Star Trek: Discovery 5x01

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Red Directive
Von der titelgebenden „roten Direktive“ (Red Directive heißt der Auftakt dieser fünften Staffel von Star Trek: Discovery im Original) habe ich zuvor noch nie gehört, aber wenn Kovich (David Cronenberg) unsere Crew damit beauftragt, ein 800 Jahre altes, romulanisches Schiff auszukundschaften, ist mein Interesse direkt geweckt. Geheimniskrämerei steht dabei ganz vorne, denn noch weiß niemand (abgesehen von Kovich), was es auf diesem Schiff zu entdecken gilt oder in welche Richtung die Narrative gehen wird. Neben Captain Burnham (Sonequa Martin-Green) und unserer vertrauten Besatzung sind außerdem Tilly (Mary Wiseman) und Book (David Ajala) wieder dabei, die eigentlich andere Wege eingeschlagen hatten (ob nun freiwillig oder aufgrund vergangener Ereignisse). Unterstützung erhält die Discovery zudem durch Captain Rayner (Callum Keith Rennie) und der USS Antares, womit ein Missionserfolg innerhalb kürzester Zeit auf der Hand liegen sollte.
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Aber Moment, das romulanische Schiff bekommt zuvor bereits Besuch von Moll (Eve Harlow) und L'ak (Elias Toufexis), womit die Beute verloren geht, und eine Schnitzeljagd beginnt, woran auch ein äußerst waghalsiges Manöver von Burnham nichts ändern kann. Hat sich „Star Trek: Discovery“ bereits zuvor Anleihen vom Star Wars Genre genommen, wird hier deutlich, dass die fünfte und letzte Staffel eher einem Abenteuerfilm gleichen wird und entsprechend eine „Indiana Jones“-Variante im Science-Fiction Genre abliefern wird. Action steht im Auftakt jedenfalls im Vordergrund, es gibt ein ominöses Geheimnis, welches es zu entschlüsseln gilt und eine Art „heiligen Gral“ darstellt - wozu wir am Ende der Folge etwas mehr erfahren - und die Stimmung ist im Vergleich zu vorherigen Staffeln deutlich lockerer und weniger düster.
Charakterlich werden wir schnell auf die Sprünge gebracht und erfahren, was seit der vierten Staffel mit unseren Figuren passiert ist. Saru (Doug Jones) erhält eine mögliche, neue Mission als Botschafter, die seine Bindung (die beiden sind ein Paar) mit T'Rina (Tara Rosling) festigen könnte, aber gleichzeitig bedeutet, dass er nicht mehr an Bord der Discovery agiert. Tilly (Mary Wiseman) ist noch immer an der Akademie, wird aber ebenfalls in das Abenteuer hineingezogen. Burnham und Book sind ein Kapitel für sich, wenn Book unterstützend hinzugeholt wird, um den weiteren Weg der „Grabräuber“ zu antizipieren. Schließlich muss Book noch immer Buße für seine Taten in der vierten Staffel leisten und wie wir erfahren, haben die beiden in der Zwischenzeit keinen Kontakt gepflegt, was das neuerliche Team-Up etwas awkward macht. Adira (Blu del Barrio), Culber (Wilson Cruz) und Stamets (Anthony Rapp) bekommen ebenfalls ihre Momente, was sich wie immer gut und herzlich anfühlt.
Neuzugang Rayner scheint leicht hitzköpfig zu sein, wenn er auf Biegen und Brechen die Mission erfüllen will. Eine Figur, die sich in der nächsten Episode sicher noch rechtfertigen muss, aber für das Abenteuer gut platziert wird. Die vermeintlichen Antagonisten Moll und L'ak sind ebenfalls interessant und nachvollziehbar. Da gibt es sicher noch eine nette Hintergrundgeschichte zu entdecken, die dieses eingespielte Team mit den niederen Motiven näher beleuchtet.
