Star Trek: Strange New Worlds 3x07

Star Trek: Strange New Worlds 3x07

In der Folge „What Is Starfleet?“ der US-Serie „Star Trek: Strange New Worlds“ soll die Enterprise eine spezielle Fracht in ein Kriegsgebiet eskortieren.

Babs Olusanmokun und Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“
Babs Olusanmokun und Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“
© Paramount+

What Is Starfleet?

What Is Starfleet? (dt.:„Was ist die Sternenflotte?“) ist ein weiteres Experiment der Serie Star Trek: Strange New Worlds. Ähnlich wie bei A Space Adventure Hour wird auf die normalen Opening Credits verzichtet. Stattdessen erleben wir eine Dokumentation über die Sternenflotte, produziert von Umberto „Beto“ Ortegas (Mynor Luken), den wir natürlich bereits aus mehreren Episoden der dritten Staffel kennen. Und er ist zunächst sehr kritisch gegenüber der Sternenflotte eingestellt.

Gleichzeitig gibt es ein neues Abenteuer für Captain Pike (Anson Mount) und seine Crew, welches aus der Sicht von Beto präsentiert wird. So soll die Enterprise ein „Jikaru“ zum Planeten Lutani VII bringen, ohne zunächst zu wissen, worum es sich dabei handelt. Denn ja, trotz der anfänglichen Botschaft, dass diese Mission/Dokumentation nicht weiter geheim gehalten wird, gibt es trotzdem diverse Inhalte, die geschwärzt wurden oder geheim bleiben. Nichtsdestotrotz ist dieses Abenteuer sicher gelungen, denn Pike und seine Mannschaft erkennen sehr schnell, worum es sich bei der „Fracht“ handelt, die sie zu Lutani VII eskortieren sollen. Eine von den Lutani manipulierte Lebensform, die als Bio-Waffe gegen die vermeintlich überlegenen Bewohner vom Schwesterplaneten Kasar herhalten soll.

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Unsereins findet es schwierig, die Doku vom Abenteuer zu trennen. Und ganz ehrlich, nach den ersten Minuten hätte ich am liebsten abgeschaltet, weil mir Betos Vorgehensweise überhaupt nicht zugesagt hat. Seine eigentliche Intention wird schon am Anfang deutlich und später auch bestätigt, während das Abenteuer aus „normaler“ Sicht sicher gut geworden wäre. Der „persönliche“ Doku-Faktor von Beto drückt hier aber deutlich auf das Gemüt des Zuschauers, weshalb das Abenteuer zuweilen untergeht und nur in der zweiten Reihe platznimmt, was normalerweise anders wäre. Denn wir müssen hier von Beginn an zweischneidig denken, was sich alles andere als einfach erweist. Ich werde es trotzdem mal versuchen.

Das Abenteuer

Das Abenteuer an sich ist eine Standard-Mission, aber irgendwie auch nicht. Es gibt zwei verfeindete Mächte/Planeten, die sich im Krieg befinden. Die Bewohner von Lutani VII haben hohe Verluste (9 Millionen werden genannt) zu verbuchen, während der Schwester-Planet Kasar „lediglich“ 119.000 Opfer zu beklagen hat und den Aggressor darstellt. Die Sternenflotte möchte der unterlegenen Partei offenbar helfen, indem sie die Enterprise beauftragt, eine spezielle Fracht zu den Lutani zu bringen. So weit, so okay. Und ja, diverse Parallelen zu aktuellen (unsinnigen) Kriegen sind da sicher gewollt. Insofern ist Betos Kritik am Status der Sternenflotte auch ein wenig gerechtfertigt, wenn die Enterprise jetzt ausnahmslos eine Partei im Namen der Föderation unterstützen soll und nicht in diplomatischer Mission unterwegs ist.

Alle Augen auf den Schirm!
Alle Augen auf den Schirm! - © Paramount+

Aber bleiben wir beim Abenteuer. Die spezielle Fracht erweist sich als Lebensform, welche verändert wurde, um den Lutani im Krieg einen Vorteil zu geben. Diese Erkenntnis ergibt sich aber erst während des Abenteuers und ist scheinbar auch der befehlsgebenden Ebene nicht bewusst. Denn das Jikaru (die Fracht) wurde zu einer Waffe um funktionalisiert, der kaum jemand etwas entgegenzusetzen hat, auch nicht die Enterprise. Eine Massenvernichtungswaffe also, die die Lutani gerne benutzen würden, um sich gegen den Nachbarplaneten zu wehren. Aber ich will jetzt nicht schlecht über die Lutani reden, denn die anfängliche Intervention von Dr. Gyud (Steffi DiDomenicantonio) und dem Erkundungsschiff zeigt schon auf, dass nicht alle Lutani mit dieser Lösung glücklich wären. Dr. Gyud sagt es noch auf dem Sterbebett: „We were wrong.

