Star Trek: Discovery 3x06

Star Trek: Discovery 3x06

In der Folge Scavengers der US-Serie Star Trek: Discovery macht sich Michael zusammen mit Georgiou auf, um Book zu retten und möglicherweise Informationen über The Burn zu erhalten - entgegen Sarus direkten Befehls, denn die Discovery soll sich laut Admiral Vance in Bereitschaft halten.

Star Trek: Discovery (c) CBS All Access
Star Trek: Discovery (c) CBS All Access
© tar Trek: Discovery (c) CBS All Access

I'd rather regret something I did, than something I didn't.“ - Michael Burnham (Sonequa Martin-Green)

Scavengers

Die große Frage dieser Woche ist, was passiert, wenn sich der erste Offizier - in diesem Fall Michael Burnham - einem direkten Befehl widersetzt, ein großes Risiko eingeht und trotzdem viele Leute retten und die eigens gesetzte Mission erfolgreich zu Ende führen kann. Book (David Ajala) darf seinen Kopf behalten, Neuzugang Ryn (Noah Averbach-Katz) ist auf dem Weg der Besserung, zahlreiche andere Leben konnten ebenfalls gerettet werden und die ominöse Blackbox könnte große Hinweise auf die Ursache das Staffelthemas The Burn liefern. Das riecht doch irgendwie nach der dritten Episode dieser Staffel, als Michael zusammen mit Book den Tag retten konnte, oder?

In diesem Fall nicht (was die Widersetzung angeht) und man kann es Saru (Doug Jones) sicher nicht verübeln, dass er Konsequenzen für Michael daraus zieht. Ein direkter Befehl ist eben ein direkter Befehl und wenn man den nicht befolgt, gibt es das Gegenteil einer Beförderung. Zwar wird Saru von Vance (Oded Fehr) später dafür kritisiert, dass er über diese möglicherweise vielversprechende Mission nicht informiert wurde, aber gleichzeitig macht sich eben auch bemerkbar, dass die Kommando-Kette eingehalten werden muss. Selbst, wenn sich positive Resultate aus dem Geschehen ergeben.

Zu Zeiten von James Tiberius Kirk (William Shatner) oder auch „Kelvin Kirk“ (Chris Pine) hätte Michael am Ende vielleicht sogar eine Belobigung erhalten. Denn dort galt eben, dass das Ende die Vorgehensweise rechtfertigt. Aber sie ist eben kein Captain und so nachvollziehbar ihre Entscheidungen auch oft seien mögen, diese Woche geht sie den falschen Weg, wenn auch mit guten Absichten. Ob das Ablegen des neuen, sehr fancy wirkenden Kommunikators mit zahlreichen Zusatzfunktionen darauf hindeutet, dass Michael sich von der Discovery trennen wird? Warten wir es ab.

Adira

Paul Stamets (Anthony Rapp) mag Adira (Blu del Barrio). Das ist wohl spätestens seit Adiras erstem Auftritt bekannt, aber wird hier ein bisschen vertieft. Unsereins ist erstmal froh, dass Adira überhaupt eine kleine Nebenhandlung erhält, nachdem sie letzte Woche nur einen kurzen Auftritt hatte, der zunächst ungewiss blieb. Ob ich zum „sie“ (Mehrzahl) übergehen sollte, nachdem Gray (Ian Alexander) ein fester Bestandteil von ihr ist? Ich weiß nicht. Auf mich wirkt „sie“ noch immer weiblich, trotz des Symbionten und der Unterhaltungen mit Gray.

Aber das Interesse von Paul an Adira wirkt sehr herzlich, was er auch gegenüber Hugh (Wilson Cruz) in einer weiteren tollen Szene anmerken darf. Das „gemeinsame Zähneputzen“ aus der ersten Staffel lässt hier grüßen und wird mit dem Gespräch über Adria vertieft (also, die Beziehung zwischen Paul und Hugh, nicht das Zähneputzen). Gleichzeitig wird aber auch Culbers Tod und Grays Tod verglichen, wobei die Gemeinsamkeiten im Handeln des „Überlebenden“ die Basis einer Freundschaft bilden. Paul muss zwar Adira noch mehr zu seiner damaligen Lage erläutern, aber das sollte mit den Ermutigungen von Hugh bald passieren.

