Star Trek: Discovery 4x12

© usschnitt aus der Episode Species Ten-C der Serie Star Trek: Discovery, (c) Paramount+
Species Ten-C
Endlich ist es so weit. Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) führt die Discovery und ihre Besatzung an den Rand des Hyperfelds, um den ersten Kontakt mit Spezies 10C herzustellen. Die Zeit drängt natürlich weiterhin, denn die Erde und Ni'Var, an Bord vertreten durch Ndoye (Phumzile Sitole) und T'Rina (Tara Rosling), sehen die Katastrophe immer näherkommen. Nachdem der erste Versuch mit einer Nachricht fehlschlägt, die die Abgesandten zusammengestellt haben, sollen die Entdeckungen aus Rosetta genutzt werden, um den ersten Kontakt herzustellen. Und siehe da, prompt erfolgt eine Reaktion der unbekannten Spezies. Aber ohne die Möglichkeit des Universalübersetzers wird es schwierig, die „sprachliche Barriere“ zu überwinden.
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Währenddessen entwickelt Ruon Tarka (Shawn Doyle) an Bord von Books (David Ajala) Schiff einen Plan, um seinem Ziel näherzukommen. Jett Reno (Tig Notaro) soll dabei die desaströsen Ausmaße erkennen, die Tarka dabei in Kauf nehmen will, während Book noch immer glaubt, sein „Freund“ hätte einen Weg gefunden, der in vertretbarer Art und Weise das Problem lösen wird, welches die DMA darstellt. Derweil ist Zora (Annabelle Wallis) darauf aufmerksam geworden, dass mit ihren Systemen etwas nicht stimmt, kann aber nicht genau festmachen, woher dieses „Gefühl“ rührt. Zusammen mit Culber (Wilson Cruz) versucht sie, der Ursache auf die Schliche zu kommen.
Den Zuschauer erwarten somit gleich mehrere Wettrennen. Im Fokus steht klar der erste Kontakt mit der unbekannten Spezies, der im Folgenverlauf Fortschritte macht und damit die Rettung diverser Planeten näherbringt. Gleichzeitig bedroht Tarka einen friedlichen Ausgang, sollte er vorzeitig seinen Plan in die Tat umsetzen. Das Gelingen dieses Plans könnte aber wiederum durch eine rechtzeitige Entdeckung von Books Schiff, welches an der Discovery haftet, außer Kraft gesetzt werden. Da jetzt noch eine Episode in dieser Staffel übrigbleibt, ließ sich das Ergebnis diverser Wettrennen sicher vorhersagen und der Cliffhanger antizipieren. Das steigert sicher die Spannung auf die letzte Folge, zieht diese Episode aber dennoch ein wenig herunter.
First Contact
Hätte sich diese Episode ausschließlich auf den ersten Kontakt fokussiert, hätte ich sie bestimmt gefeiert. Allein schon die Tatsache, dass die übliche Vorgehensweise und der Universalübersetzer nicht funktionieren, hebt die Folge positiv hervor, denn dadurch wird unseren Figuren sehr viel abverlangt, um irgendwelche Fortschritte in Sachen Kommunikation zu erzielen. Mich erinnert das Szenario dabei an den Film „Arrival“ von Denis Villeneuve aus dem Jahre 2016, wo unter anderem ebenfalls die Mathematik als „universelle Sprache“ eine große Rolle spielte. Die Erwähnung der Kardaschow-Skala zur Einordnung der Spezies oder das Prinzip von Lincos als vereinfachter Kommunikationsweg sind da ebenso willkommen wie der Teamfaktor, der unsere Protagonisten stets weiterbringt.

Mag sein, dass Michael erneut die besten Ideen hat und somit hauptsächlich lösungsweisend agiert. Aber ihre Entscheidungen werden durchweg zusammen mit den anderen diskutiert, die ebenfalls ihre Beiträge leisten. Saru (Doug Jones), T'Rina, Rillak (Chelah Horsdal), Dr. Hirai (Hiro Kanagawa) und die überskeptische Ndoye mögen zur Kerntruppe gehören, aber es kommen auch Mitglieder der Brückencrew zur Sprache, um ihre Eindrücke zu liefern. Namentlich Christopher (Orville Cummings), Nilsson (Sara Mitich) und Detmer (Emily Coutts), die nach ihren Meinungen und Ansichten befragt werden. Dadurch wird die gemeinschaftliche Zielsuche demonstriert und gleichzeitig kommen wir stets etwas weiter, was den ersten Kontakt angeht. Einfach toll.
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Was mich hier - auch mit Blick auf den anderen, größeren Handlungsbogen - stört, ist allerdings, dass niemand bemerkt, wenn Ndoye zuweilen Auszeiten nimmt, um mit Book zu kommunizieren. Als Spezies 10C schließlich eine Art Shuttle zur Verfügung stellt, wird auch nicht großartig von Rillak hinterfragt, weshalb Ndoye nicht an diesem Ausflug teilnehmen möchte. Dabei sollte ihr Interesse ähnlich hoch wie das von T'Rina sein, um aller Ängste zum Trotz eine friedliche Lösung zu finden. Schließlich ist sich jeder der Überlegenheit (technologisch und überhaupt) dieser Spezies bewusst, die mehrere Systeme der Discovery und auch von Books Schiff mal eben auf Eis gelegt hat. Wie Ndoye da noch glauben kann, dass eine kriegerische Alternative zum gewünschten Ziel führt, bleibt rätselhaft.
Ruon Tarka
Ndoye ist ein Punkt, der für mich diese Woche viel zu unauffällig behandelt wird. Der größte Kritikpunkt ist und bleibt aber, dass Book nicht erkennt, mit wem er sich da eingelassen hat. Dazu bedarf es erst den Hinweisen von Reno, die kurioserweise verfolgen kann, wie Tarkas Plan wirklich aussieht und was dieser beinhaltet. Nichts anderes als den Genozid der unbekannten Spezies, die potenzielle Zerstörung der Discovery und möglicherweise auch von Books Schiff, sofern es Tarka nicht gelingt, die Energiequelle schnell genug zu benutzen, um ins „Paradies“ zu gelangen, wo Oros (Osric Chau) vielleicht auf ihn wartet, vielleicht aber auch nicht.
Außerdem wird hier die Chance verpasst, Tarka tatsächlich zur Rede zu stellen. Book lässt sich zwar von Reno überzeugen, dass Ruon (mal wieder) gelogen hat und nur an seinem persönlichen Werdegang interessiert ist, aber eine verbale Aussprache zwischen den beiden wird einfach übersprungen. Stattdessen findet direkt ein Kampf statt, bei dem Tarka erneut im Vorteil ist, weil er vorgesorgt hat. Ein schöner Freund.
Am traurigsten ist aber, dass wir als Zuschauer mittlerweile Tarka als Bösewicht identifiziert und nichts anderes erwartet haben als eine folgenschwere Unterbrechung des ersten Kontakts, sobald Ndoye (warum auch immer) seinen Anweisungen folgt. Entsprechend schwer wird es im Staffelfinale sein, Spezies 10C doch noch davon zu überzeugen, die Finger von der Milchstraße zu lassen oder aber sich auf Systeme zu konzentrieren, die kein intelligentes Leben enthalten.

