Star Trek: Discovery 4x05

© avid Ajala und Shawn Doyle in der Serie Star Trek: Discovery, (c) Paramount+
The Examples
Die Gravitationsanomalie (kurz: DMA) meldet sich diese Woche mit voller Wucht zurück. Die Theorie eines natürlichen Phänomens wird schnell zu den Akten gelegt, nachdem die DMA kurzzeitig verschwindet, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Folglich - selbst Zora (Annabelle Wallis) kennt keine natürliche Erklärung - muss es einen Steuermann oder Bösewicht geben, der hinter (oder gar im Zentrum) der Anomalie steckt. Ein paar bekannte Spezies, die derartige Möglichkeiten haben könnten, werden eingangs genannt, teilweise aber direkt oder später wieder ausgeschlossen, womit die „Unknown Species 10C“ vorerst der unbekannte Gegenspieler bleibt.
Absehbar ist derweil, dass die DMA einer Kolonie der ehemaligen Emerald Chain zum Verhängnis werden könnte, weshalb umgehend eine Evakuierung eingeleitet wird. Allerdings ist der amtierende Magistrat (Jonathan Goad) der Auffassung, dass die Häftlinge des Gefängnisses zurückgelassen werden können, was nicht den Statuten der Föderation entspricht und zur titelgebenden Haupthandlung führt, die Michael (Sonequa Martin-Green) und Book (David Ajala) involviert, während Rhys (Patrick Kwok-Choon) nach eigenem Vorschlag die Leitung für die Evakuierung des kolonisierten Asteroiden übernimmt.
Im zweiten größeren Handlungsstrang wird Paul Stamets (Anthony Rapp) mit dem Wissenschaftler Ruon Tarka (Shawn Doyle) konfrontiert. Unter der Aufsicht von Saru (Doug Jones) und mit Hilfe von Jett Reno (Tig Notaro) soll ein Experiment gestartet werden, welches möglicherweise Antworten zur Anomalie liefert, aber gleichzeitig hohe Risiken für das Schiff und die Besatzung mit sich zieht. Außerdem ist Stamets nicht gut auf Tarka zu sprechen, womit persönliche Reibungspunkte entstehen.
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Bei den Nebenhandlungen wird Dr. Culber (Wilson Cruz) von Kovich (David Cronenberg) auf ein persönliches Dilemma aufmerksam gemacht, was unserem derzeitigen Schiffscounselor sichtlich zu denken gibt. An anderer Stelle zeigt Zora eine emotionale Entwicklung auf, die mit Blick auf Calypso) eventuell bedenklich und bald zu einem größeren Thema werden könnte. Von Adira (Blu del Barrio) und Gray Tal (Ian Alexander) gibt es diese Woche allerdings nichts zu sehen.
Rettungsmission
Es steht zwar nicht fest, ob die Anomalie überhaupt zum Verhängnis wird, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht, weshalb die Discovery auch direkt auf Rettungsmission geht, um mehr als 12.000 Leute zu evakuieren (mit Hilfe von anderen Schiffen der Föderation), die sonst möglicherweise bald ableben werden. Eingeplant ist die Rettung der titelgebenden „Examples“ um Felix (Michael Greyeyes) dabei nicht, weshalb Michael und Book sich der Aufgabe stellen, den Insassen des wärterlosen (aber trotzdem gut gesicherten) Gefängnis' zu helfen, während die Uhr tickt.

Neben gut dosierter Action und der Überwindung einiger Hindernisse der Gefängnisstruktur, sehen unsere vermeintlichen Retter sich von den Insassen aber direkt mit der Frage konfrontiert, weshalb sie sich denn retten lassen sollten, wenn sie danach ohnehin wieder im Gefängnis landen. Das soll aber noch die einfachere Frage sein, die mit dem Stichwort „Asyl“ leicht beantwortet werden kann. Schließlich werden alle Bewohner des Asteroiden evakuiert, um anderswo unterzukommen, weil die „Heimat“ bald futsch ist. Ein Punkt, den Michael dem Magistraten befriedigenderweise auch noch unter die Nase reiben darf, zumal die meisten Gefangenen wegen Lappalien einsitzen.
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Komplizierter wird es bei Felix, der in seinen Augen zurecht einsitzt, weil er einst einen Mord begangen hat und sich am Ende dafür entscheidet, seinem Schicksal entgegenzusehen. Hier kommt es zur Diskussion zwischen Michael und Book und es ist tatsächlich nicht einfach zu entscheiden, wer richtig liegt. Sollte den Wünschen von Felix nachgegangen werden oder nicht? Ich würde mich eher bei Book wiederfinden und hätte eine Rettung forciert. Und ihr? Aber wie auch immer man sich entschieden hätte, dass die Tochter (Sochi Fried) von Felix' Mordopfer ihr Familienerbe zurückerhält, ist auf jeden Fall schön.
Bezüglich Michael und Book bleibt abzuwarten, wie sich das Verhältnis aufgrund der Meinungsverschiedenheit weiterentwickeln wird. Gut möglich, dass diese Diskrepanz nicht großartig ins Gewicht fällt, aber wer weiß das schon. Book trifft in den letzten Szenen der Folge auf Tarka und hat einen interessanten Dialog. Ich wäre mir allerdings unsicher, wohin die Wegweiser (wie Tarkas Narbe - war er einst Sklave der Emerald Chain?) da deuten sollen. Spekulationen dazu gerne in den Kommentaren äußern.
DMA
Paul ist nicht gerade erbaut, als Ruon Tarka zur Discovery stößt. Schließlich arbeitet dieser an einem neuen Sporenantrieb und hat Pauls Nachrichten bislang nicht beantwortet. Entsprechend schwer wird es, als beide zusammenarbeiten sollen und Tarka ein paar wesentliche Charakterzüge von Paul aufweist. Aber Tarkas Theorie bezüglich Kartoffelbrei mit Erbse, äh, der DMA soll schließlich in einem Experiment getestet werden, unter der Aufsicht von Saru und mit der Unterstützung von Jett Reno.
Weil das Experiment, welches ein künstliches Wurmloch beinhaltet, nicht ungefährlich ist, stellt sich direkt die Frage, weshalb es während der Evakuierung und ausgerechnet an Bord der Discovery stattfinden muss. In einer besser gesicherten Umgebung und mit höherem Energiesupport wäre man bestimmt besser aufgestellt gewesen und Saru hätte das Experiment nicht stoppen müssen. Andererseits sind alle daran interessiert, der Anomalie so schnell wie möglich auf den Grund zu gehen, weshalb die Eile nachvollziehbar bleibt und nebenbei der Spannung nicht abträglich ist.