Mit Blick auf die letzten Enthüllungen von Kovich haben wir es rein storytechnisch übrigens mit einer (sehr) späten Fortsetzung zu The Chase beziehungsweise Das fehlende Fragment aus Star Trek: The Next Generation zu tun. Eine Story, die ich damals durchaus gemocht habe und sicher eine Fortsetzung verdient. Mal schauen, was unsere Autoren daraus gemacht haben und worauf das Ganze hinauslaufen wird. Mit anderen Worten: „Let's Fly!“

Der deutsche Trailer zur fünften Staffel von Star Trek: Discovery“:
Prämisse
Es ist offensichtlich, dass uns die Mission, die Kovich der Discovery und der Antares gibt, über die gesamte Staffel verfolgen wird. Ob es - wie zuvor - auf eine gigantische Bedrohung allen Lebens in der Galaxie hinauslaufen wird? Keine Ahnung, sicher möglich, aber vorerst empfinde ich die Story (mit Blick auf die Vorlage) gut gewählt, vielversprechend und weit weniger bedrohlich als einen Krieg mit den Klingonen, eine tödliche KI, „The Burn“/den Brand oder die DMA - schließlich gilt es mehr oder weniger, den Ursprung allen Lebens zu erforschen. Und wie bereits eingangs geschrieben, fühlt sich Vieles sehr viel lockerer und auch optimistischer an, vielleicht sogar lustiger mit Blick auf manche Situationen. Das kann sich natürlich noch ändern, keine Frage, und einem Stimmungswechsel stehe ich jetzt auch nicht unbedingt abgeneigt gegenüber. Aber vorerst sieht mir die fünfte und letzte Staffel der Serie nach sehr guter Unterhaltung aus.
Das ist übrigens auch etwas, was bei mir im Hinterkopf immer mitschwingt. Es ist (leider) die letzte Staffel von Star Trek: Discovery und wenn man mit den Figuren mitgefiebert hat, möchte man sie nach Serienende natürlich in guten Händen wissen. Ich glaube, für T'Rina und Saru wird sich mit Blick auf den Heiratsantrag gegen Ende der Auftaktfolge schon bald ein Happy End ergeben, womit uns Doug Jones vermutlich nur für wenige Episoden begleiten wird. Einerseits schade, aber andererseits freut es mich für Saru, der so viel durchmachen musste und sicher zu den besten Figuren gehört, die die Serie hervorgebracht hat.
Bei allen anderen Figuren bleibt die weitere Reise derweil noch ungewiss. Insbesondere das Verhältnis zwischen Burnham und Book, deren Beziehung quasi auf Eis liegt, kann sich so oder so entwickeln. Außerdem haben wir noch Tilly, Adira plus Culber und Stamets (und Gray (Ian Alexander)?) sowie zahlreiche Mitglieder der Besatzung der Discovery, die wir am Ende der Staffel in einem sicheren Hafen sehen wollen.

T'Rina und Saru
Aber kurz zurück zu dem Pärchen, welches schon bald in die Flitterwochen gehen könnte. Mir hat bereits kurz nach den Eröffnungsszenen gefallen, dass wir die beiden beim Tanzen sehen und T'Rina durchaus Humor zeigt, wenn sie Saru mit einer Gedankenverschmelzung droht. Gleichzeitig wird bemerkbar, dass sie Wert darauflegt, dass er seine Entscheidung, ob er die Stelle als Botschafter annehmen soll oder nicht, unabhängig von seinen Gefühlen für sie treffen soll.
Dieses Hin und Her macht in der Beziehung schon einen gewissen Reiz aus, aber letzten Endes erfahren wir erneut, dass Vulcanier durchaus Gefühle besitzen und diese bloß bei jeder Gelegenheit unterdrücken. Denn natürlich entscheidet Saru sich dafür, den neuen Job anzunehmen, um in T'Rinas Nähe zu bleiben. Und der ehemals ängstliche Kelpianer überwindet erneut seine Furcht, dadurch bei seiner Partnerin in Ungnade zu fallen, was T'Rina mit einem (wörtlich interessant ausgedrückten) Heiratsantrag würdigt. Irgendwie genial und ich freue mich jetzt schon für die beiden.
