Star Trek: Discovery 4x04

© oug Jones und Sonequa Martin-Green in der Serie Star Trek: Discovery, (c) Paramount+
All Is Possible
Es ist tatsĂ€chlich alles möglich, wenn eine neue Folge von Star Trek: Discovery erscheint. Im Fall von All Is Possible erleben wir jetzt eine Episode, die geradezu klassisch wirkt, die Gravitationsanomalie (erneut) zur Seite stellt und sich auf diplomatische Wege bei den Verhandlungen um den Föderationsbeitritt von Ni'Var begibt, wĂ€hrend Tilly (Mary Wiseman) eine Trainingsmission leitet, die schnell zum Kampf ums Ăberleben wird. AuĂerdem erleben wir, wie Dr. Culber (Wilson Cruz) Cleveland Booker (David Ajala) dabei hilft, seine Verluste zu verarbeiten.
Es gibt hier somit gleich drei Szenarien, die mit Blick auf die Ă€lteren „Trek“-Serien vertraut wirken, insofern auf Altbekanntes zurĂŒckgreifen, dabei aber nie die etablierten (heutigen) Figuren aus dem Auge lassen und insofern die jeweilige Charakterentwicklung vorantreiben. Nicht ganz ohne Makel oder kleinere Kritikpunkte, wobei die aber sicher je nach Sichtweise unterschiedlich ausfallen werden. Mich betrĂŒbt beispielsweise der Abschied von Sylvia Tilly, die nun offenbar einen neuen Werdegang gefunden hat, wĂ€hrend andere Stimmen vielleicht erfreut darĂŒber sind, dass sie die Discovery verlĂ€sst.
Ăhnlich sieht es bei den Verhandlungen um den Föderationsbeitritt von Ni'Var aus, der zu scheitern droht (Politik eben) und nur durch Saru (Doug Jones) und Michael (Sonequa Martin-Green) gerettet wird. Die Lösung ist vollkommen in Ordnung, logisch und nachvollziehbar, aber dennoch wirkt Michaels Eingriff stark „Ich-bezogen“, weshalb sie vermutlich erst von Laira Rillak (Chelah Horsdal) an den Verhandlungstisch gebracht wurde. Zuletzt hĂ€tte ich gerne mehr von Culber und Book gesehen, denen leider nur wenige Szenen vergönnt sind.
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Insgesamt hat mir die Episode aber mindestens sehr gut gefallen, obwohl es keine Neuigkeiten zur Anomalie gab. Der Fokus auf einzelne Figuren ist ausgezeichnet gewĂ€hlt und zeigt, dass es durchaus möglich ist, spannende Geschichten zu deren WerdegĂ€ngen zu erzĂ€hlen, wĂ€hrend das groĂe Ganze - eine bessere Welt und mehr VerstĂ€ndnis fĂŒreinander - nicht aus den Augen verloren wird.
Verhandlungen
Angeblich ist Admiral Vance (Oded Fehr) krank, weshalb PrĂ€sidentin Laira Rillak dessen Position am Verhandlungstisch mit Ni'Var durch Michael und Saru besetzen lĂ€sst. Die beiden sollen hauptsĂ€chlich durch Anwesenheit glĂ€nzen, wĂ€hrend der Vertrag zum Beitritt Ni'Vars in die Föderation kurz vor der Unterzeichnung steht. Allerdings möchte PrĂ€sidentin T'Rina (Tara Rosling) noch eine Austrittsklausel fĂŒr den Fall der FĂ€lle im Vertrag haben, womit die Verhandlungen zu scheitern drohen.
Ich bin ehrlich gesagt kein groĂer Fan von politischen Verhandlungen, aber dieser Teil der Episode hat mir dennoch sehr gut gefallen. Es werden im Verlauf der Folge die jeweiligen Standpunkte deutlich gemacht, also, weshalb die Föderation diese Austrittsklausel nicht akzeptieren kann und weshalb jemand wie Ferin (Patrick Haye) oder auch sĂ€mtliche Vertreter von Ni'Var darauf bestehen wollen (Stichwort: „The Burn“ und die Folgen). Kompromisse lassen sich da nur schwerlich finden, weshalb Michael und Saru zunĂ€chst herausfinden mĂŒssen, woher der Wind weht.
Saru hat hier einen kleinen Vorteil, denn offenbar ist T'Rina ihm gegenĂŒber sehr wohlwollend aufgelegt, wĂ€hrend Michael bei Rillak versucht, den GrĂŒnden fĂŒr die Kompromisslosigkeit seitens der Föderation auf die Schliche zu kommen. In beiden FĂ€llen wird deutlich, dass die jeweiligen HintermĂ€nner fĂŒr die scheinbare Sturheit stehen und gegenseitiges Vertrauen der beiden Parteien Mangelware ist. Wobei gegenseitiges Vertrauen auch im anderen Handlungsbogen relevant und zunĂ€chst kaum vorhanden ist, aber mehr dazu gleich.

