Supergirl 2x08

Supergirl 2x08

Medusa fungiert als Startschuss für das große Crossover-Event zwischen den DC-Superheldenserien auf The CW. Die Episode erzählt jedoch die meiste Zeit seine eigenen, spannende Geschichte und markiert ein insgesamt sehr gelungenes Winterfinale der zweiten Staffel von Supergirl.

Kara (Melissa Benoist) in „Medusa“ / (c) The CW
Kara (Melissa Benoist) in „Medusa“ / (c) The CW

Fans von Superheldenserien steht in dieser Woche beim amerikanischen TV-Sender The CW die DC Week bevor, ein kleines Großereignis im Rahmen der insgesamt vier Superheldenformate des Networks - namentlich Supergirl, The Flash, Arrow und Legends of Tomorrow - bei dem es zum Crossover und „Team-Up“ der verschiedenen Helden und Heldeninnen kommt, die gemeinsam eine außerirdische Bedrohung bekämpfen müssen. Daher auch der Titel „Humans V Aliens“. Wir von SERIENJUNKIES.DE® begleiten dieses Crossover-Event mit Reviews und beginnen heute mit einem Blick auf das erste Kapitel des vierteiligen Events: die Supergirl-Episode Medusa (1).

Wobei man gleich zu Beginn eine kleine Einschränkung machen muss: Der groß angekündigte Kampf zwischen der Superheldengruppierung und zerstörerischen Aliens nimmt in der aktuellen „Supergirl“-Episode nur eine kleine Nebenrolle ein, nutzt man doch eigentlich nur die letzten Sekunden von „Medusa“, um zu zeigen, wie Kara aka Supergirl (Melissa Benoist) von Barry aka The Flash (Grant Gustin) rekrutiert wird. Aus diesem Grund wollen wir den Fokus etwas mehr auf „Supergirl“ an sich legen, das mit dieser Folge gleichzeitig in die Winterpause geht und damit eine bisher sehr starke erste Hälfte seiner zweiten Staffel hinter sich hat. Der Senderwechsel und einige Anpassungen haben sich ausgezahlt, selbst wenn hier und da ein paar altbekannte Probleme der Serie zu erkennen sind.

Not a regular Life

Medusa“ widmet sich überwiegend dem zentralen, mehrere Episoden übergreifenden Handlungsstrang um die alienfeindliche Terrorgruppierung Project Cadmus, welche bis dato Team Supergirl vor zahlreiche Herausforderungen gestellt hat. Nun wird der Masterplan von Lena Luthors Mutter und Oberschurkin Lillian Luthor (Brenda Strong), mit Hilfe des zurückgekehrten Hank Henshaw aka Cyborg Superman in die Tat umgesetzt. Sie wollen sämtlichen außerirdischen Lebensformen auf der Erde den Garaus machen. Dies soll durch den Einsatz der kryptonischen Biowaffe Medusa, ein tödlicher Virus für alle Aliens die keine Kryptonier sind, erreicht werden. Jedoch haben Kara und ihre Freunde hier noch ein Wörtchen mitzureden.

Legacy

Die Geschichte um Project Cadmus wurde von den Serienmachern in der ersten Hälfte der zweiten Staffel von „Supergirl“ sehr behutsam und durchaus geschickt Woche für Woche weiterentwickelt, sodass sich ein interessanter roter Faden gesponnen hat, der nun seinen vorzeitigen Höhepunkt erreicht. Im Vergleich zur ersten Staffel merkt man den deutlich serielleren Einschlag, den die Macher verfolgen, auch wenn es zwischendurch immer wieder klassische Bedrohungen der Woche zu bekämpfen und die unterschiedlichsten Probleme zu lösen gibt. Insgesamt hat man sich etwas von der Methode entfernt, immer wieder die Moralapostel zu spielen, was sich positiv auf die Gesamthandlung und die Charakterentwicklungen auswirkt.

Supergirl, das liegt in der Natur dieser Heldenfigur, spielt nach wie vor immer wieder die Strahlefrau und hat darüber hinaus natürlich auch die eine oder andere Weisheit oder Lektion pro Episode parat, die sie mit ihrem jungen Publikum teilen möchte. Aber nicht nur, dass diese Momentaufnahmen in der zweiten Staffel wesentlich nuancierter daherkommen, sie werden auch geschickter in die Handlung eingebaut, sodass sich der in der ersten Staffel etwas übertriebene Pathos im Rahmen hält. Das Ergebnis: Die Episoden fühlen sich allesamt etwas runder und organischer an, der Erzählfluss wirkt natürlich und wenig aufgesetzt.

© The CW
© The CW

The new Normal

Man macht tatsächlich einen Schritt vorwärts und lässt die Lehrzeit Karas ein Stück weit hinter sich. Was nicht bedeutet, dass die junge Heldin schon am Ende ihrer Reise und Ausbildung ist, ganz im Gegenteil. Der von mir schon oft erwähnte Holzhammer, bleibt in der zweiten Staffel jedoch glücklicherweise häufiger unter Verschluss. Anstelle uns, wie in der Premierenstaffel mit einer neuen Lehrstunde für unsere Protagonistin zu bombardieren, vertraut man jetzt auf länger angelegte Charakterentwicklungen, wovon die ohnehin grundsympathische und überaus talentierte Darstellerriege nur profitieren kann.

