Suits 3x16

Jetzt, nach dem wunderbaren Finale No Way Out steht es fest: Mit der dritten Staffel haben die Suits-Autoren sich selbst noch einmal übertroffen. Besonders der letzte Teil, bestehend aus sechs Episoden, birgt eine Extra-Portion Großartigkeit.
Gehen oder bleiben?
Nachdem in der letzten Episode die Frage, ob Mike (Patrick J. Adams) das Jobangebot annimmt, in interessanter und eigentlich eindeutiger Weise aufgelöst wurde, war es schwierig, sich vorzustellen, wie die Suits-Autoren im Staffelfinale noch eins oben drauf setzen können, ohne dass es sich anfühlt wie einmal zu viel aufgekochte alte Suppe. Nach der Episode No Way Out darf man feststellen, dass diese Besorgnis nicht notwendig war. Die Geschichte bleibt weiterhin spannend, mit dem richtigen Maß an Komik und Emotion.
Mike hat die Bedrohung durch Quelling (Damon Gupton) aus dem Weg geräumt und sich für das Gesetz entschieden, nicht für Harvey (Gabriel Macht), nicht für Rachel (Meghan Markle), nicht für die Karriere, sondern für die Möglichkeit, Anwalt zu sein und mit dem Gesetz zu arbeiten. Doch auf die Bedrohung durch einen gescheiterten Anwalt folgt eine größere, durch die Staatsanwaltschaft höchstpersönlich. Das Schöne daran ist, dass die Bedrohung nicht aufgesetzt wirkt. Quelling bricht nicht aus undurchsichtigen Gründen den Deal mit Mike, seine Ermittlungen vorher haben eine Entwicklung in Bewegung gesetzt, die sich im Hintergrund gehalten hat und nun in die Geschichte durchbricht.
Doch die Episode No Way Out weiß auch durch erzählerische Dichte zu begeistern. Kein Plot bleibt außen vor, alles führt zurück auf die Entwicklung unserer beiden Lieblingsanwälte, auf die gemeinsame und auf die jeweils eigene. Das beste Beispiel ist die Verwicklung Quellings. Nicht immer haben die Suits-Autoren darauf geachtet, dass der Ursprungskonflikt eine größere Bedeutung bekommt, in der Vergangenheit brauchte es oft nicht mehr als einen kühlen Blick von Harvey um eine Bedrohung, die aus dem Nichts kam, zu rechtfertigen. Doch das Aufeinandertreffen von Quelling und Harvey hat mehr zu geben. Angesichts der Bedrohung bleibt Harvey ganz Top Dog und rächt sich an seinem Kontrahenten auch wenn der die neuen Konsequenzen nicht absichtlich herbeigeführt hat. Doch nachdem alle es wieder sicher und in Freiheit in die Kanzlei geschafft haben, tut es ihm Leid und verbindet sich mit der Frage, die die ganze Episode überschattet: Ist Harvey ein guter Mensch? Naja, in dieser Frage ist zumindest sein verlängerter Arm Donna (Sarah Rafferty) seine stellvertretende gute Seite. Doch zu Donna und Harvey später noch mehr.
Seit dem Anfang
Die Episode No Way Out zielt auf das ganz große Drama ab. Es geht um die gesamte Beziehung zwischen Harvey und Mike, es geht um alles, was sie in den letzten Jahren gemeinsam geschafft haben. Wäre Suits nicht bereits verlängert worden, hätte die Episode auch als Serienfinale eine sehr gute Figur gemacht.
Alles fing mit der Pilotepisode an, das Gute und das Schlechte, das wird in der Episode No Way Out betont. Donna und Jessica (Gina Torres) unterhalten sich darüber, wie wichtig Mike für Harvey von Anfang an war, wie sehr er ihn verändert hat, ihn hat wachsen lassen. Doch dieselben Ereignisse, die ihn wachsen ließen, haben auch eine fragwürdige Seite. Mikes Anstellung war vom ersten Moment an ein Spiel mit dem Feuer für Harvey und die fragwürdigen Entscheidungen, die Gratwanderungen am Rande zum Gesetzesbruch haben ebenfalls mit seinem Auftauchen angefangen.
Die beiden sind eine echte Schicksalsgemeinschaft, sie wachsen aneinander und wenn es gut läuft, dann sind sie so gut, wie kaum ein anderes Team. Doch wenn es schlecht läuft, ist der totale Zusammenbruch meist nicht weit. In jedem Fall geben die beiden sich nicht mit Halbherzigkeiten zufrieden, es muss immer alles oder nichts sein. Alle versichern Harvey die Episode No Way Out über immer wieder, dass er ein guter Mensch ist, doch erst im Gespräch mit Mike scheint er es zu glauben.
Für die Freundschaft
Wir wissen ja schon lange, wie wichtig die beiden füreinander sind, auch unabhängig von den Offensichtlichkeiten. Mike hat schon oft gezeigt, dass Harvey für ihn mehr als ein Boss ist. Harvey hält ein bisschen mehr hinter dem Berg mit seinen Gefühlen, zumindest bis zu der Episode No Way Out. Jessica und Harvey machen wie üblich ihren kleinen Scherz darüber, dass Mike ihr Kind ist. Doch so weit hergeholt ist das gar nicht mehr, Harvey reagiert schon fast wie ein Vater, will die Schuld auf sich nehmen um Mike zu entlasten, als er ernst wird. Die Unterhaltung im Verhörraum ist eine Sternstunde für die Bromance und die beiden Charaktere.
