Star Trek: Strange New Worlds 2x01

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The Broken Circle
Der Cliffhanger aus A Quality of Mercy wird direkt aufgegriffen, sehen wir doch in den Eröffnungsszenen Christopher Pike (Anson Mount) im Gespräch mit Number One (Rebecca Romijn), die aufgrund ihrer genetischen Modifikationen verhaftet wurde. Pike möchte ihr helfen und ist bereit, dafür seine Karriere aufs Spiel zu setzen. Er übergibt Spock (Ethan Peck) das Kommando über die Enterprise, die gerade bei Starbase One überholt und inspiziert wird, um anschließend mit einem Shuttle aufzubrechen und Una einen Anwalt zu besorgen. Damit verabschiedet sich Pike überraschenderweise aus dieser Episode, die sich im Anschluss auf Spock und den Rest der Besatzung konzentriert.
Uhura (Celia Rose Gooding) empfängt einen Hilferuf von La'an (Christina Chong), die in All Those Who Wander die Enterprise verlassen hat, um Oriana (Emma Ho) dabei zu helfen, ihre Familie zu finden. Spock möchte dem Hilferuf nachgehen, der vom Planeten Cajitar IV ausgeht, welcher ein hohes Dilithium-Vorkommen hat. Der Planet wird im regelmäßigem Wechsel von Klingonen und Föderationsmitgliedern kontrolliert und da aktuell die Klingonen dran sind, erteilt Admiral Robert April (Adrian Holmes) Spocks Gesuch eine Absage - es wäre zu gefährlich, jetzt einzugreifen und könnte einen neuen Krieg provozieren. Also widersetzt sich Spock dem direkten Befehl des Admirals, klaut zusammen mit den anderen die Enterprise und stürzt uns damit ins erste Abenteuer der neuen Staffel.
Auf Cajitar IV gilt es anschließend, mehrere Rätsel zu lösen. Das titelgebende Kartell sammelt auffällig viele Gegenstände (vornehmlich Waffen) der Föderation, mehrere Leute leiden seit einer Explosion unter Strahlungssymptomen und die Lage ist generell angespannt. Während Spock und Uhura La'an bei ihrer Mission begleiten und herausfinden, dass eine „große Sache“ geplant ist, kümmern sich Dr. M'Benga (Babs Olusanmokun) und Christine Chapel (Jess Bush) um die Strahlenopfer, zu denen auch Orianas Mutter gehört, werden vom „Broken Circle“ entdeckt und kurzerhand entführt, um deren Patienten zu helfen und decken den gesamten Plan auf, der zu einem neuen, aber profitablen Krieg führen soll. Es dauert nicht lange, ehe die Lage eskaliert und Spock vor schwierige Entscheidungen gestellt wird.
Wichtige Charaktere
Fangen wir mit den positiven Elementen an. An erster Stelle stehen da für mich die Charaktere, insbesondere die Hauptfiguren, die direkt im Staffelstart auf ganzer Linie überzeugen können. Selbst die wenigen Szenen mit Pike und Number One - nächste Woche wird es dazu sicher wieder mehr geben, denn da steht eine „Gerichtsfolge“ an - sind hervorragend getroffen. Pike wird für Una kämpfen, ob sie es möchte oder nicht. Mit Blick auf ihre Hintergrundgeschichte, die uns im Verlauf der ersten Staffel offenbart wurde, ist das tatsächlich eine große Sache, die ihm locker seine Karriere kosten könnte. Aber Pike ist eben ein „Boyscout“ und der Meinung, dass er das „Richtige“ macht, wenn er ihr beisteht und sich für sie einsetzt. Er kennt seine Nummer eins auch besser und weiß, dass sie zu 100 Prozent hinter der Föderation steht. Folgerichtig will er da nicht kampflos aufgeben und ich bin gespannt, wie er sein Ziel nächste Woche erreichen wird (dass er Erfolg hat, sehe ich als sicher an). Diese Eröffnung ist zwar ein marginaler Teil der Episode, trifft das bestimmende Thema aber sehr gut. Denn auch für Spock gilt es, sich für (ehemalige) Crewmitglieder einzusetzen und entgegen den Obrigkeiten diesem Ziel nachzugehen.

