Star Trek: Strange New Worlds 3x04

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A Space Adventure Hour
A Space Adventure Hour (dt.:„Weltraumabenteuerstunde“) zeigt sich bereits beim Cold Open von seiner besonderen Seite und liefert uns anschließend Opening Credits, die dem geneigten Trekkie äußert bekannt vorkommen werden. Aber wer nun befürchtet, wir würden eine ganze Episode mit dem Captain der USS Adventure (Paul Wesley) und seiner Crew verbringen, ist auf dem Holzweg. Diese Serie, offensichtlich an TOS angelehnt, ist lediglich der Aufhänger für einen fiktiven Kriminalfall, den eine gewisse Amelia Moon alias La'an (Christina Chong) lösen soll - im Hollywood der 60er Jahre, welches auf dem nagelneuen Holodeck der Enterprise spielt. Zu Testzwecken, versteht sich. Kann man mir noch folgen?
Nein? Gut, fangen wir noch einmal anders an. Während die Enterprise sich einen kollabierenden Neutronenstern näher anschauen soll, wird La'an von Pike (Anson Mount) und Una (Rebecca Romijn) damit beauftragt, die neueste Errungenschaft für Besatzungen mit Langzeitmissionen zu testen. Im „Recreation Room“ oder Holodeck soll es den Besatzungsmitgliedern möglich sein, sich in Freizeitabenteuer zu stürzen, sich zu erholen oder auch einfach nur mal in eine andere Umgebung abzutauchen. Die Möglichkeiten sind grenzenlos, allerdings scheint das auch auf den Energieverbrauch zuzutreffen, den Lt. Scott (Martin Quinn) überwachen soll. Und somit teilt sich die Handlung diese Woche bereits in zwei Stränge auf. Einmal erleben wir La'an passend kostümiert auf dem Holodeck und außerdem sehen wir Scotty schwitzen, wenn er die Kontrolle verliert und durch den hohen Energieverbrauch Leib und Leben der Crew gefährdet wird.

Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Holodeck, wo La'an als Amelia Moon einen Mordfall lösen soll, der sich um die Darsteller und Produzenten einer Science-Fiction Serie („The Last Frontier“) dreht und im Hollywood der 60 Jahre angesiedelt ist. Die Holodeck-Figuren bestehen dabei aus bekannten Gesichtern, die Scotty aus den Transporter-Daten gezaubert hat. Außerdem soll Lt. Spock (Ethan Peck) noch zur Unterstützung dazukommen, um das Rätsel um den Mörder zu lösen. Aus Holo-Spaß wird schließlich ernst, als La'an und Spock erkennen, dass die Sicherheitsprotokolle nicht aktiv sind und der Kontakt zur Außenwelt abbricht. Die einzige Möglichkeit aus dieser Misere scheint die Auflösung des Mordfalls zu sein, doch der erweist sich als harte Nuss.
Auf der Brücke gilt derweil die Aufmerksamkeit der Besatzung dem Neutronenstern. Lt. Scott sucht hier plötzlich Uhura (Celia Rose Gooding) auf, um ihr durch die Blume mitzuteilen, dass er den Energieverbrauch des Holodecks nicht mehr kompensieren kann. Und achso, abschalten geht auch nicht. Als der Stern plötzlich eine Welle von tödlichen Gammastrahlen in Richtung Schiff schleudert, wird es für Pike und seine Crew eng. Denn ohne Energie kann Ortegas (Melissa Navia) nicht ausweichen.
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We are all children of the cosmos
Mit Jonathan Frakes auf dem Regiestuhl hatte ich direkt wieder Those Old Scientists vor Augen - eine der meiner Meinung nach besten Episoden der Serie bisher. Aber Paul Wesley, Jess Bush und Melissa Navia direkt in einem Abenteuer zu sehen, welches offensichtlich die erste Star Trek Serie parodieren soll, erzeugte zunächst gemischte Gefühle. Machen die Autoren Dana Horgen und Kathryn Lyn sich etwa lustig über TOS? Und falls ja, lachen sie dann auch über diejenigen, die damit aufgewachsen sind und diese sowie die Folgeserien und -Filme kennen und lieben gelernt haben? Bei mir hat es jedenfalls ein bisschen gedauert, ehe es „klick“ gemacht hat und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass diese Folge ein kleiner Spalter wird. Je nachdem, welchen Eindruck dieses Mini-Abenteuer (eigentlich sehen wir nur einen Teil davon) beim Zuschauer hinterlässt.

