Star Trek: Discovery 3x09

© tar Trek: Discovery (c) CBS All Access
„Sometimes, it's good to go a little mad.“ - Philippa Georgiou (Michelle Yeoh)
Terra Firma, Part 1
Wie der kleine Zusatz „Part 1“ im Titel der Episode ausdrückt, erwartet uns hier der erste Teil eines Zweiteilers. Dabei steht niemand anderes als (Ex-)Imperatorin Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) im Fokus, welche eine 5%ige Chance wahrnehmen muss, um dem eigenen Tod zu entgehen. Ob man als Zuschauer Gefallen an der Folge finden wird, hängt somit in erster Linie davon ab, ob man diesen Charakter bereits in Herz geschlossen hat oder noch immer aus der Luftschleuse hinauskatapultiert sehen möchte. Wo ich da stehe, sollte anhand der letzten Reviews relativ klar sein. Dennoch ist die Folge nur bedingt gelungen, ohne die Auflösung von nächster Woche nicht wirklich gut zu bewerten und fühlt sich weit unrunder als der Mix von letzter Woche an.
Die erste Frage, die sich stellt, ist die Frage nach dem Zweiteiler. Lässt sich die Lösung für Georgious Probleme, denn darauf wird es hinauslaufen, nicht in eine Episode packen? Schließlich sind die Fortschritte, die Paul (Anthony Rapp) und Adira (Blu del Barrio) diese Woche in Sachen The Burn erzielen, eher marginal zu betrachten, hätten vermutlich bereits letzte Woche mit eingebaut werden können.
Die zweite Frage stellt sich mit Philippas Schritt durch die Tür und somit in die Vergangenheit des Spiegelverse. Ist dieser Schritt getan, folgen wir der Imperatorin bei Abläufen, die uns (grob) und ihr bekannt sind, müssen uns in sie hineinversetzen, wobei die große Änderung erst am Ende der Folge stattfindet. Bis dahin dürfen wir uns über die Vorgänge und verschiedenen Spiegelverse-Figuren amüsieren, erhaschen Blicke auf Airiam (Hannah Cheesman) und Landry (Rekha Sharma) und warten auf Lorca (Jason Isaacs), der gefühlt jede Sekunde einen Auftritt haben könnte. Aber bietet sich eine solche „Funfolge“ jetzt schon an? Sicher, mittlerweile sind wir etwas besser mit den Charakteren vertraut, dennoch kennen wir die meisten nicht gut genug, als dass wir uns jetzt über Dinge wie den Zweikampf zwischen Rhys (Patrick Kwok-Choon) und Owosekun (Oyin Oladejo) freuen könnten - zumal alle Versionen dieser Figuren im Spiegelverse doch beträchtlich anders aussehen (und damit meine ich nicht nur das Optische)...
Das einzig Wichtige scheint mir zu sein, dass Georgious weiterer Weg (in die nächste Serie) ermöglicht wird. Ein gewisser Kovich (David Cronenberg) erläutert uns da zu Beginn anhand des Beispiels von Lt. Commander Yor (hey, das war doch ein Hinweis auf die Kelvin-Timeline beziehungsweise -„Dimension“, oder?), dass die Kombo Zeitreisen und Parallelweltreisen sich nicht vertragen. Beides für sich genommen kann schon gefährlich für jede Person sein und Georgiou erhält jetzt die volle Dröhnung. Vielleicht muss sie sich geistig vom Spiegelverse lösen, um dem sicheren Tod zu entgehen? Aber vielleicht muss sie (wie auch immer) zurück in die Vergangenheit befördert werden. Ich tippe auf eine Kombination von beidem. Und Ihr?

