Star Trek: Strange New Worlds 2x08

Star Trek: Strange New Worlds 2x08

In der Folge „Under the Cloak of War“ der US-Serie „Star Trek: Strange New Worlds” empfängt die Enterprise einen Botschafter. Dieser klingonische Gast soll zur Sternenbasis 12 gebracht werden, aber seine Anwesenheit an Bord sorgt für Unruhe.

Babs Olusanmokun in „Star Trek: Strange New Worlds”
Babs Olusanmokun in „Star Trek: Strange New Worlds”
© Paramount+

Under the Cloak of War

Nach Those Old Scientists und vor der Musical-Episode Subspace Rhapsody gibt es mit Under the Cloak of War eine sehr ernste Folge. Thematisch eine Drehung um 180 Grad, wenn plötzlich der Krieg mit den Klingonen angesprochen wird und wir in Rückblicken Einblicke davon erhalten, was Dr. M'Benga (Babs Olusanmokun) und Christine Chapel (Jess Bush) auf J'Gal durchmachen mussten. Die episodische Vorgehensweise von Star Trek: Strange New Worlds macht diesen Wechsel möglich und zeigt auf, wie unterschiedlich die einzelnen Folgen angesiedelt sein können. An Abwechselung mangelt es da der zweiten Staffel sicher nicht, was man als Vorteil betrachten, den einzelnen Zuschauer aber sicher testen kann.

Dak'Rah (Robert Wisdom), Sohn von Ra'Ul, ist ein Klingone, der für Kriegsveteranen wie Ortegas (Melissa Navia) als „Schlächter von J'Gal“ gilt. Ein ehemaliger General, der angeblich die eigenen Leute tötete, um zur Föderation überzulaufen und sich für den Frieden stark zu machen. Dak'Rah ist jetzt als Botschafter für die Föderation und den Frieden bekannt, weshalb der Befehl „von oben“ auch lautet, ihm seinen Aufenthalt an Bord der Enterprise so angenehm wie möglich zu machen. Dass hier Konflikte vorprogrammiert sind, zeigt bereits die Diskussion zwischen Ortegas und Uhura (Celia Rose Gooding). Aber im charakterlichen Fokus steht diese Woche M'Benga (oft zusammen mit Chapel), der beim Anblick von Dak'Rah bereits eine Panikattacke hat.

Während es für die Kriegsveteranen an Bord darum geht, sich zusammenzureißen und den Gast nicht vor den Kopf zu stoßen, entblättert sich mit zahlreichen Rückblicken auf J'Gal und die dortige Arbeit von M'Benga und Chapel allmählich die wahre Geschichte über den klingonischen Botschafter und ehemaligen General. Under the Cloak of War geht dabei nicht zimperlich mit der Gewaltdarstellung um und hat die Aufgabe, uns die Schrecken des Krieges aufzuzeigen, die einige unserer Figuren durchgemacht haben oder gar selbst durchführten. Im Vordergrund steht die Frage, ob und wie sich solche Ereignisse verarbeiten lassen und was eben passiert, wenn der ehemalige Feind plötzlich vor einem steht und vom Frieden predigt - ein schwieriges Themengebiet.

Es gibt mitunter trotz aller Ernsthaftigkeit und moralischer Fragen auch ein paar lockere Momente in der Episode. Angefangen mit Spocks und Mitchells (Rong Fu) Versuchen, einen Raktajino herzustellen, über die Frage, wie gut Pikes (Anson Mount) Jambalaya wirklich ist, bis hin zu Dak'Rah selbst, der es durchaus versteht, Uhura, Pike und Una (Rebecca Romijn) mit Geschichten über seine Friedensverhandlungen zu unterhalten. Auch Spocks Bemühungen, Chapel irgendwie beizustehen, ihr zu helfen und vor allem, sie zu verstehen, lassen sich teils amüsant betrachten. Allerdings bereiten alle gerade genannten Punkte (mit Ausnahme vom Jambalaya vielleicht) stets die ernsteren Szenen vor.