Unsereins ist jedenfalls zum Schluss gekommen, dass die USS Adventure und deren Crew bewusst ein wenig durch den Kakao gezogen oder „überspitzt“ dargestellt werden, Parallelen zu Figuren und Darstellern erwünscht sind (Namen werde ich keine nennen, die sind offensichtlich) - ebenso hier wie bei dem Kriminalfall mit den „realen“ Personen hinter den Kulissen der Serie - und dass gleichzeitig respektvoll mit dem alten Material umgegangen wird. Letzteres erschließt sich allerdings erst aus der Gesamtheit des Kriminalfalls, in dem unter anderem die Bedeutung der Serie Gegenstand bei der Suche nach dem Mörder ist. Apropos Bedeutung der Serie, Joni Glass (Celia Rose Gooding) fasst später in der Folge sehr gut zusammen, wofür „The Last Frontier“ stehen soll - vor allem diese Szene hat mich versöhnlich gestimmt.
Mit anderen Worten hat mir dieser Ansatz gefallen und ich konnte die meiste Zeit über gut mitlachen. Persönliches Highlight waren die Outtakes zur Serie am Ende, insbesondere das gescheiterte „Riker-Manöver“ von Maxwell Saint und natürlich die Stimme von Jonathan Frakes aus dem Off. Ich kann aber jeden verstehen, der ein wenig kritischer auf die USS Adventure schaut. Schließlich haben mir auch nicht alle Trek-Ableger gefallen. Während ich beispielsweise „Galaxy Quest“ (1999) sehr gut fand, konnte mich The Orville kaum begeistern (da war für mich nach der ersten Staffel Schluss).
Miss Marple lässt grüßen
Auf dem Holodeck stürzt sich La'an ins Abenteuer und auch hier kommt einem schnell eine Parodie in den Sinn. Holo-Abenteuer sind seit Star Trek: The Next Generation ein Teil des Franchise. Man denke nur an Dixon Hill oder Captain Proton, die uns mehr als einmal über den Weg gelaufen sind. Oder wie wäre es mit James Moriarty? Die Möglichkeiten des Holodecks sind grenzenlos, weshalb sich im Vorfeld auch schlecht abschätzen lässt, wie das jeweilige Abenteuer zur Folge oder Serie passt.

Hier wird ein Kriminalfall genommen, der sich mit den Produzenten und Darstellern der fiktiven Science-Fiction Serie „The Last Frontier“ beschäftigt, die angeblich abgesetzt werden soll. Motive für den Mord sind schnell gefunden, aber immer wenn La'an meint, den Mörder entlarvt zu haben, erweist sich ihr Verdacht als falsch. Vielleicht hätte sie dem Computer nicht die Aufgabe geben sollen, ihr einen passenden Gegner zu suchen, sondern einen Gegenspieler für ihre fiktive Figur „Amelia Moon“. Dem aufmerksamen Zuschauer dürfte dieser „Anfängerfehler“ sicher aufgefallen sein, weshalb es nicht schwierig ist, den wahren Mörder schon weit vor La'an zu entlarven.
Die Autoren mögen es vielleicht für einen genialen Schachzug halten, am Ende Spock als Hologramm und Mörder zu präsentieren und irgendwie passt es auch zu La'ans Vorgabe an den Computer. Aber mir hat es einmal die Spannung genommen und zum anderen die Geschichten und Verwicklungen der Verdächtigen belanglos gemacht. Versteht mich nicht falsch, ich habe es natürlich genossen, Anson Mount, Paul Wesley, Celia Rose Gooding, Melissa Navia, Jess Bush, Babs Olusanmokun und Rebecca Romijn in ihren Holodeck-Rollen zu sehen. Die Kostüme und das Setting fand ich ebenfalls toll, zumal man den meisten Darstellern auch anmerkt, wie viel Spaß sie beim Drehen hatten. Aber die Auflösung, selbst wenn man sie nicht hat kommen sehen, ruiniert den Kriminalfall doch beträchtlich. Da hätte Spock vom Computer besser beziehungsweise überhaupt ins Geschehen integriert werden müssen - von Anfang an und mit passendem Kostüm.

