Star Trek: Strange New Worlds 2x09

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Subspace Rhapsody
Subspace Rhapsody ist die erste Musical-Episode des Franchise. Es gab zwar schon zu TOS-Zeiten Gesangseinlagen - wie von Uhura (Nichelle Nichols) in der Folge Charlie X - aber eine ganze Folge als Musical aufzuziehen ist neu und gewissermaĂen auch gewagt. Denn nicht jeder wird Gefallen daran finden, wenn die Figuren plötzlich zu singen anfangen und erst am Ende des Abenteuers wieder zum „Normalzustand“ zurĂŒckkehren. Die groĂe Frage, ob einem die Folge gefĂ€llt, hĂ€ngt also davon ab, ob man als Zuschauer bereit ist, sich auf eine solche Episode einzulassen. Denn wer mit Musicals nichts anfangen kann, wird logischerweise auch Probleme mit dieser Folge haben.
Unsereins ist sicher kein Musical-Experte. Das eine oder andere habe ich gesehen und auch genossen, aber ich bin nicht ĂŒbermĂ€Ăig in der Materie drin, um beurteilen zu können, wie gut oder schlecht jetzt das Musical namens Subspace Rhapsody aus professioneller Sicht gelungen ist. Als Laie lĂ€sst sich aber dennoch leicht erkennen, wie viel Arbeit in die Folge investiert wurde. Und es ist durchaus beeindruckend, wie viele Songs extra fĂŒr diese Episode kreiert wurden, wie gut die Gesangseinlagen der Darsteller sich anhören (jedenfalls im O-Ton, zur Synchro kann ich nichts sagen - wurde hier ĂŒbersetzt oder einfach zum O-Ton umgeswitcht?) und obendrein, dass es in den charakterlichen Stories trotz allem weitergeht und hier eben keine Auszeit aufgrund des Abenteuers eingelegt wird. All das unter einen Hut zu kriegen, mitsamt der zahlreichen Versuche, den unfreiwilligen Gesang wieder in den Griff zu bekommen, dĂŒrfte bereits im Vorfeld eine Mammut-Aufgabe gewesen sein. Respekt fĂŒr die Schöpfer dieser Episode und ja, wĂ€hrend ich diesen Text schreibe, höre ich bereits den Soundtrack. Da sind tatsĂ€chlich ein paar OhrwĂŒrmer dabei.

Storytechnisch - aber diese Story ist eigentlich Nebensache - gibt es einen natĂŒrlichen Subraum-Spalt, von dem Spock (Ethan Peck) sich eine schnellere Kommunikation ĂŒber die ĂŒblichen Subraum-KanĂ€le verspricht. Er benötigt fĂŒr seine Experimente jede Menge Ressourcen, weshalb Uhura (Celia Rose Gooding) die eingehenden Nachrichten manuell zustellen muss - eine Aufgabe, die sie beeindruckend erfĂŒllt. Pelia (Carol Kane) kommt schlieĂlich die entscheidende Idee, die zur gesangstechnischen VerĂ€nderung fĂŒhrt: Fundamental Harmonics beziehungsweise Musik, die Spock fĂŒr den nĂ€chsten Versuch verwendet - und dafĂŒr auf Vorschlag von Uhura auf „Anything Goes“ zurĂŒckgreift. Ein Klassiker, der hier passenderweise in der Broadway-Musical-Version spendiert wird und kurz darauf den Subraum-Spalt zur Subraum-Anomalie werden lĂ€sst. Um Pike (Anson Mount) zu zitieren: „But why are we singing?“
Das Abenteuer
Die PrĂ€misse, die diese Episode sehr musikalisch werden lĂ€sst, sollte man als Zuschauer nicht groĂartig hinterfragen. Denn hier finden sich bei nĂ€herer Betrachtung tatsĂ€chlich ein paar LĂŒcken oder auch Unstimmigkeiten, die mit einer EntitĂ€t (wie beispielsweise Q (John de Lancie)) vielleicht stimmiger und auch lustiger hĂ€tten erklĂ€rt werden können. Die Krux beim Abenteuer ist in meinen Augen, dass die Figuren sich bewusst sind, dass sie singen. James T. Kirk (Paul Wesley) merkt diese Tatsache direkt an, die vor dem (genialen) Vorspann von Pike gesangstechnisch geĂ€uĂert wurde. Vielleicht wĂ€re es auch eine Option gewesen, die Figuren singen zu lassen, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Denn dann hĂ€tten sich die Macher diese „ErklĂ€rungen“ und „Lösungsprobleme“ sparen können.

