Star Trek: Strange New Worlds 2x06

Star Trek: Strange New Worlds 2x06

In der Folge „Lost in Translation“ der US-Serie „Star Trek: Strange New Worlds“ steht Uhura im Fokus. Sie scheint die einzige zu sein, die seltsame Geräusche vernimmt und Halluzinationen hat. Auf der Suche nach der Ursache erhält sie Hilfe von einem bekannten Gesicht.

Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“
Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“
© Paramount+

Lost in Translation

Captain Christopher Pike (Anson Mount) wurde vorübergehend befördert und soll eine Deuterium-Raffinerie in Betrieb nehmen, die in einem Weltraumnebel (Bannon's Nebula) erbaut wurde, aber aus noch unbekannten Gründen Startschwierigkeiten hat. Die USS Farragut ist ebenfalls vor Ort (Pikes Kommando unterstellt) und ein gewisser James T. Kirk (Paul Wesley) wurde jüngst zum ersten Offizier des Schiffes befördert. Kirk nutzt das Treffen mit der Enterprise, um seinen Bruder Sam (Dan Jeannotte) zu besuchen, der offenbar recht neidisch auf Jims Beförderung blickt.

Dan Jeannotte und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“
Dan Jeannotte und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Eine übermüdete Nyota Uhura (Celia Rose Gooding) eröffnet die Episode und soll fast durchgehend im Fokus stehen. Sie hört als einzige ein merkwürdiges Signal und noch ehe die Opening Credits laufen, sieht sie Hemmer (Bruce Horak) im Turbolift, der eine zombiehafte Form angenommen hat. M'Benga (Babs Olusanmokun) diagnostiziert Halluzinationen aufgrund von Schlafmangel und „Deuterium-Vergiftung“ - eine unangenehme Kombination - und verordnet Ruhe, die Uhura aber nicht finden soll. Stattdessen nehmen die Halluzinationen - stets begleitet vom merkwürdigen Signal - zu und nehmen immer extremere Formen an. Hilfe erhält sie von James Kirk, der einzigen Person, die mehr hinter ihrem Zustand vermutet als „nur“ Übermüdungserscheinungen.

Während Uhura langsam glaubt, den Verstand zu verlieren, können Una (Rebecca Romijn) und Pelia (Carol Kane) den „Saboteur“ Lt. Ramone (Michael Reventar) in der Raffinerie ausfindig machen. Ramone leidet unter ähnlichen Symptomen wie Uhura, ist aber in Sachen „Krankheitsbild“ schon wesentlich weiter als sie. Er greift jeden in seiner Umgebung an und soll schließlich auch die Enterprise in Mitleidenschaft ziehen, wobei er sein Leben verliert und Uhura nur knapp von Kirk gerettet werden kann. Entgegen ihrer ursprünglichen Meinung vertraut sich Uhura schließlich James an, der sie dazu animiert, sich mit ihren Verlusten auseinanderzusetzen, statt ihnen auszuweichen (und außerdem Kekse anbietet). Die Lösung folgt wenig später und involviert auch Sam, der Uhuras Vermutung in Bezug auf den Ursprung des merkwürdigen Signals und ihrer Halluzinationen bestätigen kann. Jetzt benötigt es nur noch das Vertrauen von Pike, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Jess Bush in „Star Trek: Strange New Worlds“
Jess Bush in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Neben der Haupthandlung gibt es noch kleinere Ausflüge zu weiteren Figuren. Pelia und Una, die auf Anweisung von Pike dafür sorgen sollen, dass die Raffinerie an den Start gehen kann, hatte ich bereits erwähnt. Aber die Nebenhandlung in der Raffinerie liefert auch einen persönlichen Schlagabtausch zwischen den beiden Figuren, die sich am Ende versöhnen sollen. Chapel (Jess Bush) und Spock (Ethan Peck) diskutieren bei einer Runde Schach (von Kirk beobachtet), wie sie mit ihrer aktuellen Beziehung umgehen sollen (und ob sie diese offiziell machen sollten), während La'an (Christina Chong) auf James Kirk trifft und hier natürlich die Ereignisse aus Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow eine Rolle spielen. Ferner sehen wir Spock, Uhura und Jim Kirk gegen Ende am gleichen Tisch, was mit Blick auf die TOS-Ära irgendwie genauso Pflicht ist, wie das schlechte Verhältnis der beiden Kirk-Brüder, welches sich im Verlauf der Folge nicht wirklich bessert.