The Search for Reno
Es ist geradezu unglaublich, dass Renos Abwesenheit nicht schon früher bemerkt wurde. Stamets (Anthony Rapp) hat nach ihr gesucht, Zora konnte ihren Aufenthaltsort für 25 Stunden am gleichen Ort ausmachen (und hat sich darüber nicht gewundert) und auch sonst hat niemand bemerkt, dass Reno spurlos verschwunden ist? Unglaubwürdig. Diverse Kritikpunkte hatte ich letzte Woche bereits geäußert, als Tarka und Book sich unbemerkt auf der Discovery bewegen konnten. Das wird diese Woche leider nicht besser, auch wenn Zora bemerkt, dass da etwas nicht stimmt und schließlich aufgedeckt wird, was Sache ist. Aber da ist es bereits zu spät.
Was mir hingegen gefallen hat, sind die Gespräche zwischen Jett und Book. Da werden uns nebenbei beide Figuren nähergebracht, während die unterschiedlichen Standpunkte diskutiert werden. Es mag zwar merkwürdig sein, dass Tarka davon nichts bis wenig mitbekommt, zumal sich die Diskussionen oft direkt um ihn und seinen Plan drehen. Aber wann immer Figuren mit mehr Hintergründen ausgestattet werden, ist das natürlich eine gute Sache. Erst recht, wenn diese Hintergründe dafür benutzt werden, um gegenseitiges Verständnis zu erlangen.
Sonstiges
Ob aus Saru und T'Rina noch ein Paar wird, bleibt ungewiss. Michael ermutigt ihn zwar durch Einblicke in die vulkanische Natur und liefert somit Erklärungsansätze für ihr Verhalten, welches Saru irritiert hat. Aber wann immer Saru und T'Rina einen Moment zusammen haben, scheint irgendwas dazwischen zu kommen. Wäre jedenfalls schön, wenn die beiden nach der Krise, die hoffentlich nächste Woche erfolgreich gelöst wird, noch ein privates Treffen haben und zusammenfinden.

Stamets und Adira (Blu del Barrio) geraten diese Woche ein wenig in den Hintergrund, auch wenn ihre Arbeit wichtig ist und die aktuelle Mission unterstützt. Dabei hätte ich mindestens Paul an Bord des Shuttles gesehen, was Spezies 10C liefert.
Apropos 10C oder Ten-C, es ist natürlich etwas schade, dass wir die Gestalt der Spezies bloß durch einen Nebel erblicken und nicht wirklich ausmachen können. Aber an sich fände ich es besser, wenn wir die Spezies nie genau zu Gesicht bekommen und in Sachen Aussehen unsere Fantasie spielen lassen können. Denn jedwedes CGI (was anderes dürfte hier kaum zum Einsatz kommen), wird das Mysterium des genauen Aussehens festlegen und entsprechend einschränken. Also, die Erscheinungsform besser möglichst „unbekannt“ lassen, denn für mich reicht es bereits, dass wir es hier nicht mit den üblichen humanoiden oder sonst wie bekannten Lebensformen zu tun haben, die uns bereits in diversen Trek-Serien begegnet sind. 10C fühlt sich anders, fremder an und das ist ein Pluspunkt, der keine explizite Darstellung benötigt.
Fazit
Schwierig. Mir hat sehr viel an der Folge gefallen, vornehmlich die Kontaktversuche, die endlich stattfinden, mit unüblichen Hürden versehen sind und stetige Fortschritte erzielen, die das Dilemma beinahe schon lösen. Gleichzeitig und erwartungsgemäß grätscht aber eine Person dazwischen, die schon längst kein Vertrauen (von niemandem) mehr genießen sollte und zieht die Folge damit deutlich nach unten. Auch deshalb, weil unser Team viel zu spät auf die blinden Passagiere aufmerksam wird. Von meiner Seite gibt es dreieinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 13. März 2022(Star Trek: Discovery 4x12)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 4x12
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