Star Trek: Strange New Worlds 3x02

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Wedding Bell Blues
Wedding Bell Blues (dt.:„Hochzeitsglocken-Blues“) spielt drei Monate nach der Auftaktepisode und stellt eine romantische Komödie dar. Meine Empfehlung wäre, nach Hegemony, Part II eine kleine Pause zu machen, um nicht vom krassen Wechsel in romantische Gefilde erschlagen zu werden. Denn der ist nach dem actionreichen und düsteren Auftakt schon recht groß.
An Bord der frisch reparierten Enterprise steht eine Gala zum 100jährigen Bestehen der Föderation an. Spock (Ethan Peck) freut sich auf die Rückkehr von Christine Chapel (Jess Bush) und hat sogar Tanzkurse bei La'an (Christina Chong) genommen, um seine Herzensdame zu beeindrucken. Aber Chapel kommt in Begleitung von Dr. Roger Korby (Cillian O'Sullivan) an Bord, der inzwischen mehr als ihr Mentor geworden ist. Autsch.
Ein enttäuschter Spock wendet sich schließlich an einen Barkeeper (Rhys Darby), der ihm einen speziellen Cocktail macht. „Are you ready for a change?“ - keine leeren Worte, denn als Spock wieder aufwacht, steht statt der Gala seine Hochzeit mit Christine an - und Korby scheint der Einzige zu sein, der diesen Wechsel bemerkt. Korby stellt Spock schließlich zur Rede und fängt sich einen Schlag vom aufgebrachten Vulkanier ein. Dieser unverhoffte emotionale Ausbruch lässt Spock erkennen, dass Korby richtig liegt und irgendetwas oder irgendwer einen Schleier über die Realität gelegt hat. Gemeinsam versuchen sie, dem Mysterium auf die Schliche zu kommen.
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Während die Handlung sich hauptsächlich mit dem Dreieck um Spock, Korby und Chapel beschäftigt, gibt es aber noch andere Geschehnisse und Neuzugänge zu vermerken. Ein neuer Krankenpfleger (Chris Myers), der an Bord bleiben darf. Erica Ortegas (Melissa Navia) erhält Besuch von ihrem Bruder Beto (Mynor Luken), der sich offenbar gut mit Uhura (Celia Rose Gooding) versteht. Marie Batel (Melanie Scrofano) und Christopher Pike (Anson Mount) versuchen eine gemeinsame Zukunft zu erörtern. Und zuletzt gibt es mit Kelzing (Kira Guloien) einen ersten Edosian als Barkeeper an Bord.

Hochzeit mit Hindernissen
Ich möchte ehrlich gesagt nicht in Spocks Haut stecken, denn was ihm diese Woche wiederfährt, ist wohl der größte Alptraum für einen Verliebten. Erst der Schock, dass Korby mit Chapel zusammen ist und Korby uns auch als sehr sympathische Figur vorgestellt wird, die dem Rest der Crew zu gefallen scheint. Dann der ersehnte Wunsch beinahe erfüllt und die Realität verändert. Und schließlich die Einsicht, dass es nicht richtig ist, diesem Wunsch nachzugehen.
Ethan Peck weiß in jeder Szene zu überzeugen. Wir erleben hier ein Wechselbad der Gefühle und ich finde es beeindruckend, wie Spock die ganzen Situationen wahrnimmt und verarbeitet und schließlich Chapel „aufwecken“ kann. Nicht, dass er das gemusst hätte - ihm wird ja mehrfach nahegelegt, einfach das Happy End mitzunehmen. Aber er spürt, dass das falsch ist und kann seiner Liebsten am Ende nicht abverlangen, in einer Scheinwelt zu leben, in der sie das gleiche für ihn empfindet. Das ist charakterliche Größe und so traurig es auch sein mag, die Anerkennung davon, dass Chapel bei Korby besser aufgehoben ist.
Ebenfalls hat mich das Team Spock und Korby begeistert. Auch vor dem Hintergrund, dass Korby mal der Verlobte von Chapel sein wird (wir erinnern uns kurz an TOS). Beide sind bemüht, die restliche Besatzung vom Realitätswechsel zu überzeugen. Sam Kirk (Dan Jeannotte) und sein Schnurrbart werden aufs Äußerste strapaziert, aber das gewünschte Ergebnis wird nicht erzielt. Vielleicht hätten sie beim Junggesellenabschied mehr Erfolg gehabt, Wut und Zorn bei den Teilnehmern hervorzurufen - aber das wäre kaum der richtige Weg gewesen. Was Korby vorerst bleibt, ist bei der Sache mitzumachen und zusammen mit Spock die Konfrontation des Übeltäters zu suchen.

