Star Trek: Strange New Worlds 3x08

Star Trek: Strange New Worlds 3x08

In der Folge „Four-and-a-Half Vulcans“ der US-Serie „Star Trek: Strange New Worlds“ wird es für die Crew der Enterprise ein bisschen zu logisch. Faszinierend?

Finde die Fehler!
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© Paramount+

Four-and-a-Half Vulcans

Four-and-a-Half Vulcans“ (dt.:„Vier und ein halber Vulkanier“) geht wieder in Richtung (romantische) Komödie, obwohl es eingangs nicht danach aussieht. Eigentlich freut sich die Crew der Enterprise auf ein wenig Urlaub auf Purmantee III, aber dann kommt eine Mission dazwischen, um den Einwohnern des Planeten Tezaar zu helfen. Mit Tezaar pflegen die Vulkanier schon lange Kontakt, obwohl die Einwohner nicht in der Föderation sind und auch keinen Warpantrieb besitzen. Normalerweise würde die oberste Direktive einen Eingriff untersagen, aber dieser Kontakt geht auf Zeiten vor der Gründung der Föderation zurück, womit die Ausnahme gegeben ist.

Der Aufhänger ist sehr klassisch gestaltet. Die Enterprise ist (natürlich) das einzige Schiff in Reichweite, um eine Katastrophe auf dem Planeten zu verhindern. Allerdings müssen sich Pike (Anson Mount), Uhura (Celia Rose Gooding), La'an (Christina Chong), Pelia (Carol Kane) und Chapel (Jess Bush) dafür physisch in Vulkanier verwandeln, während Spock (Ethan Peck) bereits das passende Aussehen und die passende DNA dafür hat. Bei Pelia wirkt das Serum der Kerkhovianer allerdings nicht (welches damals in Charades Spock wieder in seine Urform zurückverwandelte, nachdem er menschlich wurde), womit sie an Bord der Enterprise bleiben muss, um die Mission zu überwachen, die im Handumdrehen und offscreen erfolgt. Aber es bleibt ein Haken vorhanden, denn die „neuen“ Vulkanier wollen jetzt Vulkanier bleiben, auch nachdem das Gegenmittel gefunden wurde.

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Die ersten zehn Minuten leiten diese Geschichte ein, ehe wir die Opening Credits sehen und anschließend wird uns auf amüsante Art und Weise aufgezeigt, wie das Leben und die Beziehungen der umgewandelten Crewmitglieder verlaufen würden, wenn sie ihre Menschlichkeit ablegen und den logischen wie emotionslosen Weg eines Vulkaniers einschlagen. Und ja, es geht hier hauptsächlich um Beziehungen. Einzige Ausnahme ist La'an, deren Ursprünge sie auf einen weitaus kriegerischen Weg schicken, als man ihr zutrauen würde.

Dass die Crew und die jeweiligen Partner und Freunde dieser vier neuen Vulkanier darunter leiden, versteht sich von selbst. Aber es gibt mit James T. Kirk (Paul Wesley) diese Woche noch einen Gastauftritt zu verbuchen, der sich zusammen mit Scotty (Martin Quinn) um La'an kümmert. Weitere Gastauftritte sind ebenfalls vorhanden, aber mehr dazu später. Und oh, nach dem Abspann darf Spock noch Doug (Patton Oswalt) ein paar Lektionen in Sachen menschliche Umgangsformen geben.

Körpertausch mal anders

Ich glaube, dass diese Episode wieder ein Spalter ist und nicht jeder Zuschauer glücklich damit sein wird. Unsereins wurde zwar gut unterhalten und musste zwischendurch auch kräftig lachen, aber nach einmal drüber schlafen hätte ich mir auch wieder was anderes gewünscht. Hätte es nicht gereicht, wenn nur eine Person (zum Beispiel La'an) betroffen gewesen wäre? Oder wäre es nicht interessanter gewesen, wenn wir der eigentlichen Mission auf Tezaar gefolgt wären? Immerhin sind derartige Abenteuer mit Außenmission auf fremden Planeten und in diesem Fall unter besonderen Umständen doch eigentlich das, was man in einer Serie wie Star Trek: Strange New Worlds sehen möchten, oder?

