Star Trek: Discovery 3x04

Star Trek: Discovery 3x04

In der Folge Forget Me Not der US-Serie Star Trek: Discovery geht es zur Heimatwelt der Trill, um dort eine Möglichkeit zu finden, Adiras Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen. Dr. Culber zeigt sich besorgt um die Crew, weshalb Saru Anstrengungen unternimmt, das Miteinander an Bord zu stärken.

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Forget Me Not (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Forget Me Not (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Forget Me Not (c) CBS All Access

Forget Me Not

In der Star Trek: Discovery-Folge Forget Me Not teilt sich in eine Haupthandlung auf der Heimatwelt der Trill und eine Nebenhandlung an Bord der Discovery auf. Thematisch sind sich die Handlungen im großen Rahmen nicht unähnlich, denn während Adira (Blu del Barrio) innerlich zum Miteinander mit ihrem Symbionten und damit einhergehend auch den früheren Wirten von Tal, speziell Gray Tal (Ian Alexander), finden muss, steht Saru (Doug Jones) vor der Aufgabe, das Miteinander der Crew zu fördern. Die Einleitung durch Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) zeigt nämlich auf, dass unsere Besatzung zwar körperlich (wieder) fit ist, aber psychisch noch einiges zu verarbeiten hat.

Auf charakterlicher Ebene hat diese Episode eine größere Bedeutung, was besonders für Adira gilt, die wir nun viel besser kennenlernen, während ihre Erinnerungslücken aufgefüllt und ihre Beziehung zu Gray veranschaulicht werden - von dem sie ihren Symbionten erhalten hat. Bei unserer Crew herrscht derweil die Anspannung aufgrund der Ankunft in dieser Zukunft, die sich jede/r bestimmt anders vorgestellt hat. Es kommt zu Konflikten wie beispielsweise zwischen Paul (Anthony Rapp) und Tilly (Mary Wiseman) oder Paul und Detmer (Emily Coutts), womit das gemeinsame Dinner als Sarus Versuch zur „Entspannung“ in einem Desaster endet.

Was das übergreifende Abenteuer angeht, wird derweil nur ein kleiner, obendrein noch zu erwartender Fortschritt gemacht. Hier liegt auch mein hauptsächlicher Kritikpunkt an der Episode, denn sowohl unten auf dem Planeten als auch auf der Discovery kommen die Lösungen zu einfach daher, fallen teils vom Himmel und wirken gar unverdient. Ohne den Fokus auf die Figuren wäre Forget Me Not schon fast redundant, ein Filler im großen Geschehen. Mir gefällt allerdings, dass Star Trek: Discovery sich in der dritten Staffel an einer eher episodisch klassischen Erzählweise mit „Planeten der Woche“ probiert, während der serielle Faktor hauptsächlich durch die Charaktere und das größere Abenteuer (wenn diese Woche auch nur marginal zu sehen) getragen wird.

Trill

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CBS All Access - © CBS All Access

Vorweg sei gleich angemerkt, dass ich Culbers Entscheidung, an seiner Stelle Michael (Sonequa Martin-Green) zusammen mit Adira auf den Planeten zu schicken, nicht so ganz nachvollziehen konnte. Seine Begründung wirkt schwammig und ergibt erst mit Blick auf den weiteren Storyverlauf Sinn. Denn Hugh wird an Bord der Discovery benötigt, während Adira ohne Michael vermutlich von Commissioner Vos (Andrew Shaver) und seinen beiden Schergen auseinandergenommen worden wäre.

Womit wir direkt zum Geschehen kommen. Denn Adira als menschlicher Wirt ist nicht das, was Vos und Pav (Karen Robinson) erwartet hatten. Sie bezeichnen sie gar als „abomination“, nachdem sie nicht in der Lage ist, ihre früheren Namen aufzuzählen. Lediglich Xi (Andreas Apergis) legt von Beginn an eine offenere, hoffnungsvollere Sichtweise zu Tage, denn die Zukunft hat auch den Trill übel mitgespielt, die eine Knappheit an Wirten zu verbuchen haben und vor dem Kollaps ihrer Gesellschaft stehen. Da hätte ich mir auch von der offensichtlichen Anführerin Pav erstmal einen Versuch erwartet, Adira mit den heiligen Wässerchen zu helfen. Insofern geht das Abenteuer hier leider mit einer Schwarz-Weiß-Denke los und zwingt Adira und Michael nach dem Angriff von Vos regelrecht dazu, zusammen mit Xi eigenmächtig die Höhlen aufzusuchen.

