Star Trek: Strange New Worlds 3x01

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Hegemony, Part II
Fast zwei Jahre mussten wir auf die Fortsetzung von Hegemony (dt.:„Hegemonie“) warten. Letzten Donnerstag war es endlich so weit, und zum Staffelauftakt von Star Trek: Strange New Worlds gab es gleich zwei Episoden der dritten Staffel zu sehen. Hier geht es nur um den Auftakt Hegemony, Part II (dt.:„Hegemonie, Teil II“). Das Review zu Wedding Bell Blues (dt.:„Hochzeitsglocken-Blues“) folgt vermutlich morgen.
Nach einem kurzen Rückblick wird uns die Auflösung des Cliffhangers versprochen und schon werden wir direkt auf die Brücke der Enterprise katapultiert, wo Captain Pike (Anson Mount) zunächst die Situation neu verarbeiten muss. Sein Schiff steht unter Beschuss, die Kolonisten und ein Teil der Crew wurden von den Gorn gefangen, Captain Batel (Melanie Scrofano) trägt tödlichen Gorn-Nachwuchs in sich und Admiral April (Adrian Holmes) fordert den Rückzug der Enterprise. Viel aussichtsloser könnte es kaum aussehen, aber Pike ist nicht gewillt, direkt den Befehlen zu folgen und befragt die Crew nach Optionen. Vorschläge gibt es zahlreiche, wobei es unter anderem Lt. Mitchell (Rong Fu) zu verdanken ist, dass die Enterprise vor ihrem Rückzug den feindlichen Zerstörer der Gorn mit einem „Peilsender“ ausstatten kann. Tolles Teamwork im Cold Open, wobei die anschließenden Opening Credits überarbeitet wurden und sich in meinen Augen sehenlassen können - Gänsehaut inklusive.
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Während der Episode folgen wir dann drei größeren Handlungen, die sich allesamt sehr schön ergänzen. Da haben wir die Situation auf der Brücke und um Pike, der mit April verhandeln und eine inoffizielle Rettungsmission starten durfte. Die zweite Handlung startet bei La'an (Christina Chong), die sich als erste aus dem Horror-Szenario der Gorn befreien kann. Und schließlich haben wir noch die Krankenstation, wo Chapel (Jess Bush) mit der Unterstützung von Spock (Ethan Peck) versucht, Captain Batel vor ihrem Schicksal zu bewahren - Kryo-Schlaf fällt schonmal flach, weil Batel allergisch auf das Schlafmittel reagiert. Zuletzt gibt es noch eine C-Handlung mit dem letzten Neuzugang Montgomery Scott (Martin Quinn) und Pelia (Carol Kane), die vom Maschinenraum aus Hilfestellung geben.
Insgesamt sind Action, Drama, Horror und auch Humor vertreten, die sich in den verschiedenen Handlungssträngen ergänzen und dabei sehr viel Wert auf einzelne Charaktere legen. Mit anderen Worten mindestens eine gute Folge, zumal auch wieder die Special Effects und die musikalische Unterstützung sehr zur Unterhaltung beitragen.

Gefangene der Gorn
Fangen wir mit dem Horrorszenario an. La'an kann sich aus ihrer „Verdauungskammer“ befreien und rettet anschließend auch die anderen Crewmitglieder aus dieser Misere. Somit sind M'Benga (Babs Olusanmokun), Ortegas (Melissa Navia) und Sam Kirk (Dan Jeannotte) schnell wieder mit von der Partie und müssen zusammen mit La'an einen Ausweg finden. Alle Kolonisten aufzuwecken, würde zu lange dauern, wobei einige bereits weiter verdaut wurden als Ortegas Hand, die zur Hälfte bereits futsch ist. Schlechte Chancen, zumal die Gorn sicher nicht lange auf sich warten lassen. Glücklicherweise finden sich im nächsten, äh, „Kothaufen“ ein paar unverdauliche Waffen, die unsere vier Flüchtlinge nutzen können und Erica ist der Meinung, auch ohne ein komplettes Set von Händen ein Gorn-Schiff bzw. Shuttle bedienen zu können. Um die Kolonisten zu retten, müssen sie nebenbei auch nur die Transporter-Codes der Gorn ausfindig machen. Spaziergang, oder?
Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil, die Chancen für einen Erfolg sehen hier von Anfang an nicht rosig aus, was auch allen Figuren bewusst ist. Dass La'an als erste aufwacht, ist sicher ihrer Herkunft zuschulden (wir erinnern uns kurz, dass sie den Nachnamen „Noonien-Singh“ hat) und der anderen Glück. Ihre Visionen oder Erinnerungen an Manu (Cameron Roberts) helfen außerdem auch weiter, gerade, was die Transporter-Codes angeht und Ortegas soll noch viel stärker angeschlagen sein, ehe es ins Fluchtschiff geht. Aber die vier schlagen sich irgendwie durch und bringen es tatsächlich zustande, einen Großteil der Kolonisten ebenfalls zu retten.
Für meinen Geschmack fällt dieser Handlungsstrang ein wenig kurz aus und hätte gerne weiter ausgebaut werden können. La'an als Anführerin macht sich gut und Erica gibt auch nach ihrer schweren Verletzung alles, um die vier mit dem kleinen Schiff in Sicherheit zu bringen. Insgesamt hat das Szenario mich auch abgeholt, aber die ganze Handlung wurde zu schnell durchgeführt. Ja, es gab Action und Kämpfe, aber die Schnelligkeit, die zum Erfolg führte, kam einfach, nun ja, zu schnell. M'Benga und Sam Kirk waren beispielsweise dabei, aber hier konnten wir nur selten tiefer in die Figuren blicken. Selbst Erica bleibt ein wenig blass, auch wenn ich die Szene gefeiert habe, in der sie „I'm Erica Ortegas. I fly the ship.“ spricht.
Gefallen hat mir allerdings, dass die Mythologie um die Gorn hier erweitert wurde und wir mehr von ihrer Vorgehensweise erfahren. Zum Kanon komme ich gleich noch, denn da gibt es ein bisschen was zu diskutieren. Ansonsten aber sicher einer der Handlungsstränge, die mich am meisten mitgerissen haben, zumal ich davon ausgegangen bin, dass vielleicht doch einer von den vieren hier den Kürzeren ziehen könnte. Nach dem Kampf mit den Gorn hätte ich Erica als mögliches Opfer im Sinn gehabt, aber glücklicherweise haben wir wohl noch nicht alles von ihr gesehen.

