Suits 6x03

So mancher wird es mir übelnehmen, aber die neue Richtung, die Suits seit dieser Staffel einzuschlagen scheint, gefällt mir überhaupt nicht. Sicher, dass Mike (Patrick J. Adams) den Preis für seinen jahrelangen Schwindel zu zahlen hatte, war mutig und nur konsequent. Doch unter dieser Neuordnung der Charakterkonstellation leidet die Serie leider und weiß anscheinend bis jetzt noch nicht so richtig, wie sie wieder auf einen besseren Pfad zurückfinden soll.
Alles beim Alten
Doch erst einmal zum Inhalt: Mike hat immer noch Probleme im Knast, denn „Big Bad“ Frank Gallo (Paul Schulze) möchte ihm immer noch das Leben schwer machen. Letzte Woche hat Kollegin Pörschke noch bemerkt, dass die Autoren alles tun, damit uns Mikes neuer Zellengenosse Kevin (Erik Palladino) ans Herz wächst. Und so wird auch diese Woche versucht, aus Kevin den liebsten, ehrlichsten und tollsten Kerl zu machen, den es überhaupt gibt. Da Gallo Mike in der Küche nicht erreichen kann, knöpft er sich also stattdessen Kevin in der Dusche vor, der sich quasi heroisch für seinen neuen Freund aufopfert und die Schläge kassiert. Was ein Prachtkerl.
Spätestens am Ende der Episode weiß man dann auch, warum Kevin uns Zuschauern so nahe gebracht wird: Um früher aus dem Gefängnis entlassen zu werden, soll Mike seinen neuen besten Freund aushorchen, denn der hat noch Informationen zu einem anderen, größeren Verbrechen. Aber er ist doch so nett! Keiner der Charaktere war bisher hinter Gittern und doch habe ich irgendwie das Gefühl, diesen Handlungsstrang zum gefühlt zehnten Mal zu sehen, so vorhersehbar wirkt das alles.
Ähnliches muss ich von Harvey (Gabriel Macht) und seiner Suche nach einem neuen Klienten für die Kanzlei sagen, denn auch dieses Spielchen spielen wir nun gefühlt zum fünfzehnten Mal durch, auch wenn ich mir hieraus für die nächsten Episoden wenigstens ein paar interessante Machtspielchen erhoffe.
A Two Gallon Bottle of Prune Juice
Unterhaltsamer ist da schon der Handlungsstrang um Louis (Rick Hoffman) und seine Versuche zur Untervermietung der Kanzleiräume. Zwar wird auch hier das Geschehen sehr auf das klassisch Formelhafte reduziert - irgendwelche Einblicke in den Charakter oder andere Tiefsinnigkeiten sucht man vergebens - doch Lewis ist einfach immer für ein Schmunzeln gut. Und seine verbalen Gefechte mit Aktienhändler Stu (Ian Reed Kesler) sind wirklich unterhaltsam, auch wenn Stus bro talk teilweise recht übertrieben wirkt.
Ein einziger Lichtblick ist diesmal ausgerechnet Rachel (Meghan Markle), die für mich eigentlich sonst zu den eher nervigen Charakteren der Serie gehört. Doch in dieser Woche zeigt sie, was in ihr steckt. So wird sie in einer Ethikdebatte an der Universität durch eine Kommilitonin persönlich angegriffen, woraufhin ihr Professor (Malcolm Gets) ihr anbietet, für ihn im Innocence Project an einem Fall zu arbeiten. Verlässt Rachel jedoch plötzlich den Kurs, würde sie vor allen ihr Gesicht verlieren und ihre Konkurrentin hätte gewonnen.
Und auf einmal sehen wir wieder, wie in Suits klassischerweise Probleme gelöst werden: Anstatt sich zu entscheiden, nimmt sich die taffe Rachel einfach beides. Sie demütigt ihre Kontrahentin und zwingt sie dazu, eine peinliche Entschuldigung vorzulesen. Erst danach verlässt sie den Kurs, um sich dem Innocence Project zuzuwenden. Ehre gerettet, alles bekommen, was man wollte - so macht man das in dieser Welt, bravo.
Und damit hat dieser Handlungsstrang auch die einzig echte charakterlich Interessante Entwicklung parat. Denn statt wie früher zu irgendeinem Kollegen zu rennen - naja, ein kurzer Ratschlag von Jessica (Gina Torres) muss es doch sein, aber das sei ihr verziehen - und ihre Probleme von anderen lösen zu lassen, nimmt Rachel ihr Schicksal, ganz Powerfrau, selbst in die Hand. Ein kleiner Funken des alten „Suits“-Charmes springt hier doch noch über.
Fazit
Mittlerweile kommt mir das Intro zu „Suits“ vor, als wäre es das Intro zu einer anderen Serie, denn es verkörpert alles, was ursprünglich zu den Markenzeichen der Geschichten rund um die Kanzlei gehörte: smarte, coole Typen, die in viel zu teuren Anzügen und viel zu schicken Büros mit einer Prise Drama, aber vor allem mit einer gewissen Leichtigkeit und mit Charme ihre Fälle lösten.
Davon ist momentan leider wenig zu spüren, „Suits“ fühlt sich an wie eine „Saturday Night Live“-Parodie seiner selbst. Alle führen überdramatische Gespräche, unterlegt von bedeutungsschwangerer Musik, alles muss unbedingt noch schlimmer, noch dramatischer sein als die Szene davor - das fühlt sich leider mehr nach Seifenoper als nach „Suits“ an. Sicher, solche Momente gehörten immer zur Serie, aber nicht zu diesem absurd überhöhten Grad, in dem sie uns in den letzten Wochen präsentiert wurden.
Trailer zur Episode „Turn“ (6x04) der US-Serie „Suits“:
Verfasser: Benedikt Pichl am Dienstag, 2. August 2016Suits 6x03 Trailer
(Suits 6x03)
Schauspieler in der Episode Suits 6x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?