Star Trek: Strange New Worlds 2x10

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Hegemony
Die USS Cayuga hilft Kolonisten auf Parnassus Beta - ein Planet außerhalb des Föderationsraumes. Captain Marie Batel (Melanie Scrofano) hat Christine Chapel (Jess Bush) mitgenommen, die auf dem Weg zu Dr. Roger Korby ist, um ihr Stipendium anzutreten. Chapel unterstützt bei den Impfungen der Kolonisten und beamt sich anschließend zurück auf die Cayuga. Als Marie einen Anruf von Christopher Pike (Anson Mount) erhält, fällt plötzlich die Kommunikation aus. Ein Shuttle stürzt ab und ein fremdes Schiff erscheint am Himmel - die Gorn greifen an.
Die Enterprise erhält noch einen zerstückelten Notruf von Batel und begibt sich nach Parnassus Beta, um dort im Orbit die zerstörte Cayuga vorzufinden. Kommunikation, Scanner und Transporter werden von einem fremden Signal gestört. Außerdem lautet die Anweisung von Admiral Robert April (Adrian Holmes), auf keinen Fall einen Krieg zu provozieren, während die Gorn der Föderation ein Bild vom Planetensystem zukommen lassen - mit einer roten Linie, die die Grenze aufzeigt, die die Enterprise nicht überschreiten soll. Natürlich befindet sich Parnassus Beta mit potenziellen Überlebenden des Angriffs auf der falschen Seite der Linie.
Captain Pike und der Rest der Crew haben aber nicht vor, die Überlebenden - die es hoffentlich gibt - zurückzulassen. Ein Außenteam, bestehend aus dem Captain, Erica Ortegas (Melissa Navia), Sam Kirk (Dan Jeannotte), M'Benga (Babs Olusanmokun) und La'an (Christina Chong), schleicht sich per Shuttle zur Planetenoberfläche und sucht nach Batel und den anderen. Keine leichte Aufgabe, denn die erste Begegnung erfolgt mit einem jungen Gorn, dem weitere folgen sollen.
Es gelingt ihnen schließlich, Überlebende zu finden, zu denen auch ein gewitzter Ingenieur gehört, der das abstürzende Shuttle steuerte und auf den Namen Montgomery Scott (Martin Quinn) hört. Scotty hat eine Möglichkeit entdeckt, Shuttles mit einem Gorn-Transponder zu versehen, benötigt dafür aber Teile, die sich an Bord seines abgestürzten Shuttles befinden. Ein Plan formiert sich, bei dem Pike und Batel aber unterschiedliche Vorstellungen haben. Denn Marie schleppt ein Geheimnis mit sich herum, welches ihr kaum Überlebensaussichten gibt.
Währenddessen untersucht Spock (Ethan Peck) von der Enterprise aus das Trümmerfeld aus den Überresten der Cayuga. Die nicht vollkommen zerstörte Untertassen-Sektion weist noch Luft-Taschen auf, womit es auch hier Überlebende geben könnte. Allerdings ist die Krankenstation nicht mehr vorhanden - der wahrscheinlichste Aufenthaltsort von Chapel zur Zeit des Angriffs.
Una (Rebecca Romijn), Pelia (Carol Kane), Spock und Uhura (Celia Rose Gooding) entwickeln aber schließlich einen Plan, um das Störsignal der Gorn auszuschalten, welches von der Planetenoberfläche ausgeht. Dafür soll die Untertassen-Sektion der Cayuga genutzt werden, die Spock entsprechend manipulieren soll. Ein Plan, der nach einigen Hindernissen und der Entdeckung, dass Chapel noch lebt, aufgehen soll.

Ein Happy-End kommt in beiden Handlungssträngen schließlich in Reichweite als der Störsender der Gorn tatsächlich ausgeschaltet wird. Mehrere Figuren werden zur Enterprise gebeamt, wobei Maries Schicksal noch auf der Kippe steht. Aber was die Überlebenden und den Großteil des Außenteams angeht, sieht es düster aus. Denn die Gorn waren hier schneller und haben ihrerseits die Transporter genutzt, um ihre „Beute“ an Bord zu holen. Pike erhält den Befehl, sich zurückzuziehen, während die Gorn zum Angriff übergehen. Cliffhanger.
Gorn
Für das Staffelfinale ließ sich erwarten, dass die Gorn zurückkehren werden. Bereits in The Broken Circle wurde von Admiral April angesprochen, wie knifflig die Lage an dieser Front ist und als Batel letzte Woche eine Mission von oberster Priorität erhielt (obwohl die jetzt gar nicht so wichtig aussieht, weil die Kolonisten ja nicht zur Föderation gehören und die Hilfe angeblich kritisch aufgenommen wird), war mir irgendwie klar, dass es auf die Gorn hinauslaufen muss. Und ich war echt gespannt darauf, wie das storytechnisch umgesetzt wird, zumal die Gorn in der zweiten Staffel generell keine große Rolle gespielt haben.

