Star Trek: Strange New Worlds 2x04

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Among the Lotus Eaters
Captain Pike (Anson Mount) und Captain Batel (Melanie Scrofano) wollten eigentlich ein bisschen Zeit miteinander verbringen, aber die dienstlichen Pflichten funken dazwischen. Außerdem erfährt Pike, dass Batel bei einer Beförderung übergangen wurde und gibt sich die Schuld dafür, weshalb er die Beziehung erst einmal ruhen lassen möchte - obwohl Batel ihm gerade erst einen Anhänger geschenkt hat, der später noch wichtig werden soll.
Missionstechnisch geht es nach Rigel VII. Der Planet wird von der Sternenflotte observiert seit einst eine Außenmission fehlschlug, die drei Crewmitgliedern das Leben kostete und bei der Spock (Ethan Peck) verletzt wurde. TOS-Fans werden sich vielleicht an den ersten Piloten „The Cage“ erinnern, bei dem diese Handlung etabliert wurde. Jetzt zeigen Bilder vom Planeten ein allzu bekanntes Symbol, woraufhin Pike und die Enterprise aufgefordert werden, die Folgen des ersten Besuchs zu beseitigen - schließlich sind die Bewohner von Rigel VII nicht weit entwickelt und die oberste Direktive besagt, dass Präwarp-Zivilisationen nicht beeinflusst werden dürfen. Also stellt Pike ein Außenteam unter seiner Führung zusammen, um die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen.
Auf dem Planeten eingetroffen, wird unser Team nach längerer Anreise zu Fuß mit Zac Nguyen (David Huynh) konfrontiert - ein totgeglaubtes Crewmitglied von damals, welches sich nun an Pike dafür rächen will, dass es zurückgelassen wurde und in der Zwischenzeit die Herrschaft über den Planeten erlangt hat (wobei die zurückgelassene Ausrüstung inklusive Phasergewehren sicher geholfen hat). Zac offenbart dem Team, dass sie bald alles vergessen werden - auch die eigene Identität - und tatsächlich finden sich Pike, La'an (Christina Chong) und M'Benga (Babs Olusanmokun) kurz darauf außerhalb des Palasts in einem Käfig wieder. Ohne die Erinnerung daran, wer sie sind und was sie auf dem Planeten machen, erhalten sie Hilfe von Luq (Reed Birney), der sie aus dem Käfig holt und mit ihrem „neuen Leben“ vertraut macht. Schlechte Aussichten für eine erfolgreiche Mission, denn ohne Erinnerungen lassen sich nur schwer Anhaltspunkte finden, die unserem Team auf die Sprünge helfen.
Hilfe von der Enterprise lässt sich derweil nicht erwarten, denn auch dort verspürt die Crew - angefangen mit Uhura (Celia Rose Gooding) - den Einfluss einer besonderen Strahlung. Kopfschmerzen, Blackouts und schließlich Gedächtnisverlust werden von Chapel (Jess Bush) zwar diagnostiziert, aber eine Lösung fehlt. Spock lässt das Schiff daraufhin zu einem Trümmerfeld im Orbit des Planeten fliegen, von dem er sich etwas Schutz vor der Strahlung erhofft - unwissend davon, dass genau dieses Feld die Quelle der Strahlung ist. Entsprechend schwierig wird es für die Besatzung, einen Ausweg zu finden und entsprechend spannend ist es, Erica Ortegas (Melissa Navia) dabei zuzuschauen, wie sie mit dem eigenen Gedächtnisverlust umgeht und schließlich eine Lösung efindet. Denn während sich im Außenteam der Fokus auf Pike konzentriert, steht an Bord der Enterprise Ortegas im Vordergrund.
Rigel VII
Zunächst einmal ein paar generelle Dinge, die in der Folge auffallen. Es wird eine Mission aufgegriffen, die auf den ersten Piloten des Franchise zurückgeht, der allerdings damals vom Sender abgelehnt wurde, woraufhin Where No Man Has Gone Before folgte. Eine separate Veröffentlichung erfolgte erst wesentlich später, während es zu TOS-Zeiten allerdings zahlreiche Ausschnitte von „The Cage“ innerhalb des Zweiteilers „The Menagerie“ zu sehen gab. Entsprechend haben sich die Macher von Star Trek: Strange New Worlds (erneut) der Aufgabe gestellt, das alte Bekannte aufzupolieren und einen Mix zu finden, der Rigel VII zwar in neuem (modernen) Licht erscheinen lässt, aber dennoch rein optisch eine Ähnlichkeit aufweist, die größtenteils überzeugt (Ausnahme sind die Uniformen der vermeintlich verstorbenen Crewmitglieder, die auf dem Bildschirm angezeigt werden - die hätten doch etwas anders aussehen müssen, um dieser Ära gerecht zu werden).
