Star Trek: Strange New Worlds 2x05

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Charades
Mit Charades probiert sich Star Trek: Strange New Worlds an einer komödiantischen Episode. Im Mittelpunkt steht Spock (Ethan Peck) sowie sein Verhältnis zu Christine Chapel (Jess Bush) und seiner Verlobten T'Pring (Gia Sandhu). Letztere plant ein traditionelles Verlobungsdinner, bei dem es gilt, ihre Eltern T'Pril (Ellora Patnaik) und Sevet (Michael Benyaer) zu beeindrucken. Dabei ist T'Pril nicht gerade erfreut darüber, dass ihre Tochter sich mit jemandem vermählen möchte, der halb Mensch und halb Vulkanier ist. Entsprechend wichtig ist es für T'Pril und Spock, dass er jedes der drei Rituale, die dieses Dinner beinhaltet, auch meistert.
Spock versucht derweil, Christine Chapel zu meiden und wir wissen aus der Vergangenheit, warum. In The Broken Circle wurde das Thema in der Krankenstation, als M'Benga (Babs Olusanmokun) Spocks Stressprobleme untersuchte, auch in Erinnerung gerufen - als Christine den Raum betrat und Spocks Puls wieder in die Höhe schnellte. Diese Woche werden die beiden zu zweit (im Shuttle) auf eine Mission geschickt, um eine Anomalie zu untersuchen, die Hinweise auf das Verschwinden einer antiken Bevölkerung liefern könnte. Einen Unfall später findet sich Spock an Bord der Enterprise wieder - als Mensch. Die interdimensionalen Wesen, die für diese „Heilung“ verantwortlich sind, können zwar kurz kontaktiert werden und liefern eine „technische“ Erklärung ab, aber anschließend herrscht Funkstille. Chapel arbeitet jetzt fieberhaft an einer Lösung, um Spocks Zustand rückgängig zu machen, während diesem die Zeit davonläuft. Denn das Dinner soll trotz allem stattfinden und bereits Spocks Mutter Amanda (Mia Kirshner), die zu diesem Anlass ebenfalls anreist, durchschaut die Veränderung bei ihrem Sohn.
Im Grunde genommen wohnen wir einer Art romantischen Komödie bei und obwohl Spock im Vordergrund steht, der zwar mit T'Pril verlobt ist, aber offenbar Gefühle für Chapel hegt, kommen im Verlauf des Abenteuers auch zahlreiche Crewmitglieder zum Einsatz. Pike (Anson Mount) darf Spock kulinarisch unterstützen und bei jeder Krisensituation für Ablenkung sorgen. Ortegas (Melissa Navia) und Uhura (Celia Rose Gooding) stehen später Christine bei, aber auch Una (Rebecca Romijn), La'an (Christina Chong) und gewissermaßen sogar Sam Kirk (Dan Jeannotte) sind mit kleineren Rollen vertreten, wenn es darum geht, uns Spocks Kampf mit den eigenen Emotionen aufzuzeigen. Der Humor soll dabei im Vordergrund stehen, während das Sciene-Fiction Abenteuer am Rande stattfindet und lediglich zweckdienlich ist.
Humor ist Geschmackssache
Ob die Folge nun zu gefallen weiß oder nicht, liegt in erster Linie daran, ob einem das Gezeigte gefällt und vor allem, ob man als Zuschauer über die verschiedenen - teils peinlichen, teils amüsanten, teils emotionalen - Situationen lachen kann oder nicht. Außerdem ist natürlich wichtig, ob wir überhaupt ein Interesse an Spocks romantischem Leben haben, welches ausgiebig erkundet wird. In Teilen erinnerte mich diese Episode an Spock Amok, die mit dem Körpertausch von Spock und T'Pring eine ähnliche Richtung einschlug und ebenfalls auf Humor setzte.

Aber was halte ich nun von dieser Episode beziehungsweise dem dort präsentierten Humor? Nun, meine Lachmuskeln wurden mehrfach strapaziert und kamen selbst in Situationen zum Einsatz, die an sich übertrieben daherkamen - bestes Beispiel wäre hier der wutentbrannte Spock, der Kirk wegen seiner Krümelei an die Kehle will und zurückgehalten werden muss. Sehr oft lachen musste ich auch dank Pike - ich hätte nie gedacht, dass Anson Mount derart flexibel mit seiner Mimik ist, die in jeder Lage den passenden Gesichtsausdruck liefert und bereits ohne Worte zum Schmunzeln einlädt. Ethan Peck lässt sich in der Hinsicht ebenfalls loben, denn der Aufgabe, uns den Unterschied zwischen einem menschlichen und einem „normalen“ Spock aufzuzeigen, ist er stets gewachsen. Unterm Strich liefern aber alle Darsteller einen sehr guten Job ab, was übrigens auch für Ellora Patnaik gilt, die die äußerst unsympathische T'Pril zur Perfektion verkörpert.
