Star Trek: Strange New Worlds 2x03

Star Trek: Strange New Worlds 2x03

In der Folge „Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow“ der US-Serie „Star Trek: Strange New Worlds“ gibt es eine Zeitreise. La'an reist ins 21. Jahrhundert, um einen Anschlag zu verhindern, der die Zukunft der Föderation gefährdet. Unterstützung erhält sie von einem bekannten Gesicht.

Christina Chong und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“
Christina Chong und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“
© Paramount+

Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow

Nachdem uns kurz gezeigt wird, mit welchen Problemen die Sicherheitschefin der Enterprise tagtäglich zu kämpfen hat - berufliche wie private - trifft La'an (Christina Chong) auf einen unbekannten Anzugträger (Christopher Wyllie), der angeschossen wurde, ihr ein Gerät in die Hand drückt und sie bittet, sich „zur Brücke“ zu begeben. Dort angekommen, sitzt nicht Christopher Pike (Anson Mount) im Captain's Chair, sondern James Tiberius Kirk (Paul Wesley). Niemand auf der Brücke weiß, wer La'an ist oder wie sie an Bord kam, was direkt Fragen aufwirft und zu einem Gespräch unter vier Augen zwischen La'an und Kirk führt, die schließlich um das kleine Gerät des Unbekannten rangeln und daraufhin im Jahr 2022 in Toronto, Kanada landen.

Während die beiden nicht nur in unserer Zeit zurechtkommen müssen und zudem noch aus unterschiedlichen Zeitlinien stammen, gilt es, erst einmal herauszufinden, welche Veränderung aufgehalten werden muss. Kirk ist dabei skeptisch, schließlich soll seine Zeitlinie verhindert werden, womit ihm ein ungewisses Schicksal blüht. Ein wenig Hilfe erhalten die beiden derweil durch Sera (Adelaide Kane) und später auch durch Pelia (Carol Kane), von der wir bereits wissen, dass sie „lange Zeit“ auf der Erde zu Hause war. Wie groß die Bedrohung ist, wird bereits zu Beginn deutlich, aber worin die Bedrohung liegt, soll sich erst gegen Ende der Folge herausstellen, wo uns mehrere Überraschungen erwarten.

Abseits der eigentlichen Geschichte ist diese Reise allerdings La'an gewidmet, die allein ins Abenteuer geschleudert wird und auf Hilfe vom „Parallel-Kirk“ angewiesen ist. Rein charakterlich lernen wir La'an wesentlich besser kennen als in allen Episoden der ersten Staffel zusammen und unter diesem Blickwinkel ist die Zeitreise es auch wert, erkundet zu werden. Denn La'an wurde nicht grundlos für diese Mission auserwählt und hätte ihr eigenes, ganz privates Problem sicher auch anders lösen können. Aber mehr dazu gleich. Wichtig ist erstmal, dass wir hier eine schöne Charakterfolge präsentiert bekommen, die eine Zeitreise dafür nutzt, nicht nur ein Abenteuer zu bestehen, sondern gleichzeitig La'ans Leben näher zu beleuchten.

Zeitreisen sind doof

Es gibt gleich mehrere Gründe, weshalb mir diese Folge weniger zugesagt hat, aber keiner davon hat mit La'an als Figur zu tun. Und „Zeitreisen sind doof“ ist zwar oft der Fall, wenn es um solche Episoden geht, aber keineswegs die Regel. Die Frage, die ich mir nach dieser Folge stelle, ist vielmehr, ob es eine Zeitreise dazu benötigt hätte, um uns La'an näherzubringen und ich tendiere noch immer zum „Nein“. Denn alles Charakterliche, was uns Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow zeigt, erfordert keine parallele Zeitlinie mit signifikanten Veränderungen für die Menschheit oder die Föderation. Die Zeitreise ist eher Gimmick oder Aufhänger und soll uns mehr verkaufen, als letztlich der Fall ist. Am Ende darf La'an auch gar nicht über das Abenteuer sprechen, womit dieses ohnehin zur Randnotiz wird.

