist es derweil völlig egal, wo sie sich plotmäßig gerade befinden, aufgrund der Zeitreisethematik und teilweise recht Procedural-artigem Aufbau der Episoden. So ergibt die Zusammenführung der Freunde erst einmal im Großen und Ganzen Sinn, sowohl logistisch als auch thematisch.

Während die Einzelgeschichten der Figuren aus „Supergirl“, „Arrow“ und The Flash mehr im Zeichen der Liebe stehen, spinnt man derweil den „Legends“-Nebenplot um Jackson (Franz Drameh) und Prof. Stein (Victor Garber) weiter, die das gemeinsame Kapitel Firestorm nach wie vor ad acta legen und losgelöst voneinander weiterleben wollen. Da können eventuell Cisco (Carlos Valdes) und Harrison Wells (Tom Cavanagh) von Hilfe sein, doch Stein doktert wenig später an seinem eigenen Mittelchen herum, das ihn und Jackson trennt, letzteren aber neue Kräfte als Superheld geben könnte. Neben einer weiteren „Spider-Man“-Referenz (bereits in der letzten Folge von „The Flash“ war die freundliche Marvel-Spinne aus der Nachbarschaft kurz Thema) entfaltet sich diese Randgeschichte nur bedingt. Teilweise wirkt es fast so, als hätte man noch ein wenig Material gebraucht, um die Episode zu füllen, also bedient man sich dieses Dilemmas zwischen Jackson und Stein. Wirklich störend sind die Szenen nicht, aber es wäre im Rahmen dieses Crossover-Event womöglich auch ohne sie gegangen.

The CW
The CW - © The CW

Peace is overrated

Die gesparte Zeit hätte man zum Beispiel für mehr Informationen über Earth-X nutzen können, eine Welt, die aufgrund ihrer Darstellung natürlich im Kopf hängen bleibt, deren Abgründe und Terror man aber eventuell auch noch mehr vertiefen hätte können, um die Bedrohung noch greifbarer zu machen. Möglich, dass man sich all dies für die weiteren Folgen des Crossovers aufgehoben hat, aber gerade zum Auftakt einer solchen vierteiligen Erzählung kann man gerne etwas mehr Zeit in Exposition investieren, um die Einsätze gleich zu Beginn zu erhöhen. Am Ende dieser Folge ist wie bereits erwähnt auch noch nicht wirklich klar, was die Superschurken um „SS-Girl“, Reverse-Flash und Dark Arrow wirklich wollen, selbst wenn man es sich bereits denken kann...

Die wuchtige Auseinandersetzung in den finalen Minuten der Folge stellt derweil einen der Höhepunkte dar. Gerade, als der Pfarrer zur alles entscheidenden Frage ansetzt, wird dieser pulverisiert und das Chaos bricht aus. Die Verantwortlichen finden in all dem Tohuwabohu ein paar sehenswerte Einzelmomente, so zum Beispiel Wally (Keiynan Lonsdale), der bei der Evakuierung hilft, die wandelnde one-liner-Maschine Mick Rory (Dominic Purcell) oder auch Caitlin aka Killer Frost (Danielle Panabaker), die sich mit einer coolen Eisklinge durch die Nazi-Horden metzelt. Am prominentesten profilieren sich jedoch Alex und Sara (Caity Lotz), die am Vorabend noch einen wilden One-Night-Stand miteinander hatten und nun in unnachahmlicher Tag-Team-Manier Backpfeifen verteilen. Dabei machen sie Prometheus von Earth-X dingfest, den die Freunden nun mit nach Informationen ausquetschen können.

Misery loves company

Das Duo Sara und Alex macht in Aktion großen Spaß und die erfrischende Dynamik zwischen diesen beiden Badass-Charakteren kann sich definitiv sehen lassen. Ich störe mich hier, wenn, dann überhaupt nur daran, dass man die zwei prominentesten homosexuellen Figuren des Arrowverse aufeinandertreffen lässt und sich natürlich sofort eine sexuelle Spannung zwischen den beiden aufbaut, die sich letzten Endes auch noch entlädt. Auf der anderen Seite kann ich Alex nach den jüngsten Nackenschlägen auch ein wenig verstehen, ebenso wie Kara, die es auf den Punkt bringt: Alex hat viel durchgemacht, jetzt hat sie einen spaßigen Abend verbracht. Was ist also schon dabei?

Running home to you

Darüber hinaus wird an allen Ecken und Enden ordentlich ausgeteilt, insbesondere Supergirl muss ihrem faschistischen Ebenbild in einem luftigen Zweikampf Paroli bieten. Bevor die Kirche, wo es eigentlich zu einem unvergesslichen Moment für Iris und Barry kommen sollte (an den Angriff der Nazis werden sie sich sicherlich auch noch sehr lange erinnern), im Zuge des „grande finale“ demoliert wird, findet der erste Teil von „Crisis on Earth-X“ aber noch Zeit für ein paar sehr herzliche Momentaufnahmen, die fast schon mehr nachhallen als all die bösen Nazis und kurzweiligen Kampfchoreografien zum Schluss. Neben einer schönen musikalischen Performance von Kara beziehungsweise Melissa Benoist (eine kleine Hommage an das emotionale Ende des wunderbaren Crossovers zwischen „The Flash“ und „Supergirl“ ist es mal wieder Joe (Jesse L. Martin), das Herz und die Seele von „The Flash“, ja vielleicht dem gesamten Arrowverse, der sich hervortut.

Bei seiner emotionalen Ode an Iris und Barry sowie an die Liebe per se wird einem ganz warm ums Herz und man merkt den Effekt seiner Worte jedem einzelnen der geladenen Gäste an. Mit seiner Ansprache trifft Joe wie so oft ins Schwarze. Gleichzeitig, da muss man sich auch nichts vormachen, ist es so, dass all dies für manch einen Zuschauer zu schön, zu rosarot, zu schmalzig sein könnte. Es wird dick aufgetragen, für mein Empfinden gelingt es aber glaubhaft und sehr herzlich, diese universelle Botschaft der Liebe (hört sich das nicht furchtbar an?) seinem Publikum mit auf den Weg zu geben. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen faschistoide Kleingeister und im konkreten Fall von „Crisis on Earth-X“ echte Nazis aus allen Löchern gekrochen kommen, kann man sich an eine derartige simple Aussage, dass Liebe alles überwinden kann, doch auch mal ein wenig festklammern, oder?

Trailer zum Crossover-Event „Crisis on Earth-X“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 28. November 2017

Supergirl 3x08 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 8
(Supergirl 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Krise auf Erde X
Titel der Episode im Original
Crisis on Earth-X, Part 1
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 27. November 2017 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. Mai 2018
Regisseur
Larry Teng

Schauspieler in der Episode Supergirl 3x08

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