Aber humortechnisch hat mir auch nicht alles gefallen. Diverse Klischees sind kaum zu übersehen, beispielsweise wenn Spock zu einem pubertierenden Teenager degradiert wird oder wenn Sevet unter der Fuchtel seiner Frau steht, die ihm vorgibt, was ihm zu gefallen hat und was nicht. Das mag stellenweise trotzdem lustig sein, passt für mich aber weniger in eine Serie, die sich in einer utopischen Zukunft befindet. Letzteres ist vielleicht auch ein generelles Problem bei solchen Episoden, denn von Star Trek: Strange New Worlds erwarten sich die Zuschauer sicher mehr als romantische Komödien (mit gegenwärtigen Themen und Klischees) und wie bereits gesagt, Humor ist Geschmackssache und ich kann jeden verstehen, der mit dieser Folge nichts bis wenig anfangen konnte.
Christine Chapel
Kommen wir aber zurück zu den ernsteren Kapiteln der Episode, denn die sind durchaus vorhanden. Christine bereitet sich beispielsweise auf ihr Interview mit Durik (Ryan Taerk) vor und hofft auf ein Stipendium an der vulkanischen Akademie. Daher auch die Untersuchung der Anomalie, von der sie sich Hinweise auf den Verbleib der Kehrkovianer erhofft, die sie später finden soll. Gleichzeitig ist da noch die Situation mit Spock, der ihr bei jeder Gelegenheit den Rücken kehrt (Turbolift), obwohl sie ihn als Freund mit Potenzial zu mehr betrachtet, was auch anderen Crewmitgliedern nicht entgeht. Die gemeinsame Shuttle-Mission nutzt sie auch, um ihn zur Rede zu stellen. Aber leider dauert die Diskussion nicht lange und wird von der nächsten Krise unterbrochen.

Durik dürfte selbst für einen Vulkanier die Unsympathie in Person sein. Er watscht Chapel direkt anhand ihres nicht plagiierten Anschreibens ab und hört kaum zu, als sie sich dafür rechtfertigt (mit Blick auf heutige Plagiat-Skandale vielleicht sogar witzig) und ihre Vorliebe für die Praxis äußert. Entsprechend ist die Absage gewiss und wird auch später verkündet. Aber Durik hat die Rechnung da ohne Chapel gemacht, die in der Zwischenzeit wichtige Erkenntnisse sammeln konnte, weil sie „im Feld“ unterwegs war. Offenbar ist Durik jetzt doch neugierig und hätte seine Entscheidung gerne revidiert, aber an Christines Stelle hätte ich vermutlich ähnlich reagiert und ebenfalls auf die eigene, kommende Veröffentlichung über „Yellow“ und „Blue“ (beide gesprochen von Anjuli Cain) verwiesen. Ein schöner Konter seitens Chapel und da sie jetzt keine Auszeit mehr nehmen wird, natürlich auch Potenzial für ihre aufkommende Romanze mit Spock.
Denn diese Romanze begleitet uns durch die gesamte Episode und ist auch das, was für mich am meisten Sinn ergibt. Der Kanon mag da dank TOS anders ausgelegt sein, aber Kanon ist für mich weniger wichtig als gut ausgebaute Charaktere, die im Zuge der verschiedenen Stories anders enden, als es quasi „vorgeschrieben“ wird. Außerdem ist es ja noch ein wenig hin, ehe Strange New Worlds zur TOS-Ära kommt, womit auch die Entwicklung um Spock verschmerzbar ist, den wir „von damals“ nur so kennen, wie ihn Uhura, La'an, Una und Ortegas an einer Stelle beschreiben. Ich begrüße jedenfalls die Entwicklung dieser Woche, die Spock und Christine zusammenbringt.