Auch eine andere Freundschaft darf zwischen den Zeilen ein bisschen glänzen: Louis (Rick Hoffman) und Harvey. Wenn es wirklich ernst wird, ist Louis zur Stelle, und das erfrischend fähig, ohne jede Macke. Wenn er den üblichen Spott von Harvey nicht ertragen muss, bringt er selbst eine ganz passable Coolness mit, wie sich im Gespräch mit Staatsanwalt Woodall (Zeljko Ivanek, Revolution, Heroes, Oz) zeigt.
Auch eine Erwähnung wert ist Rachels Begegnung mit Jessica. Die beiden sind im Laufe dieser Suits-Staffel mehrfach aneinandergeraten, doch am Ende steht eine Erkenntnis, die wir schon lange kennen. Sie sind eine Familie, und auch wenn man sich mal streitet, bleibt man zusammen. Jessica steht als Matriarchin der Familie und Chefin der Kanzlei oft über den emotionalen Begegnungen, wirkt als Charakter meist kühler als die anderen. Doch in der Episode No Way Out geht sie auf Rachel zu und bezeichnet in einer emotionalen Ansprache die Kollegen ganz offen als Familie.
Für die Liebe
Bei so viel gutem Stoff in den letzten Episoden musste wohl auch etwas zu kurz kommen - und leider ist es Scottie (Abigail Spencer) geworden. Ihr Einstand in die Kanzlei war vielversprechend, Harvey wie ausgewechselt. Zum ersten Mal schien es möglich, dass er eine echte Beziehung führen könnte. Doch die Ereignisse haben den guten Start überrannt, am Ende war Scottie nicht mehr als eine konstante Störung für alle anderen in der Kanzlei, die immer dort auftauchte, wo sie nicht sollte um zu erfahren, was eigentlich los ist. Sie kam als Neue in die Familie, vom Temperament her schien sie bestens integrierbar, doch es stellte sich heraus, dass der Zeitpunkt ungünstig war.
Und nun ist das Experiment Harveys Beziehung vorerst wieder zu Ende. Das ist schade, denn wenn es mit Scottie nicht funktioniert hat, dann bleibt eigentlich nur noch ein logischer Ausweg, falls die Suits-Macher Harvey nicht bis zum bitteren Ende alleine lassen wollen, und dieser Ausweg ist Donna.
Harvey hat versucht eine Beziehung mit einer Frau außerhalb der Juristenwelt zu führen. Er hat seine Chance mit Scottie, seinem weiblichen Gegenpart genutzt, doch am Ende war es alles nichts. Jetzt kann nur noch Donna die Lage retten, doch will wirklich jemand eine Romanze zwischen diesen beiden sehen? Mal abwarten, darüber kann man sich ja noch Gedanken machen, falls es soweit kommen sollte, fürs Erste aber bleibt festzuhalten, dass der schwache Plot um Scottie auch Donna runtergezogen hat. Sie hatte kaum mehr zu tun als immer wieder Harveys Beziehung zu retten, ein bisschen mehr Donna-Zeit wäre schön gewesen.
Auch für Rachel war der zweite Teil der Staffel nicht gerade eine Glanzzeit. Sie versucht verständlicherweise an ihrer Beziehung zu arbeiten und dass diese Bemühungen oft nicht mit der Idylle in der Kanzlei zusammenpassen, ist nicht ihre Schuld. Man kann gut verstehen, dass sie das Beste für ihren Freund will, auch wenn das den Abschied von Harvey bedeutet. Rachel ist über die Staffeln immer wieder als zukünftige Anwältin in Stellung gebracht worden, erst die Frage, ob sie studieren gehen soll, dann die Frage nach dem Ort, nun der Streit um die Finanzierung. Schade jedoch, dass aus dieser ganzen Sache bisher jedoch nichts gekommen ist. Statt Rachel mehr in die Fälle zu integrieren, ist die Zeit, die wir mit der professionellen Seite von Rachel verbringen, immer weniger geworden.
Das Ende
Mike nimmt den Job also an, vom Anwaltsdasein wendet er sich ab, der Finanzwelt zu, doch es ist kein trauriges Ende. Er wird weiter als Klient bei Pearson Specter ein und ausgehen. Das Ende fühlt sich eher wie ein Serienfinale als wie ein Staffelende an. In gewisser Weise ist es das bestmögliche Ende. Mike ist kein Betrüger mehr, Harvey ist nicht mehr in Gefahr, trotzdem arbeiten sie weiterhin zusammen, liebevolle Neckereien inklusive. Mike wird nicht mehr Befehlsempfänger sein, sondern Klient, das ist eine interessante Entwicklung. Man kann sich vorstellen, wie die beiden glücklich und frotzelnd bis zur Rente so weitermachen, zumindest als Gedankenspiel. Doch die Episode No Way Out ist nicht das Serienfinale, sondern legt den Grundstein für eine vierte Staffel.
Und mit diesem Wissen muss man sich fragen: will man diese Entwicklung wirklich sehen? Ist das Mentor-Verhältnis nicht das Ausschlaggebende für den Charme der Serie Suits? Die letzten Episoden waren so wunderbar, dass man sich am besten zurücklehnt und abwartet. In den letzten Episoden haben die Autoren gezeigt, dass sie auch aus potentiell abgegriffenen Geschichten interessante Konflikte herausholen können.
Fazit
Über die letzten Episoden hat die Serie sich immer weiter gesteigert und geht nun mit dem großartigen Staffelfinale No Way Out in die wohlverdiente Pause.
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 11. April 2014Suits 3x16 Trailer
(Suits 3x16)
Schauspieler in der Episode Suits 3x16
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