Der Umgang mit Verlusten

Für mich fällt Lost in Translation ziemlich genau in die Art von Abenteuer, die ich bei Star Trek: Strange New Worlds sehen möchte. Der Fokus liegt klar auf den Figuren (hier hauptsächlich Uhura), die allesamt irgendwelche Lasten mit sich herumschleppen, aber bestrebt sind, aus ihrer Vergangenheit zu lernen und schlicht „besser“ zu werden. Die Auseinandersetzung mit dem Tod von Hemmer kommt noch obendrauf und mich hat es sehr gefreut, Bruce Horak wiederzusehen, auch wenn sein Moment gegen Ende in der „echten“ Gestalt nur sehr kurz war. Ich vermisse Hemmer noch immer und von daher verstehe ich auch, weshalb Uhura Pelia ausgewichen ist oder weshalb Una Pelia kritisiert, obwohl Pelia die richtigen Entscheidungen trifft.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod im Allgemeinen, aber insbesondere mit dem Tod von Familienangehörigen, Freunden und Kollegen ist eines der übergeordneten Themen dieser Episode. Wir wissen beispielsweise seit Children of the Comet, dass Uhura ihre Familie verloren hat und quasi zur Sternenflotte „geflohen“ ist, um sich nicht länger mit dem Verlust auseinanderzusetzen und stattdessen neue Ziele beziehungsweise „Ablenkung“ zu finden. Hemmers Tod fällt aber in eine ähnliche Richtung, weshalb sie seine Nachfolgerin Pelia zunächst ignoriert hat. Denn es kann nicht einfach sein, jetzt jemand anderen in der Position zu haben, die einst von jemandem gefüllt wurde, den Uhura als Freund betrachtet hat. Da kommen zwangsweise die Erinnerungen an diese Freundschaft zurück, diese Woche sehr offensichtlich durch die Videoanleitungen präsentiert, denen Uhura zur Neuausrichtung der Kommunikationskanäle folgt.

Bruce Horak und Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“
Bruce Horak und Celia Rose Gooding in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Unas Auseinandersetzung mit Pelia ist da weniger offensichtlich themenbezogen, denn von dem Verhältnis zwischen Una und Hemmer wissen wir eigentlich zu wenig, als dass wir am Ende nachvollziehen können, weshalb sie im Umgang mit Pelia zunächst den Konfrontationskurs bevorzugt hat. Also, abseits davon vielleicht, dass Pelia eine sehr (nennen wir es) „eigenständige“ Persönlichkeit ist. Nicht falsch verstehen, an sich war diese kleine Nebenhandlung in Ordnung und am Ende wird auch deutlich, weshalb Una ihren Kurs eingeschlagen hat und entschuldigt sich bei Pelia mehr oder weniger dafür. Aber in Bezug auf Hemmer ist Uhuras Umgang mit Pelia wesentlich nachvollziehbarer, weil wir bei Uhura gesehen haben, wie die Freundschaft mit Hemmer zustande gekommen ist. Von daher klappt dieses „ich kann dich nicht ab, weil du die Position meines verstorbenen Kollegen und Freundes hast“ bei Uhura wesentlich besser - und obendrein geht Uhura auch wesentlich weniger aggressiv mit Pelia um.

Gut gefallen hat mir, dass James Kirk schließlich in Uhuras Vertrauenskreis kommt und von ihrer tragischen Vergangenheit erfährt, die sie zur Sternenflotte geführt hat. Jim versteht es, das übergeordnete Thema adäquat an Uhura zu vermitteln und ihr klarzumachen, dass sie sich früher oder später immer wieder mit Verlusten konfrontiert sehen wird. Die Frage ist halt, wie man damit umgeht und ob man sich damit auseinandersetzt oder versucht, irgendwie zu „entkommen“. Durch ihn ändert Uhura ihre ursprüngliche Vorgehensweise und aufgrund dessen findet sie auch die Lösung zum Abenteuer. Ein großer Schritt für diesen Charakter und an dieser Stelle auch direkt ein Lob für Celia Rose Gooding, die diese Episode wunderbar trägt.