Letzteres gelingt aber nur durch zwei Voraussetzungen, die weniger erfreulich sind. Zum einen, dass Christine hier fast schon gezwungen wird, ihre Zuneigung zu Spock zuzugeben und geradezu von Uhura und Ortegas dazu aufgefordert werden muss, wenn sie vor „Yellow“ spricht. Da hätte ich ihr schon etwas mehr Selbstbewusstsein (auch vor dem Hintergrund, dass die Serie in der Zukunft spielt) zugetraut. Denn vor dem Hintergrund, dass sie bereits fieberhaft an einer Lösung für Spock gearbeitet hat und ihm auf jeden Fall helfen möchte, ergibt es nur wenig Sinn, wenn sie ihre Gefühle für ihn herunterspielt. Zum anderen ist da natürlich noch Spock, zu dem wir jetzt kommen.
Spock
Was Spock betrifft, sind uns seine Gefühle für Chapel bereits länger klar. Er versucht zwar, sie zu unterdrücken und folgt gewissermaßen M'Bengas Rat aus dem Staffelauftakt. Aber jedem Zuschauer dürfte klar sein, dass er mehr für sie empfindet als er zugeben möchte. Sicher, da ist ja noch T'Pring und seine Herkunft, die ihn diese Woche auch einholen, aber andererseits ist der Kuss aus The Serene Squall nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Insofern existiert auch ein gewisses Spannungsmoment, wenn es darum geht, mit wem Spock nun am Ende zusammenkommt.

Für mich ist es ein weiteres Mal ungewohnt, wenn der halbe Vulkanier hier für Lacher sorgen soll. Und wäre es nur darauf hinausgelaufen, hätte die Folge zwar irgendwie funktioniert, aber dennoch einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass Spock sich noch in einem Entwicklungsstadium befindet und noch nicht der Spock ist, den wir aus TOS oder anderen Auftritten kennen. Insofern spielen Gefühle hier mehr denn je eine Rolle für die Figur und werden regelrecht ausgekostet. T'Pril würde vermutlich sagen, dass die Folge dahingehend „akzeptabel“ ist und ähnlich sehe ich das auch, zumal Ethan Peck erneut eine tolle wie ungewohnte Performance gibt.
Den Humor und die Romanze(n) mal beiseitegelassen, lernen wir aber trotzdem eine ganze Menge über diese (ikonische) Figur, die sich in Zukunft der Logik und Emotionslosigkeit verschreiben soll. Besonders wichtig ist seine Beziehung zu Amanda Grayson, die versucht, ihn auf die drei Rituale vorzubereiten und dabei verkündet, wie sie ihr Leben auf Vulkan beschreiten musste. Die Erinnerung, die sie schließlich bei der Gedankenverschmelzung mit ihm teilt, beinhaltet die Akzeptanz von Spock bei den anderen vulkanischen Kindern - etwas, was Amanda selbst nie erfahren hat und von T'Pril in den Vordergrund geschoben wird. Spock war bis dahin nicht bewusst, was seine Mutter in Kauf genommen hat, als sie mit Sarek (James Frain) die Ehe eingegangen ist und erhält von T'Pril im zweiten Ritual die klare Botschaft, was sie von den Menschen oder auch Halbmenschen hält. Und der Geruch spielt hier die kleinere Rolle.
Was mich jetzt hintergründig beschäftigt, ist die Frage, ob Vulkanier wie T'Pril oder auch Durik Rassisten sind und aufgrund der eigenen, vermeintlichen „Überlegenheit“ ihrer Spezies agieren. Zwar bekommen beide am Ende eine Rechnung präsentiert, wenn Chapel Durik eine Absage erteilt und Spock T'Pril offenbart, dass er die Rituale als Mensch vollzogen hat. Aber dennoch bleibt die Erkenntnis, dass die Vulkanier mehr als nur konservativ eingestellt sind und jede/r, der oder die sich mit Vulkaniern auseinandersetzt, von vornherein mit Vorurteilen belegt wird und diesen nur schwerlich entkommen kann. Uns wird zwar aufgezeigt, dass Spock und Amanda sich irgendwie durchsetzen können, aber das gesamte Bild, welches wir von T'Pril und Durik erhalten, zeugt eben nicht von Gleichberechtigung und Toleranz, wenn es um andere Spezies geht.