Mein wesentlicher Kritikpunkt ist aber, dass die zweite Staffel von Star Trek: Picard uns ebenfalls Einblicke im gleichen Zeitraum (2022) bescherte und die ganze Story um Khan (hier wird eine junge Version von Desmond Sivan gespielt) anders initiiert wurde. Da wurde ein „Projekt Khan“ angeteasert, welches von Adam Soong (Brent Spiner) ins Leben gerufen werden sollte. Und jetzt? Jetzt haben wir Khan als Kind in einer Einrichtung in Toronto, die zufällig auch einen Reaktor vom Typ „Kalte Fusion“ betreibt. Um zum Kinderzimmer vorzudringen, muss man gleich zweimal einen Handabdruck (der der genetischen Kontrolle unterliegt) abliefern. Äh, das war doch Murks, oder? Selbst falls Soong nach Toronto umgesiedelt und seinem Projekt nachgegangen wäre, sehe ich nicht, weshalb ein solcher Reaktor dorthin führen sollte. Aber wer weiß, vielleicht sprechen sich die Autoren unterschiedlicher Serie nicht ab, auch wenn sie für das gleiche Franchise schreiben. Dieser Punkt ist mir jedenfalls leicht sauer aufgestoßen, denn man hätte ihn leicht vermeiden oder wenigstens durch ein paar Nebensätze erklären können.

Paul Wesley „Star Trek: Strange New Worlds“
Paul Wesley „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Andere Kleinigkeiten betreffen beispielsweise das Problem des Geldes. Wie viele Runden hat Kirk seine Gegner im Schach besiegt und wie hoch war der Einsatz? Klar, La'an und er müssen an Geld kommen, was bereits im Bekleidungsgeschäft angesprochen wird. Mit ein paar Schach-Spielen im Park kann man sicher auch etwas Kohle für Hot Dogs oder so machen. Aber das Hotelzimmer, welches die beiden später haben, sieht eher nach Penthouse aus und die Fahrt nach Vermont und zurück dürfte ebenfalls eher kostspielig gewesen sein, ganz zu schweigen davon, dass beide keinen gültigen Ausweis oder Reisepass haben, womit der Grenzübergang selbst im Fall der Bestechung der jeweiligen Beamten enorme Summen gekostet hätte. Und dann ist da noch der Zeitfaktor, den der Abstecher nach Vermont mit sich bringen müsste. Unterm Strich lassen sich jedenfalls viele Kleinigkeiten finden, die das gezeigte Abenteuer in Frage stellen.

Zeitreisen sind toll

Aber genug gejammert, denn Episoden mit Zeitreisen können trotz einiger „Fehler“ Spaß machen und das ist hier ebenfalls der Fall. Vorrangig natürlich, weil die gesamte Reise der charakterlichen Erkundung von La'an dient und darauf abgestimmt ist. Aber das ist nicht alles. Dabei zuzuschauen, wie sie und Kirk in unserer Gegenwart zurechtkommen müssen, angefangen mit der Beschaffung von gängiger Kleidung, Geld und Essen - das sind Dinge, die stets einen hohen Unterhaltungswert haben. Ferner müssen beide ohne die üblichen Gadgets auskommen, um zum Ziel vorzudringen oder um zunächst zu erfahren, was überhaupt das Ziel der Mission ist.

Auf dem Weg dahin gibt es außerdem zahlreiche, kleinere Erklärungen zum Verlauf der Geschichte innerhalb des Franchise. Insbesondere wird Bezug zu TOS und einigen der späteren Serien genommen, wenn Khan noch nicht in den 90ern Probleme bereitete und Sera deshalb 30 Jahre warten musste oder wenn La'an am Ende Besuch aus der Zukunft erhält und vom DTI (Department of Temporal Investigations) erfährt. Entsprechend eingebaut können solche Dinge das Franchise bereichern oder auch „stimmig anpassen“, wobei letzteres wohl immer im Auge des Betrachters liegt.

Zuletzt hat mir gefallen, dass nicht das gesamte Schicksal der Menschheit auf dem Spiel steht. Klar, Kirks Welt sieht nicht gerade rosig aus und der ursprüngliche Verlauf der Geschichte muss wiederhergestellt werden, denn ohne Föderation ist die Auseinandersetzung mit den Romulanern recht aussichtslos. Aber es gibt dennoch eine United Earth und technologische Fortschritte, die Kirks Welt Hoffnung geben und das ist ein wesentlicher Unterschied zu den sonst üblichen „Alles oder Nichts“-Szenarien. Es steckt übrigens auch eine kleine Tradition hinter Zeitreise-Episoden, die mit The City on the Edge of Forever startete und für meinen Geschmack ist Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow sicher eine der besseren Folgen dieses Typs, auch wenn es diverse „Fehler“ gibt.

