Star Trek: Prodigy 1x01

© oster zur Serie Star Trek: Prodigy (c) Nickelodeon/Paramount+
Star Trek: Prodigy ist fraglos für eine jüngere Generation gemacht, was aber nicht heißt, dass man nicht auch als „alter Trekkie“ seinen Spaß an der Serie haben kann. Es wird kein bis wenig Vorwissen vorausgesetzt, wenn wir bereits zu Beginn Dal (Brett Gray) folgen und ihm bei seinem (ersten) Fluchtversuch beiwohnen, der zwar zum Scheitern verurteilt ist, aber bereits kleine Szenen mit seinen zukünftigen Gefährten liefert. Im weiteren Verlauf gibt es zwar ein paar trekkige Kleinigkeiten zu erhaschen oder zu hören, wie beispielsweise den Transwarp-Antrieb der Protostar oder, dass wir uns im Delta-Quadranten befinden, aber die Serie setzt nie voraus, dass der Zuschauer (wie jung er auch sein mag) vorher bereits eine Star Trek Serie gesehen hat. Und so sollte es auch sein.
Was den Look angeht, musste unsereins sich erst ein wenig dran gewöhnen. Der unterscheidet sich nämlich enorm von Star Trek: Lower Decks, was aber mit Blick auf die jüngere Zielgruppe ebenso Sinn ergibt, wie die wesentlich „mildere“ Sprache. Star Trek: Prodigy wirkt dennoch „groß“, oftmals kinoreif und stellt die animierten Serien, die unsereins (ich bin heute 44 Jahre alt) als Kind gesehen, locker in den Schatten. Hinzu kommt die musikalische Untermalung von Nami Melumad, die offenbar viel von ihrem Mentor Michael Giacchino gelernt hat und sich keine Fehltritte erlaubt. Mit anderen Worten: Sowohl Look als auch musikalische Untermalung wirken jederzeit stimmig, wobei der (doppelte) Auftakt nicht an Action geizt und bereits in der Anfangssequenz überzeugen kann. Sicher auch Kinder.
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Das Rückgrat jeder Serie sind aber die Hauptfiguren. Dal ist sehr prominent und gefällt direkt, während uns die anderen Charaktere im weiteren Verlauf vorgestellt werden und es bei Rok-Tahk (Rylee Alazraqui) noch einen kleinen Twist gibt, nachdem sich unsere Figuren überhaupt verstehen können, denn die sprachlichen Probleme dominieren zunächst. Einen Bösewicht und seinen Handlanger gibt es mit dem „Diviner“ (John Noble) und seiner rechten Hand Drednok (Jimmi Simpson). Aber der Punkt ist, dass wir uns sehr leicht in jede Figur hineinfinden können, auch wenn sie teilweise als comic relief dienen wie beispielsweise Murf (Dee Bradley Baker) oder vielleicht auch Jankom Pog (Jason Mantzoukas). Rok-Tahk und Zero (Angus Imrie) sind derweil echte Überraschungskandidaten und die Tochter des Bösewichts in Form von Gwyn (Ella Purnell) wegen ihrer hin- und hergerissenen Einstellung (auch in Bezug auf Dal) eine positive Ergänzung.
Lost and Found
Mit dem Auftakt Lost and Found werden wir direkt ins Geschehen katapultiert und finden uns auf Tars Lamora wieder, wo unsere jungen Aliens als Gefangene nach Bodenschätzen suchen müssen. Auffällig ist die Abwesenheit menschlicher Figuren, was mit Blick auf den Delta-Quadranten aber nicht großartig verwundert und für die jüngeren Zuschauer sicher interessanter ist. Schnell lernen wir vom „Fugitive Zero“, der irgendwie entkommen konnte und seitdem für Aufruhr sorgt. Aber besonders viel Hoffnung auf ein Entkommen gibt es unter den Gefangenen der Kolonie nicht, da ist Dal zunächst die Ausnahme.
Jedenfalls, bis Dal zusammen mit Rok eine Entdeckung macht, die ebenfalls das Ziel der ganzen Unternehmung zu sein scheint. Denn der große Bösewicht Diviner hat es auch auf die USS Protostar abgesehen, womit uns in den nächsten Episoden sicher noch mehr Hintergründe dazu erwarten werden. Die Serienschöpfer Dan und Kevin Hageman bauen hier fraglos eine größere Geschichte auf und zielen darauf ab, diese möglichst einfach und nachvollziehbar zu gestalten. Ähnlich wie die Figuren, die daran teilnehmen.