Den Kanon-Fans wird diese Folge auch gar nicht gefallen, weil in der TOS-Folge Arena die Gorn als größtenteils unbekannt vorgestellt wurden, während La'an bereits in der ersten Staffel ihre Erfahrungen hatte und wir dort auch schon ein paar Gorn zu sehen bekommen haben. Jetzt hat die Föderation aber bereits jedes Schiff mit einem Gorn-Notfall-Paket ausgestattet, welches es erlaubt, diese „Monster“ ausfindig zu machen und zu eliminieren.
Ferner erkennen Spock und die anderen auch, welche Gorn-Schiffe da auf dem Radar auftauchen - von kleineren Jägerschiffen bis zum Zerstörer ist alles dabei. Insofern sind die Gorn keine Unbekannten mehr, wie es damals der Fall war. Mich stört das nicht, weil mir der Kanon nicht so wichtig ist. Aber ich kann mir vorstellen, dass diverse Alt-Fans des Franchise Probleme damit haben.
Was mich eher ein bisschen stört, sind ein paar dumme Ideen, denen hier nachgegangen wird. Das fängt schon mit diesem Bild vom Sonnensystem an, welches nur eine Momentaufnahme ist. Denn Planeten rotieren bekanntlich um die jeweilige Sonne und da wird auch Parnassus Beta irgendwann von allein auf die „richtige“ Seite der Linie kommen (die Umrundung der Sonne ist sogar eingezeichnet). Auch Pikes Aussage „Sometimes a monster is just a monster“ stört ein wenig, ebenso wie die Bereitschaft der Crew, sich diesem Feind (mit tödlichen Mitteln) zu stellen. Klar, die Motivation dahinter ist vielleicht gut und richtig, weil es darum geht, andere zu retten.
Aber es gibt nur wenige Stellen in der Folge, in denen kritisch beäugt wird, ob die Motive der Gorn (und der Angriff auf die Kolonie) vielleicht einen Hintergrund haben, der uns noch nicht eröffnet wurde. Daher hätte ich eine Linie bevorzugt, die trotz allem auf mehr Diplomatie und „Verständnis“ ausgelegt ist. So weit wie April würde ich zwar nicht gehen, weil Leben in Gefahr sind. Aber dennoch stört es, wenn der diplomatische Faktor zur Randerscheinung verkommt und nicht einmal probiert wird, mit den Gorn in Verhandlungen zu treten.
Denn man muss auch immer im Auge behalten, dass die Gorn über einige Technologien verfügen, die daraufhin deuten, dass es auch bei diesen „Monstern“ Wissenschaftler und Erfinder gibt. Was bei Those Old Scientists von Tendi (Noel Wells) in Bezug auf die Orioner angesprochen wurde (da sind eben nicht alle Piraten), müsste eigentlich auch hier greifen. Aus diesen Gründen hätte ich es als besser empfunden, wenn Uhura nicht mit einem Plan zur Zerstörung des Störsignals daherkommt, sondern ihr eine Kontaktaufnahme mit den Gorn gelungen wäre. DAS hätte natürlich die gesamte Episode umgedreht, an der Action gekratzt, und so weiter. Aber es wäre halt der Weg gewesen, den „Star Trek“ generell seit „TOS“ eingeschlagen hat. Und diesen Weg vermisse ich hier doch ein wenig.
Those we love
Sowohl für Pike als auch für Spock werden charakterliche Liebesbeziehungen aufgezeigt, wenn es um die jeweilige Motivation geht. Ein Pike kann eben nicht zulassen, dass Marie den Gorn in die Hände fällt und ein Spock muss hoffen, dass Christine irgendwie überlebt hat. Zwei Charakterdramen, die wir nachvollziehen können und von denen wir hoffen, dass sie einen glücklichen Ausgang finden werden. Auch nach dem Cliffhanger.