Außerdem ist es tatsächlich beeindruckend zu sehen, wie Shawn Doyle und Anthony Rapp in ihren Rollen miteinander umgehen, stets von den typischen Bemerkungen von Tig Notaros Jett Reno begleitet, die endlich wieder da ist. Da treffen sehr gute Darsteller aufeinander, wobei Shawn Doyles Tarka einen tiefen Fußabdruck hinterlässt - spätestens, wenn er Saru die Stirn bietet.
Die moralische Frage ist wiederum, ob das Experiment überhaupt durchgeführt werden sollte, wenn es ein so großes Gefahrenpotenzial hat.
Während Ort und Zeitpunkt sicher falsch gewählt sind, lässt sich die Anomalie aber vermutlich nur dann besser verstehen, wenn diese experimentelle Miniaturversion untersucht wird. Anders sähe es bestimmt aus, wenn hier eine Waffe entwickelt werden sollte und da draußen nicht bereits ganze Planeten zerstört würden. Aber es muss einfach ein Weg gefunden werden, um der großen Gefahr Einhalt zu gebieten und dazu sind Experimente, wie wir eines diese Woche erleben, sicher notwendig.
Dr. Culber
Dr. Culber schiebt derweil Überstunden, denn seine Rolle als Counselor wird nicht nur von Book benötigt. Gegenüber Paul meint er zwar, dass alles in Ordnung sei, aber offenbar hegt er selbst Zweifel an seinen Fähigkeiten, weshalb Hugh ein Treffen mit Kovich erbittet, von dem er sich ein paar Einsichten erhofft. Diese sollen dann auch mit „brutaler Ehrlichkeit“ kommen und fördern mit Kovichs „auf den Punkt“-Analyse das Dilemma zu Tage, mit dem Hugh sich auseinandersetzen muss.
Offensichtlich hat unser Doktor, der tagtäglich Crewmitgliedern hilft, seinen Tod inklusive Rückkehr noch nicht verarbeitet und leidet momentan unter einem Retter-Komplex. Wir konnten bei seiner Sitzung mit Book bereits sehen, dass Hugh dazu neigte, persönliche Aspekte mit in die Therapie zu bringen. Aber wie tief seine Zweifel sitzen, auch mit Blick auf die eigene Existenz - „warum ich?“ - und deren (tieferen) Sinn, wird uns erst jetzt aufgezeigt. Das mag nicht so recht ins Bild passen, weil Hugh sich bereits in der zweiten Staffel mit seinem weiteren Werdegang (a.k.a. seiner zweiten Chance) beschäftigt hat, aber wenn nun nahezu jedes Crewmitglied mit Existenzängsten auf den Arzt zukommt, ist es wiederum kein Wunder, wenn das Thema erneut aufgegriffen wird und sich entsprechend manifestiert.

Bleibt nur zu hoffen, dass Hugh dem Ratschlag von Kovich folgt und sich nicht weiter Hals über Kopf in die Arbeit stürzt. Erst recht nicht, wenn er Unsicherheiten hat, was seine Arbeit als Counselor angeht. Hier wird Paul sicher eine Stütze sein, wie sich in der abschließenden Szene mit den beiden bereits andeutet. Wobei Paul sicher in Bezug auf seine Arbeit auch ein wenig zurückschrauben sollte.
Sonstiges
Auf der Brücke habe ich diese Woche ein paar bekannte Gesichter vermisst, namentlich Detmer (Emily Coutts) und Owosekun (Oyin Oladejo). Dafür durfte Rhys die Evakuierung leiten und erhielt zumindest ein Quäntchen Hintergrundgeschichte. Zoras jüngste Entwicklung wird uns kurz in einer Szene mit Michael offenbart und könnte einen neuen Handlungsbogen dieser Staffel lostreten. Schließlich ist ein Schiffscomputer mit Emotionen prädestiniert dafür, in Zukunft Befehle in Frage zu stellen oder gar zu einem größeren Problem zu werden.
Fazit
Insgesamt wieder einmal eine sehr überzeugende Episode, die sich bewusst in ihren Handlungssträngen mit moralischen Fragen beschäftigt, die Antworten der Sorte „richtig“ oder „falsch“ kaum zulassen. Gleichzeitig bleibt es durchgehend spannend, sowohl beim Fall der Woche um die Evakuierung der Insassen als auch beim Experiment, welches zwar nicht bis zum Ende durchgezogen werden kann, aber die Theorie von Tarka zu bestätigen scheint. Für weitere Charakterentwicklungen bleibt auch noch Platz, womit ich in der Tat sehr zufrieden bin. Von meiner Seite gibt es erneut viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Sneak Peek zur nächsten Folge:
Hier abschließend noch das Sneak Peek zur nächsten Episode (4x06) der Serie Star Trek: Discovery:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 18. Dezember 2021(Star Trek: Discovery 4x05)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 4x05
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