In meinen Augen ist es übrigens geschickt, wie die Autoren hier aus einem weiblichen Charakter einen nicht-binären machen. Adira ist in der Serie weiblich, Gray offensichtlich männlich. Jetzt sind beide dank des Symbionten im gleichen Körper vereint, können sich gegenseitig austauschen, und so weiter. Obendrein hilft Adiras Wissen weiter, was sich diese Woche direkt anhand von Upgrades beim Interface des Sporenantriebs und von Pauls Implantaten bemerkbar macht, die später verschwinden dürfen. Diese Synergie zwischen den beiden Figuren (Paul und Adira) gefällt mir jedenfalls sehr. Da zeichnet sich eine Freundschaft ab, die vor allem Adira dringend benötigt. Schön geschrieben.

Schade nur, dass Jett Reno (Tig Notaro) diese Woche nicht dabei war. Die hätte mit ihrem eigenen Blickwinkel auf Paul das Gespräch vielleicht noch bereichern können, auch wenn die Gefahr bestanden hätte, dass ihre oft schroffen Kommentare bei Adira falsch ankommen.

Brückencrew, Upgrades und Linus

Die Begeisterung über die neuen Technologien, die in den letzten Wochen auch in die Discovery eingebaut wurden, lässt uns abermals in die Gesichter der Brückencrew blicken. Zwar bleiben Detmer (Emily Coutts), Rhys (Patrick Kwok-Choon), Owosekun (Oyin Oladejo), Bryce (Ronnie Rowe) und Nilsson (Sara Mitich) bislang noch immer Randfiguren, denen auch diese Woche wieder keine eigene Story vergönnt ist (bei Detmer kann man zwar noch hoffen, aber das war es auch schon). Aber wenigstens bleiben sie uns durch die anfänglichen, kleinen Auftritte präsent. Und was jetzt noch nicht ist, kann ja noch werden.

Linus (David Benjamin Tomlinson) darf derweil mit seinem persönlichen Transporter für ein paar Lacher sorgen. Offenbar findet sich nicht jeder mit dieser neuen Technologie zurecht, da bietet sich dieser kleine Running Gag durchaus an. Ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn Linus in Zukunft ebenfalls etwas mehr im Rampenlicht steht. Wir nehmen ihn zwar Woche für Woche war, wissen im Grunde genommen aber kaum etwas über ihn. Ähnlich wie bei diversen Mitgliedern der Brückencrew dürfte es hier noch tiefere Einblicke abseits von Schmunzlern geben.

Tilly und Saru

Tilly (Mary Wiseman) erhält ein paar kleine Auftritte, die sich sehenlassen können. Bereits als Grudge erstmals auf dem Hauptschirm auftaucht und sie Books übergroße Katze (eine Königin) wiedererkennt, erntet sie die Blicke ihrer Kollegen. Aber es soll nicht der spätere Umgang mit der Katze sein, der unsere Aufmerksamkeit weckt, sondern ihr Gespräch mit Saru, welches sich natürlich um den Verbleib von Michael dreht.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Tilly wird als Vertrauensperson des Captains etabliert, was für einen Fähnrich sicher ungewöhnlich ist. Andererseits haben wir Saru - zumindest, was einen persönlichen Umgang betrifft - nie großartig mit jemanden wie Stamets oder Culber (geschweige denn einem anderen Crewmitglied abseits von Michael) interagieren sehen, als dass er jetzt einen der beiden (oder der anderen) über Michael befragen könnte. Und Tilly ist noch immer eine gute Freundin von Michael, daher macht es schon Sinn, dass er sie um Rat fragt. Wenn ich jetzt tippen müsste, wer die neue Number One wird, würde ich daher auf Tilly tippen, wenngleich ihr Rang dafür zu niedrig erscheint. Wir wissen zwar, dass sowohl Saru als auch Michael anderen Mitgliedern der Brückencrew den Captain's Chair überlassen haben, aber hier kommt womöglich zu tragen, dass besagte Brückencrew erst noch stärker ins Rampenlicht treten müsste. Obwohl, vielleicht geschieht das durch Nilsson oder Rhys als Number One? Abwarten. Wen haltet ihr denn für einen geeigneten Kandidaten für die jetzt offene Position?