Storytechnisch erwartet uns derweil eine Mischung aus zahlreichen Elementen beziehungsweise Episoden der bekannten Serien, was einerseits gut und andererseits weniger gut gelöst ist. An dieser Stelle könnte ich jetzt diverse Episoden aufzählen, an denen sich (vermutlich) bedient wurde, aber das möchte ich gar nicht. Denn positiv fällt auf, dass sich zwar an zahlreichen Aspekten bedient wurde, aber das Resultat am Ende doch irgendwie originell ausfällt. Beispielsweise die philosophische Frage nach dem „Glück durch Vergessen“, welches Luq predigt. Dazu sei auch kurz angemerkt, worauf der Episodentitel mit den Lotosessern anspielt. Das ist ein schönes Thema, über welches sich auch im Anschluss nachdenken lässt. Hinzu kommt, dass die Emotionen nicht vergessen werden und offenbar auch die Instinkte (mit Blick auf Ortegas) nicht unter dem Gedächtnisverlust leiden.
Auf der negativen Seite sehe ich derweil ein paar Inkonsistenten. Beispielsweise, wenn Spock nicht in der Lage ist zu lesen, obwohl „grundlegende Erinnerungen“ nicht betroffen sein sollten. Würde man das etwas weiterspinnen, käme man zum Sprachverlust, denn auch die Sprache lernen wir in jungen Jahren. Okay, vielleicht etwas eher als das Lesen, aber wenn Figuren wie M'Benga sich noch bewusst sind, dass sie eine medizinische Kenntnis haben, dann ist der Verlust der Lesefähigkeit bei Spock mehr als fragwürdig. Außerdem wird das Vergessen zwar vorbereitet, wenn La'an über Kopfschmerzen klagt und Blackouts hat, aber trotzdem wirkt Zacs Offenbarung, dass das Außenteam sich bald an nichts mehr erinnern wird, wie ein „und jetzt, nachdem ich es gesagt habe, tritt es sofort in der nächsten Szene ein“.

Christopher Pike
Diese Episode ist eine Pike-Folge, denn unser Captain steht im Vordergrund. Seine Beziehung zu Batel dient nicht nur als Rahmenhandlung, sondern führt ihn durch die Episode und schließlich zurück zu seinen Erinnerungen. Wir sehen, wie er aus einfachen Beobachtungen (wie die wenig abgenutzten Hände) die richtigen Schlussfolgerungen zieht. Außerdem existiert in ihm ein gewisser Ur-Instinkt, wenn er sich um Leute kümmern möchte und nicht akzeptiert, dass La'an an ihren Verletzungen sterben wird. Unser Captain kann einfach nicht anders, als „seinem Team“ zu helfen und dafür Risiken einzugehen, von denen ihm abgeraten wird. Das zieht sich durch die gesamte Episode und lässt Pike Sympathiepunkte gewinnen.
Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass er nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft. Una (Rebecca Romijn) weist zu Beginn darauf hin, wenn sie seinen Beziehungsbruch mit Batel kritisiert, der ihn tatsächlich nicht in einem guten Licht dastehen lässt. Zwar lässt sich seine Entscheidung gewissermaßen nachvollziehen, weil er sich die Schuld für die ausbleibende Beförderung gibt, aber er übersieht an der Stelle, dass Pasalk (Graeme Somerville) Batel übergangen hat und vor allem, wie viel ihm Batel bedeutet. Insofern erfolgt über die Episode hinweg ein Lernprozess bei Pike, der glücklicherweise zum „richtigen Ende“ führt. Dennoch lässt sich kritisieren, dass diese Beziehung zu Batel unterm Strich weniger gut funktioniert wie beispielsweise letzte Woche die Beziehung zwischen La'an und Kirk (Paul Wesley). Denn ungleich der beiden letztgenannten habe ich bei Pike und Batel bislang noch nicht das Gefühl, dass die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Jede Szene sieht da „gespielt“ aus, selbst der leidenschaftliche Kuss am Ende und das ist weniger gut.
