Star Trek: Strange New Worlds 1x10

© nson Mount in Star Trek: Strange New Worlds, (c) Paramount+
A Quality of Mercy
Neue Woche, neues Abenteuer gilt auch im ersten Staffelfinale der Serie Star Trek: Strange New Worlds. Die Handlung dreht sich vornehmlich um Captain Pike (Anson Mount), welcher zu Beginn mit Maat Al-Salah (Chris River) konfrontiert wird - einer von zwei Kadetten, die den zukünftigen Vorfall, bei dem auch Pike sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wird, nicht überleben sollen. Wir erinnern uns kurz an die schicksalhaften Momente und die Frage danach, ob dieses Schicksal für Pike oder auch Al-Salah vermieden werden könnte, falls unser Captain entsprechende Vorkehrungen trifft. Dazu ist er hier bereit, zieht sich vom Treffen zurück und ist im Begriff, Maat Al-Salah zu warnen, ehe sein zukünftiges Ich erscheint und ihn per Zeitkristall auf eine kleine Reise einlädt, die die Konsequenzen dieser „Hilfestellung“ verdeutlichen soll.
Folglich findet sich unser Captain in der Zukunft wieder. Sechs Monate sind vergangen, seit es den bedeutenden Vorfall gab, bei dem aber (durch Pikes Eingreifen in der Vergangenheit) niemand zu Schaden gekommen ist. Entsprechend ist Pike noch immer der Captain der Enterprise, während ein James Tiberius Kirk (Paul Wesley) die USS Farragut kommandiert, welche in der Krisensituation mit den Romulanern zur Hilfe eilt. Denn in der fernen (möglichen) Zukunft greifen die Romulaner diverse Außenposten im Föderationsgebiet an, zerstören diese sogar mit Hilfe ihrer fortschrittlichen Technik und das angreifende Schiff ihres Commanders (Matthew MacFadzean) versucht anschließend, in die neutrale Zone zurückzukehren.
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Fraglos eine sehr actionreiche Folge, die sich durch Pikes Blickwinkel stets bemüht, den Konflikt mit den Romulanern nicht eskalieren zu lassen, sondern das Gegenteil zu verwirklichen. Ein bisschen schwingt auch ein „Pike vs. Kirk“-Thema mit und wer sich mit Paul Wesley als Kirk anfreunden kann, wird sicher auch ein nettes Abenteuer erhalten, bei dem die Unterschiede zwischen Pike und Kirk aufgezeigt werden. Im Endeffekt ist aber das Schicksal von Spock (Ethan Peck) dafür verantwortlich, dass Pike seinen Versuch überdenkt und sein (uns wie ihm bekanntes) Schicksal akzeptiert.
Für mich war das eine nette Episode, aber leider und trotz längerer Laufzeit kein Staffelfinale. Klar, die Frage danach, ob Pike versucht, sein Schicksal abzuwenden, ist wichtig und richtig. Aber nachdem der Zeitkristall berührt wurde, weiß man eben direkt, dass wir einem - mehr oder weniger - imaginären Abenteuer folgen, welches zwar für Pike relevant ist, aber unsere anderen Charaktere nicht involviert. Uns wird lediglich aufgezeigt, welche Figuren in Zukunft noch immer an Bord sind, wer den Chefingenieur ersetzt hat und das La'an (Christina Chong) jetzt auf der Farragut ist. Kleine Ausnahme ist höchstens Number One a.k.a. Una Chin-Riley (Rebecca Romijn), deren Werdegang uns in der Zukunft aufgezeigt wird und in der Gegenwart für den Cliffhanger dienen soll, der hoffentlich schnell in der zweiten Staffel aufgelöst wird.
Zeitkristall
Die Zeitkristalle aus einem bestimmten klingonischen Kloster werden abermals aufgegriffen. Diese Woche eben, um Pike zu zeigen, wie seine Zukunft, die der Föderation und die von Spock aussieht, falls er sich dazu entschließt, alle Betroffenen des angesprochenen Vorfalls zu warnen, so dass niemand zu Schaden kommt. Natürlich lernt Pike da zum Ende eine Lektion, obwohl er sehr bedacht vorgeht, auf Diplomatie setzt und sein Möglichstes probiert, ein erneutes Anfachen des Krieges mit den Romulanern zu verhindern.