Die Ideale der Föderation

Zu den Idealen der Föderation gehört sicher auch die Friedensbotschaft von Dak'Rah, dessen Bemühungen bereits Früchte getragen haben und weshalb vermutlich auch von hoher Stelle angeordnet wurde, dass Kriegsveteranen wie M'Benga, Chapel oder Ortegas am gemeinsamen Dinner teilnehmen sollen. Wir wissen dabei, dass ein echter Frieden mit den Klingonen noch weit entfernt ist und es noch zu zahlreichen Spannungen kommen soll. Aber die jetzigen Anstrengungen sind verständlich und Figuren wie Pike, Uhura oder Una unterstützen die Mission von Dak'Rah auch, obwohl dessen Vergangenheit vielleicht fragwürdig erscheinen mag. Denn jede/r verdient eine zweite Chance oder auch einen Neuanfang - erst recht, wenn dadurch der Frieden gesichert wird.

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Anson Mount, Robert Wisdom und Christina Chong in „Star Trek: Strange New Worlds%26rdquo, - © Paramount+

Selbst am Ende, wenn sich Dak'Rahs Geschichte als Lüge erweist und er für verschiedene Gräueltaten, wie das Ermorden der Zivilbevölkerung (inklusive Frauen und Kindern) verantwortlich war, stellt sich die Frage, ob er das Messer in der Brust wirklich verdient hat. Denn ja, er mag geflohen sein als der „wahre Schlächter“ die anderen klingonischen Befehlshaber ins Jenseits schickte. Aber im Anschluss hat er sich nicht versteckt, wie es bei vielen Kriegsverbrechern der Fall ist, sondern hat tatsächlich einen Gesinnungswechsel vollzogen und wie gesagt, bereits positive Resultate in Sachen Friedensverhandlungen erzielt. Ortegas und die anderen mögen seine wahren Absichten vielleicht in Frage stellen, weil sie diese grausame Vergangenheit miterlebt haben. Aber die bisherigen Resultate weisen darauf hin, dass Dak'Rah seine Bemühungen ernst nimmt und jetzt eine andere Person ist als noch zu Kriegszeiten. Da erscheinen die Einstellungen von Ortegas, Chapel und M'Benga mitunter wie Vorurteile, die zu Recht nicht von Pike und den anderen geteilt werden.

Ohne die Rückblicke könnten wir diesen Konflikt mit Dak'Rah auch nicht nachvollziehen. Ein sehr wichtiger Punkt, den Chapel auch Spock erklärt, wenn er mit Statistiken ankommt. Denn nein, er kann nicht verstehen, woher Christines Anspannung und Haltung kommt. Aus dem einfachen Grund, dass er nicht dabei war, als sie auf J'Gal zusammen mit M'Benga einen aussichtslosen Kampf in Sachen Lebensrettung geführt hat. Das ist auch der wichtigste Unterschied zwischen den Veteranen und dem Rest der Besatzung, die zum Zeitpunkt des Krieges weit abseits davon auf Erkundungstour waren. Denn wer den Krieg nicht selbst aktiv miterlebt hat, ist auf die eigene Vorstellungskraft angewiesen und diese reicht eben nicht aus, um die tatsächlichen Ereignisse und persönlichen Erfahrungen zu verstehen oder nachzuvollziehen. Ein wenig zynisch betrachtet läuft es auf „Dabeisein ist alles“ hinaus, denn darauf spielt die Episode an.

Letzterer Punkt ist auch genau das, weshalb die Folge positiv hervorsticht. Denn uns werden beide Seiten dieses Konflikts um Dak'Rah vermittelt und die Balance um richtig und falsch (größtenteils) gewahrt, weil wir beide Seiten verstehen könnten. Würde ich die von Pike, Uhura oder der Föderation allgemein bevorzugen? Sicher. M'Benga, Chapel und Ortegas bestimmt auch (sie versuchen es auch), aber sie sind eben von den Kriegserlebnissen geprägt worden und es war für diese Folge sehr wichtig, dass wir diese Prägungen nachvollziehen können, ohne unsere Sympathien für diese Figuren zu verlieren.