Fangen wir mit Pike an, dem es tatsächlich gelingt, Marie ausfindig zu machen. Das Wiedersehen wird aber spätestens dann getrübt, wenn klar wird, dass Marie von den Gorn mit Eiern infiziert wurde, die ihr nur wenige Stunden bis zum Ableben geben. Ein Zustand, der hoffentlich in der nächsten Staffel revidiert werden kann, auch wenn es aktuell nur wenig Hoffnung gibt - denn sonst hätte Hemmer (Bruce Horak) auch um sein eigenes Leben kämpfen können.
Mir hat aber gefallen, dass Pike gerade wegen Batel die Befehle von April ignoriert. Dadurch wird Pike menschlicher und weniger Aufgaben-fokussiert, was sicher ein Pluspunkt ist. Auch die Tatsache, dass er niemanden zurücklassen will, kommt hier in den Fokus und ist vielleicht auch eine kleine Referenz zu Among the Lotus Eaters, wo ihn das Amulett von Batel zurückgeführt hat.
Unsereins möchte jedenfalls mehr von den beiden und der Beziehung sehen, insofern ist es gut, dass Marie jetzt eine Überlebenschance hat.
Bei Spock und Chapel schien zuvor Hopfen und Malz verloren zu sein. Aber wenn die beiden im Weltraum Händchen halten, nachdem die Attacke eines ausgewachsenen Gorns überstanden ist, kann ich als Zuschauer nur weiter shippen. Dieses Pärchen sollte keines mehr sein, nachdem wir Subspace Rhapsody gesehen haben, aber für Spock nagt der vermeintliche Verlust von Chapel doch sehr und er bereut, wie die beiden auseinandergegangen sind. Pluspunkte für Spock, der zwischenzeitlich von Una getröstet wird.
Aber ich glaube, dass auch Christine mitbekommen hat, wie viel unserem Vulkanier an ihr liegt und dass sie nach diesem Abenteuer noch Gefühle für ihn hat. Die Zukunft der beiden mag ungewiss sein und auf TOS hinauslaufen, aber vorerst ist diese Beziehung doch noch nicht am Ende, was mich gefreut hat.
Außenteam
Die Wahl des Außenteams ist größtenteils nachvollziehbar. Ortegas wird benötigt, um das Shuttle zur Planetenoberfläche zu bringen und sie wartet ohnehin schon länger darauf, an einer solchen Mission teilzunehmen. Während die anderen - insbesondere Pike - beim Landeanflug die Hosen sichtlich voll haben, sehen wir in Ortegas' Gesicht Begeisterung. Eine lustige Szene, die ein wenig hervorsticht und Erica voll und ganz in ihrem Metier zeigt - das macht einfach Spaß. Leider tritt sie anschließend in der eigentlichen Außenmission in den Hintergrund, womit wir wohl weiterhin auf eine Charakterfolge warten müssen, bei der sie im Mittelpunkt einer Handlung steht.

La'an ist aufgrund ihrer Erfahrungen mit den Gorn dabei, erhält aber ebenfalls nur kleinere Auftritte. Sie darf bemerken, dass diese Gorn sich ein wenig anders verhalten als sie es kennt - aber ob diese Beobachtung noch wichtig wird, bleibt fraglich. Sam Kirk darf als erster den speziellen Gorn-Phaser testen und diesmal verfällt er nicht in Panik, was für ihn sicher ein Fortschritt ist. Aber an Pikes Stelle hätte ich ihn kaum mit auf die Mission genommen, gerade weil er sich bei der letzten Begegnung mit den Gorn schon als Unsicherheitsfaktor erwiesen hat.
Über Sam haben wir im Staffelverlauf auch nicht sonderlich mehr erfahren als zuvor. Auch hier fehlt noch eine intensivere Auseinandersetzung mit der Figur, die aktuell nur deshalb an Bord zu sein scheint, damit Bruder James (Paul Wesley) regelmäßig vorbeischauen kann. M'Benga ist als Arzt derweil eine logische Wahl für das Außenteam, aber wie wir seit Under the Cloak of War wissen, schleppt er ein Kriegstrauma mit sich herum und sollte demnach besser diesem Einsatz fernbleiben.
Es fällt mir jedenfalls schwer zu glauben, dass Pike ihn wegen seiner Kampffähigkeiten mitnimmt und wäre das der Fall, hätte er vorher sicher für alle ein wenig „Protocol 12“ herstellen und mitnehmen müssen. Aber auch M'Benga bleibt bei der Mission eher unter dem Radar.