The Chase
Bereits die Eröffnungsszene gibt einen Vorgeschmack der kommenden Action-Sequenzen, wenn Burnham am Raumschiff von Moll und L'ak magnetisch klebt. Fragt mich bitte nicht, wie das möglich ist. Ich schiebe es auf die ominöse Warp-Blase, die das Schiff umgibt und vermutlich dafür sorgt, dass Michael nicht in Stücke gerissen wird und hier eine Art „Tom Cruise in Space“ abliefern kann. Rein optisch haben mir aber alle Action-Sequenzen gefallen, insbesondere die auf dem Wüstenplaneten, wo nebenbei noch darüber diskutiert wird, ob und wie Moll und L'ak gestoppt werden sollen. Was uns direkt zur nächsten Action-Sequenz bringt, in der die Discovery und die Antares dafür sorgen, dass das einheimische Dorf nicht zerstört wird. Was für ein Wahnsinn, aber ich habe jeden Moment davon genossen, auch wenn der Winkel der Schiffe relativ unglücklich aussah. Einen solchen Einsatz hätte ich jedenfalls nicht erwartet, obwohl er in Anbetracht der Lage vermutlich notwendig war.
Aber es gibt nicht nur Action und unter der Regie von Olatunde Osunsanmi kommen ebenfalls die ruhigen, Charakter-fokussierten Momente zur Geltung. Sei es bei der Feier zu Beginn oder in den Szenen, in denen Figuren wie Tilly oder auch Culber und Stamets zur Lösung des Rätsels beitragen. Außerdem haben Michael und Book natürlich persönliche Momente, die nicht nur von Nostalgie auf die Zeit als „Kuriere“ geprägt ist, sondern den Status der Beziehung zum Thema hat. Mit anderen Worten fühlt sich hier jede Figur lebendig und „echt“ an, weil eben nicht nur die aktuelle Mission im Vordergrund steht, sondern auch der persönliche Werdegang mitsamt Beziehungen und das ist einfach toll.

Apropos Nostalgie, wenn Moll und L'ak als potenziellen Käufer den Androiden Fred (J. Adam Brown) nutzen wollen und wir später herausfinden, dass dieser von einem gewissen Altan Soong (Brent Spiner) erschaffen wurde, ist das nur eine von zahlreichen Referenzen, wie sie in Star Trek: Lower Decks an der Tagesordnung stehen. Dass Star Trek: Discovery hier verstärkt auf die Vergangenheit des Franchise zurückgreift, sogar eine alte Episode von Star Trek: The Next Generation zum Ausgangspunkt und Aufhänger macht, weiß zu gefallen. Endlich greifen die Autoren nicht nur auf die Werte und die Daseinsberechtigung/Notwendigkeit der Föderation zurück, sondern machen sich das Vergangene zu Nutze, indem sie es geschickt in die Staffel integrieren und den Trekkies etwas zu entdecken geben wie beispielsweise in Freds Laden, wo im Hintergrund ein bisschen was schlummert. Oder nehmen wir Captain Rayner, der ein Kelleruner ist. Diese Spezies haben wir zuvor genau einmal gesehen, und zwar in der Star Trek: Deep Space Nine Episode Armageddon Game beziehungsweise Das Harvester-Desaster.
Captain Rayner
In Bezug auf Captain Rayner bleiben vorerst natürlich noch Fragezeichen zurück, denn er ist in der Auftaktfolge mehr als einmal bereit, alles für die Mission zu opfern. Eine Parallele zu Michael Burnham aus der ersten Staffel wird hier deutlich gezogen, schließlich hat sie sich damals Captain Georgious (Michelle Yeoh) Anweisungen widersetzt, um einen Versuch zu starten, den Krieg mit den Klingonen zu verhindern (was leider nicht von Erfolg gekrönt war). Rayner ist ähnlich stur und lässt sich stets nur schwer davon überzeugen, das Grabräuber-Pärchen entwischen zu lassen. Er riskiert sogar die ganze Niederlassung auf Q'Mau, wenn er versucht, Moll und L'ak den Fluchtweg abzuschneiden.