The Burn
Besonders weit kommen wir diese Woche nicht mit den neuen Erkenntnissen, die Adira mit kleiner Hilfe von Paul entschlüsseln kann. Die versteckte Nachricht im Notsignal der Khi'eth, in welcher uns Dr. Issa (Hannah Spear, die übrigens auch Siranna spielte) wissen lässt, welche Ziele (Dilithium) verfolgt wurden und dass sie auf Rettung warteten, ist leider unvollständig. Sarus (Doug Jones) Interesse wird aber ohnehin dadurch geweckt, dass Issa der gleichen Spezies entstammt wie er. Insofern lässt sich vermuten, dass die Discovery demnächst mal im Verubin Nebel vorbeischaut, um nachzusehen, ob sich dort vielleicht noch weitere Hinweise ergeben, schließlich sendet das Schiff auch nach mehr als hundert Jahren noch das Notsignal aus.
Die Momente zwischen Paul und Adira waren derweil nett zu betrachten, aber liefern ebenfalls keine großen Neuigkeiten. Offenbar betrachtet Paul Adira als eine Art Ziehkind und versucht, entsprechend zu handeln. Ob Adira auf seine Ratschläge hören wird, mal schauen. Aber den beiden war ohnehin nicht gerade die größte Screentime vergönnt. In meinen Augen hätte man diese Nebenhandlung auch auslassen können, weil sich ohnehin nicht viel ergibt; weder storytechnisch noch charaktertechnisch. Gray (Ian Alexander) schweigt weiterhin, Adiras Konzentration leidet darunter, aber das war's im Prinzip auch schon.
Carl
Mit der Ankunft auf Dannus V stehen Michael (Sonequa Martin-Green) und Philippa plötzlich Carl (Paul Guilfoyle) gegenüber, der verdächtig nach einem „Q“ riecht. Georgiou darf hier durch eine Tür schreiten, um die 5%ige Chance auf Überleben wahrzunehmen. Womit die Episode sich anschließend auch vollends auf Philippa beziehungsweise ihre Vergangenheit im Spiegelverse konzentriert.
Aber kurz zurück zu Carl. Der erscheint aus dem Nichts, aber offenbar ist seine Existenz den Sphärendaten oder auch der künstlichen Intelligenz namens Zora (Annabelle Wallis, deren Stimme leider diese Woche nicht zu hören ist, denn der Computer spricht stets mit Julianne Grossmans Stimme) nicht verborgen. Offenbar möchte er aber helfen, was sehr „a-door-able“ ist. Ob und wie Carls Bemühungen fruchten werden, bleibt natürlich abzuwarten und wird von den Entscheidungen abhängen, die Philippa hinter der Tür trifft.
Vorgeplänkel
Bis etwa zur Hälfte der Episode gibt es noch einiges anderes anzumerken. Mich hat da beispielsweise tatsächlich überrascht, wie bestimmte Charaktere auf den möglichen Abschied von Philippa reagiert haben. So meint Saru, dass er von ihr (obwohl es dort an Unterhaltungen fehlte) eine Menge gelernt hat. Und Tillys (Mary Wiseman) Umarmung (nach dem Vorfall in der Kantine) dürfte ebenfalls Bände sprechen. Offenbar haben nicht wenige Personen unsere Spiegel-Georgiou ins Herz geschlossen. Warum und weshalb? Das erschließt sich mir leider nicht und gehört daher zu den größeren Kritikpunkten an der Episode.
Wer hier zu Beginn allerdings einen sehr guten Eindruck machen darf, ist Admiral Vance (Oded Fehr), der die Mission zur Rettung von Georgiou genehmigt, obwohl Saru dagegen ist - schließlich muss sich die Föderation mit der Emerald Chain und deren anvisierten „Übungen“ auseinandersetzen. Aber die Worte von Vance sind dennoch überzeugend und zeigen Saru auf, weshalb es wichtig ist, dass er in diesem Fall die Bedürfnisse der einen vor die Bedürfnisse der zahlreichen anderen setzen sollte. Zwar gut möglich, dass Vance sich doch noch als irgendwann als Falschspieler entpuppt, aber mittlerweile würde ich nicht mehr darauf wetten.