La'an und Kirk

Kommen wir aber nun endlich zu den Figuren. Christina Chong liefert eine großartige Darstellung ab und kann in nahezu jeder Szene überzeugen. La'ans Einsamkeit wird zu Beginn angesprochen und sie ist nicht zu Unas (Rebecca Romijn) Party gegangen, weil sie letzte Woche wieder daran erinnert wurde, von wem sie abstammt. Dieses Erbe ist der Grund dafür, weshalb sie kaum jemanden an sich heranlässt und jetzt stolpert sie mit einer Person ins Abenteuer, die mit dem Namen „Noonien-Singh“ nichts anfangen kann. Sie kann sich folglich frei von ihrer Last bewegen und auch wenn ihr Fokus auf den Erfolg der Mission gerichtet ist, bleibt genug Zeit für das Menschliche, welches uns La'an als Person näherbringt.

Christina Chong und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“
Christina Chong und Paul Wesley in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Der James T. Kirk aus der anderen Zeitlinie mag für uns irrelevant sein, weil wir wissen, dass er über diese Episode hinaus keine Rolle spielen wird (beziehungsweise sollte), aber für La'an ist er sehr wichtig und zwar nicht nur, was das Abenteuer betrifft. Sie muss sich mit ihm auch auf persönlicher Ebene auseinandersetzen, ihn kennenlernen und verstehen, was zu zahlreichen amüsanten aber auch dramatischen Momenten führt. Paul Wesley spielt diese Version von Kirk dabei mit einer Leichtigkeit, die wunderbar zur eher ernst aufgelegten La'an passt. Das Wichtigste ist aber, dass die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmt, womit uns die Beziehung zwischen beiden jederzeit glaubwürdig vermittelt wird - unabhängig davon, ob es sich um humorvolle, ernste oder gar romantische Szenen handelt. Dieses größtenteils ungleiche Duo ist damit der wesentliche Grund, weshalb die Episode so gut funktioniert. La'an bleibt zwar die wichtigere von beiden, schließlich soll uns mehr über ihre Persönlichkeit vermittelt werden, die in der „echten“ Zeitlinie relevant ist. Aber ohne Kirk bekämen wir diese zahlreichen persönlichen Merkmale von ihr erst gar nicht zu sehen.

Wir müssen aber auch noch über das Ende sprechen. Kirks Tod ist hier der erste von mehreren Tiefschlägen für La'an und erfolgt nur wenige Minuten nach der Kuss-Szene. Die Auseinandersetzung mit Sera führt anschließend zur Frage, ob sie die Gelegenheit nutzen und den jungen Khan ausschalten sollte. Schließlich könnte sie die Eugenischen Kriege verhindern, die Millionen Menschen das Leben kosten werden und gleichzeitig ihr „Erbe“ ablegen. Sie weiß aber auch, dass sie damit die utopische Zukunft gefährden würde, die anschließend folgt und ein Kind umzubringen kann nicht die richtige Entscheidung sein. Zuletzt wird ihr von Agent Ymalay (Allison Wilson-Forbes) untersagt, über das Abenteuer zu sprechen. Aber selbst, wenn sie es dürfte, könnte sie ihre Geschichte kaum beweisen. Also ist La'an am Ende wieder dort, wo die Folge begann? Nicht ganz, denn es gibt ja noch Pelia, die Teil des Abenteuers war und die Aussicht darauf, mit Lieutenant Kirk ein paar Drinks zu schlürfen, ist ebenfalls gegeben. Während es somit durchaus Hoffnungsschimmer für La'an gibt, sind wir Zuschauer übrigens die eigentlichen Gewinner. Denn wir haben durch diese Episode wesentlich mehr über La'an erfahren als zuvor und das ist unabhängig von der Story der größte Pluspunkt.