Volleres Haar dank vulkanischer Herkunft - Kerkhovians make it possible!
Volleres Haar dank vulkanischer Herkunft - Kerkhovians make it possible! - © Paramount+

Stattdessen müssen die Autoren jetzt vier Figuren in einer Bottle Episode händeln, deren Verhalten aufgrund genetischer Modifikationen kaum noch etwas mit dem zu tun hat, was sie sonst antreibt. Und logisch sind deren Verhaltensweisen keineswegs, wenn man genau hinschaut. Im Gegenteil, ein Spock musste lange dafür lernen, um die logische und emotionslose(re) Handlungsweise der Vulkanier aufzunehmen. Insofern muss der Zuschauer hier direkt einen Sprung ins kalte Wasser machen und einfach akzeptieren, dass die physische Verwandlung von Pike, Uhura, Chapel und La'an ebenfalls auch geistige Veränderungen mit sich bringt, aus denen letztlich der Humor der gesamten Episode hervorgeht. Das ist für den Zuschauer nicht einfach und vermutlich auch der Kern, an dem sich die „Geister“ scheiden werden.

Wenn man sich allerdings darauf einlässt und die Situation akzeptiert, wie sie geschildert wird, ist der Spaßfaktor doch enorm hoch und der vierfache Körpertausch gelungen. Denn - und das muss an dieser Stelle einfach betont werden - diverse charakterliche Merkmale mögen zuweilen ins Gegenteil verkehrt werden, aber dennoch bleibt die Folge figurentechnisch auf einem aktuellen Stand und nutzt das, was wir über die verschiedenen Charaktere bereits wissen, um es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Schade nur, dass es beim vorhersehbaren Ergebnis vermutlich keine echten Konsequenzen für die Figuren hat, womit die charakterlichen Eingriffe dieser Woche oberflächlich bleiben.

Aber schauen wir uns doch einmal an, was wir diese Woche überhaupt erhalten haben. Denn eins ist sicher: Mühe haben sich die Autoren durchaus gegeben, um uns die vier Hauptfiguren/Vulkanier aus einer anderen Perspektive zu zeigen.

Chapel

Christine Chapel ist sicher die Figur, die am wenigsten vom eigentlichen Ereignis betroffen ist. Sie sucht auch schnell nach dem Gegenmittel, als das von M'Benga (Babs Olusanmokun) und den Kerkhovianern nicht wirkt. Die Transformation in einen Vulkanier hat hier die geringsten Folgen, denn wir wissen bereits, dass sie die Wissenschaft liebt. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn sie sieben Experimente gleichzeitig am Start hat, den geringeren Schlafbedarf der Vulkanier umarmt und sich als äußerst nützlich erweisen kann.

Pelia fordert mehr LSD für die Crew
Pelia fordert mehr LSD für die Crew - © Paramount+

Allerdings wird uns ebenfalls aufgezeigt, dass sie dabei risikofreudiger vorgeht, als man es von ihr gewohnt ist und wir erfahren nie, was es mit den anderen Experimenten auf sich hatte oder zu welchem Ergebnis diese geführt haben. Dazu kommt noch, dass sie mit ihrem Mentor und festen Freund Dr. Korby (Cillian O'Sullivan) Schluss macht (übers „Telefon“ sozusagen), weil ihr die sozialen Verpflichtungen als Vulkanierin vermeintlich Steine in den Weg legen, um einer rein wissenschaftlichen Laufbahn zu folgen.

Vor allem der letzte Punkt macht deutlich, dass das nicht mehr unsere Christine Chapel ist. Eine gewisse Besessenheit rückt in den Vordergrund und hier fand ich kaum etwas Lustiges an ihrer Vorgehensweise. Da ist es tatsächlich ein Befreiungsschlag gewesen, wenn sie am Ende versucht, Korby und Spock mit einer selbstgekochten Suppe zu überzeugen.

Pike

Marie Batel (Melanie Scrofano) bleibt Aufgrund des Gorn-Faktors in ihr ein Sorgenkind und ist nervös, weil Vize-Admiral und Vulkanier Pasalk (Graeme Somerville) seinen Besuch angekündigt hat. Ihre Zukunft hängt davon ab, wie der Besuch von Pasalk verlaufen wird, wobei dieser obendrein noch bewirtet werden soll. Da sieht es auf den ersten Blick gut aus, wenn Pike ihr Quartier auf Vordermann bringt und zudem noch mit seinen Kochkünsten aufwarten darf.

Ich kenne auch Rezepte mit Gorn-Fleisch, Liebling?
Ich kenne auch Rezepte mit Gorn-Fleisch, Liebling? - © Paramount+

Pasalk ist auch beeindruckt, wenn er Marie besucht und ein Gericht erhält, welches perfekt auf seinen Geschmack abgestimmt ist. Aber Vulkanier-Pike ergreift keineswegs Maries Partei, sondern kritisiert ihren Zustand, der noch weitreichende Therapien erfordert und suggeriert Pasalk, dass sie noch nicht so weit ist, um wieder ein Kommando zu übernehmen. An dieser Stelle war mir nicht zum Lachen zu Mute, denn da habe ich doch sehr mit Marie mitfühlen können, die hier von Pike in eine Ecke gedrängt wird.