Aber der Einsatz des Zeitkristalls erschließt sich mir nicht ganz. Direkt in der ersten Szene in der Zukunft, als eine Hochzeit an Bord ansteht, wird klar, dass unser Pike diverse Wissenslücken hat und ihm eben mehr als sieben Jahre fehlen. Folglich wird er ins kalte Wasser geworfen und das mit Blick auf eine Krise, die gerade in Schwung kommt und schnelles Handeln erfordert. Das ist schon unfair. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob er mit dem Wissen, welches er in diesem Abenteuer erlangt, nicht ebenfalls eine Veränderung bewirken könnte. Er weiß jetzt beispielsweise, wann und wo das romulanische Schiff zuschlagen wird, wie man es trotz Tarnvorrichtung verfolgen kann, dass es zum Abfeuern der Waffe sichtbar und verwundbar wird und könnte es entsprechend beim „nächsten Mal“ direkt angreifen und zerstören (wie Kirk es vermutlich in der echten Zeitlinie getan hat).

Sein älteres Ich meint zwar, dass Spock jedes Mal in Mitleidenschaft gezogen wird, aber woher? Konnte der ältere Pike das Szenario bereits mehrfach erleben? Klar, unser Captain soll die Ereignisse selbst durchleben und sehen, was passiert, wenn er Maat und die anderen warnt. Aber der Einsatz des Zeitkristalls ist ein zweischneidiges Schwert, denn selbst, wenn Pike seine Lektion gelernt hat, besitzt er hinterher doch sein frisch erlerntes Wissen und könnte dadurch weitere Veränderungen herbeiführen. Denn was sollte ihn daran hindern, sein Wissen über die Romulaner und deren Technologie mit anderen zu teilen, um den zukünftigen Angriff abzumildern und dadurch Leben zu retten?
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Endloser Krieg
Mit den Romulanern ist nicht gut Kirschen essen, wie wir alle wissen und wie die Föderation ebenfalls seit sehr langer Zeit weiß. Jetzt werden diverse Außenposten am Rande der neutralen Zone vernichtet, was auch Hansen Al-Salah (Ali Hassan) und dessen Außenposten Nummer vier angeht. Offenbar vollzieht der Commander des romulanischen Bird of Prey gerade eine Attacke, um möglicherweise neue Technologie - wie die Plasma-Waffe und den Tarnschild zu testen, welche nicht Hand in Hand gehen (was ein Spock direkt erkennt). Unterm Strich greifen die Romulaner also an und testen, wie hoch der Widerstand aussehen wird.
Auf Seite der Föderation ließe sich hier bereits von einem Kriegsakt sprechen, weil die Romulaner die neutrale Zone verlassen und definitiv kriegerisch eingreifen. Jemand wie Ortegas (Melissa Navia) hat auch keine Zweifel daran, von wem die Aggression ausgeht - ähnlich wie andere Crewmitglieder. Pike muss als Captain aber zusehen, dass er alle Zweifel ausschließt, ehe er reagiert. Womit wir zum eigentlichen Thema kommen, denn das ist die Konfrontation zwischen Pike und Kirk. Beide Captains verstehen sich zwar irgendwie, aber meinungstechnisch sind sie um Welten entfernt und die Botschaft ist schlicht und ergreifend, dass ein Captain Kirk vermutlich bereits die Zerstörung vom Außenposten Nr. vier verhindert hätte, indem er das feindliche Schiff kompromisslos aufs Korn genommen und zerstört hätte.
Im Verlauf der Folge und nachdem die Farragut zerstört wurde, wirft Kirk unserem Pike auch direkt vor, dass er zu langsam agiert. Wobei die Frage, wer richtig liegt, ausgiebig diskutiert werden kann. Denn ist es nicht die Aufgabe der Föderation, friedliche Mittel und Wege zu finden, um eine Eskalation zu vermeiden? Andererseits ist eine feindselige Kultur wie die der Romulaner darauf aus, den Widerstand zu testen und würde sich direkt wieder zurückziehen, falls die Testmission mit der Zerstörung des eigenen Schiffes endet. Ein Dilemma, welches uns die Folge aufzeigt und letztlich Kirks Weg als den „richtigen“ etabliert, obwohl dieser nicht diplomatisch ausfällt.
Nimmt man das alles zusammen, ist die Aussage der Episode recht eindeutig und besagt, dass der aggressive Weg (hier) zum Erfolg führt und weitere, kriegerische Auseinandersetzungen aufschiebt, während die diplomatischen Versuche höchstens begrenzt fruchtbar sind. Okay, wenn es nach dem Commander der Romulaner gegangen wäre, sähe das anders aus. Aber dieser Commander hat eben noch einen äußerst eifrigen Subcommander (Mathieu Bourassa), der eine Armada der Romulaner hervorruft, die sich anschließend mitsamt Praetor (Carolyn Scott) davon vergewissern kann, wie schwach die Föderation aufgestellt ist - Tricks von Jim Kirk hin oder her.