Krankenstation
Chapel erhält Hilfe von Spock, um das Leben von Batel zu retten. Aber hier steht neben der Mission natürlich auch das persönliche Drama der beiden Figuren im Mittelpunkt. Denn, wie wir wissen, hat Chapel mit Spock Schluss gemacht. Aber meint sie das wirklich ernst? Der Kuss am Ende gibt sicher nicht nur Spock ein wenig Hoffnung, aber ihre dreimonatige Abwesenheit wird diese Beziehung sicher strapazieren. Vielleicht der Grund, weshalb ein Spock (Leonard Nimoy) damals nichts mehr für Emotionen übrighatte?
Aber zurück zur Mission. Das Leben von Captain Marie Batel steht auf dem Spiel und sowohl Chapel als auch Spock suchen nach Lösungen. Die Allergie gegen das Kryo-Mittel kommt unverhofft, weshalb andere Lösungen gefunden werden müssen. Allesamt kommen zunächst mit einer Sterberate von 100% daher, was sicher nicht gut ist. Erst die ungewöhnliche Lösung, auf das Blut von Una (Rebecca Romijn) zurückzugreifen, weckt ein bisschen Hoffnung. Aber Spocks Wechsel der Perspektive soll schließlich zum Erfolg führen und dem ungewünschten wie raubtierhaften Nachwuchs ein Ende bescheren.
Dieser Handlungsteil hat mir sehr gut gefallen, denn sowohl Peck wie Bush sind voll in ihrem Element und in Sachen Beziehung werden uns Shippern doch mehrere Hoffnungen geboten. Verwundert hat mich lediglich, dass es außer M'Benga keine Ärzte auf dem Schiff zu geben scheint. Und M'Benga ist verhindert, was die ganze Situation etwas komisch macht. Weshalb also legt Captain Pike das Leben seiner Liebe in die Hände einer Krankenschwester? Gibt es wirklich keine anderen Ärzte an Bord? Okay, vielleicht schon, denn Erica Ortegas und andere werden später „woanders“ behandelt - angeblich, weil die Krankenstation überfordert ist. Aber für mich sah es die meiste Zeit über sehr leer aus. Zumindest ein paar Leute hätten da später neben Batel Platz finden können. Und ich gehe mal davon aus, dass Ortegas und die anderen dann von M'Benga behandelt wurden, wobei es wie gesagt schon komisch ist, keine anderen Ärzte zu sehen.
Aber wie dem auch sei, Batel und auch Ortegas sollen weiterhin an Bord bleiben und das weiß natürlich zu gefallen. Die Beziehung zwischen Spock und Chapel wird derweil ein bisschen gefestigt, aber schwebt trotzdem noch vor sich hin. Und irgendwie bin ich mir sicher, dass es in der nächsten Episode dazu mehr geben wird. Oder etwas später.
Ein Punkt noch, denn die Verwendung von Unas Blut ist ein wenig kritisch. Nicht, dass ich die Idee nicht mochte und die Mission ohnehin inoffiziell war und somit außergewöhnliche Lösungen gefragt sind. Aber was wäre, wenn man jetzt in jedem Krankenfall das Blut zur Verfügung hätte? Würde die Spannung dadurch nicht sinken? Wie gesagt, die Idee war gut. Aber das kann und darf keine dauerhafte Lösung sein, weshalb man vielleicht noch eine Verträglichkeitshürde hätte einbauen können.

