Suits 5x10

Suits 5x10

Die Episode Faith zwingt Harvey und Mike dazu, sich den großen Dramen ihrer Vergangenheit zu widmen und bringt gleichzeitig den Status quo der Gegenwart in Gefahr. Jessica gerät ins Fadenkreuz von Jack und über Mike zeigt sich wieder mal das übliche Damoklesschwert.

Mike (Patrick J. Adams) sucht Rat bei seinem Pfarrer Walker (Scott Michael Campbell) in der Serie „Suits“ / (c) USA Network
Mike (Patrick J. Adams) sucht Rat bei seinem Pfarrer Walker (Scott Michael Campbell) in der Serie „Suits“ / (c) USA Network

In der Suits-Episode Faith werfen Mike (Patrick J. Adams) und Harvey (Gabriel Macht) einen Blick in die Vergangenheit und fassen endlich die heißen Eisen an: den Tod von Mikes Eltern und die Untreue von Harveys Mutter. Wir sind hautnah dabei, leiden und hoffen mit den beiden, bis zu dem Punkt, an dem die Gegenwart sich grausamen Einzug in die Melancholie verschafft.

Was passiert in der Episode?

Der erste Rückblick der Episode ist die wohl furchtbarste Szene, die in der Suits-Mythologie existiert und von dem wir schon oft gehört haben: der Moment, in dem der kleine Mike vom Unfalltod seiner Eltern erfährt. Wir sind dabei, wie er morgens die Treppe runterrennt und nach seinen Eltern fragt, um sie nach einem Streit zu umarmen. Naja, wenn zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wird, dann verliert man emotional schnell den Anschluss, aber das gemeinsame Entsetzen von Großmutter und Enkel, nachdem die unfassbare Information auf dem Tisch liegt, holt den Zuschauer zurück ins Boot. Mike wendet sich in seiner Verzweiflung gegen die Großmutter Edith (Rebecca Schull) und flüchtet sich in Wut.

In der Gegenwart geraten mal wieder Jessica (Gina Torres) und Jack Soloff (John Pyper-Ferguson) aneinander, dieses Mal ist die Chefin selbst im Fadenkreuz des Querschießers. Jack bringt eine Abstimmung an, die über ihre Absetzung entscheiden könnte.

Direkt gehen wir wieder zurück in die Vergangenheit, jetzt ist Harvey an der Reihe. Wir sind dabei, wie er zum wiederholten Male seine Mutter beim Fremdgehen im Familienhaus erwischt. Die große Frage für ihn ist, ob er es seinem Vater erzählen soll. Das ist auch der Auslöser für die Erinnerung, die er in der Therapiestunde teilt.

Doch bleiben wir ein bisschen bei dem kleinen Mike (Jacob Buster), der sich weigert, zur Beerdigung in die Kirche zu gehen, weil er den Abschied von seinen Eltern ohnehin verpasst hat. Sein Priester, Father Walker (Scott Michael Campbell), redet ihm ins Gewissen, das schlagende Argument ist, dass er nicht alleine ist, solange er seine Großmutter hat - und in dieser Konstellation muss man sich gegenseitig beistehen.

Das gilt auch noch gut zehn Jahre später, als die Großmutter den mittlerweile jugendlichen Mike darauf anspricht, was mit ihm los sei. Seine Begabung bringt ihm gute Noten ein, auch wenn er die Schule schwänzt und sich offensichtlich keine Mühe gibt. Das lässt Granny nicht durchgehen und schickt den kleinen Rebellen wieder zu Father Walker. Es geht um die Bücher, die er weggeschmissen hat. Sie sind wichtige Erinnerungen an seine Eltern, mit denen er nicht umgehen will. Mike könnte kaum pubertierender reagieren, als der Priester ihn vor die Wahl stellt.

Doch das Teendrama geht weiter: Mike klaut aus dem Klingelbeutel und eröffnet dem Pfarrer, dass er auf eine öffentliche Schule wechseln wird, um der Aufsicht von Father Walker zu entkommen.

Parallel zu diesen Gesprächen bekommen wir eines zwischen den beiden in der Seriengegenwart. Mike beichtet seinem Kindheitspfarrer, doch der weigert sich, dem Verfolgten so einfach die Absolution zu erteilen. Doch dann schlägt Mike durch die Rückgabe des einst gestohlenen Geldes die Brücke zu damals. Father Walker weiß von dem Konflikt zwischen Mike und Trevor. Das führt den Disput auf den Höhepunkt und Mike gibt zu, dass er sich aus Angst an seinen Kindheitspfarrer gewandt hat. Er hat Angst, Rachel zu verlieren. Walker zeigt ihm die Bücher seiner Eltern, was zu einem tränenüberströmten Fakeanwalt führt, der sich zu Hause die Widmung in dem Buch durchliest, die kaum offensichtlicher sein könnte: „Michael, remember, the people who love you will always be there to help when you're in trouble. Love, Mom & Dad.