Uhura und Kirk

Der neuerliche Auftritt von Paul Wesley als James T. Kirk hat bei mir Erwartungen geweckt, die in Richtung La'an gingen. Schließlich wissen wir, dass Kirk nicht abgeneigt wäre, einen Drink zusammen mit La'an einzunehmen. Das kommt diese Woche auch zur Sprache, aber vorerst muss ein gemeinsamer Barbesuch der beiden noch warten, wenn er denn überhaupt noch stattfindet. Schließlich sehen wir in La'ans Gesicht, dass auch bei ihr das übergeordnete Thema Tod eine Rolle spielt und sie den Verlust vom Parallel-Kirk noch nicht verschmerzt hat. Außerdem ist es ihr untersagt, mit dem „echten“ Kirk über die Angelegenheit zu sprechen und vermutlich werden La'ans mögliche Hoffnungen auf eine (intimere) Beziehung mit Kirk direkt dadurch zunichte gemacht, dass er aktuell mit Uhura unterwegs ist. Wie gesagt, hier hätte ich mir ein bis zwei Szenen mehr mit La'an und Jim gewünscht, aber mit Blick darauf, dass Uhura im Fokus steht, war es jetzt auch nicht schlimm, dass es bei der einen Szene blieb. Denn selbst dort sieht La'an die Hilfsbereitschaft von Kirk, die ihr nur allzu vertraut ist.

Celia Rose Gooding und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“
Celia Rose Gooding und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Trotzdem müssen wir noch über Kirk sprechen. Bislang gefällt mir die Interpretation von Paul Wesley, die sehr eigenständig daherkommt. Es mag ein paar Anleihen von Chris Pine oder William Shatner geben und in Sachen Kanon wird außerdem versucht, den Konflikt zwischen Jim und Sam zur Sprache zu bringen. Letzteres gelingt auch, wobei Sam als die unsympathischere Figur rüberkommt (was stimmig ist). Aber mit Blick auf die TOS-Ära ist auch klar, dass wir hier noch nicht den Kirk vor uns haben, der später (und überspitzt formuliert) als Draufgänger und Frauenheld gilt. Für mich ist das erfrischend, hier einen karrierebewussten aber gleichzeitig hilfsbereiten Jim Kirk zu haben, der Uhura in ihrer Krise beistehen kann und schon mal einen Blick auf die Enterprise bekommt. Ganz zu schweigen von der Szene gegen Ende, als Uhura, Spock und Kirk am gleichen Tisch sitzen und die gemeinsame Zukunft andeuten. Aber mit Blick auf den Umgang in Sachen Tod passt dieser Kirk dann auch wieder nicht ins Bild, weil wir eben wissen, dass der TOS-Kirk damit ähnliche Probleme wie jetzt Uhura hat. Siehe Spocks (Leonard Nimoy) Tod am Ende von „Star Trek II“ (1982) oder auch „Star Trek III“ (1984), der der Rückkehr der gleichen Figur geschuldet ist. Mit anderen Worten sehe ich schon ein paar Inkonsistenten bei der Figur Kirk, die nicht zum weiteren Werdegang passen. Das heißt aber nicht, dass mir der „neue“ Kirk nicht trotzdem gefällt.

Uhura ist derweil Dreh- und Angelpunkt der Episode, was mir sehr gut gefallen hat. Hier sehe ich auch keinerlei Unstimmigkeiten, weil alles, was wir über diese Figur aus Star Trek: Strange New Worlds wissen, bereits etabliert wurde und ihr weiterer (bekannter) Werdegang nicht von diesem Abenteuer (abweichend) beeinflusst wird. Insofern lässt sich einfach mitfiebern, wenn Uhura glaubt, ihren Verstand zu verlieren, von Zombie-Hemmer geplagt wird, gegen sich selbst kämpft oder mitansehen muss, wie die Brückencrew ins All geschleudert wird. Uns mag klar sein, dass hier mehr am Werk ist als reiner Schlafentzug, aber das ist so lange eine Vermutung bis wir Gewissheit haben. Und die soll doch etwas länger auf sich warten lassen, womit sich ein ganz eigenes Horror-Szenario präsentiert, welches zusätzlich auf die Spannung drückt.

