Star Trek: Discovery 3x08

© zenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge The Sanctuary (c) CBS All Access
„Carry on.“ - Saru (Doug Jones)
The Sanctuary
In diesem Absatz versuche ich mich normalerweise an einer Einordnung der Folge an sich. Es gilt, einen kleinen Gesamteindruck zu vermitteln, dabei die (verschiedenen) Handlungen kurz aufzugreifen und vorab ein wenig zu resümieren, wie die jeweilige Episode bei mir angekommen ist. Dieser Absatz ist immer für diejenigen gedacht, die schnell mal wissen wollen, was los ist, bevor sie zum Fazit springen. Diese Woche wird das aber schwierig und lässt sich nicht ganz einfach handhaben. Denn The Sanctuary zieht ein relativ großes Programm durch, ohne sich auf bestimmte Facetten der Serie zu konzentrieren. So ist beispielsweise Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) dabei, aber nie im Mittelpunkt und ganz ohne emotionale Ausbrüche unterwegs, während zahlreiche andere Figuren die Bühne wechselweise dominieren dürfen.
Und von diesen Figuren gibt es wirklich jede Menge, was die Episode zu einer Ensemble-Folge macht, auch wenn die einzelnen Handlungen getrennt voneinander ablaufen. So gibt es eine Nebenhandlung um Adira (Blu del Barrio) und Paul Stamets (Anthony Rapp), zu der später auch Hugh Culber (Wilson Cruz) hinzustößt sowie eine Nebenhandlung um Culber, Georgiou (Michelle Yeoh) und Dr. Pollard (Raven Dauda), die sich mit Philippas Zustand beschäftigt und natürlich die Haupthandlung selbst mit dem Ausflug nach Kwejian, wo wiederum diplomatische Bemühungen mit dem offensichtlichen Big Bad der Staffel - Osyraa (Janet Kidder) - anstehen. Letztere Haupthandlung lässt sich aber leicht weiter unterteilen, denn während Book (David Ajala) und Burnham sich auf den Planeten begeben, um Books „Bruder“ Kyheem (Ache Hernandez) zu treffen, müssen Saru und unsere neue Number One Tilly (Mary Wiseman) sich mit Osyraa auseinandersetzen, was schließlich zu einem weiteren, actionreichen Handlungsstrang mit Detmer (Emily Coutts) und Ryn (Noah Averbach-Katz) führt.
Unter der Regie von Jonathan Frakes erwartet uns somit ein ziemlich wilder Mix aus ruhigen, actionreichen, dramatischen und humorvollen Szenen, die sich auf die jeweiligen Protagonisten konzentrieren. Das größere Abenteuer mag „nur“ ein Abstecher sein, stellt aber gleichzeitig eine größere Gegnerin vor und schafft es zudem noch, ein bisschen was zu The Burn in Erfahrung zu bringen. Und das alles, ohne überladen zu wirken. Hier ist wirklich für jeden Zuschauer etwas dabei.
Adira
Fangen wir mit einer Nebenhandlung an. Paul und Adira sind dabei, den Ursprung der Katastrophe auszumachen, die sich The Burn nennt und können mit den neuen Daten den Verubin Nebel als Ausgangsort verbuchen. Von dort verbreitet sich nicht nur die ominöse und offenbar allseits bekannte Musik, sondern auch ein (verschlüsseltes) Notsignal eines Föderationsschiffs, wie Sarus feine Ohren heraushören. Ehe die Nachricht entschlüsselt ist, braucht es allerdings noch etwas Zeit. Und eine kleine Bemerkung von Paul stellt anschließend Adira in den Fokus.
Nicht wenige haben sich vermutlich gefragt, weshalb im Vorfeld mit einer nichtbinären Blu del Barrio geworben wurde, wenn Adira in der Serie stets mit „sie“ beziehungsweise „she“ angesprochen wird. Nun, diese Woche vertraut Adira sich Paul an und besteht auf „they/them“ als Anrede - was für nichtbinäre Personen im englischen Sprachgebrauch mittlerweile Standard ist, siehe dazu auch das Coming Out von Elliot Page. Unsereins als deutscher Schreiberling steht nun aber vor einem Problem, denn dummerweise kommt man im Deutschen mit er/sie/sie (letzteres „sie“ als Plural gedacht) nicht weit, um diesen Unterschied adäquat zu beschreiben. Kurz recherchiert, bin ich über „sier“ gestolpert, was sich aber wohl noch nicht durchgesetzt hat. Insofern werde ich statt der üblichen Personalpronomen einfach den Namen öfter nennen als üblich, denn damit mache ich wohl nichts verkehrt. (Mich würde übrigens interessieren, wie das in der deutschen Synchro gelöst wurde).
Aber zurück zur Folge. Adiras Offenbarung gegenüber Paul wird mit einem schlichten „Okay“ angenommen. Es hätte mich auch sehr verwundert, wenn daraus eine große Diskussion entstanden wäre. Toleranz und vor allem Akzeptanz von persönlichen Merkmalen sollten in der Zukunft auch Gang und gäbe sein. Das macht sich später auch in Anwesenheit von Culber bemerkbar, der es begrüßt, dass Paul jetzt einen Schützling hat.
Adira fügt sich derweil wunderbar ins Geschehen ein, ist aber nicht nur nützlich für die Suche nach den Ursprüngen des Staffelthemas, sondern auch leicht problembehaftet. Gray (Ian Alexander) und die anderen Wirte des Tal-Symbionten sind aktuell nämlich recht schweigsam, was Adira zu schaffen macht. Eine größere Geschichte lässt sich da vorerst zwar nicht wittern, aber in Sachen Persönlichkeitsentwicklung gibt es sicher noch einiges zu ergründen.
Georgiou