Schließlich treffen die beiden Kanzleifreunde in der Gegenwart aufeinander und Mike gibt Harvey seine Kündigung. Harvey, überrascht von den Ereignissen, findet sofort die richtigen Worte. Er ist nicht enttäuscht von seinem Ziehsohn, sondern die beiden sind sich näher als jemals zuvor.

Mike gibt seiner Verlobten seine Kündigung bekannt, Rachel (Meghan Markle) lächelt friedlich in sich hinein. Auch Harvey und Jessica nehmen einen kurzen Abschied von ihrem Freund.

Doch dann bricht die unausweichliche Realität in die Situation - er wird festgenommen, wegen Verschwörung zum Betrug.

Doch bis dahin muss der ältere Topdog noch sein eigenes Abenteuer durchstehen. Der junge Harvey tut angesichts der Probleme mit seiner Mutter (Laura Allen, die zwei Jahre jünger ist als Gabriel Macht) das, was er immer noch tut: Er wendet sich dem Alkohol zu, nur die Bars sind damals noch nicht so luxuriös. Er trifft sich mit seinem Vater (James McCaffrey), dem er dann schweren Herzens doch nicht von der Untreue der Mutter erzählt.

Harveys Lösung ist die Frage, ob er den Sommer über bei Jessica bleiben kann. Die gibt ihm einen wichtigen Rat: Wenn er in der Kanzlei anfangen will, muss er schwierige Gespräche überstehen und da darf er nicht jetzt schon vor einem Gespräch mit seinem Vater kneifen. Seinen Einwand, das eine sei Familie, das andere Arbeit, lässt sie nicht gelten und gibt ihm ein frühes, vielleicht das erste Liebesgeständnis: „But if you come work here, we're gonna be family too.

Zu Hause läuft alles nicht so glatt. Denn als sein Vater mit seinem Bruder und dem Nebenbuhler, der auch ein Freund des Vaters ist, zum familiären Abendessen aufschlägt, rastet Harvey aus und flüchtet ohne Erklärung aus der Situation. Das lässt der Vater nicht auf sich sitzen und fordert den Sohn im Boxring heraus. Im Kampf wird das Geheimnis um die Untreue der Mutter an die Oberfläche geprügelt und die Ehe endet. Gabriel Macht ist die perfekte Besetzung für die Figur Harvey, doch ihn als beleidigten Jugendlichen durchgehen zu lassen, der den 13 Jahre älteren James McCaffrey als seinem Vater eine schwierige Offenbarung machen soll, geht am Ende der Boxszene doch ziemlich in Richtung Lächerlichkeit. Das könnte natürlich auch an den Autoren liegen: „What was your mother doing?“ „Bobby!

Harveys Bruder Marcus (Billy Miller) wirft dem Anwalt vor, ihn und den Vater alleine zu lassen und Harvey tut genau das: Er zieht aus dem Familienhaus aus und beginnt sein Glamourleben.

Während Mike und Harvey ihren Erinnerungen nachhängen, sind Jessica und Louis (Rick Hoffman) alleine in der Kanzlei, um die Gefahr abzuwenden. Sie müssen genügend Stimmen sammeln, um Jessicas Position zu retten.

Louis droht Hardman (David Costabile) und der bestätigt noch einmal, was wir wissen: Sein Ziel ist die Zerstörung der Kanzleifamilie. Jessica und Louis finden eine Lösung, doch dafür brauchen sie Harvey, der aber unauffindbar ist. Da rastet auch die Eiskalte mal aus und zerstört ihr Büro. Doch Rettung naht in altvertrauter Form von Donna (Sarah Rafferty). Sie soll Harvey finden und geht direkt zu Paula Agard (Christina Cole). Dort ist sie wieder ganz Donna, die Situation durchschauend und mit ihrer Gesprächspartnerin spielend. Die Abstimmung beginnt, in letzter Minute stürmt Harvey rein und rettet seine Mentorin.