Rückblicke auf J'Gal

Wie bereits etabliert, waren die Rückblicke auf die vergangenen Ereignisse entscheidend für diese Episode. Wir mussten einfach sehen, was M'Benga und Chapel durchgemacht haben, um nachvollziehen zu können, woher die „Abneigung“ gegen Dak'Rah kommt. Es sind oft grausame Bilder, die uns präsentiert werden. Buck Martinez (Clint Howard) führt eine jüngere Christine Chapel auch direkt ins Geschehen ein, die kurz darauf mit Joseph M'Benga Bekanntschaft macht, der mitunter ungewöhnliche Wege gefunden hat, um Schwerverletzten (wie Fähnrich Alvarado (Jose Gutierrez-Solana)) auch ohne das nötige Equipment noch eine Chance zu geben (eine Methode, die M'Benga später für die eigene, schwerkranke Tochter angewandt hat).

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Jess Bush und Babs Olusanmokun in „Star Trek: Strange New Worlds%26rdquo, - © Paramount+

Beide Figuren führen hier einen aussichtslosen Kampf gegen den Tod, was uns anhand von Fähnrich Inman (Brendan Jeffers) präsentiert wird. Inmans Geschichte ist eine tragische. Er kommt schwer verletzt zu M'Benga und Chapel, die ihm nur knapp das Leben retten können. Inman hinterfragt anschließend, weshalb die Sternenflotte überhaupt am Krieg teilnimmt - er wollte eigentlich das Weltall erforschen - und erhält von M'Benga eine Erklärung, die ihn später dazu bringt, erneut an die Front zu gehen, wenn Trask (Kyle Gatehouse) danach verlangt. Dass Inman dabei sein Leben doch noch verlieren wird, deutet nicht nur die rote Uniform an, denn wir wissen zu diesem Zeitpunkt bereits um M'Bengas Rolle im Krieg - bevor er Arzt wurde. Entsprechend benötigte er eine „Motivation“, um „Protocol 12“ zu verwenden und diese alte Rolle wieder aufzunehmen.

Womit wir auch zu M'Benga kommen, der bereits bei der Leerung des Transporter-Speichers auf das Leben von Alvarado verzichtet, um den anderen eine Chance zu geben - eine schwere Entscheidung, die er Chapel abnimmt. Wir erkennen hier, dass Joseph bereits öfter solche Entscheidungen treffen musste und es für ihn nicht neu ist, ein Leben nehmen zu müssen, um andere zu retten. Ferner ist uns aus The Broken Circle bekannt, was es mit dem Superserum „Protocol 12“ auf sich hat und dass M'Benga kampferfahren ist. Durch Trask werden wir eingangs auch noch einmal daran erinnert, wenn M'Benga sich noch weigert, in alte Gefilde zurückzufallen. Doch der Tod von Inman und den anderen bringt das Fass schließlich doch noch zum Überlaufen und Joseph wird zur „Ein-Mann-Armee“, die drei der vier klingonischen Anführer ausschalten soll.

Irgendwie hatte ich diese Wendung erwartet, andererseits lässt sie sich aber auch in Frage stellen, was verschiedene Gründe hat. So erscheint es schon sehr fragwürdig, dass eine Person (Superserum hin oder her) dazu in der Lage sein soll, bis ins feindliche Lager vorzudringen und dort dann auch noch aufzuräumen. Anschließend stellt sich die Frage, weshalb später niemand von diesem Einsatz mehr weiß und Dak'Rah als der „Schlächter von J'Gal“ gilt. M'Benga mag nicht stolz auf diesen Einsatz gewesen sein und außer Chapel hat davon vermutlich niemand etwas gewusst. Aber dennoch ließe sich von einer erfolgreichen Mission sprechen, weshalb nicht ersichtlich ist, warum die wahren Geschehnisse verschwiegen wurden. Zuletzt stellt sich noch die Frage, ob M'Benga damit nicht einen ähnlichen Werdegang wie Dak'Rah hinter sich hat. Vom Killer zum Arzt ist schließlich vergleichbar mit Dak'Rahs Laufbahn vom grausamen General zum Botschafter des Friedens, auch wenn es ein paar signifikante Unterschiede gibt.