So viele Beispiele Saru und Michael auch anfĂŒhren, wie die damalige Situation auf Kaminar oder die einstige Spaltung zwischen Vulkaniern und Romulanern, es bleibt bis zuletzt spannend, was die Aufnahme von Ni'Var in die Föderation angeht. Die Lösung soll schlieĂlich ein Komitee bilden, welches bei zukĂŒnftigen Streitfragen schlichten und BrĂŒcken bauen soll. Ein Vorschlag, der Akzeptanz auf beiden Seiten findet und den festgefahrenen Karren der Verhandlungen doch noch aus dem Dreck zieht.
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Michaels Rolle, die kĂŒnftig Teil dieses Komitees sein soll, sehe ich dabei etwas skeptisch. ZunĂ€chst einmal scheint Rillak doch etwas mehr von ihr zu halten, als die ersten Episoden dieser Staffel gezeigt haben und wir erfahren nicht, weshalb dem so ist. Zudem ist Michael natĂŒrlich mit den Vulkaniern vertraut, einst auf Vulkan aufgewachsen und kann somit behaupten, mit dieser Welt verbunden zu sein - aber kurz mal nachgedacht, wurden alle Hinweise auf Michael Burnham (und die Discovery) in der Vergangenheit mit Stillschweigen behandelt. Jemand wie Ferin mĂŒsste ihr beziehungsweise ihren Aussagen schon vertrauen, dass sie ein Standbein bei den Vulkaniern hat, denn belegt ist in Bezug auf ihre Person (und 1000 Jahre spĂ€ter) sicher nichts bis wenig. Da wird leider ĂŒbersehen, dass wir Zuschauer zwar Burnhams Werdegang kennen, nicht aber die heutigen Einwohner von Ni'Var.
Aber wie dem auch sei, es wird ein schwieriges, diplomatisches Problem angepackt und zu einer Lösung gefĂŒhrt, was sicher ganz im Sinne von „Star Trek“ ist. Die einzige „Action“ kommt durch die Dialoge zum Vorschein, die stets sitzen und das Thema weiterfĂŒhren, auch wenn in Bezug auf Saru und T'Rina immer wieder persönliche Zuneigungen eine Rolle spielen. Ist euch aufgefallen, dass Saru von T'Rina mit „Captain“ betitelt wird? Hoffentlich keine Andeutung darauf, dass er bald ein eigenes Kommando erhĂ€lt und die Discovery verlĂ€sst, denn Saru beziehungsweise Darsteller Doug Jones ist in jeder seiner Szenen fantastisch und wĂŒrde an Bord sicher schmerzlich vermisst.
Auf Trainingsmission
Der zweite groĂe Handlungsbogen startet mit einem GesprĂ€ch zwischen Tilly und Culber. Letzterer schlĂ€gt ihr fĂŒr die Selbstfindungsphase vor, sich zur Sternenflottenakademie zu begeben, wo Kovich (Davin Cronenberg) ihr ein paar Kadetten anvertraut, die erst noch lernen mĂŒssen, was es bedeutet, im gleichen Team zu sein. Begleitet wird Tilly von Adira, wobei Adira selbst nicht unbedingt eine kontaktfreudige Person ist, was sich im anfĂ€nglichen GesprĂ€ch mit Gray Tal (Ian Alexander) bereits offenbart (und wir ohnehin schon wissen).
Die eigentliche Mission ist eher simpel gestaltet, lĂ€uft aber schnell aus dem Ruder, nachdem es einen Zwischenfall gibt, der das Shuttle auf einen Planeten/Mond der Klasse „L“ stranden lĂ€sst. Wie feindlich die Umgebung ist, soll sich anschlieĂend ebenfalls herausstellen. Hier finden sich auch gute Portionen Action, wĂ€hrend die Special-Effects-Abteilung gewohnt sehenswerte Arbeit leistet. Mit Lt. Callum (Nck Name - der Darsteller wird in den Credits tatsĂ€chlich so aufgefĂŒhrt) gibt es ein (erstes?) Todesopfer, womit der Ernst der Lage direkt unterstrichen wird und Tilly alle HĂ€nde voll zu tun hat, um die verbleibenden Kadetten Sasha (Amanda Arcuri), Harral (Seamus Patterson) und Gorev (Adrian Walters) aus der misslichen Lage herauszufĂŒhren. Inklusive Adira und sich selbst natĂŒrlich.

Hier zahlt sich tatsĂ€chlich aus, was Tilly in den ersten drei Staffeln gelernt hat. Denn sie gehörte damals zu den Figuren, die ebenfalls mit Unsicherheiten ausgestattet waren, hat sich aber enorm weiterentwickelt und wirkt entsprechend selbstsicher, wenn sie ihre Befehle an die Kadetten weitergibt. Sie behĂ€lt stets den Ăberblick, verteilt die Aufgaben sinngemÀà und lĂ€sst sich selbst beim Anblick unvorhersehbarer Krisensituationen (Angriff aufs Shuttle, Adiras Rettung) nicht aus der Ruhe bringen. Obendrein ist sie bereit, sich fĂŒr die anderen zu opfern, als die Lage sich zuspitzt. Mit anderen Worten: Tilly zeigt hier FĂŒhrungsqualitĂ€ten, die tatsĂ€chlich eines Captains wĂŒrdig sind.