Es wird jedenfalls schnell klar, was die Aufgabe dieser Doppelfolge ist. Wir lernen zusammen mit Dal seine Weggefährten kennen, die ihm in Zukunft auf der Protostar zur Seite stehen werden. Mit Gwyn gibt es einen kleinen Joker, obwohl sie ebenfalls nach den Sternen greifen möchte und Drednoks Methoden sicher nicht schätzt, während ihr Vater ihr wesentliche Dinge verschweigt. Die mysteriöse „Föderation“ wird ebenfalls erwähnt und scheint Teil der größeren Geschichte zu sein (allein schon wegen des Raumschiffs). Da kommt am Ende auch „Hologram Janeway“ (Kate Mulgrew) ins Spiel, die auf das Wort „Hilfe“ reagiert - ähnlich wie ein bestimmtes medizinisches Hologramm damals in Star Trek: Voyager.

Der (doppelte) Auftakt erfüllt seine Aufgabe in meinen Augen und liefert sogar noch etwas mehr ab als ich aufgrund der Vorab-Informationen erwartet hätte. Denn es gibt kaum eine Figur, die langweilig oder gar uninteressant wirkt. Selbst ein Murf erhält seinen großen Einsatz, obwohl hier noch immer das Sprachproblem herrscht. Wichtig ist auch, dass der Humor nicht zu kurz kommt, wenngleich es für eine kindgerechte, einfache Handlung schon gute Portionen Drama gibt.
Figuren
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht viel über die Figuren sprechen, denn jede einzelne davon hat ihre Berechtigung und ist auf ihre Weise interessant und/oder lustig. Selbst die bösen. Auffällig ist aber, wie schnell wir mit diesen Charakteren mitfühlen können, ihre Motivationen verstehen und entsprechend sehen wollen, wie sie ihrem Schicksal mit Hilfe der Protostar entkommen. Ein Ziel, was am Ende der Doppelfolge und nach kleineren Twists offenbar erreicht wird, aber direkt die nächste Frage aufwirft: Wohin denn jetzt? Und wird es für die zurückgelassenen Gefangenen noch eine Rettung geben, speziell für die kleine Caitianerin?
Die aktuelle Besatzung der Protostar weiß jedenfalls zu gefallen, ebenso wie die Unsicherheit über die weitere Reise, die nicht nur uns Zuschauer neugierig auf das nächste Ziel macht. Mit Janeway wird es sicher ein paar Tipps für die Zukunft geben, während die junge Besatzung erst noch lernen muss, mit dem Schiff und miteinander umzugehen, auch wenn sie allesamt sehr lernfähig sind. Aufgaben gibt es für jede Figur somit genug und ich bin sehr gespannt, was die Macher da in den kommenden Folgen in petto haben.
Ich weiß, das war jetzt für einen Abschnitt, der sich „Figuren“ schimpft, ein wenig dürftig. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht jedes einzelne Besatzungsmitglied der Protostar näher vorstellen. Diese Entdeckungsreise hat keine Spoiler verdient, auch wenn ich sicher schon zu viel über die Handlung preisgegeben habe. Meine Empfehlung wäre, selbst einen Blick zu riskieren und offen für die bunte Mischung an (Haupt-)Figuren zu sein.
Fazit
Star Trek: Prodigy liefert direkt einen mindestens sehr guten Auftakt ab und wird sicher alt und jung schnell in seinen Bann ziehen. Die kindgerechte (und ungewohnt actionreiche) Story ist einfach zu verfolgen, man kann sich im Handumdrehen in nahezu jede Figur hineinfühlen und merkt direkt, dass unsere Hauptfiguren teil einer größeren Geschichte sind, welche sie selbst erst noch erkunden müssen - was Lust auf mehr macht. Meine Erwartungen wurden übertroffen, weshalb ich aus Hüfte mal viereinhalb von fünf Sternen für den Auftakt vergebe. Und Ihr?
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Star Trek: Prodigy“, die neu auf Nickelodeon beziehungsweise vor allem dem Streamingdienst Paramount+ zu finden ist:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 30. Oktober 2021Star Trek: Prodigy 1x01 Trailer
(Star Trek: Prodigy 1x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Prodigy 1x01
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