So findet sich Kara zum Beispiel in der Rolle der Mentorin für Neuling Mon-El (Chris Wood) wieder, was ihr als Persönlichkeit eine ganze neue Facette als Alien beziehungsweise Fremdling in der Welt der Menschen gibt. Darüber hinaus kommt Alex nun mehr zum Zug und erhält eine sehr persönliche, intime sowie emotionale Nebenhandlung, bei der sie sich auf die Suche nach ihrem eigenen Ich begibt und der Frage nachgeht, was sie eigentlich wirklich will. Ihr Coming-out ist einfühlsam vorbereitet und dient nicht nur dazu, um Karas Schwester ein neues Label zu verpassen. Es ist eine spannende, nachvollziehbar dargestellte Weiterentwicklung des Charakters, die zum Ende von Medusa (1), als Alex (nach wie vor stark gespielt von Chyler Leigh) und die taffe Polizistin Maggie (Floriana Lima) doch noch zusammenkommen, mit einer mehr als verdienten, herzerwärmenden Momentaufnahme untermauert wird.

Ripped Apart

Auch J'onn J'onzz (David Harewood) bekommt als Figur mehr Freiheiten, seine tragische Vergangenheit zu verarbeiten und neue Bekanntschaften zu knüpfen, selbst wenn diese unschöne Überraschungen für ihn bereithalten. Da fallen die Geschichten um Winn (Jeremy Jordan), der Mann für alles beim DEO, und James (Mehcad Brooks) schon noch am ehesten ab, wobei man hier mit James' neuer Superheldenidentität Guardian entgegensteuern will, um den Charakter nicht zu kurz kommen zu lassen. In der Summe schlagen die Serienmacher mit dem sehr charakterzentrischen Ansatz aber neue, vielversprechende Wege ein, während es gelingt, schmerzhafte Abgänge wie zum Beispiel den von Calista Flockhart als Cat Grant sehr einfach vergessen zu machen. Klar wünscht man sich ab und zu die direkte, einzigartige Art Cats zurück. Auf der anderen Seite, war der Charakter in der Rolle als allwissende Mentorin vielleicht aber auch ein Stück weit erschöpft, weshalb es jetzt gut ist, dass Kara etwas „flügge“ geworden ist und sich von ihr losgelöst hat.

Better Safe than Sorry

Ein Faktor für die ausgezeichnete „Form“ der Serie, spielt mit Sicherheit auch der gelungene Wechsel von CBS zu The CW, obgleich es in Sachen Einschaltquoten wöchentlich ein kleines Hin und Her für die Maid aus Stahl ist. Das jugendliche, frische Format passt aber perfekt zu The CW und fühlt sich dort wie am richtig Ort an, während die Macher jetzt auch genau wissen, für was für ein Publikum sie ihre Serie produzieren. Es scheint fast so, als wären die von CBS angelegten Fesseln ein bisschen gelockert worden, auf dass Supergirl nun frei drauflosfliegen kann. Eine (erzählerische) Chance, die die Autoren mit Sicherheit gerne wahrnehmen.

Die Produktionsqualität leidet bisher zumindest nur marginal unter den Budgetkürzungen, die mit dem Senderwechsel einhergegangen sind. Manch außerirdische Lebensform sieht zwar schrecklich klobig aus, und auch der eine oder andere Effekt könnte etwas geschmeidiger verpackt sein. Im Großen und Ganzen bewegen wir uns für The CW-Verhältnisse aber auf einem gehobenen Niveau. Manchmal könnte man sogar meinen, dass die anderen Superheldenserien (vor allem The Flash, in der sich in der dritten Staffel schon so manche CGI-Verfehlung eingeschlichen hat) des Senders etwas von ihrem Effektbudget haben freimachen müssen, damit Supergirl formschön durch die Lüfte segeln kann.

© The CW
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Distractions

Abgesehen davon, versprüht Supergirl nach wie vor einen ganz eigenen Charme und sehr viel Elan und Schwung, was die Episoden wunderbar kurzweilig macht. Die verschiedenen Charaktere und ihre Interaktion untereinander, spaßige und lockerleichte Szenen zwischendurch (die Einführung einer eigenen „Mos Eisley Cantina“ für alle Art Aliens ist Gold wert), launige Action-Setpieces und der tolle Cast sorgen für sehr gute Unterhaltung und machen „Supergirl“ zu dem Superheldengesamtpaket, das mir persönlich unter den The CW-Ablegern von DC in dieser TV-Season am meisten Freude bereitet. Das spiegelt sich auch im Midseason-Finale Medusa (1) wieder, in dem die Balance aus sehenswerten Charaktermomenten und aufregenden, mitreißenden Plot stimmt - wobei man ein paar kleine Einschränkungen machen muss.