Kurz darauf haben Moll und L'ak von seinem Manöver „gelernt“ und starten den Erdrutsch, der ihnen die Flucht ermöglichen soll. Und selbst dann ist Rayner nicht bereit, sein Schiff zusammen mit der Discovery als Schutzschild für die Niederlassung zu nutzen? Warum? Weil er die Mission erfüllen will und ganz sicher aus einer Zeit kommt, wo die Föderation sehr angeschlagen war? Gut möglich, aber man kann diese Figur auch sehr kritisch betrachten, weil sie erstmal bereit ist, dieses Risiko einzugehen. Und dieses Risiko gehört nicht zum Sternenflotten-Standard, ebenso wie der Versuch, die Rettung der Niederlassung als geringe Priorität zu betrachten. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass das Handeln von Captain Rayner noch Konsequenzen haben wird. Gleichzeitig bin ich mir aber auch sicher, dass er trotzdem noch wertvoll für die weitere Reise sein wird. Wie gesagt, eine interessante Figur, auf dessen Hintergrundgeschichte ich sehr gespannt bin.

Moll und L'ak
Die Bösewichte sind bislang unserer Crew immer einen Schritt voraus und treffen zuerst dort ein, wo es den vermeintlichen Schatz zu finden gilt. Irgendwie umgekehrt zu dem, was wir von vergleichbaren Abenteuerfilmen kennen, wo die Guten zunächst alle Rätsel lösen, um sich gegen Ende und kurz vor dem Ziel den Schatz von besagten Bösewichten wegschnappen zu lassen. Erst dann kommt es zum eigentlichen Kampf, aus dem die Guten als Sieger hervorgehen.
Dieser umgedrehte Spieß, also, dass hier die Discovery und die Antares den Bösewichten hinterherjagen, die stets im Vorsprung sind, ist eine willkommene Abwechslung zum üblichen Vorgehen in Sachen Abenteuerfilmen oder -Serien. Außerdem liefern Moll und L'ak ein unvergleichliches Team ab, welches irgendwie und trotz allen Vorgehensweisen sympathisch wirkt. Die lassen sich eben nicht von Fred mit einem kleinen Lohn abspeisen und wittern den Wert der jüngsten Errungenschaft. Wie weit sie dabei kommen werden, ist natürlich fraglich, ebenso wie die Motive, falls sie den Schatz bekommen sollten, der auf den Ursprung allen Lebens in der Galaxie zurückgeht.
Punkt ist aber, dass Moll und L'ak auch eine verdrehte Version von Michael und Book darstellen könnten und das macht diese Figuren extrem interessant und mitunter sogar sympathisch. Beide wollen halt einfach nur überleben und gemeinsam die große Beute machen, womit dieser „Bonnie & Clyde“-Vibe eine Rechtfertigung erhält.
Fazit
Ein äußerst gelungener Auftakt zur fünften und letzten Staffel, der nur wenige Angriffspunkte bietet. Gerade die relativ lockere Vorgehensweise und das Abenteuer an sich wissen zu gefallen, wobei nicht mit Charakter-Momenten gespart wird, die neben der Story auch die Persönlichkeiten betreffen. Insgesamt sehr vielversprechend und unterhaltsam, was die Neugierde auf den restlichen Verlauf weckt. Für eine Bestwertung reicht es in meinen Augen nicht, aber viereinhalb von fünf Sternen sind locker drin. Was meint ihr?
Der englische Trailer zur fünften Staffel von Star Trek: Discovery“:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 6. April 2024Star Trek: Discovery 5x01 Trailer
(Star Trek: Discovery 5x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 5x01
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