Strange Angel 1x01

© zene aus der Pilotepisode von âStrange Angelâ (c) CBS All Access
In den 30er und 40er Jahren wurde der Ingenieur Jack Whiteside Parsons zu einem der VĂ€ter der US-amerikanischen Raumfahrt, indem er sich am California Institue of Technology mit der Entwicklung von Raketentechnologie profilierte. Gleichzeitig war er sehr an Magie und den Lehren von Okkultist Aleister Crowley interessiert und pflegte eine Beziehung zum spĂ€teren Scientology-GrĂŒnder L. Ron Hubbard. Eine faszinierende Person der Raumfahrtgeschichte, deren Leben in George Pendles Buch „Strange Angel: The Otherworldy Life of Rocket Scientist John Whiteside Parsons“ beschrieben wird, welches nun als Vorlage fĂŒr Strange Angel von CBS All Access dient.
Do what thou wilt
Die Serie von Autor Mark Heyman („Black Swan“) setzt in der ersten Episode Augurs of Spring mit einem unwirklichen Setting ein, das uns zunĂ€chst vermuten lĂ€sst, im falschen Film zu sein. Eine in Rot getrĂ€nkte Traumszene breitet sich vor uns aus, in welcher ein Chinese der Ming-Dynastie auf der Jagd nach einer riesigen Raubkatze ist. Dabei handelt es sich, wie wir spĂ€ter erfahren, um Wan Hu, der 2000 vor Christus mit einem Raktenstuhl versucht haben soll, ins All zu fliegen. Ein Motiv, das sich visuell und erzĂ€hlerisch durch die Episode zieht, wĂ€hrend Jack Parsons (Jack Reynor) genau wie der Held aus seinen Groschenromanen alles riskiert, um seinen Traum von einer Reise zu den Sternen zu verwirklichen.
Die Serie beginnt zu jener Zeit, als er noch als Hausmeister in einer Chemiefabrik arbeitet. Gemeinsam mit seinem Kindheitsfreund Richard (Peter Mark Kendall) von der Elite-UniversitĂ€t Caltech versucht er sich in seiner Freizeit an der Entwicklung einer Rakete, die irgendwann die bemannte Raumfahrt möglich machen soll. Dabei erleben sie einen RĂŒckschlag nach dem anderen, mĂŒssen ihr Projekt aber frĂŒher oder spĂ€ter bei Professor Mesulam (Rade Serbezija) einreichen, ehe die Mittel knapp werden. Dieser belĂ€chelt das Vorhaben zunĂ€chst, lĂ€sst sich aber zumindest zum Beiwohnen einer Demonstration breitschlagen, nachdem Parsons ihm etwas Honig um den Bart schmiert.

Im Team der beiden sind die Rollen klar verteilt. Jack ist der ambitionierte TrĂ€umer, der gern ein Risiko eingeht und auch mal FĂŒnfe gerade sein lĂ€sst, wĂ€hrend Richard lieber auf Nummer sicher geht, alles zweimal ĂŒberprĂŒft und sich auch mit einem weniger abenteuerlichen Job zufrieden geben wĂŒrde. Jacks Frau Susan (Bella Heathcote) hingegen ist ĂŒberhaupt nicht vom Unterfangen ihres Mannes ĂŒberzeugt. Kein Wunder, wird sie doch links und rechts daran erinnert, dass sie zwei Hausraten schuldig sind. Am Ende der Episode dĂŒrfen wir auĂerdem stark annehmen, dass Nachwuchs auf dem Weg ist. Interessant dĂŒrfte sich auch die Tatsache entwickeln, dass sie recht religiös ist und im Lauf der Handlung sicher die eine oder andere Ansicht zum Thema Schwarzmagie und Sexrituale haben dĂŒrfte.
Der Stein wird ins Rollen gebracht, als die Parsons mit Ernest Donovan (Rupert Friend) einen neuen Nachbarn bekommen. Der impulsive Tunichtgut macht das Ehepaar zunĂ€chst stutzig, ĂŒbt aber eine gewisse Faszination auf Jack aus, der durch eine verrĂŒckte Aktion von Earnest sogar zu einer Lösung in seiner Raketenarbeit inspiriert wird. Wer die PrĂ€misse der Serie kennt oder mit Aleister Crowleys „Buch des Gesetzes“ vertraut ist, wird spĂ€testens aufmerksam werden, wenn der neue Nachbar verdĂ€chtigerweise mit abgefĂŒlltem Tierblut hantiert oder die Phrase „Do what though wilt“ von sich gibt. Eine der zentralen Richtlinien der okkulten Philosophie, die im Vollen „Do what thou wilt shall be the whole of the Law“ (im Deutschen etwa: „Tu, was du willst, soll die Gesamtheit des Gesetzes sein“) heiĂt und bis heute in der religiösen Organisation Ordo Templi Orientis gelehrt wird.
Als Jack seinem Nachbarn eines Nachts folgt, macht er die schockierende Entdeckung, was fĂŒr schaurige Rituale in seiner sonst so bĂŒrgerlich anmutenden Nachbarschaft abgehalten werden. Er ergreift die Flucht, nachdem er entdeckt wird, hat aber wenige Tage spĂ€ter eine stilechte Einladung an der TĂŒr. Komplett mit Dolch und mysteriöser Runenbotschaft, was Susan ĂŒberhaupt nicht witzig findet. FĂŒr das nicht besonders glĂŒckliche Paar könnte sich damit eine TĂŒr geöffnet haben, die zu einem emanzipatorischen Befreiungsschlag und dringend notwendiger Inspiration fĂŒhrt.
Fazit
Strange Angel holt uns in der ersten Stunde vor allem mit einem spannenden Thema und dem interessanten Setting ab, auch wenn die Handlung etwas gemĂ€chlich ins Rollen kommt. Jack Parsons ist eine faszinierende, historische Figur, die angesichts ihres Beitrags zum Ingenieurwesen viel zu wenig Beachtung erhalten hat. Vielleicht gerade aufgrund seiner okkulten Interessen. Der Schuh drĂŒckt leider ein wenig im Bereich des Dialogs und auch die Darsteller scheinen noch nicht ganz in ihren Rollen angekommen zu sein.
Spannend wird vor allem, wie die Serie in den nĂ€chsten Folgen mit der Darstellung des Okkulten umgeht. Wird es zu kitschig und bodenstĂ€ndig, wird Jacks Faszination möglicherweise nicht auf den Zuschauer ĂŒbertragen. Wird es zu abgehoben und romantisiert, droht die Angelegenheit, esoterisch und albern zu wirken. Der opulente Ansatz mit Wans chinesischem Raketenstuhl war schon arg offensichtlich, Drehbuchautor Heyman ist aber auch kein Mann fĂŒr subtile Symbolik, wie wir ja seit „Black Swan“ wissen.
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 15. Juni 2018Strange Angel 1x01 Trailer
(Strange Angel 1x01)
Schauspieler in der Episode Strange Angel 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?