Derweil hat Spock (Ethan Peck) eine starke Reaktion auf das Alien gehabt, ebenso wie andere Mitglieder der Brückencrew, als das kleine Lutani-Schiff das Jikaru angegriffen hat und dieses sich zur Wehr setzte. Unserer Crew wird bewusst, dass sie es mit einer intelligenten Lebensform zu tun hat und als die weiteren Versuche scheitern, das Jikaru wieder unter Kontrolle zu kriegen, starten Spock, Chapel (Jess Bush) und Uhura (Celia Rose Gooding) per Shuttle einen Kommunikationsversuch. Spock soll sich an einer Gedankenverschmelzung versuchen, die aufgrund der starken psychischen Fähigkeiten des Jikarus auch ohne Berührung möglich sein sollte - bei entsprechend kurzer Distanz. Unterbrochen wird dieser Versuch erneut durch die Lutani, die dieses Mal mit einem Kriegsschiff unterwegs sind. Am Ende erklärt sich Uhura bereit, einen neuen Kontaktversuch zu starten, riskiert dabei ihr eigenes Leben und findet schließlich die Lösung, die die Kreatur selbst vorschlägt.

Das Abenteuer findet damit endlich seine große Wendung und Pike darf dem Wunsch des Jikarus nachkommen, sich selbst in der nahegelegenen Sonne zu vernichten. Einzig das Versprechen, den Nachwuchs der Kreatur vor weiteren Manipulationen der Lutani zu schützen, muss er geben und ist auch bereit, diesem Wunsch nachzukommen. Damit siegt am Ende der Schutz dieser Wesen gegenüber dem militärischen Aspekt, womit der Star Trek - Faktor wie wir ihn kennen die Oberhand gewinnt.

Analyse des Abenteuers

Es ist nicht von Hand zu weisen, dass die Sternenflotte in diesem Fall den Lutani helfen möchte und ein militärischer Aspekt im Vordergrund steht. Captain Pike, Una (Rebecca Romijn) und andere sind damit nicht unbedingt glücklich, aber die Befehlskette ist eindeutig und Befehle müssen befolgt werden, auch wenn sie nicht immer auf Gegenliebe stoßen. An sich ist es auch löblich, wenn die Föderation den Lutani helfen möchte, die im Krieg eindeutig unterlegen sind und bereits sehr hohe Verluste beklagen mussten. Parallelen zum (leider noch immer) aktuellen Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine werden überdeutlich, allerdings und glücklicherweise ist dort aber noch niemand auf die Idee gekommen, (biologische) Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Und damit weicht diese Abenteuer doch stark von unserer Realität ab, schließlich soll die Enterprise das Jikaru zu den Lutani bringen - ohne eingangs zu wissen, was es mit der Fracht genau auf sich hat.

Endlich wieder eine Folge mit mir im Mittelpunkt! Ich darf sogar summen
Endlich wieder eine Folge mit mir im Mittelpunkt! Ich darf sogar summen - © Paramount+

Nach der ersten Intervention der Lutani wird aber deutlich, dass hier eine intelligente Lebensform zur Massenvernichtungswaffe modifiziert wurde und obendrein die Lutani selbst nicht unbedingt wollen, dass diese Waffe eingesetzt wird. Trotzdem versucht unsere Crew zunächst, die ursprüngliche Mission zu befolgen und das halte ich für falsch. Okay, Pike und Una diskutieren mit Starfleet Command, aber beugen sich zunächst vor den Wünschen der Obrigkeit - an der Stelle hätte es mehr Widerstand geben müssen.

Letztlich führen aber die Kommunikationsversuche dazu, dass Starfleet einlenkt und alles ein gutes Ende nimmt. Vor allem Uhuras Einsatz ist da löblich zu erwähnen, denn ohne sie wäre vermutlich alles den Bach runtergegangen und die restliche Crew hätte zähneknirschend den Befehlen Folge geleistet. Insofern gut, dass hier ein grundlegender Sinneswandel stattgefunden hat, auch wenn der erst in letzter Minute erfolgte.