Ferner habe ich mich gefragt, was denn alles an technischer Ausrüstung damals zurückgelassen wurde und weshalb Pike nicht versucht hat, Phasergewehre und dergleichen im Anschluss zu bergen. Die damalige Mission wurde durch den Hinterhalt der Einheimischen zwar schnell abgebrochen, aber der Captain sollte doch einen Überblick darüber haben, welche Ausrüstung mitgenommen wurde und dass es durch diese Ausrüstung auch zu ungewünschten Weiterentwicklungen der Bevölkerung von Rigel VII kommen könnte. Rein professionell gesehen ein Minuspunkt für den Captain, wozu unterm Strich auch zählt, dass er Zac zurückgelassen hat, dessen Tod nur angenommen wurde.
Ein weiterer Punkt ist noch, dass Pike durchaus gewillt war, Zac ins Jenseits zu befördern, nachdem er die Oberhand erlangt hat. Seine Erinnerungen kommen zwar zurück und er sieht davon ab, aber gleichzeitig eröffnet sich für uns hier, dass Pike eine „dunkle Seite“ hat, die er möglicherweise unterdrückt. Da bin ich durchaus gespannt, ob das so intendiert war und ob wir noch mehr darüber erfahren werden. Denn bislang gab es kaum Anzeichen dafür, dass Pike bereitwillig und unter den passenden Bedingungen ins tödliche Extrem übergeht.
Bösewicht
Gute Bösewichte bestimmen oft den Storyverlauf und ob die jeweilige Episode funktioniert oder nicht. Hier ist es zwar ein bisschen anders, weil wir zunächst nicht viel von Zac wissen und die Folge sich auf andere Figuren konzentriert. Aber ich hätte mir tatsächlich wesentlich mehr vom selbstgekrönten Herrscher gewünscht als „nur“ die gewöhnlichen Eigenschaften eines machtbesessenen Individuums, welches auf Rache aus ist.

Ja, Zac hat gelitten und musste selbst herausfinden, wie er auf Rigel VII überleben kann. Das war bestimmt nicht einfach und erforderte auch den Einsatz überlegener Technologie gegenüber den Einheimischen. Aber sich zum Herrscher aufzuschwingen und die Ideale der Sternenflotte zurückzulassen, gibt der Figur keinerlei Sympathiepunkte. Hätte Zac ähnlich wie ein gewisser Professor Gill (David Brian) aus Patterns of Force wenigstens ein höheres Motiv gehabt, um der Bevölkerung zu helfen, könnte ich vielleicht ein Auge zudrücken - ganz egal, wie schlimm die Konsequenzen gewesen wären. Aber so wird Zac halt zur eindimensionalen Figur mit Machtanspruch und Rachemotiven, die nur bedingt nachvollziehbar sind. Uns ist jedenfalls klar, dass Zac aus dem Verkehr gezogen werden muss und entsprechend musste es enden.
Luq
Luq ist derjenige, der unserem Außenteam eine zweite Chance gibt. Nicht immer eine sympathische Figur, aber durch ihn lernen wir, wie der größte Teil der Bevölkerung auf Rigel VII tickt (und weshalb es noch keine Revolution gegeben hat). Er etabliert die Geschichte der Bevölkerung von Rigel VII und lässt uns wie dem Außenteam wissen, wie der Alltag abläuft. Nicht gerade rosig, weil harte Arbeit involviert ist, aber dennoch gibt es diverse Mythen wie eine bestimmte Kiste mit Erinnerungen, denen Pike anschließend nachjagen soll.

Luq ist wichtig für die Story und schleppt eine eigene Geschichte mit sich herum, die er gerne aus dem Gedächtnis streichen möchte beziehungsweise bereits gestrichen hat. Er ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn es gilt, unser Außenteam mit dem Alltag vertraut zu machen und liefert in Sachen Mythologie ein paar Knackpunkte ab, denen Pike anschließend nachgehen möchte. Insofern ist Luq ausschlaggebend für die Story und serviert uns auch bei der philosophischen Frage über das Vergessen die (aus seiner Sicht richtigen) Antworten, die sich diskutieren lassen. Die Krux dabei ist natürlich, dass man neben den tragischen Ereignissen - wie bei Luq der Verlust von Familienangehörigen - auch die schönen Momente davor vergisst. Und das ist ein Preis, den vermutlich niemand zahlen möchte.
