Star Trek 1x01

© NBC
Was passiert?
Die USS Enterprise soll Professor Crater und seiner Frau auf dem Planeten M-113 dringend benötige Ausrüstung liefern. Doch dort scheint etwas Merkwürdiges vorzugehen. Crater wirkt nervös und seine Ehefrau Nancy sieht für verschiedene Besatzungsmitglieder vollkommen unterschiedlich aus. Dr. McCoy behauptet gar, seine ehemalige Flamme sei überhaupt nicht gealtert...
Dies & das
Die Episode hatte eigentlich die Produktionsnummer 05, wurde aber von den Senderverantwortlichen als Pilotepisode auserkoren und lief somit am 8. September 1966 als Startpunkt von Star Trek im US-TV.
Ein früher Titel war „Damsel with a Dulcimer“. Professor Crater wäre in dieser Drehbuchversion auch mit einer Art Traktor auf seinem Land herumgefahren.
Scotty, alias James Doohan ist nicht zu sehen, aber im Deutschen immerhin zu hören.
Eines der ersten wirklich negativen Reviews zur Episode (und Serie) kam damals von Variety. Dort hieß es: „It won't work. Star Trek is dreary and confusing. It would be better suited to the Saturday morning kidvid block“. Diese Besprechung gilt heute als Kultfehlschlag der Redakton.
Das Flirten von Uhura mit Spock war vermutlich Teil der Inspiration für die Autoren der Reboot-Kinofilme, aus den beiden ein Liebespaar zu machen.
Synchro-Anomalien
Die Synchronautoren waren sehr freizügig mit den Rängen der Crew: Aus Yeoman Rand machte man Corporal Rand (was ein Army-Dienstgrad ist, obwohl sich die Sterneflotte an der Navy orientiert). Crewman Green wurde ebenfalls Corporal, Crewman Darnell wurde Sergeant (was ebenfalls der Army zuzurechnen ist). Außerdem erfand man für letzteren den Vornamen Herman.
„Stand by Mr. Spock“ wurde zu „Warum nicht, Mr. Spock?“, was keinen Sinn hat, da Kirk in dieser Szene bereits mit McCoy redet, der dann auch antwortet.
Zitat
„This thing becomes wife, lover, best friend, wise man, fool, idol, slave. It isn't a bad life to have everyone in the universe at your back and call! And you win all the arguments!“ (Kirk)
„May the great bird of the galaxy bless your planet.“ (Sulu)
„Mister Spock, sometimes I think if I hear that word frequency once more, I'll cry. " (Uhura möchte einfach nur reden)
Gedanken
Nachdem man seitens NBC den ersten gedrehten Pilotfilm The Cage abgelehnt hatte, startete die Serie im zweiten Anlauf doch noch in ihre TV-Karriere. Allerdings nicht mit dem eigentlich ausgesuchten Where No Man Has Gone Before, sondern eben mit einer anderen der ersten produzierten Episoden, die den Verantwortlichen am passendsten erschien.
Und tatsächlich: Der Auftakt hatte alles, was man auch später immer wieder in der Serie finden würde: eine Außenmission, mysteriöse Umstände, ein fremdartiges Alien und gute Sprüche der Figuren.
Interessant sind dabei besonders die Figurenkonstellationen, die sich hier ergeben. Kirk gibt sich zwar betont lässig im Umgang mit seinem Personal, zieht aber gegenüber McCoy auch eine harte Linie durch und etabliert den Captain Marke hart, aber herzlich. Dieser Mann ist Kumpel, Spaßmacher und Hardliner. Eine charmante Cowboy-Mentalität, die Kirk auch später immer prägen sollte. Uhura dient noch zu sehr als gefühlsduseliges Eye-Candy, wenn sie wenig professionell auf Spock zugeht und versucht, ihm Gefühle oder Komplimente zu entlocken. Vermutlich ging es dabei eher darum, den Zuschauern die Besonderheit der Figur des Spock zu erklären, Uhura lässt man dadurch aber leider etwas im Regen stehen. Da sich dieses Phänomen jedoch auf die komplette Zeichnung der weiblichen Besatzung herunterbrechen lässt, kann sich die Kommunikationsoffizierin direkt mit Janice Rand zusammentun. Hier gab es trotz der Bemühungen seitens Roddenberry selbstverständlich noch viel Nachholbedarf in Hinblick auf das gezeigte Frauenbild.