Andererseits versucht Star Trek: Strange New Worlds stets 100 Prozent zu geben und insgesamt funktioniert die Geschichte um die Subraum-Anomalie auch. Beim „ReiĂverschluss“ musste ich zwar ein wenig die Augen verdrehen, aber dafĂŒr konnte ich auch gut lachen, als Kirk Spock zu verstehen gibt, dass er ihn nur fast verstanden hat. Es ist auf jeden Fall löblich, dass das „Problem“ direkt angegangen wird und sich nicht so einfach lösen lĂ€sst. Aber wie gesagt, es ist besser, hier nicht ins Detail zu gehen und diese KuriositĂ€t zu entblĂ€ttern. SchlieĂlich ist das gesamte Subraum-Gefasel bloĂ der AufhĂ€nger fĂŒr die Musical-Episode und sollte entsprechend betrachtet und nicht hinterfragt werden.
Insgesamt ist das Abenteuer ohnehin Banane, auch wenn Plan A, B und C etwas anderes suggerieren wollen. Es wird zwar zwischenzeitlich der Eindruck vermittelt, dass die gesamte RealitĂ€t bedroht ist, aber als Zuschauer wissen wir halt, dass es hier „nur“ um das Abenteuer der Woche geht und die Folge schlicht unterhalten soll. Wie gesagt, da hĂ€tte man sich in meinen Augen nicht die MĂŒhe machen mĂŒssen, diesen Story-Rahmen groĂ mit einem Abenteuer aufzublasen. Etwas einfacher hĂ€tte es auch getan. Andererseits, vielleicht hĂ€tten wir dann nicht die neue Bedeutung von K-Pop erfahren.

Habt ihr eigentlich Bruce Horak erkannt, der diese Woche den Klingonen Garkog spielt?
Emotions and Characters
Dass die Gesangseinlagen wiederum mit den GefĂŒhlen der Charaktere verbunden sind, hat mir groĂartig gefallen. Etwas befremdlich vielleicht, dass La'an (Christina Chong) nicht singt, als sie Kirk ihr „temporales“ Geheimnis offenbart. Aber ansonsten treffen die Gesangseinlagen stets den emotionalen Punkt der jeweiligen Figuren, was durchaus beeindruckend ist. Und ja, M'Benga (Babs Olusanmokun) singt nicht und auch Ortegas (Melissa Navia) oder Pelia kommen nur wenig zum Zuge. Aber dafĂŒr gibt es bei den anderen Figuren relativ groĂe Entwicklungen.

Fangen wir mit Pike und Batel (Melanie Scrofano) an, die einen gemeinsamen Urlaub planen. Pike agiert da nicht gerade sympathisch, wenn er sich wenig begeistert ĂŒber Maries (hey, sie hat einen Vornamen!) PlĂ€ne Ă€uĂert. Und das Duett der beiden vor der BrĂŒckencrew war FremdschĂ€men pur. Vielleicht intendiert, aber sicher unnötig, weil solche GesprĂ€che/GesĂ€nge eine private Angelegenheit sind. Obendrein sprechen beide noch an, dass sie diesen „Konflikt“ lieber privat angehen sollten, aber tun es letztlich nicht. Ich wĂŒnsche mir fĂŒr diese Beziehung ĂŒbrigens, dass sie von lĂ€ngerer Dauer sein wird, auch wenn wir um Pikes Schicksal Bescheid wissen. Am Ende kommen die beiden doch noch auf einen gemeinsamen Nenner, aber auch hier gibt es wieder eine EinschrĂ€nkung, weil jetzt Marie auf eine Mission gehen muss. Vielleicht die Mission, die uns im Staffelfinale nĂ€chste Woche bevorsteht? Ich hoffe, dass uns hier kein tragisches Ende erwartet.
La'an und Kirk ist das nĂ€chste Thema. Wie Una (Rebecca Romijn) passend bemerkt, hat La'an GefĂŒhle fĂŒr Kirk und sie springt diese Woche endlich ĂŒber den eigenen Schatten und kann Jim (ansatzweise) davon berichten, was sie in Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow erlebt hat. Aber Kirk hat mit Carol (Bibi Besch) bereits eine schwangere Freundin, wie uns mehr oder weniger bekannt ist. Von daher gibt es beziehungstechnisch eine Absage von Kirk, die La'an entsprechend verarbeiten muss. Sie bleibt aber zuversichtlich und will ihren Lebensstil Ă€ndern, was eine willkommene Entwicklung fĂŒr La'an ist, die sonst eher Dienst nach Vorschrift macht und niemanden an sich heranlĂ€sst.