Spock beschäftigt diese Woche aber mehr als „nur“ das aktuelle Abenteuer, welches allein schon eine harte Nuss ist. Seine Beziehung zu Christine Chapel wird fortgesetzt, sein Stress-Problem wird thematisiert (schön gelöst übrigens von M'Benga, der ihm eine musikalische Lösung übergibt, die TOS-Fans bekannt vorkommen dürfte) und ganz generell sehen wir einen menschlicheren Spock, der harte Entscheidungen treffen muss, die in alle Themengebiete hineinspielen. Außerdem wird neben dem Drama insbesondere bei Spock der Humor großgeschrieben, was mir richtig gut gefallen hat. Ethan Peck vermag es jedenfalls, das Beste aus dem Drehbuch herauszuholen. Teils zynisch („famous last words“ gegenüber Pike), teils trocken („I would like the ship to go. Now!“), immer wieder dramatisch (beispielsweise, wenn er den Feuerbefehl gibt) und sogar witzig, wenn es gegen Ende an den Blutwein geht. Es ist (noch) nicht der Spock, der uns aus TOS bekannt ist, keine Frage. Aber mir gefällt dieses „Zwischenspiel“ mit der Figur, die sich auch später noch für andere einsetzen soll, koste es, was es wolle. Eine Enterprise-Entführung (dazu komme ich gleich noch) ist hier sicher Mittel zum Zweck, aber es passt in den größeren Rahmen hinein, der schon von Pike in den Eröffnungsszenen preisgegeben wird: kein Crewmitglied wird hilflos zurückgelassen.
Storytechnisch werden M'Benga und Chapel gefordert, die plötzlich mitten im Abenteuer stehen. Ließ sich so nicht erwarten, weil man beim Schiffsarzt und seiner Krankenschwester eben davon ausgeht, dass sie „nur“ auf der Krankenstation aktiv sind. Diese Woche geht es aber auf Außenmission und wir erfahren insbesondere bei M'Benga, dass er beim Krieg mit den Klingonen an vorderster Front dabei war. Entsprechend vorbelastet ist er jetzt, wenn er Klingonen behandeln soll, die nicht gerade freundlich mit ihm umgehen. Zusammen mit Chapel erfährt er vom großen Plan, einen neuen Krieg anzuzetteln, um den Dilithium-Handel wieder lukrativer zu machen, womit beide Gegenmaßnahmen einleiten. Vielleicht übertrieben mit dem Supersoldaten-Serum (welches M'Benga natürlich dabei hat), den vielen Slow-Motion-Szenen und den Kämpfen an sich. Aber dennoch hat mir das alles sehr gut gefallen, weil unterm Strich eben thematisiert wird, dass beide Figuren nicht „gerne“ an der gut präsentierten Action teilnehmen. Kriegstraumata spielen eine Rolle, insbesondere beim Schiffsarzt und ganz generell überwiegt das Drama, welches dahintersteckt. Bestes Beispiel ist vermutlich die Szene, in der M'Benga fast einen Klingonen tötet. Solche Szenen spiegeln gut wider, wie einschneidend Kriegserlebnisse sein können - ob man es möchte oder nicht.

In Sachen neue Figuren lernen wir Commander Pelia (Carol Kane) kennen, die bereits in ihren ersten Szenen hervorsticht. Großartige Wahl und vermutlich die neue Chefingenieurin der Enterprise, die auf Abenteuer aus ist. Sie erkennt Spocks Plan, Probleme mit dem Warpkern vorzutäuschen, um das Schiff zu stehlen. Statt aber April zu alarmieren, gibt die abenteuerlustige Pelia Spock Tipps, wie er glaubwürdig ins Abenteuer starten kann. Auch später als Spock zusammen mit dem klingonischen Captain D'Chok (Andrew Jackson) Blutwein schlürft („may your blood scream“), hinterlässt Pelia einen sympathischen Eindruck. Dass sie zu den Lanthanites gehört, gibt ihr außerdem eine nette Hintergrundgeschichte, ganz zu schweigen davon, dass sie Spocks Mutter Amanda Grayson (Mia Kirshner) kennt. Als Ersatz für Hemmer (Bruce Horak) ist sie dennoch fragwürdig, weil Hemmers Tod schlichtweg ein Unding war, welches nicht hätte stattfinden dürfen. Aber mal schauen, bislang ist Pelia sehr vielversprechend.
Storyprobleme
La'an beschert uns diese Woche das Abenteuer und wenn ich ihren Blick am Ende richtig deute, wird der Posten der Sicherheitschefin auf der Enterprise wohl nicht länger vakant sein. Ihr Hilferuf zu Beginn löst eine Kette von Ereignissen für Spock aus, der nach der Absage von April der Crew den Plan unterbreitet, die Enterprise zu stehlen, um La'an beizustehen. Hier ergeben sich für mich gleich zwei Probleme, die miteinander verknüpft sind.