Brücke und Maschinenraum
Captain Pike ist schon ein kleiner Schlingel, wenn er einem Admiral April eine inoffizielle Mission abverlangen kann. Aber seine Argumente sind gut bis sehr gut, denn weshalb sollte die Föderation zuschauen, wie unschuldige Menschen (oder auch Aliens) sterben? Mag sein, dass die Drehbuch-Autoren hier eine klare Botschaft an Unterdrücker-Staaten wie Russland senden wollten (was gut in Star Trek reinpasst), aber es könnte auch nur Zufall sein und generell auf menschliche Werte setzen (was ebenfalls sehr trekkig ist). Denn die Gorn sind ein Problem, mit dem sich die Föderation früher oder später auseinandersetzen muss und Pike gibt da sehr richtig an, dass sie auf Kriegskurs sind und mögliche Grenzen nicht lange gelten werden. Da darf es einfach keine Rolle spielen, wenn vorerst „nur“ Nicht-Mitglieder der Föderation angegriffen werden.
Scotty muss derweil einen Weg finden, die Enterprise zu tarnen, so dass sie von den Gorn für eines der eigenen Schiffe gehalten wird. Pelia setzt ihn vor dem Captain unter Druck und kann damit tatsächlich schnelle Resultate erzielen. Sie nimmt eine Art Lehrer-Haltung ein, was bedeuten könnte, dass sie dazu beträgt, aus unserem späteren Chefingenieur die Figur zu formen, die wir aus „TOS“ kennen. Das Zusammenspiel der beiden hat mir jedenfalls gefallen und ja, bei der Bemerkung, dass die Gorn hoffentlich keine Fenster an ihren Schiffen haben, musste ich schmunzeln.
Der Peilsender erfüllt seinen Zweck und führt die Enterprise zum Heimatplaneten der Gorn, der sich in einem binären Sternsystem befindet (hübsch anzusehen übrigens). Eine Theorie von Una und Uhura (Celia Rose Gooding) soll das Gorn-Problem später vorerst lösen, wobei hier die Mythologie um diese Spezies erneut erweitert wird. Was in diesem Handlungsstrang aber erneut positiv heraussticht, ist die Zusammenarbeit der Crew. Pike allein gibt zwar die Anweisungen, aber seine Sorgen um Batel lenken ihn sichtlich ab, so dass er auf die Hilfe seiner Crew angewiesen ist. Und die liefert ab, wobei kaum jemand zu kurz kommt.
Glücklicherweise geht die Theorie mit dem „Winterschlaf“ auf. Damit ist das Problem zwar nicht aus der Welt, aber es konnten jede Menge Leben gerettet und ein Krieg mit den Gorn gestoppt werden. Nicht schlecht für einen Tag Arbeit.

Kanon
In dieser Folge wird die Mythologie um die Gorn deutlich erweitert, was denjenigen, die die TOS-Episode „Arena“ kennen, sicher sauer aufstößt. Zwar schicken die Autoren die Gorn später schlafen, so dass sie in der TOS-Ära erneut auftauchen können. Aber es ist schwer zu glauben, dass das gesamte Wissen, welches Pike und seine Crew gesammelt haben, zum späteren Zeitpunkt verloren gegangen sein soll.
Man könnte zwar sagen, dass diese Mission inoffiziell und geheim war - was den Wissensschwund erklären könnte - aber durch die Anwesenheit von Spock, Scotty, Una und Uhura gibt es mindestens vier Zeitzeugen, die später auch unter Kirk (William Shatner) dienen. Von daher wird eine Neusichtung von „Arena“ jetzt sicher für ein wenig Stirnrunzeln sorgen, weshalb die Gorn dort als unbekannt gelten.
Aber gut, es ist, wie es ist. Die Gorn sind vorerst keine Gefahr mehr und somit können die Autoren von Star Trek: Strange New Worlds sich jetzt einen neuen großen und bösen Gegner suchen, der unserer Crew zu schaffen macht. Vielleicht wieder eine Spezies, die wir aus TOS kennen oder doch mal was Neues? Ich bin gespannt.

Fazit
Ein sehr guter Staffelauftakt. Von mir aus hätte die Episode noch länger sein können, was vor allem die Handlung um La'an und Co. betrifft. Aber die Mischung aus Action, Drama, Horror und einer Prise Humor weiß schon zu überzeugen, zumal kaum eine Figur zu kurz kommt. Gerne weiter so und was die Kritikpunkte da oben angeht, wisst ihr sicher schon, dass ich gerne das eine oder andere Auge zudrücke - das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Entsprechend gibt es für diese Episode viereinhalb von fünf Sternen von mir. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 19. Juli 2025Star Trek: Strange New Worlds 3x01 Trailer
(Star Trek: Strange New Worlds 3x01)
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