Suits 5x07

I am ready to talk about my mother
Die siebte Folge der fünften Staffel von Suits fĂ€ngt mit einer RĂŒckblende in die jungen Jahre von Harvey Specter (Gabriel Macht) an. In die sehr jungen Jahre, um genau zu sein. Der kleine Harvey kommt frĂŒher aus der Schule zurĂŒck und findet seine Mutter mit einem fremden Mann in ihrem Zimmer vor. Sie sagt ihm, es handle sich um einen Cousin, von dem er seinem Vater nichts erzĂ€hlen mĂŒsse.
Wie wir uns zurĂŒckerinnern, endete die letzte Folge damit, dass Harvey sich endlich dazu bereiterklĂ€rt hat, mit seiner Therapeutin (Christina Cole) ĂŒber die VorfĂ€lle seine Mutter betreffend zu sprechen. Denn diese holen ihn als nun erwachsenen Mann hĂ€ufig ein und beeinflussen sein Handeln. Die Weichen sind also gestellt fĂŒr eine weitere Folge, in der wir mehr emotionalen Input von dem Innenleben des groĂen Harvey Specter erwarten dĂŒrfen. Ein guter Schachzug der Autoren.
Eine zweite Storyline, die „Suits“-typisch am Anfang parallel zu dem Harvey-Part aufgebaut wird, fokussiert Jack Soloff (John Pyper-Ferguson) und Mike Ross (Patrick J. Adams), deren Fehde in die zweite Runde geht. Soloff, dem von Jessica (Gina Torres) aufgetragen wurde, die Wogen zu glĂ€tten, will Mike einen Fall zukommen lassen, der wie geschaffen fĂŒr ihn ist. Nur: Dieser hat Soloff noch nicht vergeben und lĂ€sst ihn eiskalt abblitzen...
Davon abgesehen wird in der Episode die schwankende Beziehung zwischen Donna (Sarah Rafferty) und Harvey erkundet und zwei alte Bekannte treten wieder auf. Zum einen findet Esther (Amy Acker), die Schwester von Louis, ihren Weg zurĂŒck zu Harvey und Konsorten und zum anderen hat sich Daniel Hardman (David Costabile) wieder ins Drehbuch gemogelt. Er ist zurĂŒck in New York und, wie der fleiĂige Zuschauer weiĂ, verheiĂt das nicht unbedingt eine Verbesserung der Situation von Harvey und Co...
Der Harvey-Esther-Louis-Teil
Dass Esther sich wieder blicken lÀsst, erfreut. Nach ihrem ersten Auftritt hÀtte man den Eindruck bekommen können, dass es sich um eine einmalige Liaison mit Suits gehandelt hat, auch wenn gegen Ende angedeutet wurde, dass noch einige Entwicklungen offen sind.
Ein Kunde ihrer Firma verklagt die Schwester von Louis darauf, dass einer ihrer Muffins bei ihm einen anaphylaktischen Schock ausgelöst hÀtte. Hilfesuchend wendet sie sich an Harvey, der sie in einer emotionalen Rede an Louis weiterleitet, in der er die QualitÀten von Louis anerkennt und Esther beschuldigt, ihm durch diesen Fall nur wieder nÀherkommen zu wollen.
Das hat zweierlei zur Folge: Erstens nimmt Louis an, Esther hĂ€tte ihn von Anfang an bevorzugt und dankt ihr, dass sie ihn vor Harvey gewĂ€hlt hat. Und zweitens sehen wir eine andere Seite von Harvey. Er will natĂŒrlich einerseits Esther von sich weghalten und andererseits Louis nicht das GefĂŒhl geben, seine Schwester wĂŒrde ihn nicht wertschĂ€tzen. Beides ist auf das Wohlergehen seines Kollegen gemĂŒnzt und lĂ€sst Harvey als rĂŒcksichtsvollen Menschen dastehen, der sich erstmals aktiv um das Befinden seines langjĂ€hrigen Kollegen sorgt.
Mit Esther haben die Autoren auĂerdem endlich wieder eine interessante Frauenrolle konzipiert, die Lust darauf macht, die Entwicklungen zu verfolgen, die sie mit sich bringt. Esther ist als GrĂŒnderin eines Unternehmens eine starke und erfolgreiche Frau. Durch ihre offenkundige und in gewisser Weise zurĂŒckgewiesene Zuneigung Harvey gegenĂŒber wird aber auch Verwundbarkeit und emotionale Tiefe suggeriert. Amy Acker bringt diese Mischung hervorragend an den Mann. Es handelt sich um einen Charakter mit Substanz und der FĂ€higkeit, sich zu entfalten. Attribute, die wir auch diesmal wieder bei Rachel (Meghan Markle) vermissen mĂŒssen...