McCoy erhält dafür aber früh eine Hintergrundstory, die jedoch in der Summe wenig gehaltvoll daherkommt. Er lässt sich zu leicht von Nancy bezirzen und verschläft schließlich sogar ein gutes Stück der Handlung.
Dennoch: Die Dynamik der Figuren funktioniert bereits hier, erinnert sogar an spätere Glanzmomente der Serie und liefert einige starke Szenen. Man könnte sich allerdings fragen, ob diese in der Rückschau - und mit dem Wissen, was alles noch kommt - auffälliger ist, als wenn man auch heute noch die Serie zum ersten Mal gucken würde. Freiwillige vor! Wer kann dazu etwas sagen?
Man muss den Programmverantwortlichen somit Recht geben. Dieses lässige, durchgehend unterhaltsame Abenteuer war die richtige Wahl als Startpunkt. Viel Tiefe darf man zwar nicht erwarten, doch für den Auftakt eines Abenteuers und das Kennenlernen der Protagonisten hatte man eindeutig den richtigen Riecher.
In Kürze
Der Running-Gag, dass Redshirts auf Außenmissionen keine allzu große Lebenserwartung besitzen, wird hier direkt auf die Spitze getrieben. Satte vier unbekannte Offiziere kommen ums Leben. Der Witz dabei: Keiner trug Rot!
Im Dialog kommt die Bezeichnung „Great Bird of the Galaxy“ vor, die später zum Spitznamen für Gene Roddenberry werden sollte.
Die wahre Gestalt der außerirdischen Lebensform überrascht und gefällt durch urigen Charme. Eine gute Arbeit der Maskenbildner.
Sulu - der uns eigentlich als Steuermann bekannt ist - betreut hier noch die seltenen Pflanzen an Bord des Schiffes. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, wie kreativ besonders die fleischfressende Pflanze umgesetzt wurde, auch wenn man dabei auch irgendwie an die Muppets denken musste.
Dr. McCoy, der im englischen Original Bones und im Deutschen Pille genannt wird, erhält hier noch einen weiteren - recht albernen - Spitznamen: Pflaume.
Gib dem Kind einen Namen
Im Original hatte man mit „The Man Trap” einen Titel gewählt, der sich sowohl auf das Wesen (dem Crater verfällt und das viele Leben auf dem Gewissen hat) bezog, als auch auf die Pflanze auf der Enterprise, die gewissermaßen als Metapher für den Hauptplot diente. Auch McCoy wäre fast in diese Falle getappt - allerdings eher emotionaler Natur in Bezug auf seine Erinnerungen an die echte Nancy.
Im Deutschen wählte man mit „Das letzte seiner Art“ einen sehr passenden Titel, der, wenn man ehrlich ist, sogar weniger plump daherkam.
Fazit
Ein guter Start. Die Figuren funktionieren in Sachen Humor und Chemie aus dem Stand heraus und retten auf diese Weise über den generischen und redundanten Plot hinweg. NBC wählte somit aus den zur Verfügung stehenden Episoden einen zwar wenig anspruchsvollen, aber doch unterhaltsamen Startpunkt, gespickt mit Abenteuer, guten Sprüchen und ausreichend Abwechslung.
Von Autor & Journalist Björn Sülter erscheint dieses Jahr das Buch „Es lebe ,Star Trek'“. Mehr Infos dazu gibt es in den nächsten Monaten auf Björns Seite Sülters Sendepause, seinem Twitter-Account oder beim Verlag in Farbe und Bunt.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 6. Januar 2018(Star Trek 1x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?