Das Gespräch zwischen Tilly und Saru ist allerdings sehr gelungen. Beide reagieren anders, als es der Gegenüber erwartet hätte, ohne dass der Dialog unstimmig wirkt. Nebenbei wird die gemeinsame Vergangenheit mit Michael betont, die essenziell für beide Figuren und deren Entwicklung ist. In meinen Augen die beste Szene der Woche.

Außenmission

Zu viele Worte möchte ich über den Alleingang von Michael (und Philippa) eigentlich nicht verlieren. Zumindest nicht handlungstechnisch. Das Ergebnis und die gesamte Action drumherum waren zu erwarten. „Rogue mission successful accomplished.“ Gleichzeitig gibt es aber auch Einblicke in die Vorgehensweise der Emerald Chain und somit Gründe dafür, weshalb man Tolor (Ian Lake) und dem offensichtlichen Big Bad Osyraa das Handwerk legen sollte. Auch, was Admiral Vance anfangs von sich gibt, lässt vermuten, dass es neben der Erkundung der Ursachen von The Burn gilt, dem „Andorian-Orion Syndikat“ Einhalt zu gebieten.

Glückwunsch übrigens an Book, dass er es bei seinem Neustart in diesem Quadranten direkt schafft, sich in eine missliche Lage zu bringen und schließlich auf Michaels Hilfe angewiesen ist. Das würde er zwar niemals zugeben, aber ohne ihre Rettungsmission hätte er womöglich den Kopf verloren. Wobei mir Book als love interest wesentlich besser als Ash Tyler (Shazad Latif) zusagt. Die Chemie zwischen den Darstellern ist um Längen besser und die kleinen (für uns unbekannten) Anekdoten zwischen den beiden tragen doch unterhaltsam zum Geschehen bei. Natürlich ist Michaels Versprecher gegenüber Georgiou darauf ausgerichtet, dass uns eine mehr als freundschaftliche Beziehung bevorsteht - Linus weiß, wovon ich rede.

Philippa Georgiou

Kudos an Michelle Yeoh! Ernsthaft, die Dame geht in der Rolle auf und weiß in jeder Szene zu überzeugen. Das fängt schon an, wenn sie Tolor genug Paroli bietet, um eine Landeerlaubnis zu bekommen. Allerdings machen sich durch diverse (blutige) Rückblicke ein paar Sorgen breit, dass es um Georgiou nicht ganz so gut bestellt ist. Davon will sie zwar nichts wissen, aber es wird deutlich, dass unsere Imperatorin mit einem bestimmten Erlebnis aus der Vergangenheit zu kämpfen hat. Wer ist „San“? Vielleicht ihr verstorbener Sohn, weshalb sie damals im Spiegelverse die Mirror-Michael wie eine Tochter behandelt hat? Spekulationen sind hier sehr willkommen.

Ich bin mir allerdings sehr sicher, dass hier jetzt eine Vorgeschichte zu Philippa Georgiou gestrickt wird, die sich wesentlich auf die Figur auswirken wird. Offenbar hat Kovich (David Cronenberg) letzte Woche irgendwas gemacht oder vielleicht auch nur bestimmte Fragen gestellt, die diese Flashbacks verursachen. Fraglos werden wir noch erfahren, was es damit auf sich hat. Und im Zuge dessen auch Philippa Georgiou besser kennenlernen. Bietet sich auch an, wenn man eine Sektion 31 Serie mit Michelle Yeoh als Hauptdarstellerin haben möchte, oder?

Fazit

Kurz und knapp eine weitere sehenswerte Folge, deren Außenmission zwar fragwürdig, aber doch gerechtfertigt erscheint, wenn man das große Ganze betrachtet. Unterm Strich hängt allerdings sehr viel davon ab, wie sehr diverse Charaktere einem ans Herz gewachsen sind oder nicht. Von mir gibt es übrigens abermals vier von fünf Sternen. Und von Euch?

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Discovery (3x07):

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 21. November 2020

Star Trek: Discovery 3x06 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 6
(Star Trek: Discovery 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Aasgeier
Titel der Episode im Original
Scavengers
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 19. November 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. November 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 20. November 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 20. November 2020
Autor
Anne Cofell Saunders
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 3x06

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