Ein kleiner Extrarückblick wird uns auch noch gegönnt: Jessica kommt nach Hause, um ihrem Ehemann, ja, Ehemann, Quentin (Russell Hornsby) zu erzählen, dass Harvey bei ihr wohnen will. Unter Zeitdruck erfahren wir, dass Jessica niemandem von ihrer Ehe erzählt hat und dass Quentin ohnehin die Scheidung will, weil er keinen Raum in Jessicas Leben neben ihrer Arbeit findet. Die Nachricht ist deutlich: Die Familie von Pearson Specter Litt besteht aus Verlassenen, die Einsamen, die sich zusammen gefunden haben. Sie sind gut in ihrem Job, weil sie sich durch die schlimmen Erfahrungen eine Härte angeeignet haben, aber auch sie brauchen Beistand, den sie nur beieinander finden, weil sie sich gegenseitig verstehen.

Familie

Wie so oft in der Serie Suits sind die Parallelen zwischen den Storys unübersehbar. In der Episode Faith geht es kurz gesagt darum, wie die Arbeitsfamilie das Wegbrechen der echten Familie auffangen kann. Und wie trotzdem offene Wunden bleiben, wenn die Eltern nicht da sind. Es wäre auch nicht unsere geliebte Kanzlei, wenn am Ende das komplette Aus durch eine Festnahme droht. Kurz zu selbiger: Der Vorwurf lautet auf Verschwörung zum Betrug. Alles deutet darauf hin, dass er gerade in dem Moment, als er seine Lebenslüge beenden will, für diese geschnappt wird.

Aber kann das wirklich sein? Wie soll die Serie weitergehen, wenn Mike als Möchtegernanwalt enttarnt wird und niemals in die Kanzlei zurückkehren kann? Vielleicht drehen sich die Vorwürfe auch wieder mal um andere Dinge. Es wäre nicht das erste Mal und es ist ja auch nicht so, dass die Kanzleifamilie nicht öfter mal nebulöse Wege beschreitet. Wir müssen abwarten, was da noch auf uns und Mike zukommt.

Doch die Hintergrundstorys in der Episode überzeugen jetzt bereits. Auch wenn die Autoren es sich hin und wieder nicht verkneifen können, in Sachen Emotionalität über die Stränge zu schlagen. Immerhin gibt uns das die Gelegenheit, angesichts der traurigen Ereignisse ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Beide Hauptfiguren haben früh auf verschiedene Arten ihre Familien verloren. Mike durch den Tod seiner Eltern, Harvey durch die Untreue seiner Mutter. Beide haben sich im ersten Moment gegen die zurückgebliebenen Familienmitglieder gewandt, Mike ist wütend auf seine Großmutter geworden, weil sie ihn nicht geweckt hat und Harvey hat seinen Vater und seinen Bruder alleine gelassen und ein eigenes Leben angefangen. Auf lange Sicht hat Mike seine Entscheidung zwar revidiert, aber Harvey nicht. Er ist nicht fähig, sich auf emotionale Konflikte einzulassen und flüchtet, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

Das ist auch der Grund, warum er bei Dr. Agard hockt und uns alte Storys erzählt, während Mikes Geschichte sich mit der Gegenwart vermischt. Mike denkt über seinen Konflikt nach und findet eine Lösung, auch wenn die vielleicht zu spät kommt. Harveys aktuelle Probleme werden weiterhin ohne ihn abgehandelt, zum Beispiel zwischen Donna und seiner Therapeutin. Für ihn dauert es noch, bis er sich seinem Trauma wirklich stellen kann, auch wenn er noch nie so nah dran war wie im Moment.

Die Szenarien der beiden, wie sie in der Episode Faith präsentiert werden, haben einiges gemeinsam. Beide haben sich nach einem Trauma alleine in der Welt gefühlt, doch Mike ist derjenige, mit dem man mehr mitfühlen kann. Harvey hingegen ist nicht das Opfer in der Geschichte, das Opfer sind sein Vater und vor allem sein Bruder. Auch sie wurden von der Mutter hintergangen und anschließend noch vom Bruder zurückgelassen.

Fazit

Die Episode Faith wühlt alte Traumata auf und trifft dabei direkt ins Herz. Die Rückblicke sind gut gemacht und vor allem gut im Zusammenhang mit der Seriengegenwart platziert. Während die beiden Freunde versuchen, ihre Familiendramen in den Griff zu bekommen, wird in der Gegenwart die Kanzleifamilie bedroht, gerettet und am Ende auf spektakuläre Weise wieder zerrissen.

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 27. August 2015

Suits 5x10 Trailer

Episode
Staffel 5, Episode 10
(Suits 5x10)
Deutscher Titel der Episode
Kuhhandel
Titel der Episode im Original
Faith
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 26. August 2015 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 3. Mai 2016
Autor
Genevieve Sparling
Regisseur
Anton Cropper

Schauspieler in der Episode Suits 5x10

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