Letztlich sind es nur Kleinigkeiten, die Pikes diplomatische Versuche scheitern lassen (und beim neuerlichen Versuch abgeändert werden könnten). Kleinigkeiten wie der Subcommander und dessen Hilferuf oder zuvor das sekundenlange Zögern Pikes, ehe er auf das feindliche Schiff feuern lässt. Und weshalb ist Spock als erster Offizier mit den Reparaturen beschäftigt? Hat Scotty keine eigenen Leute dafür?

Zukünftige Charaktere
Womit wir zu den Dingen kommen, auf die wir uns freuen können. Denn offenbar wird Hemmer (Bruce Horak) bald durch Montgomery Scott ersetzt, dessen Stimme wir kurz zu hören kriegen (aber einen Darsteller konnte ich da noch nicht ausmachen - wird langsam Zeit für Neuigkeiten zur Rolle). Außerdem kam der Auftritt von Kirk natürlich überraschend, der eigentlich erst in der zweiten Staffel erwartet wurde und auf den ich mich nach diesem Überraschungsauftritt schon freue. Schöner Kontrast zu Pike und die Beschreibung, die Sam (Dan Jeannotte) gibt, ist sicherlich zutreffend.
Abgesehen davon lässt sich ein wenig aufatmen, was die Zukunft unserer vertrauten Figuren angeht. Uhura (Celia Rose Gooding) ist nach wie vor an Bord, Ortegas steuert weiterhin das Schiff und offenbar ist Jenna Mitchell (Rong Fu) nun festes Mitglied der Brücke. Spock ist erwartungsgemäß nun erster Offizier, Chief Kyle (Andre Dae Kim) weiterhin im Transporterraum tätig, La'an kehrt zur Föderation zurück (wobei sich nicht sicher sagen lässt, ob sie auf der Farragut landen wird) und M'Benga (Babs Olusanmokun) und Chapel (Jess Bush) sind weiterhin in der Krankenstation unterwegs. Das beruhigt natürlich alles ein wenig, erst recht nach dem Schlag von letzter Woche. Wenngleich wir uns nicht sicher sein können, ob wirklich alle Figuren hier auch noch an Bord sind, wenn die „echte“ Zeitlinie soweit ist. Schließlich handelt es sich um eine mögliche Zukunft, die in dieser Form nicht eintreten soll.
Una Chin-Riley
Zuletzt müssen wir noch über Una sprechen. Und über Pasta Mama. Denn relativ auffällig ist erneut die Abwesenheit von Number One, welche in der Zukunft im Gefängnis sitzt. Offenbar wurde der Sternenflotte bewusst, was wir seit Ghost of Illyria bereits wissen und entsprechend hat es irgendwann eine Inhaftierung gegeben, weil Unas Spezies genetische Modifikationen vorgenommen hat, die föderationsweit geächtet wurden.
Mit Blick auf den Cliffhanger ist „irgendwann“ nicht richtig, denn Captain Batel (Melanie Scrofano) soll nach den anfänglichen Szenen mit Pike, der die Spaghetti vom Vorabend neu verwertet (das Rezept werde ich sicher mal ausprobieren), in den letzten Minuten zurückkehren, um Una in Gewahrsam zu nehmen. Mit Blick auf die Beziehung zwischen Pike und Batel darf man sich schon fragen, weshalb es da keine Warnung gegeben hat oder ob irgendwer gepetzt und Unas Identität weitergereicht hat, die bislang unter dem Radar der Föderation blieb.

Als kleiner Cliffhanger durchaus in Ordnung, weil die Spannung auf die zweite Staffel gesteigert wird. Dennoch sorgen die eher spärlichen Auftritte von Una innerhalb der ersten Staffel dafür, dass wir nur wenig besorgt sind. Denn auch mit Blick auf dieses Finale ist der große Witz, dass Una die meiste Zeit über unscheinbar wirkte und nur in wenigen Episoden eine größere Rolle spielte. Ich hoffe zwar, dass Pike einen Weg findet, um sie aus ihrer Lage zu befreien, aber es ist jetzt nicht so, dass ich besonders traurig wäre, falls das nicht gelingt.
Fazit
Ich würde diesem Staffelfinale jetzt keine große Bedeutung geben. Klar, in Sachen Pike wird voll aufgefahren, aber letzten Endes bleiben alle anderen vertrauten Figuren mehr oder weniger auf der Strecke, weil sich die gesamte Handlung um eine Zukunft dreht, die so nicht eintreten wird. Interessant bleibt - unter Vorbehalten - der weitere Werdegang von Una, während andere Figuren wohl an Bord bleiben oder neu dazukommen. Von mir gibt es diese Woche okayische drei von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 10. Juli 2022(Star Trek: Strange New Worlds 1x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 1x10
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