Book (David Ajala) darf derweil anhand eigener Quellen bestätigen, dass die Emerald Chain zu einer Offensive ausholt und bietet Saru seine Dienste an. Ein „This is the way!“ (sorry, konnte ich mir nicht verkneifen) bekommt er allerdings nicht zu hören. Ich wäre mir aber doch sehr sicher, dass derlei Informationen zukünftig mit Kusshand entgegengenommen werden und Book für einen Aufstieg innerhalb der Föderation nicht unbedingt Handbücher lesen muss.

Into the Mirror
In der zweiten Hälfte der Episode gilt es für Georgiou, sich mit der (bekannten) Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wie weit hat sie sich verändert, zieht sie die (bereits geschehenen) Ereignisse durch oder hat ihr Aufenthalt in unserem Universum doch auf sie abgefärbt?
Bereits zu Beginn wird klar, dass sie nicht mehr die Imperatorin von damals ist. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die sie (vermutlich) anders handhabt, ehe sie gegen Ende Spiegel-Michael nicht tötet (ebenso übrigens, wie sie unsere Michael zu Beginn der Folge verschont). Ob sie durch diese Vorgehensweise überleben wird (stellt sich die Frage überhaupt?), kann sicher schon jetzt beantwortet werden, womit der Cliffhanger auch ein wenig verpufft. Schließlich wäre es enorm abwegig, falls die Veränderungen, die Philippa jetzt „hinter der Tür“ vornimmt, irgendwelche Auswirkungen auf die aktuelle Handlung (also, abseits von ihrer Person) hätten.
Und damit kommen wir direkt zum größten Kritikpunkt, denn soviel offensichtlichen Spaß alle Darsteller an ihren Spiegelverse-Rollen auch haben, ist dieser Spaß für uns irrelevant und eben bloß ein Spaß, wenn wir Neues von „Captain Killy“ und den anderen Versionen unserer (noch gar nicht so vertrauten) Gesichter zu sehen bekommen. Es ist ohnehin ein großes Problem des Spiegelverse, dass es sich schnell abnutzt. Vielleicht wäre ein Imperator Ming neidisch auf Philippas Outfit, vielleicht steckt hinter Culbers (Wilson Cruz) roter Spiegeluniform ein tieferer Sinn, aber letztlich bleibt die zweite Episodenhälfte im größeren Rahmen belanglos und ist verschenkte Zeit. Okay, wir sehen die andere Version von Michael (Königin der Müllhalde) zum ersten Mal. Aber was nützt uns das?
Der ganze goldene Glimmer kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass maximal mit der Auflösung von nächster Woche ein gewisser Mehrwert hinter dem Spiegelverse und den damit verbundenen, vergangenen Ereignissen steckt. Wobei absehbar ist, dass Philippas Ausflug nicht das Ausmaß des Tripps von Staffel eins haben wird. Denn dort war die Reise „real“ und gehörte zu Lorcas Plan, was in die Geschehnisse der Staffel hineinspielte. Derlei Ausflüge heiße ich willkommen, aber wenn es nur um die Bewältigung der Vergangenheit geht, ist irgendwo die Luft raus.
Fazit
Man kann und darf sicher seinen Spaß mit der Episode haben, aber großartig weiter bringt sie uns leider nicht. Es gibt zwar Fortschritte zu verbuchen, wovon auch einige zu gefallen wissen und generell ist nichts gegen einen kleinen, spaßigen Ausflug in die andere Welt einzuwerfen, aber es ergibt (für eine Doppelfolge) leider nicht viel Sinn. Und das sage und schreibe ich hier als jemand, der sehr gespannt auf eine Sektion 31 Serie wäre. Mehr als 2,5 von 5 Sternen sind aber von meiner Seite nicht drin. Wie sieht das bei Euch aus?
Der abschließend noch der Trailer zur aktuellen Episode:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 12. Dezember 2020Star Trek: Discovery 3x09 Trailer
(Star Trek: Discovery 3x09)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 3x09
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