Einmal Unverständnis darüber, weshalb der Admiral den direkten Befehl gibt, dem Notruf nicht nachzugehen. Denn La'an ist nicht aus der Sternenflotte ausgestiegen, sondern hat sich lediglich eine Auszeit genommen, um Oriana zu helfen. Lässt man also Leute im Stich, bloß weil sie zum Zeitpunkt des Notrufs gerade „Urlaub“ haben? Und klar, die Lage mit den Klingonen ist etwas heikel, weil sie gerade auf Cajitar IV am Drücker sind. Aber jemandem wie Spock sollte selbst Admiral April zutrauen, die Situation zu meistern. Mit der Absage wirkt es nämlich so, als wenn er kein Vertrauen in Spock und die Crew hat, was gegensätzlich zum Ende der Folge steht. Da heißt es auf einmal, dass die Strafe für die Befehlsmissachtung und den Diebstahl der Enterprise deshalb so gering ausfällt, weil man diese hervorragende Crew noch brauchen wird. Ja, was denn nun?

Problem zwei ist die Tatsache, dass Spock die Enterprise stiehlt und außerdem niemand ein Problem damit zu haben scheint. Ortegas (Melissa Navia), Uhura, Mitchell (Rong Fu) und die anderen sind direkt an Bord, obwohl sehr eindeutig ist, dass sie damit allesamt ihre Karrieren aufs Spiel setzen und im schlimmsten Fall Number One folgen werden. Blicken wir außerdem noch auf andere (zukünftige) Vorfälle, bei denen die Enterprise von Spock oder Kirk (William Shatner) „gestohlen“ wurde - „The Menagerie“ aus TOS oder „Star Trek III: The Search for Spock“ (1984) - so wird klar, dass ein solcher Diebstahl keine Lappalie ist und in jedem Fall genauer von der Sternenflotte untersucht wird. In meinen Augen hätte sich da ein anderer Weg finden müssen, um dem Hilferuf nachzugehen.
Aber gut, auf der anderen Seite wird veranschaulicht, dass jeder aus unserer Besatzung bereit ist, La'an zu helfen und auf mögliche Konsequenzen keine Rücksicht genommen wird. Von daher kann ich verschmerzen, wenn Spock am Ende bloß einen Kater durchstehen muss und anschließend weitergemacht werden kann. Und das Abenteuer ist auch wirklich gelungen, da ist der Aufhänger dazu, wie unsere Crew nach Cajitar IV kommt, weniger wichtig.
Cajitar IV
La'an hat ihr Ziel erreicht und die Eltern von Oriana gefunden. Aber auf Cajitar IV ist etwas im Busch, denn der „Broken Circle“ sammelt Föderationswaffen, die Strahlungsopfer stammen offenbar von einem explodierten Photonentorpedo und es liegt „etwas Großes“ in der Luft. La'ans Sorgen sind nicht unberechtigt und der Hilferuf kommt gerade noch rechtzeitig, um einen neuen Krieg zu verhindern.
Die Story um den Planeten weiß zu gefallen, was schon mit der Ausgangssituation zusammenhängt, wonach sich Föderation und klingonisches Imperium darauf verständigt haben, im Wechsel von den hohen Dilithium-Vorkommen des Planeten zu profitieren. Ein interessanter Kompromiss, auch wenn es weiterhin Spannungen zwischen den Parteien gibt und ein Kartell das Sagen hat. Das Vorhaben, einen neuen Krieg anzuzetteln, um die Profite zu steigern, ist tatsächlich aber das größere Thema, welches behandelt wird und leider aktueller nicht sein kann. Dazu muss man bloß einmal darauf schauen, wie sich die Preise von diversen Rohstoffen oder Produkten entwickelt haben, die aus der Ukraine oder Russland stammen. Mag sein, dass dieser Vergleich sich nicht eins zu eins übertragen lässt, aber es dürfte klar sein, dass bei einem Krieg diverse Preise steigen, worauf „The Broken Circle“ aus ist. Eine gewisse Parallele zu unserer heutigen Situation lässt sich da nicht abstreiten und es ist gut, dass das Thema in einer Star Trek Serie behandelt wird, auch wenn diese natürlich fiktiv ist.