Nebenfiguren

Von der restlichen Besatzung der Enterprise bekommen wir diese Woche nicht viel zu sehen. Einerseits vielleicht schade, denn gemeinsame Abenteuer der Crew dürfen gerne erneut in den Fokus rücken, nachdem die Mannschaft letzte Woche (wieder) komplettiert wurde. Andererseits sind mir Episoden, die hauptsächlich eine Figur behandeln, aber auch willkommen. Jedenfalls sind Spock (Ethan Peck) lediglich zwei Auftritte vergönnt - einer wegen „Lärmbelästigung“ und einer in der alternativen Zeitlinie als Captain in Not. M'Benga (Babs Olusanmokun) probiert zu Beginn, zu La'an durchzudringen, was aber nicht von Erfolg gekrönt ist. Alle anderen Hauptfiguren inklusive Brückencrew sind diese Woche Randfiguren mit noch kleineren Auftritten.

Paul Wesley, Christina Chong und Carol Kane in „Star Trek: Strange New Worlds“
Paul Wesley, Christina Chong und Carol Kane in „Star Trek: Strange New Worlds“ - © Paramount+

Einzige Ausnahme ist Pelia, die in ihren Räumlichkeiten zahlreiche, historische Gegenstände hütet, deren Herkunft von La'an hinterfragt wird. Die Erwähnung von einem Lager in Vermont soll später noch wichtig werden, wenn La'an und Kirk eine Ingenieurin benötigen, um den Reaktor zu finden. Aber die Pelia des Jahres 2022 hat diesen Weg noch nicht eingeschlagen. Tatsächlich könnte es möglich sein, dass La'an den Gedanken dazu in Pelias Kopf platziert hat. Dafür ist Pelia aber bereits in unserer Gegenwart fleißig am Sammeln von Antiquitäten und kann mit einer Uhr aushelfen, die auf Tritium reagiert (hier gibt es übrigens einen realen Hintergrund, siehe Tritium). Die Rahmenhandlung wird später geschlossen als La'an zurück ist und zu Pike meint, er solle in Bezug auf Pelias Sammlung ein Auge zudrücken. Insgesamt haben mir Pelias Auftritte wieder gefallen. Carol Kane ist sicher eine Bereicherung für die Serie und versteht es, Pelia stets sympathisch rüberzubringen. Dass sie diese Woche aufgrund ihrer langen Lebensspanne (wie alt können Lanthaniten eigentlich werden?) zum Abenteuer beisteuern kann, ist ebenfalls ein Pluspunkt.

Zuletzt haben wir noch Sera, die unserem Duo nach der Brückenexplosion auffällt. Dass sie ein romulanischer Spion sein könnte, kam mir nie in den Sinn, von daher ist die Überraschung gelungen. Zumal sie La'an und Kirk zunächst unterstützend zur Seite steht und wichtige Hinweise liefern kann, ohne die die beiden vielleicht nie zum Ziel gelangt wären. Andererseits musste früher oder später ein Gegenspieler auftauchen und Sera sucht selbst nach ihrem Ziel, von daher hätte sich vielleicht erahnen lassen, dass es mehr mit ihr auf sich hat. Als Bösewicht kann man ihre Motivation jedenfalls nachvollziehen und die Frage danach, ob Khan getötet werden sollte oder nicht, hat uns oben weiter schon beschäftigt. Ich würde von einem gelungenen Gastauftritt sprechen, der das Abenteuer fördert und gleichzeitig La'ans persönliche Geschichte anspricht.

Fazit

Eine gute Episode, die sich auf La'an, ihre Probleme und ihre Persönlichkeit konzentriert, womit wir sie als Figur besser nachvollziehen können. Die Zeitreise mit einer alternativen Version von Kirk an ihrer Seite ist unterhaltsam gestaltet und macht größtenteils Spaß, weist allerdings ein paar Ungereimtheiten auf, die negativ auffallen. Ich würde diese Woche vier von fünf Sternen vergeben. Und Ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 2. Juli 2023
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Star Trek: Strange New Worlds 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Morgen und Morgen und Morgen
Titel der Episode im Original
Tomorrow and Tomorrow and Tomorrow
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 29. Juni 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 29. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 29. Juni 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 29. Juni 2023
Autoren
Gene Roddenberry, Akiva Goldsman, Alex Kurtzman, Gene Roddenberry
Regisseure
Chris Fisher, Valerie Weiss, Amanda Row

Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x03

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