Una und Kirk reden ĂŒber die Bedeutung des ersten Offiziers an Bord eine Föderationsschiffes, wobei Una ihre Erfahrungen an Kirk weitergibt und ihn aus eigenen Erfahrungen dazu ermuntert, keine Geheimnisse vor der Crew zu haben. Schöne Szenen, weil beide miteinander tanzen und sich gegenseitig respektieren, wĂ€hrend Kirk die Hinweise von Una aufnimmt. FĂŒr uns mag zwar nicht in Frage stehen, dass Jim eines Tages der Captain der Enterprise wird, aber diese kurze Einlage weist darauf hin, dass er anderen zuhört und RatschlĂ€ge aufnimmt, was natĂŒrlich zu den Eigenschaften eines guten Captains dazugehören sollte. Wen kĂŒmmert es da, wenn andere Crewmitglieder die beiden beim Tanzen kritisch beĂ€ugen?
Spock und Chapel
Dieses PÀrchen verdient einen eigenen Absatz, denn sowohl Spock als auch Chapel (Jess Bush) haben sich ein wenig durch die zweite Staffel gequÀlt. Eine Beziehung, von der wir Zuschauer bereits wussten, dass sie zum Scheitern verurteilt ist, soll in dieser Folge tatsÀchlich scheitern. Und Spock tut mir leid.
Aber fangen wir mit Christine an. Sie erhĂ€lt endlich eine Zusage fĂŒr ihr Stipendium und darf fĂŒr drei Monate mit Dr. Roger Korby (Michael Strong in TOS) zusammenarbeiten, mit dem sie sich laut Kanon auch verloben soll. Und wir können diesen Erfolg auch mit ihr mitfĂŒhlen, keine Frage. Die Tanznummer war ĂŒbrigens groĂartig und so gut wie alle teilen die Freude mit ihr. Nun, es sei ihr gegönnt, sie hat tatsĂ€chlich hart dafĂŒr gearbeitet und gehört nun zu den wenigen AuserwĂ€hlten, die dieses Stipendium erhalten. Aber warum meidet sie Spock und lĂ€sst ihn nicht an ihrer Freude teilhaben? FĂŒr mich unverstĂ€ndlich, zumal die beiden trotz aller kritischen Gesichtspunkte der letzten Episoden noch immer ein Paar darstellen. Und drei Monate Trennung klingen nun nicht nach einem unĂŒberbrĂŒckbaren Zeitraum.