Aber zurück zur Serie. Unsere Figuren nähern sich mit der Unterstützung von La'an schnell dem Kernproblem, werden getrennt und müssen darauf vertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um das Abenteuer zu bestehen. Team Spock und Uhura ist (im Hintergrund) an der Seite von La'an, wenn sie dem Kartell ein paar Phaser verkauft und einen Star Wars Trick durchführt, um das Geschäft abzuschließen. Uhura kann hier mit begrenzten Sprachkenntnissen herausfinden, dass eine große Aktion ansteht, weiß aber noch nicht, worauf alles hinausläuft, was uns Spannung beschert. Derweil werden M'Benga und Chapel entführt, um direkt zu sehen, wie dieses große Vorhaben gestaltet ist. Sie geraten in eine fast ausweglose Situation und beschließen, sich notfalls selbst zu opfern, um den Plan des Kartells zu vereiteln. Da wird der Spannungsbogen enorm gesteigert, denn M'Benga manipuliert den Transponder des vermeintlichen Föderationsschiffs, um Spock die Nachricht zu geben, dass dieses Schiff (auf dem sich Chapel und er befinden) zerstört werden muss. Unter anderen Umständen wäre diese Geschichte anders ausgegangen und wir können jederzeit mit ansehen, wie Spock zögert, den Feuerbefehl zu geben - schließlich liegt ihm viel an Chapel und die ganze Episode dreht sich darum, dass niemand zurückgelassen oder gar geopfert wird.
Entsprechend können wir Zuschauer mitfiebern, wenn der Feuerbefehl doch erteilt wird und zudem das Schicksal von M'Benga und Chapel am seidenen Faden hängt. Über den Realismus dieses ungeschützten Ausflugs ins Weltall lässt sich bestimmt streiten, aber das möchte ich gar nicht. Denn beide sind sich über die geringe Aussicht auf schnelle Rettung bewusst und nehmen den eigenen Untergang in Kauf. Ein wenig gestört hat mich derweil, dass Spock nach dem Beamvorgang genug Zeit hat, um Chapel wiederzubeleben beziehungsweise D'Chok ihm genug Zeit lässt, ehe er die Enterprise kontaktiert und nachfragt, was da gerade passiert ist. Solche Szenen können den Zuschauer aus der Handlung herauszerren, weil sie eben nicht besonders plausibel sind, was übrigens auch für Ortegas Nachfrage gilt, die nach der Catchphrase von Spock fragt, wenn die Enterprise sich in den Warp begeben soll.
D'Chok ist derweil nicht einfach zu besänftigen, obwohl er gerade gesehen hat, wie ein Föderationsschiff ein anderes zerstörte. Er wittert einen Angriff auf das klingonische Imperium und der komische Vulcanier, den er an der Strippe hat, sieht erstmal so aus, als wenn er etwas verschleiern wollte. Aber Spocks Angebot, die Geschichte bei einem Fässchen Blutwein zu besprechen, kommt dem klingonischen Captain doch wieder sympathisch vor und kann letzten Endes abwenden, dass ein neuer Krieg entsteht. Humor zur Lösung des Konflikts, da bin ich natürlich an Bord. Spock kann tatsächlich einen neuen Krieg abwenden und in meinen Augen hätte auch ein Admiral April am Ende einsehen müssen, dass hier eine sehr große Leistung vollbracht wurde. Denn ohne die Entführung der Enterprise und der Befehlsmissachtung wären die Föderation und die Klingonen jetzt im Krieg. Obwohl, April scheint sich dessen schon bewusst zu sein, weshalb die Strafe für Spock so gering ausfällt. Denn an anderer Stelle sind noch immer die Gorn ein Problem, welches in Angriff genommen werden muss.
Sonstiges
Wie zu erwarten, sind die Special Effects mal wieder atemberaubend und reif fürs Kino. Regisseur Chris Fisher lässt es sich auch nicht nehmen, zusätzlich noch mit ungewohnten Kameraperspektiven aufzuwarten, die eine gewisse Würze ins Spiel bringen. Star Trek: Strange New Worlds sieht damit hervorragend aus und das, obwohl auch ein paar Kompromisse eingegangen werden. Beispielsweise beim Design der Schiffe oder bei dem in der Vergangenheit viel diskutiertem Aussehen der Klingonen. Gerade bei letzterem ist es sicher nicht einfach, diverse Anpassungen vorzunehmen und die Lösung hat mir wirklich gefallen. Der Look erinnert halt an TOS und die Modernisierungen aufgrund der heutigen Möglichkeiten ist trotzdem vorhanden und lässt die Serie nicht altbacken aussehen.