Trelane is back
Lt. Scott (Martin Quinn) hatte bereits eine ungewöhnliche, geisterhafte Erscheinung gesichtet und uns damit eine Vorahnung gegeben, wie sich diese Episode entwickeln könnte. Der mysteriöse Barkeeper, der Spocks Wunsch erfüllen möchte und sich später als Übeltäter entpuppt, kann nur Trelane (damals gespielt von William Campbell) aus Tödliche Spiele auf Gothos sein. Parallelen zur aktuellen Handlung sind offensichtlich, wobei Trelane womöglich einen Zeitsprung (aus TOS) zurück gemacht hat, um Spock zu helfen (schließlich hat er ihm in TOS übel mitgespielt). Keine Ahnung, diese übernatürlichen Wesen haben ja quasi unbegrenzte Macht.
Wobei diese Folge nicht gerade zu meinen Lieblingsfolgen aus der TOS-Ära zählt. Es ist halt immer etwas doof, wenn unsere Protagonisten kaum zur Auflösung beitragen. Und das ist auch hier der Fall. Denn Spock riskiert mit dem romantischen Gedicht vorm Traualtar, welches Korby einst Chapel vortrug, natürlich den Tod aller Anwesenden (gewarnt wurde er mehrfach) und es ist nur dem Auftritt des „Vaters“ von Trelane zu verdanken (gesprochen übrigens von Q himself John de Lancie), dass die Feierlichkeiten nicht zum Massaker werden.
Da ist es schwierig, unsere Crew oder auch Spock oder Korby zu loben, weil ohne den großen Daddy noch alles hätte schiefgehen können. Kanontechnisch dürfen wir uns aber freuen, weil jetzt die Theorie bestätigt wird, dass Trelane zu den Qs gehört. Und ich möchte an dieser Stelle noch ein Hut ab an Rhys Darby geben, der seine Rolle wundervoll spielt und gleichzeitig an William Campbell erinnert - wobei die Kostümierung sicher auch einen Teil dazu beigetragen hat.
Letzten Endes hoffe ich aber, dass dieser Ausflug einmalig bleibt. Q und seine Gefährten oder auch Kinder gehören (noch) nicht in diese Welt. Also bitte, liebe Autoren, überlasst Q Star Trek: The Next Generation. Hier konnte er sich austoben und Picard (Patrick Stewart) und seiner Crew zusetzen. Da brauchen wir kein Prequel.

Hoch die Tassen/Gläser!
Nachdem die Katze aus dem Sack ist und alle Gäste wieder bei klarem Verstand, ist es an Pike, eine Rede zu halten. Er ist natürlich wie alle anderen noch verwirrt und nicht in Bestform, aber mit „…and the bar is open“ gibt er einen passenden Abschluss, um die Feierlichkeiten zu eröffnen. In Anbetracht der Gedankenentführung vielleicht ein wenig unpassend, da würde vermutlich jeder gerne erstmal in der Krankenstation vorbeischauen. Aber ob nun Hochzeit oder Gala - uns wurde eine Party versprochen und die kann und darf natürlich gerne stattfinden.
Für mich auch das Highlight der Episode. Ich liebe es einfach, wenn unsere Crew eine gute Zeit miteinander verbringt und jede/r dabei ist. Knistert es vielleicht zwischen Spock und La'an? Vielleicht kann er seinen emotionslosen Weg noch etwas länger aufschieben? Marie und Christopher schwingen gekonnt das Tanzbein und Uhura und Beto machen es ihnen nach. Aber auch der Rest der Crew und Gäste stimmen ins Happy End ein, was mir sehr gefallen hat.
Lediglich Ortegas entzieht sich dem Sog und lässt uns Zuschauer mit einem sorgenvollen Gesicht zurück. Sie hat die letzte Folge noch nicht verkraftet. Wie auch? Ihre Konfrontation mit den Gorn wird noch Nachwirkungen haben, das ist sicher. Aber zumindest erkennt Pike, dass sie sich von den Feierlichkeiten zurückzieht. Somit wird sie hoffentlich die Hilfe erhalten, die sie benötigt.
Fazit
Ich bin ehrlich gesagt kein Fan von romantischen Komödien und tue mich auch ein bisschen schwer mit dieser Episode. Aber Star Trek: Strange New Worlds ist wirklich strange und anders - und zwar mit jeder Folge. Außerdem mag ich die Figuren, die Neuzugänge und das ganze Drumherum, welches hier in einer großen Party endet. Unterm Strich gibt es da dreieinhalb von fünf Sternen von mir. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 20. Juli 2025(Star Trek: Strange New Worlds 3x02)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 3x02
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