Dafür erhalten wir mit Scotty einen Neuzugang, der fast allen die Show stiehlt. Martin Quinn spielt (und spricht) die Rolle großartig und erinnert mich tatsächlich ein wenig an einen jungen James Doohan, womit die Grundvoraussetzung für diese Figur erfüllt ist. Sein Erfindungsreichtum kommt schon mit der Falle zur Geltung, in die unser Außenteam hineinläuft, aber der eigentliche Clou ist die Sache mit dem Transponder, der eine Möglichkeit zur Flucht darstellt.
Auch sein späteres Treffen mit Pelia (die kennt natürlich alle) hat mir gefallen, wobei ich allerdings nicht hoffe, dass Scotty jetzt der neue Chefingenieur der Enterprise wird. Das kann gerne noch etwas dauern, denn vorerst möchte ich noch mehr von Pelia sehen, ganz zu schweigen davon, dass es nicht jede Staffel einen neuen Chefingenieur benötigt - Hemmer vermisse ich schließlich auch weiterhin.
An Bord der Enterprise
Der mögliche Tod von Chapel trifft die gesamte Brückencrew, aber Spock insbesondere. An dieser Stelle stört mich aber, dass unsere Crew keine Maßnahmen trifft, um andere Überlebende der Cayuga in den Luft-Taschen der Untertassen-Sektion zu finden. Nachdem klar ist, dass die Krankenstation nicht mehr existiert, wird gar nicht erst versucht, sich diese möglichen Überlebensorte genauer anzuschauen. Ein Fehler, der weder Una noch Spock unterlaufen sollte, denn wie sich später herausstellt, hat Chapel in einer dieser Luft-Taschen überlebt und es wäre durchaus möglich, dass sich noch andere Überlebende gefunden hätten - die nun in den Störsender gekracht und ganz sicher tot sind.

Gefragt habe ich mich auch, ob der ausgewachsene Gorn, der Spock und Chapel zu schaffen macht, vielleicht in Funkkontakt (oder „Lichtkontakt“) mit den anderen Gorn steht. Der Kampf hat mir zwar gefallen, da wurde ordentlich an der Spannungs- und Actionschraube gedreht, auch wenn wir wissen, dass sowohl Chapel als auch Spock überleben „müssen“. Aber genau dieser Vorfall hätte die anderen Gorn in Alarmbereitschaft versetzen müssen, schließlich war dieser Kollege damit beschäftigt, Informationen über die Cayuga zu sammeln und hat versucht, in deren Systeme einzudringen.
Das wird eine eigene Gorn-Außenmission gewesen sein, da ist es unwahrscheinlich, dass die diesen einsamen Kämpfer kontaktlos zurückgelassen haben. Außerdem stellt sich heraus, dass diese „Monster“ nicht stumpf auf Zerstörung und den eigenen Nachwuchs aus sind. Die präsentierten Taktiken, die Schiffe, der Störsender und jetzt jemand, der versucht, in die Systeme der Cayuga einzudringen - die Gorn sind mehr als nur Monster und ich hoffe inständig, dass diese Tatsache unserer Crew auch noch auffällt.
Cliffhanger
Es bleibt am Ende vieles in der Schwebe. Das Schicksal von Marie oder auch dem Rest des Außenteams und der Kolonisten, die an Bord eines der Gorn-Schiffe gebeamt wurden, aber auch die weitere Vorgehensweise von Pike, der von April den Befehl erhält, nicht weiter zu intervenieren. Unsereins hatte nicht mit einem solchen Cliffhanger gerechnet und wurde überrascht. Positiv ist natürlich, dass bereits eine dritte Staffel bestellt wurde. Aber wann die ausgestrahlt wird, ist mit Blick auf den Autorenstreik in den USA fraglich. Vor 2025 würde ich nicht damit rechnen.
Negativ sehe ich derweil, dass Star Trek: Strange New Worlds sich überhaupt an einem Cliffhanger bedient und das Publikum insofern hängen lässt. Ja, es mag ein wenig an „The Best of Both Worlds“ erinnern, wo uns eine ähnlich aussichtslose Situation mit den Borg präsentiert wurde. Aber mir persönlich ist ein rundes Staffelende lieber als die Warterei auf die Fortsetzung. Vielleicht ein generelles Thema, was sich noch weiter diskutieren lässt. Mir hat der Cliffhanger jedenfalls trotz der bereits bestellten dritten Staffel weniger zugesagt. Wie sieht das bei Euch aus?

Fazit
Rein charakterlich habe ich wenig zu monieren und dieses Abenteuer macht durchaus Laune, weil an Action, Spannung und zuweilen auch Humor oder untergründigem Horror nicht gegeizt wird. Es gibt allerdings einige Einschränkungen, die dieses Staffelfinale mitunter recht madig machen und der Cliffhanger ist nur eines davon, während vielmehr der Umgang mit den Gorn oder auch den möglichen Überlebenden der Attacke die größten, kritischen Fragen aufwerfen. Von mir gibt es dennoch - mit einem zugedrückten Auge - vier von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 13. August 2023Star Trek: Strange New Worlds 2x10 Trailer
(Star Trek: Strange New Worlds 2x10)
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