Die musikalische Unterlegung sorgt für den angenehmen Rest, wenn die alten (Musik-)Themen aufgegriffen und etwas modernisiert werden. Also, optisch und musikalisch passte hier alles für mich, ein weiterer Grund dafür, weshalb der zweite Staffelauftakt so gelungen erscheint und die meisten Probleme eher storytechnischer Natur sind. Wenn Star Trek: Strange New Worlds diese Qualität beibehalten kann und obendrein noch interessante Geschichten wie hier liefert, stehen uns noch wahrlich großartige Folgen bevor.
Des Weiteren gefallen mir die Kleinigkeiten am Rande, die für mehr Inklusion Werbung machen. Dass Orianas Eltern aus zwei Müttern bestehen, ist ebenso ein Teil davon, wie das Casting von Noah Lamanna als (Transporter-)Chief Jay. Es wird hier keine Brechstange benutzt, denn die ist auch gar nicht nötig, um uns diverse Figuren und deren Verhältnisse näherzubringen. Es wird mehr oder weniger beiläufig zum Fakt, was hoffentlich auch den einen oder anderen Zuschauer dazu bewegt, offener in bestimmten Dingen zu sein und einfach zu akzeptieren, dass unsere moderne Welt eben nicht nur aus heterosexuellen Personen besteht, sondern weit vielfältiger ist.
For Nichelle
Letztes Jahr ist Nichelle Nichols verstorben, die sicher nicht nur bei mir einen großen Fußabdruck hinterlassen hat. Die Kuss-Szene mit Kirk gilt noch immer als kleine Revolution und war unter anderem wegweisend für Star Trek und die Geschichten, die Gene Roddenberry erzählen wollte. Eine Utopie eben, in der die meisten Probleme der heutigen Welt überwunden wurden, auch wenn uns die präsentierten Konflikte stets bekannt vorkommen und geradezu mit dem Finger darauf zeig(t)en.

Der Nachruf am Ende der Episode hat mir jedenfalls ein paar Tränen beschert und der Text dazu ebenfalls. Großartig getroffen und berührend, zumal Nichelle auch nach Star Trek VI dazu bereit war, ihre Rolle in diversen (Fan-)Projekten aufzunehmen. Ähnlich wie Leonard Nimoy oder DeForest Kelley oder James Doohan oder Majel Barrett oder oder oder werde ich sie vermissen, weil sie Teil meiner Kindheit war und mit ihrer Rolle in Star Trek aufzeigen konnte, dass es in der (fernen?) Zukunft keinen Rassismus mehr gibt. Eine Vorstellung, die leider noch immer eine Utopie ist, wenn man auf die heutigen Nachrichten schaut, was mich stets traurig macht. Erst heute wieder habe ich auf Tagesschau.de einen Artikel zu George Floyd gelesen, der Angst und Bange macht, wenn es um Rassismus geht. Warum gibt es heutzutage noch immer Rassismus und Gewalt gegen Personen mit anderer Hautfarbe? Oder auch gegen Personen mit anderem Glauben oder anderer sexueller Ausrichtung oder auch gegen Frauen? Sollte die Welt mittlerweile nicht in der Lage sein, mehr Akzeptanz und Einsicht zu haben?
Der Kuss zwischen Nichols und Shatner ist mittlerweile mehr als 50 Jahre alt, aber diese kleine Revolution scheint an vielen vorübergegangen zu sein. Und ja, es ist schlichtweg irgendeine Angst gegenüber dem, was heutzutage „normal“ sein sollte. Eine Angst, die leider noch immer für Konflikte in allen gesellschaftlichen Bereichen sorgt und heiß diskutiert wird. Da sollten wir heute doch weiter sein, oder? Ein Kuss kann den Unterschied machen und es bleibt zu hoffen, dass diese komische Welt da draußen noch einlenkt und Nichelles Beispiel folgt. „Hailing frequencies forever open...“
Fazit
Gelungener Auftakt, bei dem sich storytechnisch vielleicht ein paar Schwachstellen finden, aber der ansonsten sehr viel Wert auf Figuren und aktuelle Themen legt. Der komplette Cast mitsamt Neuzugängen weiß zu überzeugen, während die Spannung im Minutentakt steigt und von Drama bis Humor alles an Bord hat, was man sich nur wünschen kann. Von mir gibt es viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Star Trek: Strange New Worlds: Serientrailer Staffel 2
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 17. Juni 2023Star Trek: Strange New Worlds 2x01 Trailer
(Star Trek: Strange New Worlds 2x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?