Am Ende wird natürlich alles gut. Pasalk schätzt ihre Ehrlichkeit und bietet ihr sogar seine Nachfolge an, was überraschend kommt. Aber auch, wenn er das nicht getan hätte, wäre Marie bei mir hoch im Kurs geblieben. Schließlich hat sie lediglich ihre Meinung gesagt und steht für sich selbst ein, nachdem Pike ihr quasi mit „Verrat“ gegenübersteht. Das zeigt Maries Stärke, die sich nicht nur in physischer Natur widerspiegelt und Pasalk offenbar zu schätzen weiß.

Gefallen hat mir derweil, dass Pike hier penibel das Quartier säubert und auch den strengen Geruch von Menschen erwähnt, was zuvor bereits erwähnt wurde. Aber ich hätte dennoch erwartet, dass er zu Marie steht und sich nicht als Gegenspieler entpuppt. Als Vulkanier mag er seine Gefühle für sie vielleicht zurückhalten, aber selbst Vulkanier wie Sarek haben immer wieder bewiesen, dass sie bei ihrer großen Liebe nicht bereit sind, Kompromisse einzugehen. Und wenn doch, dann immer unter dem Vorbehalt, diese große Liebe nicht zu verletzen. Insofern gibt es von mir an dieser Stelle ein großes Fail an Pike. Das hätte er besser wissen müssen, auch wenn er im Körper eines Vulkaniers steckt.

Warum bin ich in dieser Folge?
Warum bin ich in dieser Folge? - © Paramount+

Uhura

Nur ganz kurz zu Uhura, die ihren neuen Körper und ihre neuen Fähigkeiten dafür nutzt, um Beto (Mynor Luken) zu manipulieren. Auch hier fand ich den Gedankengang, ein love interest gefügig zu machen, erstmal amüsant. Vielleicht auch deshalb, weil Uhura ihren neuen Zustand dafür nutzt, um mit Beto zusammen zu kommen. Das sah letzte Woche noch anders aus, aber mich freut es immer, wenn unsere Figuren neben diversen Missionen ihr privates Glück in den Vordergrund stellen, wie es hier bei Uhura der Fall ist.

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Wir sehen aber auch, dass Erica Ortegas (Melissa Navia) nicht gerade erfreut darüber ist, wie ihr Bruder sich verändert hat. Wenn dann noch herauskommt, dass Uhura ihre Gedanken mit Beto verschmelzt hat, um ihn mehr oder weniger gefügig zu machen, geht das natürlich gar nicht. Denn dadurch verkommt Beto zu einem Schoßhündchen, welches keinen eigenen Willen mehr zeigt. Ganz im Gegensatz zu What Is Starfleet? eben, in der er die Sternenflotte (und Uhura) noch kritisiert hat.

La'an

Wenn es einen Handlungsbogen gibt, der mir am wenigsten zugesagt hat, ist es der um La'an. Wir kennen ihre Vergangenheit, ihre Herkunft und von daher wird uns auch verständlich gemacht, weshalb sie einen neuen Krieg losbrechen will. Ihr werden Kirk und Scotty entgegengesetzt, die schlussendlich auch verhindern können, dass sie ihre Mission durchführt. Aber es ist eben nicht die La'an, die wir in den vergangenen Episoden kennengelernt haben.

Laan ist anders als die anderen
Laan ist anders als die anderen - © Paramount+

Versteht mich nicht falsch, mir hat dieser Sinneswandel durchaus Spaß bereitet und ich empfand es als köstlich, dass nebenbei noch die Beziehung zwischen Kirk und Scott gefördert wird, was ja durchaus relevant für deren Zukunft ist. Aber unterm Strich ist es alles andere als logisch, wenn eine Sicherheitsoffizierin sich für einen neuen Krieg einsetzt - auch wenn sie einen ausgefeilten Plan hat. Für mich konnten jedenfalls hauptsächlich Kirk und Scott punkten, während La'an zur Fremdfigur wurde.