Pike wird derweil von der Frage getrieben, was es mit dem Anhänger auf sich hat, den er um den Hals trägt. Nach dem Ausbruch kommt die Motivation hinzu, La'an zu retten, die ohne moderne, medizinische Hilfe bald sterben wird. Er muss einfach die Kette des Vergessens durchbrechen, um herauszufinden, woher die Emotionen in Bezug auf das Amulett kommen und schließlich auch, um sein Crewmitglied vor dem sicheren Tod zu bewahren. Seine Ideale treiben ihn voran und bringen ihn zurück zum Palast, wo die Lösung auf ihn wartet. Dass er sich dabei gegen den Rat von Luq entscheidet, verdient eine gewisse Beachtung und zeugt vom Individuum Pike, der lieber seinen eigenen Weg geht als sich an „etablierte Regeln“ zu halten. Da passt es auch, wenn er am Ende Ortegas den Befehl gibt, den Asteroiden zu entfernen, der den Bewohnern von Rigel VII über lange Zeit diese Lebensweise beschert hat. Bricht er damit die oberste Direktive? Vermutlich schon, aber gerade mit Blick auf Luq und dessen Hintergrundgeschichte ist es die richtige Entscheidung, den Schleier des Vergessens der Bewohner zu heben, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich eigenständig weiterzuentwickeln und nicht Tag für Tag zu vergessen, was vorher passiert ist.
I am Erica Ortegas and I fly the ship
Dass eine Charakterepisode anders aussehen kann, hat Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow bereits gezeigt und ich wäre enttäuscht, wenn das diese Woche alles war, was wir von Erica Ortegas in der zweiten Staffel zu sehen bekommen. Nicht falsch verstehen, mir hat Erica durchweg gefallen und auch, dass sie in der zweiten Handlung der Episode im Vordergrund stand. Aber in Sachen Hintergrundgeschichte sieht es am Ende weiter mau aus und über weite Teile stiehlt Pike ihr die Show. Es bleibt aber die Hoffnung, dass sie ihre Chance noch erhält beziehungsweise weiter ausbauen kann, denn die nächste Außenmission kommt bestimmt und Pike hat versprochen, sie dafür einzusetzen.

Aber zurück zur Episode. Ortegas ist Feuer und Flamme für ihren Einsatz auf Rigel VII, auch wenn ihre Kopfbedeckung kritisiert wird. Dass Spock durch seine vorläufigen Analysen einen Strich durch die Rechnung macht, okay. Ihre Flugkünste sollen die Enterprise vor Schlimmerem bewahren (was sie im Endeffekt auch tun), weshalb sie in letzter Minute nicht an der Außenmission teilnimmt und der „langweiligen“ Arbeit als Pilot nachkommen muss. Aber sie ist am Ende diejenige, die das Schiff und die Besatzung rettet. Außerdem erkennt sie, wie wichtig ihre Aufgabe an Bord ist und dass die langweilige Routine sich jetzt auszahlt, wenn sie rein instinktiv die Kontrollen bedienen kann.
Mir haben dabei beide Seiten von Ortegas gefallen - mit und ohne Gedächtnis. Außerdem war es eine schöne Abwechslung, dass von dieser Krise tatsächlich alle an Bord betroffen sind und es niemanden gab, der sich gegen die Strahlung immun erweist (wie es sonst oft der Fall ist). Erica muss sich entsprechend durchschlagen, wobei die Unterstützung durch den Computer (Alex Kapp Horner) ebenfalls gut gewählt war und ins Szenario passte. Vielleicht hätte man noch mehr von den anderen Besatzungsmitgliedern zeigen können (insbesondere Una, von der wir kaum etwas sehen), aber in meinen Augen wurde der Fokus auf Erica gut gewählt und immerhin steht ihr auf der Brücke Spock zur Seite. Apropos Spock, der darf hoffentlich bald wieder eine ernstere Rolle spielen, denn allmählich nutzt sich schon ein wenig ab, wenn er hauptsächlich für amüsante Szenen zuständig ist.
Fazit
Die zweite Staffel schlägt sich weiterhin gut und liefert diese Woche eine spannende Außenmission plus Krise auf dem Schiff ab. Christopher Pike und Erica Ortegas stehen im Vordergrund der jeweiligen Handlungen und sorgen für charakterliche Einblicke, die größtenteils zu gefallen wissen. Die Story selbst wirkt aber teilweise inkonsistent und bietet einen langweiligen Bösewicht, der sicher schnell wieder vergessen wird. Von mir gibt es diese Woche dreieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 9. Juli 2023(Star Trek: Strange New Worlds 2x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?