Volle Sympathien erhĂ€lt dafĂŒr Spock von mir, der zusammen mit Uhura in Chapels Party hineinlĂ€uft. Auch bei ihm war klar, dass er sich irgendwann von seinen GefĂŒhlen trennen wird und stattdessen zu dem Spock wird, den wir aus TOS kennen. Und ja, es passt schon ein wenig, wenn Christine dafĂŒr den Katalysator spielt und nicht die von Kindesbeinen an indoktrinierte Logik der Vulkanier, die keine GefĂŒhle zulĂ€sst. Wie gesagt, Spock kann einem diese Woche sehr leidtun, weil er halt (nachdem die beiden zusammengekommen sind) immer versucht hat, ein guter Partner fĂŒr Christine zu sein und nun doch eher ungerechtfertigt eine Rechnung prĂ€sentiert bekommt, fĂŒr die er nichts kann. Ich hĂ€tte es jedenfalls besser gefunden, wenn Christine mit der (ungeöffneten) Nachricht zuerst zu Spock gegangen wĂ€re und die beiden gemeinsam den positiven Inhalt gelesen hĂ€tten. Wie gesagt, drei Monate Trennung wĂ€ren da ein Klacks gewesen (Pike und Batel haben sich wĂ€hrend des Kriegs mit den Klingonen sicher lĂ€nger nicht gesehen), von daher kann ich das ganze Drama auch nicht nachvollziehen. WĂ€re besser gewesen, wenn Spock sich fĂŒr Chapel gefreut hĂ€tte und die Beziehung erst spĂ€ter in die BrĂŒche gegangen wĂ€re, weil Christine im Rahmen des Stipendiums einen neuen Partner in Korby findet - Ă€hnliches Drama, aber vielleicht realistischer als eine dreimonatige Trennung.
Musical
Ich bin nach wie vor begeistert, dass nahezu alle Cast-Mitglieder hier in Sachen Singen aktiv waren. Schon vor dem (sehr schön gesungenen) Vorspann kamen da alle wichtigen Figuren zur Geltung, was keineswegs selbstverstĂ€ndlich ist. Denn nicht jeder Darsteller kann singen, ohne dass es dem Zuschauer dabei aus den Ohren blutet. Bravo dafĂŒr, dass sich mir bei den GesĂ€ngen niemals die Nackenhaare aufgestellt haben.
Insofern kann ich auch keine Songs oder gar Darsteller kritisieren, weil alle gewohnt gut abgeliefert haben - auch unter diesen besonderen UmstĂ€nden. Dennoch möchte ich zwei Darstellerinnen hervorheben, die in meinen Ohren eine besondere Glanzleistung vollbracht haben. Das sind Christina Chong und Celia Rose Gooding, wobei gerade letztere als Uhura auch das Gesangs-Finale einleiten durfte, welches zu jedem Musical gehört und mich zu TrĂ€nen gerĂŒhrt hat.
La'an sehen wir in ihrem Quartier, wenn sie diesen Song singt und ihren Emotionen freien Lauf lĂ€sst. Durch ihr Lied erfahren wir wesentlich mehr ĂŒber diese Figur, als sie bis dato hat durchblicken lassen - und das ist groĂartig, passt zur Folge und auch zur PrĂ€misse, wonach die Figuren nur dann singen, wenn sie emotional betroffen sind. Jedenfalls hat mich Christina Chong mit ihrer Darbietung abgeholt.
Celia Rose Gooding steigert das Level aber wesentlich, wenn sie gegen Ende zeigen darf, was sie mit ihrer Stimme veranstalten kann. Das geht auch ĂŒber kleinere Auftritte hinaus, die ich bei Youtube finden konnte. Die Stimme so dermaĂen lange zu halten und dazu noch so emotional die Figur Uhura aufzugreifen, verdient einfach ein Lob. Und das Finale mit We Are One? Schlicht und einfach groĂartig - auch ohne Klingonen. „We are the crew of the Enterprise!“ - mehr gibt es nicht zu sagen.

Fazit
Ein gewagtes Experiment, welches gelungen ist. Man muss auch kein Musical-Fan sein, um diese Folge zu mögen, denn die Figurenentwicklung bleibt nicht auf der Strecke und sticht positiv hervor, auch wenn ein paar Entwicklungen weniger zu gefallen wissen. Fakt ist aber, dass die Folge ein einmaliges Erlebnis darstellt, wie es nie zuvor in Star Trek zu sehen oder zu hören war. Danke dafĂŒr. Von meiner Seite gibt es viereinhalb von fĂŒnf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian SchÀfer am Sonntag, 6. August 2023Star Trek: Strange New Worlds 2x09 Trailer
(Star Trek: Strange New Worlds 2x09)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?