Spock und La'an
Außerhalb des Holodecks gibt es eine kleine Rahmenhandlung zwischen Spock und La'an. Vor ihrem Abenteuer betritt sie seine Kabine und „erwischt“ ihn beim Tanzen. Offenbar hat unser Vulkanier gefallen daran gefunden und lernt solo weiter. La'an steigt spontan ein und während die beiden einen Tango hinlegen, wird über das Holodeck diskutiert. Ebenso später, nachdem das Abenteuer beendet ist.
Dass es zwischen den beiden knistern könnte, ließ sich bereits in Wedding Bell Blues vermuten. Für mein Empfinden haben Christina Chong und Ethan Peck auch eine bessere Chemie miteinander als Peck und Jess Bush zuvor, weshalb ich diese Entwicklung begrüße. Hätte ich das in den ersten beiden Staffeln für möglich gehalten? Vermutlich nicht, aber das wird daran liegen, dass wir die beiden Darsteller/Figuren nur selten zusammen in Szenen erlebt haben. Und wenn doch, dann meist im Rahmen einer Mission und nicht außerhalb davon bei sozialeren Anlässen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Beziehung länger hält und nicht wie bei T'Pring (Gia Sandhu) und Chapel auf etwa eine Staffel begrenzt ist.

Scotty im Stress
Außerhalb des Holodecks liegt der Fokus auf Scotty, der schon zu Beginn alle Hände voll damit zu tun hat, den Energiefluss zum Holodeck aufrechtzuerhalten und dabei nicht zu viel vom Schiff abzuzwacken. Una kann er noch davon überzeugen, alles unter Kontrolle zu haben, aber bereits hier stehen ihm die Schweißperlen auf der Stirn geschrieben. Pelia (Carol Kane) genießt derweil ein bisschen Urlaub. Ob sich bei 5-Jahres-Missionen wohl 150 Urlaubstage ansammeln?
Erst als Scotty den Kontakt zu La'an verliert (Spock erwähnt er nicht, was ein weiterer Hinweis auf die Auflösung des Kriminalfalls ist), sucht er Uhura auf und bittet um ihre Hilfe. Sie erkennt zwar, wie bedrohlich die Lage für das Schiff mittlerweile geworden ist, aber die passende Idee hat sie erst, als die Enterprise mitten in der Krise steckt und Scotty sich fast geschlagen geben muss. Natürlich fällt auch der Brückencrew schließlich auf, dass keine Energie mehr vorhanden ist, während die tödlichen Gammawellen ihren Weg einschlagen. Später der entscheidende Punkt, weshalb Pike sich gegen das Holodeck ausspricht und damit vorerst den Kanon wahrt.
Scotty erhält anschließend eine Predigt von Una, die uns noch ein wenig tiefer in den späteren Chefingenieur blicken lässt. Seine Vergangenheit hat ihn nämlich gelehrt, doch lieber selbst Hand anzulegen, statt sich auf andere zu verlassen. In diesem Fall sicher die falsche Entscheidung und es war richtig von Una, ihn darauf hinzuweisen, dass ein Ruf nach Hilfe keine Schwäche, sondern eine Stärke ist - immerhin soll die Crew der Enterprise ein Team darstellen, da ist Eigenbrötlerei tatsächlich fehl am Platze. Jetzt könnte man zwar meinen, dass er doch Uhuras Hilfe genutzt hat und das stimmt auch. Aber Uhura kann keinen weiteren Ingenieur ersetzen und davon sollte es doch mehrere an Bord geben, oder?

Außerdem hat es mir natürlich sehr viel Spaß gemacht, Scotty im Stress zu sehen. Martin Quinn ist einfach großartig in der Rolle und wenn man Scotty eins nicht vorwerfen kann, ist es Einfallslosigkeit. Selbst als das Schiff und die Besatzung dem sicheren Tod ins Auge blicken, findet er noch irgendwo ein Quäntchen Energie, um Ortegas ein Ausweichmanöver durchführen zu lassen.
Sonstiges
Kira Guloien spielt diese Woche Zipnop (was für ein bewusst billiges Kostüm). Hoffentlich sehen wir sie bald als Kelzing wieder.
Es gibt natürlich unzählige Referenzen an TOS sowie Cast und Crew von damals. Eigentlich wollte ich eine Liste machen, wer wen spielt, welche Anspielungen zu welchem Darsteller/Produzenten/Crewmitglied passen und so weiter. Aber ich glaube, das würde den Rahmen des Artikels sprengen.
Fazit
Es liegt sicher im Auge des Betrachters, wie viel Spaß man mit A Space Adventure Hour hat. Wer Holodeck-Geschichten mag und sich nicht zu schade ist, auch ein wenig über das Franchise zu lachen, ist hier sicher richtig aufgehoben. Cast und Crew hatten jedenfalls sichtlich Freude bei der Umsetzung. Meine Kritik liegt eher bei der Auflösung des Krimis, die sich vorhersehen ließ und ein zentrales Element der Folge darstellt. Alles andere wusste zu gefallen, auch wenn ich lieber „echte“ Abenteuer als Holodeck-Geschichten erlebe. Von mir gibt es dreieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 2. August 2025(Star Trek: Strange New Worlds 3x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 3x04
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