In der Gegenwart

Durch die Rückblicke erhalten wir ein besseres Verständnis von Chapel und M'Benga und weshalb es ihnen so schwerfällt, mit Dak'Rah konfrontiert zu werden. Die Episode wäre vermutlich anders ausgegangen, wenn „von oben“ weniger Wert daraufgelegt worden wäre, dass die Veteranen sich mit Dak'Rah zusammensetzen, und im Nachhinein frage ich mich, weshalb diese Anordnung überhaupt gegeben wurde. Klar, da werden politische Motivationen hinter gesteckt haben, um das Image von Dak'Rah zu fördern - so nach dem Motto: „Seht nur, der kommt selbst mit denjenigen zurecht, die einst gegen ihn gekämpft haben.“ Aber jedem hätte bewusst sein müssen, dass es wahrscheinlicher ist, die alten Konflikte wieder aufleben zu lassen. Ganz zu schweigen von den traumatischen Erfahrungen, die die Veteranen gemacht haben.

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Babs Olusanmokun und Robert Wisdom in „Star Trek: Strange New Worlds%26rdquo, - © Paramount+

Selbst Pike erscheint ein wenig naiv und muss erst durch Una darauf aufmerksam gemacht werden, dass Dak'Rahs Aufenthalt an Bord so kurz wie möglich sein sollte. Zwar probieren M'Benga, Chapel und Ortegas, die Situation einfach zu akzeptieren und irgendwie durchzustehen, aber es ist jederzeit ersichtlich, dass es bei ihnen unter der Oberfläche brodelt. Entsprechend ließ sich erwarten, dass früher oder später jemand die Beherrschung verliert - angefangen mit Ortegas. Apropos Ortegas, da hätte ich mir ebenfalls noch ein wenig Hintergrund zu ihren Erfahrungen im Krieg gewünscht oder mindestens noch einen Austausch mehr mit M'Benga und/oder Chapel.

Letztlich ist aber auch Dak'Rah dafür verantwortlich, dass die Lage immer wieder eskaliert. Denn er ignoriert anfangs bereits die Worte von Ortegas und sucht später die Konfrontation mit M'Benga. Dass das keine gute Idee ist, hätte er spätestens nach der Trainingsrunde mit Joseph merken müssen, denn hier werden ihm Fragen gestellt, die ihn als Lügner entlarven. Da bleibt es unverständlich, wenn Dak'Rah gegen Ende weiterdrängt, statt auf Joseph zu hören und ihn in Ruhe zu lassen.

Das Ende vom Lied ist nun, dass Dak'Rah die Folge nicht überlebt. M'Benga spricht von Notwehr und Chapel bestätigt die Aussage, aber beide verschweigen, von wem das Messer wirklich stammte. Nicht gerade der Weg, den wir von der Serie gewohnt sind. Ich hätte jedenfalls erwartet, dass die Wahrheit nicht nur uns Zuschauern vermittelt wird und mindestens Pike am Ende ein vollständiges Bild von Dak'Rah aber auch Joseph erhält. Unser Captain erfährt zwar beim persönlichen Gespräch mit M'Benga ein wenig mehr, aber das große Geheimnis bleibt zwischen Joseph und Christine. Ob das richtig ist, lässt sich anzweifeln. Ebenso wie die Aussage „I'm glad he's dead.

Babs Olusanmokun und Anson Mount in „Star Trek: Strange New Worlds%26rdquo,
Babs Olusanmokun und Anson Mount in „Star Trek: Strange New Worlds%26rdquo, - © Paramount+

Fazit

Schwieriges Thema, sehr gute Darsteller und ein ungewohnt fragwürdiges Ende, über welches sich bestimmt diskutieren lässt. Die Episode vermittelt ausgezeichnet den Konflikt, welcher Figuren wie M'Benga und Chapel betrifft, und liefert uns anhand von Rückblicken eine Hintergrundgeschichte, die es in sich hat. Aber das Endresultat erscheint weniger passend, weil doch irgendwo mit zweierlei Maß gemessen wird. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 30. Juli 2023
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Star Trek: Strange New Worlds 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Schlächter von J'Gal
Titel der Episode im Original
Under the Cloak of War
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 27. Juli 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 27. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 27. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 27. Juli 2023
Autoren
Gene Roddenberry, Akiva Goldsman, Alex Kurtzman, Gene Roddenberry
Regisseure
Chris Fisher, Valerie Weiss, Amanda Row, Eduardo Sánchez

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