Aber das ist noch nicht alles, denn es gilt schlieĂlich, die KampfhĂ€hne Harral und Gorev unter einen Hut zu bringen, die sich offenbar nicht riechen können. Kein Wunder mit Blick auf die jeweilige Vergangenheit. Aber auch hier zĂ€hlt wieder ein groĂes Thema, was die Episode weitestgehend dominiert und das ist gegenseitiges Vertrauen und Kommunikation miteinander. Sicher, wenn Tilly anfangs fast zum WollknĂ€uel greift, damit jede/r sich kurz vorstellt und dabei wie ĂŒblich selbst am meisten plappert, wirkt das noch amĂŒsant. Aber es gelingt ihr tatsĂ€chlich, aus den unterschiedlichen Kadetten ein Team zu kreieren. Selbst Adira hat offenbar am Ende neue Freunde gefunden. „Mission accomplished.“
Wenn ich jetzt kurz die EindrĂŒcke dieses Handlungsstrangs betrachte, kĂ€me ich zu dem Schluss, dass Tilly durchaus eine sehr gute FĂŒhrungspersönlichkeit abgibt und ihrem ursprĂŒnglich anvisierten Werdegang folgen sollte. SchlieĂlich war das keine Unterrichtsstunde auf der Akademie, sondern ein unvorhergesehener Ăberlebenskampf, bei dem Tilly nicht nur die Crew rettet, sondern aus den unterschiedlichen Charakteren durch ihren FĂŒhrungsstil ein Team formt. Ihre Entscheidung, die Discovery zu verlassen, bleibt daher nur bedingt nachvollziehbar und ist in meinen Augen schade (auch wenn sie jederzeit zurĂŒckkehren könnte).
Das gesagt, empfand ich die Abschiedsszenen als zu kurz oder gar unzureichend. Klar, dass sie Michael Lebewohl sagt, ist vorprogrammiert, ebenso wie diverse Umarmungen und dergleichen. Aber gefehlt hat definitiv ein Dankeschön an Culber fĂŒr den Tipp mit der Akademie oder auch ein Abschied von Saru, der wirklich sehr oft in der Position eines Mentors bei ihr war. Aber wer weiĂ, vielleicht hĂ€lt die Selbstfindungsphase doch noch etwas lĂ€nger bei Tilly an und bewegt sie dazu, wieder den eigentlichen Werdegang in Betracht zu ziehen.
Counselor Dr. Hugh Culber
Aktuell ist Dr. Hugh Culber bei mir im Aufwind. Der Mann ist einfach fantastisch, wenn es darum geht, diversen Crewmitgliedern aufzuzeigen, wie sie weitermachen könnten. Tilly hatte ich eben schon erwÀhnt, aber der dritte Handlungsstrang (leider ein wenig kurz) betrifft die GesprÀche zwischen Culber und Book, die letzterem dabei weiterhelfen, sich seiner Trauer und den Verlusten zu stellen, die durch die Zerstörung Kwejians noch immer prÀsent sind.

Hugh bringt dabei persönliche Aspekte ins Bild, was er nicht mĂŒsste. Aber gerade die können eine verschlossene Person wie Book gut treffen, denn beide Figuren kommen sich im Verlauf der Episode auch charakterlich ein wenig nĂ€her, was auf jeden Fall positiv zu werten ist. Die „Therapie“ geht damit ĂŒber den rein beruflichen Aspekt hinaus und fĂŒhrt eine eher familiĂ€re Auffassung an, was gleichzeitig wiederum ein Gedanke hinter der Föderation oder „Star Trek“ im Allgemeinen ist. Daher bleibt mein einziger Kritikpunkt an dieser Stelle, dass ich gerne mehr Szenen mit den beiden gehabt hĂ€tte.
Fazit
Alles ist möglich. Ich bin begeistert, auch wenn sich Kritikpunkte finden lassen, die je nach Sichtweise gröĂer oder kleiner ins Gewicht fallen. Unterm Strich aber fĂŒr Star Trek: Discovery-VerhĂ€ltnisse eine ungewöhnliche Folge, weil sie das groĂe Staffelthema auĂer Acht lĂ€sst, um sich auf verschiedene Figuren zu konzentrieren, die durch die Bank weg glĂ€nzen können. Von meiner Seite gibt es viereinhalb von fĂŒnf Sternen. Und von Euch?
Sneak Peek zur nÀchsten Folge:
Hier abschlieĂend das Sneak Peek zur nĂ€chsten Episode (4x05) der Serie „Star Trek: Discovery“:
Verfasser: Christian SchÀfer am Freitag, 10. Dezember 2021Star Trek: Discovery 4x04 Trailer
(Star Trek: Discovery 4x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 4x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?