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Wäre dies das Abenteuer der Woche gewesen, hätte ich es mit drei bis dreieinhalb Sternen bewertet. Denn ich hätte eher erwartet, dass Pike und seine Crew einlenken, um das Jikaru und dessen Nachwuchs zu schützen. Insofern nicht gerade eine Parade-Mission unserer Crew, die eigentlich viel schneller auf den richtigen Trichter kommt. Am Ende fragt man sich außerdem, was denn jetzt aus den Lutani wird, nachdem deren große Waffe vernichtet wurde. Erhalten sie noch Unterstützung, obwohl sie nicht in der Föderation sind? Da hätte ich mir noch mindestens einen Nebensatz gewünscht, der aufzeigt, dass man dieses Volk nicht einfach seinem Schicksal überlässt, sondern diplomatische Verhandlungen aufnimmt.

Die Dokumentation

Zunächst einmal finde ich es großartig, dass diese Folge als Dokumentation von Beto inszeniert wurde. Das ließ sich kommen sehen, erst recht nach Through the Lens of Time, wo Beto bereits sehr viel dokumentiert und festgehalten hat. Außerdem hat er immer wieder betont, eine Doku machen zu wollen und da ist es natürlich schön, wenn er jetzt seine Chance erhält und versucht, uns von seinen Künsten zu überzeugen.

Sehe ich auch gut aus?
Sehe ich auch gut aus? - © Paramount+

Das große ABER kommt leider schon zu Beginn dieser Dokumentation und hätte mich beinahe zum Abschalten bewegt. Denn wie kann ihm nach allem, was er bereits auf der Enterprise erlebt hat, die Idee kommen, dass die Föderation einem Imperium gleicht oder die Enterprise ein Kriegsschiff ist oder überhaupt den Forschungsfaktor abschreiben? Seit Wedding Bell Blues ist er an Bord und noch immer der Meinung, dass die Föderation unter dem Ziel der Kolonisierung handelt? Halte ich nicht für glaubwürdig.

Tief enttäuscht hat mich außerdem, dass er Nyota heimlich filmt und dabei versucht, ihr Kritik an der Sternenflotte zu entlocken. Fraglos probiert er sich an jeder Figur, einen Skandal offenzulegen, darauf sind seine Fragen stets ausgelegt. Aber wir wissen, dass er für Uhura etwas übrighat, da ist es umso enttäuschender, wenn er mit ihr versucht, sein Ziel zu erreichen - oder auch mit Erica, die aber viel schweigsamer und vorsichtiger vorgeht als Uhura. Glücklicherweise erkennt sie die Kamera, die gerade aufnimmt und reagiert entsprechend. Aber warum geht Beto auf diese Weise vor, statt mittlerweile schätzen gelernt zu haben, dass die Crewmitglieder sich als Familie verstehen?

Es kann nicht alles auf seine Schwester Erica (Melissa Navia) hinauslaufen, auch wenn Nyota das vermutet. Denn innerhalb der Sternenflotte hat Erica ihre Bestimmung gefunden und ist trotz Krisensituationen aufgeblüht (wie andere Figuren auch). In diversen Interviews probiert Beto außerdem, verschiedene Figuren zu „entlarven“ und Charaktere wie Spock als „kaputt“ darzustellen. Von M'Benga möchte er wissen, wie viele Personen er bereits getötet hat - warum fragt er nicht danach, wie viele Personen er bereits gerettet hat? Immerhin ist M'Benga der Schiffsarzt. Versteht mich nicht falsch, ich finde, dass die Interviews von Beto durchaus eine Tragweite haben und grundsätzlich nicht schlecht sind. Aber was mich durch die gesamte Folge gewurmt hat, sind seine Fragen, die mit einer eindeutigen Absicht gestellt wurden - die Absicht eben, die Föderation zu diskreditieren.

Wir sind jetzt bestenfalls noch Freunde
Wir sind jetzt bestenfalls noch Freunde - © Paramount+

Manchmal mag Beto vielleicht an der Wahrheit kratzen, was ja nicht verkehrt ist und sicher, nicht immer wird Dienst nach Vorschrift gemacht. Aber woher kommt die grundsätzlich negative Einstellung? Das wird mir eben nicht klar herausgestellt, Erica hin oder her. Er muss doch wissen, dass die Enterprise und deren Crew stets nach der besten Lösung suchen und eben keine militärischen Ziele verfolgen, die unangebracht sind. Er war auf der archäologischen Mission dabei, hat Personen sterben sehen, hat gesehen, wie Gamble (Chris Myers) verletzt wurde. Und diese Woche kann er sich nicht daran erinnern, wie Pike darauf reagiert hat? Stattdessen quält er Uhura noch damit, ihre einstige Kollegin Elena Cho verloren zu haben.