Die restliche Besatzung

Es ist natürlich sehr relevant, wie die restliche Crew auf die neuen Vulkanier an Bord reagiert. Aber der Humor bleibt doch auf der Strecke, wenn diese sich zunächst mit der neuen Situation abfinden, statt andere Maßnahmen zu ergreifen. Ja, der Ausflug in Pelias Quartier war durchaus lustig und ja, die Überlegungen relativ ernsthaft platziert. Dennoch frage ich mich, ob es die richtige Entscheidung war, erstmal die Situation zu akzeptieren und mitzuspielen, ehe Spock zu den Katras der betroffenen Figuren durchdringen kann.

Um hier zum Ziel zu kommen, muss Una (Rebecca Romijn) sich mit einem vergangenen love interest auseinandersetzen, welches in Form von Doug die Episode bereichert. Ja, dieser Vulkanier, der sich mit Katras bestens auskennt, heißt „Doug“ - wobei der Name auch geklärt wird. Weniger nachvollziehen lässt sich Unas heißblütige Reaktion auf das Wiedersehen mit ihm, auch wenn die Folge durchaus damit ein wenig punkten kann, wie sie und Spock sich gegenüber ihm verhalten - was Doug aber schnell durchschaut.

Apropos Spock, dieser kann einem diese Woche leidtun, weil er von Beginn an zum Opfer gemacht wird. Das ist jetzt nicht unbedingt neu, schließlich gehört es zur Tradition des Franchise, sich mitunter mal über die Besonderheiten dieser Spezies lustig zu machen. Aber die ständige Betonung, dass er nur ein „Halbblut“ ist und deshalb „weniger wert“ zieht sich durch die gesamte Episode. Klar, anfangs ist das noch lustig und lädt zum Lachen ein. Aber später fragen wir uns doch, ob seine umgewandelten Crewmitglieder nicht eine Grenze überschreiten, die alles andere als lustig ist. Stattdessen müssten sie auf seine Erfahrungen zurückgreifen, also auf die vulkanischen. Und später vielleicht auf seine menschlichen Erfahrungen, wie es von Doug nach dem Abspann getan wird.

Pelias Quartier lädt zum Wohlfühlen ein
Pelias Quartier lädt zum Wohlfühlen ein - © Paramount+

Ein kleines Problem habe ich auch mit Kirks Gastauftritt, denn eigentlich müsste die Farragut außerhalb der Reichweite sein und auch ein Dr. Korby taucht am Ende unverhofft bei Chapel auf und hat seine derzeitige Mission offenbar unterbrochen - löblich, wenn der Arbeitgeber hier so viele Freiheiten erlaubt, aber doch etwas unrealistisch. Zu Kirks Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass mir sein Zusammenspiel und seine Umgangsweise mit Scott sehr gefallen hat. Dieses Duo macht Lust auf mehr und stellt für mich diese Woche ein kleines Highlight dar. Von Pelia hätte ich am Ende derweil gerne noch mehr gesehen, aber ihre Auftritte innerhalb der Episode sprechen schon für sich, da ist es okay, wenn sie am Ende ein wenig auf der Strecke bleibt.

Wir dürfen uns am Ende aber zurecht fragen, ob sich die charakterlichen Veränderungen nun auf den Rest der Besatzung ausgewirkt haben oder nicht. Denn es ist normalerweise die Stärke von Star Trek: Strange New Worlds, mit jedem Abenteuer eine Weiterentwicklung der Figuren zu betreiben, die auch in den folgenden Episoden nicht vergessen wird. Nun, teilweise gab es sicher Veränderungen, aber die Auflösung am Ende suggeriert einen kleinen „Reset“, womit die Situation und die Beziehungen weniger effektvoll gestaltet werden. Als Zuschauer hat man vielleicht seinen Spaß am Geschehen, aber im Endeffekt ist dieser Spaß bedeutungslos, wenn alles auf Anfang zurückgesetzt wird.

Fazit

Zugegeben, bei der Erstsichtung hatte ich meine Freude an der Episode und fand es großartig, wie die Erwartungen von Beginn an auf etwas anderes hinausliefen. Aber je mehr ich drüber nachdenke, umso weniger gefällt mir die Folge, die eigentlich nur auf billige Lacher aus ist und eben nicht auf Strange New Worlds. Ich gönne jedem, der diese Folge großartig fand, seinen Spaß. Aber am Ende komme ich bewertungstechnisch nicht über dreieinhalb von fünf Sternen hinaus. Und Ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 30. August 2025
Episode
Staffel 3, Episode 8
(Star Trek: Strange New Worlds 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Folge 8
Titel der Episode im Original
Four-And-A-Half-Vulcans
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. August 2025 (Paramount+)

Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 3x08

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