Denn den Verstand zu verlieren beziehungsweise Halluzinationen zu haben und komische Geräusche zu hören, die sonst niemand wahrnimmt, bietet tatsächlich eine der Urängste des menschlichen Daseins. Celia Rose Gooding bringt Uhuras Situation sehr gut rüber, angefangen mit dem Schlag auf Kirks Nase, der große Konsequenzen hätte haben können. Aber als Zuschauer habe ich mich ständig gefragt, was denn wäre, wenn ich jetzt die Person wäre, die solche Taten vollzieht, unter Halluzinationen leidet und sich nicht mehr auf den eigenen Verstand verlassen kann. Wie sieht das in ein paar Jahrzehnten aus, wenn ich womöglich unter Alterserscheinungen wie Demenz oder schlimmerem leide und nicht mehr zuordnen kann, was real ist und was nicht? Ihr versteht die Richtung, auf die ich hinauswill, oder? Das hat auch nichts mit Verschwörungstheorien oder dergleichen zu tun, es geht schlicht um den eigenen Verstand, der sich womöglich gerade verabschiedet und nie wiederkommen wird. Wenn man dann wie Uhura trotzdem noch weiterkämpft und Unterstützung erhält, ist das natürlich eine klare Botschaft. Zum weiteren Nachdenken sei allerdings angemerkt, dass es bei uns Zuschauern in solchen Fällen wohl kaum auf Aliens zurückzuführen sein wird.

Nebulöse Anmerkungen

Die Episode mag charaktertechnisch, storytechnisch und überhaupt ziemlich perfekt wirken, obwohl es ein paar Dinge gibt, die weniger ins Bild passen und die ich bereits angesprochen habe. Hier soll es jetzt um ein paar Kleinigkeiten gehen, die mir unterm Strich weniger gefallen haben. Wie zum Beispiel Deuterium, welches nicht giftig ist und entsprechend auch keine nebulösen Erscheinungen wie Halluzinationen hervorrufen kann. Sorry, M'Benga. Deuterium ist ein natürliches Isotop vom Wasserstoff (mit den gleichen Gefahrensymbolen), welches in der Natur vorkommt, nicht radioaktiv ist und bereits länger in unserer Gegenwart für verschiedene Zwecke angereichert wird, ohne dass es dafür einen Weltraumnebel mit großem Vorkommen benötigt. Zwar ist mir bekannt, dass Deuterium im Star Trek Universum als Treibstoff dient und vermutlich größere Mengen benötigt werden, aber giftig ist es ganz sicher nicht.

Carol Kane in „Star Trek: Strange New Worlds“
Carol Kane in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Kommen wir zu den Aliens, die Uhura als Empfängerin auserwählt haben. Leider bekommen wir diese Woche nichts von denen zu Gesicht beziehungsweise ist Hemmer der einzige Anhaltspunkt dafür. Schade, denn was interdimensionale Außerirdische angeht, hatten wir mit Charades gerade erst eine Episode, die doch etwas mehr zeigen konnte. Okay, passt vielleicht nicht direkt ins Geschehen, weil Hemmer für Uhura eine wichtige Bezugsperson ist. Dennoch hätte ich gerne einen kleinen Blick auf diese Spezies erhascht.

Als letzten Kritikpunkt hätte ich gerne noch gewusst, woher Pike am Ende die Zuversicht nimmt, dass Uhura richtig liegt und die Raffinerie zerstört werden muss. Pike nimmt die Auswirkungen davon bereitwillig in Kauf und ist überzeugt von seiner Kommunikationsexpertin. Aber warum? Das wird mir nicht klar, zumal es Pikes Empfehlung war, dass Uhura „die Kerze nicht an beiden Enden anzünden“ soll. Mag ja sein, dass Kirk Uhura glaubt, wenn alle anderen das nicht tun. Aber dieser Wechsel zum vollständigen Vertrauen hätte in meinen Augen gerne noch etwas untermauert werden können, ehe Uhura den Befehl zur Zerstörung der Raffinerie geben darf.

Fazit

Klassisch und episodisch, aber stets mit Blick auf aktuelle Figurenentwicklungen, die interessante und aktuelle Themen beinhalten. Lost in Translation macht fast alles richtig, wenn Uhura sich auf ihre Reise begibt und dabei von James Kirk begleitet und unterstützt wird. Aber ein paar Unstimmigkeiten trüben dennoch das sonst gute Bild. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 23. Juli 2023
Episode
Staffel 2, Episode 6
(Star Trek: Strange New Worlds 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Wo Worte fehlen
Titel der Episode im Original
Lost In Translation
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 20. Juli 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 20. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 20. Juli 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 20. Juli 2023
Autoren
Gene Roddenberry, Akiva Goldsman, Alex Kurtzman, Gene Roddenberry
Regisseure
Chris Fisher, Valerie Weiss, Amanda Row, Eduardo Sánchez

Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?