Zu guter Letzt intensivieren die Auftritte von Esther auch die Beziehung von Harvey und Louis, was durchaus willkommen ist. Es besteht ein klarer Zwiespalt bei Harvey, der zwar gerne etwas mit Esther anfangen wĂŒrde und, wie Gestik und Mimik implizieren, auch in gefĂŒhlstechnischer Sicht zu ihr hingezogen ist. Sein moralischer Kompass erlaubt es ihm aber nicht, das Vertrauen von Louis ein weiteres Mal zu brechen. So weist er Esther am Ende der Folge sehr harsch ab. Hoffen wir, dass das nicht das Ende vom Lied ist. Da ist auf jeden Fall Potential fĂŒr mehr.
Der Mike- und Jack-Soloff-Teil
Nachdem Jack in der letzten Folge Louis und Mike hintergangen hat, hat Mike logischerweise Probleme, ihm zu vertrauen. Jessica zwingt die beiden aber regelrecht dazu, ihre Differenzen beiseitezulegen und zusammen an einem Fall zu arbeiten. Die Zusammenarbeit zieht interessante Folgen nach sich. Man kann Soloff nicht mehr so Schwarz-WeiĂ sehen und muss sowohl gewisse CharakterzĂŒge als auch seine QualitĂ€ten als Anwalt anerkennen. Auch Mike sieht das ein und zollt Respekt.
Der Zuschauer weiĂ dabei nicht genau, woran er ist. Soloffs Charakter hat einen Wandel vollzogen und ist nun schwieriger einzuschĂ€tzen, was der Spannung zugutekommt. Neben Esther stellt er den zweiten, „neuen“ Charakter von „Suits“ dar, der der Serie frischen Wind bringt. Ganz nebenbei wird durch ihn auch der Handlungsstrang zu Daniel Hardman wieder aufgenommen, ehemaliger Vorstand bei Pearson-Specter-Litt, der keine Möglichkeit ungenutzt lĂ€sst, der Firma Schaden zuzufĂŒgen oder sich selbst wieder an die Spitze zu bringen.
Der Harvey- und Donna-Teil
Das erneute Auftreten von Esther beeinflusst nicht nur die Beziehung von Harvey und Louis, sondern auch die von Harvey und Donna. Gerade, als sich Besserung einstellt und die beiden zusammen essen gehen, holt Donna die moralischen GeiĂeln heraus und drĂ€ngt Harvey dazu, Louis von seiner kurzen, intimen Beziehung mit Esther zu erzĂ€hlen. Zwar zeugt diese Bitte davon, dass sie sich immer noch um Harvey sorgt, dieser ist - das Thema betreffend - aber klar anderer Meinung.
Die Autoren lassen durchblicken, dass Harvey sich dem Thema nicht stellen möchte, weil seine Indiskretion ihn zu sehr an die AffÀre seiner Mutter erinnert und so den ganzen Vorfall lieber vergraben möchte.
Fazit
Machen wir es kurz: Mit Hitting Home gelingt den kreativen Köpfen hinter Suits ein GlanzstĂŒck in Sachen Charakterdynamik. In der knappen Dreiviertelstunde entwickeln sich die Charaktere von Esther Edelstein und Jack Soloff von gelungenen Sidekicks zu ernst zu nehmenden und runden Figuren, bringen gleichzeitig andere StorystrĂ€nge voran und werfen neue Lichter auf alte Beziehungen. Den Machern ist es wieder einmal gelungen, das VerhĂ€ltnis von Drama und Humor in einem angenehmen Gleichgewicht zu halten, so dass es immer wieder Auflockerungen gibt, der Zuschauer aber nie unnötig aus der Geschichte gerissen wird. Das Ende der Folge ist eines der besten der bisherigen Staffel und verspricht eine sehr intensive achte Episode. Einzig allein Mikes Frisur und Rachel wissen wieder zu enttĂ€uschen.
Zitate:
- Mike zu Jack Soloff:
„I don't remember inviting you into my office. Oh yeah, that's right, that's because it's something I would never do.“
- Louis zu einem neuen Kunden:
„A joke? Do you hear me laughing? 10 percent is 11 percent more than you deserve!“
- Jessica kommt in den Pausenraum der Mitarbeiter...
„So, that is where the little people get caffeine!“
- âŠ. und zwingt Mike, mit Jake Soloff zu arbeiten:
„Oh, I can make you work with the goddamn window washer if I want to.“
- Harvey zu Esther, als sie ihm sagt, dass ein Kunde sie wegen ihrer Muffins verklagt:
„What happened? Too much gluten? Not enough gluten?“
- Jessica zu Harvey bezĂŒglich der Frage, ob sie Soloff traut:
„I may look damn good for my age, but I was not born yesterday.“
Suits 5x07 Trailer
(Suits 5x07)
Schauspieler in der Episode Suits 5x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?