Zurück zu Spock, gibt es da noch einen Punkt, der mir sauer aufgestoßen ist. Denn T'Pring hat einen guten Grund für die vorübergehende (?) Trennung, wenn er ihr vor dem Dinner verheimlicht hat, dass er jetzt ein Mensch ist. Wir können zwar nachvollziehen, wenn Spock ihr seinen Zustand nicht unterbreitet, aber der Verlobten hätte er trotzdem mitteilen müssen, was Sache ist, zumal die gesamte Crew der Enterprise vermutlich dahingehend im Bilde war. Hinzu kommt noch, dass wir von den beiden nur wenig zusammen gesehen haben und diese Beziehung ohnehin schon eine Fernbeziehung ist, welche sich (allgemein gesprochen) nur schwerlich erhalten lassen. Denn früher oder später möchte jede/r mit seiner Liebsten oder seinem Liebsten zusammenziehen und möglichst viel Zeit miteinander verbringen. Dazu gehört neben vielen anderen Punkten gegenseitiges Vertrauen und wenn das nicht gegeben ist, dann läuft etwas schief. Witzigerweise bringt T'Pril diese „räumliche Trennung“ zur Sprache und wenngleich sie die böse (zukünftige) Schwiegermutter spielt, ist ihr Argument nicht von der Hand zu weisen. Am Ende tut mir T'Pring jedenfalls leid, weil sie Spock und seine halbmenschliche Seite akzeptiert und entgegen den Vorurteilen der Mutter befürwortet hat, aber dennoch am Ende mit leeren Händen dasteht. Schauen wir außerdem noch darauf, wie schnell Spock und Chapel anschließend ihren Gefühlen freien Lauf lassen, ergibt sich sogar eine kleine Unsympathie gegenüber Spock, weil er die „neue Gelegenheit“ direkt ausnutzt.
Anomalie
Interdimensionale Wesen spielen diese Woche eine Rolle und bescheren dem Abenteuer die Voraussetzung. Mit dem Shuttle-Absturz eigentlich eine schöne Prämisse, mit der sich eine ganz eigene Folge hätte stricken lassen, in der Chapel und Spock sich gemeinsam hätten durchschlagen müssen. Aber wie gesagt, dienten „Yellow“ und „Blue“ lediglich dazu, um die Voraussetzung für einen menschlichen Spock zu liefern. Entsprechend kurz fällt auch die erste Kontaktaufnahme aus, die uns nicht viel zu diesen Wesen erläutert.

Offensichtlich ist derweil, dass Christine nicht allein in der Lage ist, Spocks ursprünglichen, genetischen Zustand wiederherzustellen. Insofern musste früher oder später erneut auf die Hilfe von „Yellow“ zurückgegriffen werden, was sicher eher hätte passieren können und in einer „normalen“ Episode auch eher passiert wäre. Es ist zwar witzig, wenn die Wesen meinen, dass die Kulanzzeit für Veränderungen bereits abgelaufen ist und es nur Familienmitgliedern oder Partnern vorbehalten ist, danach noch ein Anliegen zu äußern. Aber ein wenig logisch gedacht, hätte unsere Crew schon eher aufbrechen müssen, um den neuerlichen Kontakt zu suchen und nicht erst, als Christine mit ihrem Latein am Ende ist.
Verwundert bin ich auch, dass sie zusammen mit Ortegas und Uhura aufbricht, ohne einen offiziellen Befehl dafür zu haben. Kann sich jeder einfach mal ein Shuttle schnappen und zu halbwegs gefährlichen Missionen aufbrechen, ohne den Captain oder wenigstens Una darüber zu informieren? Es gilt zwar, Spock zu helfen und das neuerliche Treffen mit „Yellow“ ist storyrelevant und wichtig für Chapel als Charakter, aber es hätte halt auch zu einem neuerlichen Unfall kommen können und dann wäre von den anderen an Bord der Enterprise niemand in der Lage gewesen, Hilfe bereit zu stellen. Deshalb wäre mir lieber gewesen, wenn wenigstens Una (vielleicht in Begleitung von La'an) für ein wenig Rückendeckung gesorgt und die zweite Reise offizieller gestaltet hätte.
Fazit
Für mich hat Spock Amok damals besser funktioniert, obwohl es auch dort diverse Kritikpunkte gab. Charades macht zwar Spaß und ist durchaus unterhaltsam, aber das ist davon abhängig, ob man sich als Zuschauer überhaupt auf eine solche Episode einlassen kann. Ferner hat mir vieles zu den Figuren gefallen und die Darsteller erledigen ihren Job sehr gut, aber dafür kommt der Science-Fiction Faktor zu kurz und es gibt einige, sehr fragwürdige Storyelemente, die nicht so recht schmecken wollen. Von mir gibt es diese Woche drei von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 16. Juli 2023(Star Trek: Strange New Worlds 2x05)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x05
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