Und ja, am Ende erkennt Beto, dass er eine falsche Einstellung gegenüber der Föderation und der Sternenflotte hatte. Aber würde jemand, der diese Einsicht schließlich hat, die Dokumentation so stehenlassen? Sicher nicht. Ich hätte mir da eine abenteuerübergreifende Doku gewünscht, die ganz klar herausstellt, welche Arbeit die Crew der Enterprise täglich macht und nicht eine einzige Mission, die von Beginn an ein fragwürdiges Ziel hat und somit einen Einzelfall darstellt. Denn wir müssen uns hier vor Augen führen, dass die Enterprise am Ende nicht dem eigentlichen Ziel nachgekommen ist. Warum also in der Doku hervorheben, dass die Crew blind Befehle verfolgt und Teil einer Militärmacht ist? Beto kritisiert am Ende doch nur sich selbst als Urheber des Materials, welches er in die Doku einpflegt und steht am Ende zwar etwas besser dar, wenn er alles akzeptiert. Aber der Weg dahin wird von Beginn an falsch aufgezeichnet, was die gesamte Episode herunterzieht.

Außerdem frage ich mich, wie er heimlich die Szenen mit Pike und Una aufnehmen konnte oder Zugriff auf die Brückenkameras erhielt, nachdem er von der Brücke verwiesen wurde. Offenbar wurde da alles durchgewinkt, aber es kann doch nicht im Sinn der Föderation sein, wenn es derartige Schwachstellen gibt und über große Teile der Episode die gesamte Crew schwach bei wegkommt. Okay, aus Sicht der Sternenflotte ist es vielleicht Absicht, diese Doku durchzuwinken, weil sie auf einer positiven Note endet. Aber für Beto als Urheber bleibt ganz sicher ein negativer Beigeschmack zurück, denn sein falscher Ansatz dominiert die Folge.

We make Starfleet what it is

Unabhängig davon, ob mir die Folge gefallen hat oder nicht, gab es einen guten Einblick in die Charaktere, deren Denkweise, Ziele und Hoffnungen, was doch positiv hervorzuheben ist. Wenn man vor der Kamera befragt wird, ist das halt nochmal ein anderer Schnack als „nur“ dem Abenteuer beizuwohnen. Insofern kann ich dem Doku-Faktor auch etwas Positives abgewinnen, wenn unsere Figuren Rede und Antwort stehen müssen.

Für mich stand übrigens Uhura im Rampenlicht, die sich mit Beto auseinandersetzen muss, mehrere Gefühlskrisen durchmacht und trotzdem noch bereit ist, Kontakt mit dem Jikaru aufzunehmen, um den Tag zu retten. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen, womit diese Woche Uhura hervorsticht. Bitte weiter so.

Letzte Woche bei Masterchef Enterprise
Letzte Woche bei Masterchef Enterprise - © Paramount+

Und sie liegt richtig, wenn sie meint: „We make Starfleet what it is. Not the other way around.“ - denn dieser kleine, aber feine Kommentar zeigt auf, dass unsere Figuren an der Front sind und zuweilen eigene Entscheidungen treffen müssen, auch wenn sie dem großen Ziel der Mission widersprechen.

Fazit

Eine Folge wie diese hatte ich zwar erwartet, aber sicher nicht in dieser Form. Die Vorgehensweise der Sternenflotte, die grundsätzlich ein militärischer Apparat ist, darf gerne in Frage gestellt werden, und das ist grundsätzlich gut. Aber Beto als Urheber der Doku versagt für mich auf ganzer Linie und hat offenbar vergessen, an welchen Abenteuern er bereits teilgenommen hat. Er versucht sogar, Uhura zu diskreditieren. Ich wollte bereits nach den ersten Minuten ausschalten, aber das Ende rettet die Folge dann doch ein wenig. Von mir gibt es diese Woche zweieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 23. August 2025
Episode
Staffel 3, Episode 7
(Star Trek: Strange New Worlds 3x07)
Deutscher Titel der Episode
Folge 7
Titel der Episode im Original
What Is Starfleet?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. August 2025 (Paramount+)

Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 3x07

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