So ist mir persönlich mal wieder das scheinbar unstillbare Bedürfnis der Autoren, Kara schnellstmöglich zu verkuppeln, ein Dorn im Auge. In gewisser Weise kann ich ja verstehen, dass Mon-El Gefühle für seine „Aufpasserin“ Kara entwickelt. Dass es jetzt zum Staffelhalbfinale bereits so weit ist, war nicht nur extrem vorhersehbar, sondern ist leider auch etwas platt. Man kann nur hoffen, dass es nicht zu einer ähnlich quälenden „Romanze“ wie in der ersten Staffel zwischen Kara und James kommen wird. Ebenfalls etwas bitter, stößt mir die plötzliche Wunderheilung von J'onn J'onnz, der nach einer lebensrettenden Bluttransfusion durch M'gann M'orzz (insgeheim ein White Martian, die mit für den Niedergang von J'onns Volk verantwortlich gewesen ist und Buße leisten will) vor einer drastischen Veränderung stand. Fachfrau Eliza Danvers mischt aber schnell etwas aus dem Medusa-Virus zusammen, womit auch dieses Problem gelöst ist. Das ging einfach. Und ein potentiell hochspannendes Dilemma für eine unserer Hauptfiguren wird verschwendet.

The perfect Weapon

Neben diesen Kritikpunkten, habe ich aber nicht viel an „Medusa“ auszusetzen, eher das Gegenteil ist der Fall, präsentiert man uns doch eine insgesamt sehr gute Episode, die man problemlos als zwischenzeitlichen Staffelhöhepunkt bezeichnen kann. Vor allem Karas neuerliche Erkenntnis, dass ihr Vater an der kryptonischen Massenvernichtungswaffe gearbeitet hatte (als Schutz von Krypton, falls der Planet von anderen Aliens invadiert wird) und die Folgen hallen nach. Auch wenn Karas Vater sein Volk schützen wollte, was gab ihm das Recht, einen derartig schrecklichen Virus zu erschaffen, der nun das Leben von abertausend Unschuldigen bedroht?

Die Parallele zu Lena Luthor, erneut sehr überzeugend von Katie McGrath verkörpert, und der problematischen Beziehung zu ihrer Mutter, ist ein Detail, das von den Autoren interessant aufgearbeitet wird. Tatsächlich könnte man sich vorstellen, dass Lena jetzt doch gemeinsame Sache mit Lillian Luthor macht, um endlich Lillians Ansehen und Respekt sowie die mütterliche Zuneigung bekommt, die ihr immer verwehrt geblieben ist. Doch Lena ist anders als ihre Mutter, deren einziges Streben es ist, ihren Sohn zu rächen und alle außerirdischen Lebensformen auf der Erde auszulöschen. Ihre (Adoptiv)Mutter kann sich Lena nicht aussuchen, aber das heißt nicht, dass man dieser nacheifern muss. Genau wie Kara, die mit den Fehlern und teilweise brutalen Handlungen ihrer Eltern leben muss, aber trotzdem zu einer besseren Person werden kann.

Fazit

Supergirl verabschiedet sich etwas früher als die anderen Superheldenserien von The CW in seine Winterpause und tischt uns mit Medusa (1) einen spannenden, mitunter sehr emotionalen sowie unterhaltsamen Abschluss der ersten Hälfte der zweiten Staffel von „Supergirl“ auf, der nicht viel zu wünschen übrig lässt. Vollkommen zurücklehnen kann sich Kara aber noch nicht, muss sie doch den anderen Superhelden wie „The Flash“ oder „The Green Arrow“ noch unter die Arme greifen und deren Heimat vor gemeinen Außerirdischen beschützen. Ob eine Modifikation des Medusa-Virus vielleicht eine Möglichkeit wäre? Oder ist das moralisch einfach zu verwerflich? Wir werden es sehen.

Zur Rückkehr von Supergirl im neuen Jahr dürfen wir gespannt sein, wie die Geschichte um Mon-El, der anscheinend ein gesuchter Mann im Universum ist, weitergehen wird. Ob Project Cadmus wirklich schon am Ende ist und wann beziehungsweise wie Cyborg Superman zurückschlagen wird. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, kann welcher Plot auch immer kommen, so lange die Macher den eingeschlagenen Weg mit dem Fokus auf die Charaktere, ihrer Entwicklung und komplexen Beziehungen untereinander beibehalten. An diesem sehr soliden Unterbau muss nicht viel geändert werden. Manchmal kann Fernsehen eben unfassbar einfach sein.

Trailer zum zweiten Teil des DC-Crossover-Events „Humans V Aliens“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 29. November 2016

Supergirl 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(Supergirl 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Projekt Medusa
Titel der Episode im Original
Medusa (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 28. November 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 10. Mai 2017
Autoren
Jessica Queller, Derek Simon
Regisseur
Stefan Pleszczynski

Schauspieler in der Episode Supergirl 2x08

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