Die Testergebnisse bleiben noch offen, aber es dürfte das erste Mal gewesen sein, dass wir Philippa Georgiou tatsächlich unsicher erleben durften. Culber durchschaut jede ihrer Anmerkungen, die ein klarer Verteidigungsmechanismus sind. Ihre terranische Ader mit all den bissigen Bemerkungen ist oft amüsant zu betrachten, aber es wird deutlich, dass hier etwas nicht stimmt.
Worauf diese Geschichte hinauslaufen wird? Ich habe noch keine Ahnung. Aber wenn ich spekulieren müsste, darauf blicke, dass die „Symptome“ von Georgiou erst nach ihrem Verhör mit Kovich (David Cronenberg) auftraten und dieser offenbar mit dem Spiegelverse bestens vertraut ist und noch dazu fragte, welche Person(en) für Philippa hoch im Kurs stehen, dann habe ich eine Vermutung. Und die läuft auf den Tod der Imperatorin und die Wiedergeburt der „echten“ Philippa Georgiou (im jetzigen Körper) hinaus. Gewagt, oder? Aber vielleicht gar nicht mal so abwegig, wenn man darauf blickt, welchen Wandel Figuren wie Ash Tyler (Shazad Latif) durchmachen mussten. Und wäre es nicht vorteilhaft, wenn Georgiou sich zu der Persönlichkeit entwickelt, die sie in den ersten beiden Episoden der Serie darstellte?
Wobei ich andererseits vermutlich den Biss vermissen würde, den Philippa aktuell noch liefert. Und klar, meine Vermutung/Spekulation ist nur das, was sie ist - eine Vermutung/Spekulation. Aber vielleicht versuchen die Macher jetzt, diese Figur noch etwas gerade zu biegen, ehe die Sektion 31 Serie kommt? Ich bin gespannt, wie eure Meinung dazu aussieht. Was macht ihr aus diesen Entwicklungen um Georgiou? Könnte sie bei euch auf einen grünen Zweig kommen, falls die „echte“ Philippa wieder am Drücker ist? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Ausflug nach Kwejian

Book erhält eine Nachricht, die das größere Abenteuer erst lostritt. Admiral Vance (Oded Fehr) kann überzeugt werden, womit die Discovery nach Kwejian aufbricht - allerdings unter der Voraussetzung, dass nur beobachtet und nicht eingegriffen wird. An sich wäre das kein Problem, aber nachdem Book und Michael auf dem Planeten angekommen sind und wir mehr über die missliche Lage von Books Heimatwelt erfahren, taucht auch schon Osyraa auf und mit der ist nicht gut Kirschen essen, wie uns anfangs bereits anhand ihres Neffen Tolor (Ian Lake) aufgezeigt wird.
Auf dem Planeten erfahren wir anschließend von der Heuschreckenplage, ehe Kyheem sein Empfangskomitee schickt und uns offenbar wird, dass die Nachricht eine Falle für Book war, der an Osyraa ausgeliefert werden soll. Nebenbei erfahren wir, wie die Emerald Chain diverse Planeten und deren Bevölkerung ausbeutet und dass es Gruselgeschichten zur Föderation gibt. Kyheems Handel mit Osyraa ist aus der Verzweiflung geboren und somit haben Book und Michael es nicht leicht, ihn von einer anderen Vorgehensweise zu überzeugen.
Dass am Ende des Tages der Planet gerettet und auch das Verhältnis zwischen Book und Kyheem wieder gerade gerückt wird, ließ sich erwarten. Im Prinzip ist es ja „nur“ eine Mission der Woche. Viel wichtiger ist aber der Eindruck, den die Hilfe der Discovery und ihrer Crew bei Kyheem und auch bei Book hinterlässt. Schließlich gilt es, die Föderation wieder aufzubauen und den Welten da draußen zu vermitteln, dass sie in Krisenzeiten mit Unterstützung rechnen können, ohne eine Gegenleistung dafür zu bringen. War Book beispielsweise zuvor noch skeptisch und spielte mit dem Gedanken, die Discovery zu verlassen, ist er jetzt von der guten Sache überzeugt und will Teil dieser Föderation werden. Eine Entwicklung, die sich begrüßen lässt.
Diplomatie

Saru stößt diese Woche an die Grenzen seiner diplomatischen Bemühungen, was mit Blick auf Osyraas Einführung zu Beginn der Episode kein Wunder ist. Sie besteht darauf, dass Ryn ihr übergeben wird, der angeblich ein großes Geheimnis kennt. Ein Gefecht scheint unvermeidbar, kommt dank Tillys Idee aber schließlich ohne einen direkten Eingriff der Discovery zustande und lässt Detmer in den actionreichen Mittelpunkt rücken.
Zunächst einmal hat mir sehr gefallen, dass Keyla im Mittelpunkt des Kampfes gerückt wird und ihre Fähigkeiten zum Besten geben darf. In kommenden Folgen bitte auch mal die anderen Mitglieder der Brückencrew in den Fokus rücken. Das muss nicht unbedingt so actionreich (und übertrieben) wie hier geschehen, aber wäre sicher gut, um die einzelnen Persönlichkeiten und deren Fähigkeiten besser kennenzulernen.
Was Ryn betrifft, wird der im Folgenverlauf ebenfalls davon überzeugt, dass die Föderation keine Gruselgeschichte ist. Wobei man schon eine Augenbraue hochziehen darf, wenn er überhaupt davon berichtet - sollte es eine Grundlage dafür geben, die uns bislang noch nicht vorgestellt wurde? Also, abseits von der Zeit, als händeringend nach alternativen Antrieben gesucht wurde - das ist schließlich schon über hundert Jahre her. Aber zurück zu Ryn, dessen großes Geheimnis gar nicht mal so groß wirkt, als er es schließlich preisgibt. Der Emerald Chain geht also das Dilithium aus. Da hätte ich etwas mehr erwartet, denn die Knappheit ist allgemein bekannt. Dass auch Osyraa damit zu kämpfen hat, verwundert eher weniger. Verwunderlicher wäre vielmehr, dass nur Ryn dieses „Geheimnis“ zu kennen scheint.
Zuletzt kommen Sarus diplomatische Bemühungen und Tillys Einfall nicht bei Osyraa an. Die Winkelzüge mit einem Piloten, der angeblich gegen die Befehle gehandelt und ihr Schiff angegriffen hat, sind auch ein bisschen weit hergeholt, als dass man eine Schurkin wie sie damit täuschen könnte. Jetzt hat Osyraa nicht nur die Discovery, sondern gleich die ganze Föderation zum Gegner erklärt, was Admiral Vance sicher nicht begrüßen wird. In dieser Hinsicht könnte man den Einsatz der Discovery als gescheitert betrachten. Ich frage mich allerdings, ob es wirklich eine große Änderung ist, denn soweit wir bislang mitbekommen haben, probieren Vance und die anderen Offiziere der Sternenflotte schon länger, dem Treiben der Emerald Chain entgegenzuwirken. Vielleicht gab es bislang keine offene Kriegserklärung, aber das dürfte bloß eine Frage der Zeit gewesen sein.
Fazit

Die Folge hat mir unterm Strich doch sehr gut gefallen, treibt den größeren Handlungsbogen der Staffel voran, konzentriert sich auf die unterschiedlichsten Figuren, ist abwechslungsreich und schafft es trotz der zahlreichen Handlungselemente nicht überladen zu wirken. Ein paar Stellen lassen sich gewiss kritisch beäugen oder lassen Fragen offen, aber der Gesamteindruck wird dadurch nur leicht getrübt. Von mir gibt es diese Woche 4,5 von 5 Sternen. Und von euch?
Serientrailer zur Episode Terra Firma der Serie Star Trek: Discovery (3x09):
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 5. Dezember 2020Star Trek: Discovery 3x08 Trailer
(Star Trek: Discovery 3x08)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 3x08
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