Erst, nachdem Adira mit Hilfestellung von Michael den Kontakt mit den früheren Wirten und ihren Erinnerungen wiederherstellen konnte und schließlich ihre Namen aufzählen kann, ändern sich die Ansichten von Pav und Vos. Mir wäre jedenfalls ein von Beginn an weniger radikales Vorgehen lieber gewesen, um zu diesem Resultat zu kommen. Aber naja, immerhin gibt es jetzt weitere Verbündete, die einem Wiederaufleben der Föderation positiv gegenüberstehen. Also vorerst Ende gut, alles gut.

Adira

Mit dem Eintauchen in die Gewässer der Höhle kommen wir Adiras Vergangenheit auf die Spur. Und die ist keine angenehme, hat sie doch ihre große Liebe Gray verloren, was vermutlich auch zur Erinnerungsblockade beigetragen hat. Die Auseinandersetzung mit diesen Erinnerungen ist das, was nötig ist, um die Verbindung zum Symbionten herzustellen. Aber wer möchte sich schon mit einem traurigen und traumatischen Ereignis auseinandersetzen? Hier kommt Michael ins Spiel und leistet Hilfestellung.

Das Abenteuer im Pool ist dabei nicht unbedingt neu. Es gibt und gab immer wieder Episoden, wo eine (oder mehrere) Figur(en) sich in einer Traumwelt, einem Holoabenteuer oder sonstwo wiederfindet und einen Ausweg finden muss. Zuletzt vielleicht Dr. Hugh Culber im Sporennetzwerk, um ein Beispiel dieser Serie zu nennen. Adiras Persönlichkeit und Werdegang sind aber ausschlaggebend dafür, ob diese kleine Reise gefällt oder nicht, auch wenn es insgesamt ein wenig wie „Malen nach Zahlen“ aussehen mag.

Und ja, mir hat dieser kleine Ausflug in Adiras Vergangenheit durchaus gefallen. Ihre Fähigkeiten, die sie letzte Woche bereits zur Schau stellen konnte, werden nebenbei erklärt. Ihre Beziehung zu Gray steht im Vordergrund, wobei hier aufgrund seiner Symbiose mit Tal auch kurz eine gute Portion Skepsis zu Tage kommt, ob Gray Tal anschließend noch ihr Gray ist. Insgesamt sind die Rückblicke vielleicht noch zu knapp gehalten und die Lösung, sich „bloß“ der Vergangenheit stellen zu müssen, wirkt, wie oben bereits angemerkt, etwas zu einfach. Aber am Ende haben wir ein besseres Verständnis dieser neuen Figur (und auch von Gray) und das ist es, was für mich zählt.

Das Zusammenspiel von Martin-Green und del Barrio hat mir ebenfalls gefallen. Für Michael zählt in erster Linie, an die Informationen von Senna Tal heranzukommen, aber im Folgenverlauf ist dennoch erkennbar, dass sie sich um Adira sorgt und nicht aus Eigennützigkeit Hilfestellung gibt. Die beiden Figuren hatten vor dieser Episode nicht viel miteinander zu tun und haben am Ende ein Abenteuer durchgemacht, was den Zusammenhalt fördert. Womit sich direkt zur Nebenhandlung auf der Discovery umleiten lässt.

Discovery

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Nachdem Hugh Culber Saru über den Zustand der Besatzung informiert hat, zieht dieser den Computer der Discovery zu Rate. Ein kurzes Aufblitzen auf dem Monitor (Stichwort: Sphäre) und ein Wechsel der Stimme von Julianne Grossman zu Annabelle Wallis verdeutlichen uns, dass wir es fortan mit Zora (aus der Short Trek Episode Calypso) zu tun haben. Diese Erkenntnis zusammen mit Zoras Vorschlägen sorgten sogleich für ein kleines Grinsen in meinem Gesicht.

Saru probiert sich folglich daran, seiner Besatzung ein wenig Entspannung zu verschaffen, wobei die Brückencrew und ein paar andere Auserwählte zum gemeinsamen Essen eingeladen werden. Die Zusammenkunft bei Tisch scheint zunächst auch den gewünschten Effekt zu haben, obwohl Georgiou (Michelle Yeoh) erwartungsgemäß ein bisschen aus der Reihe tanzt. Aber es ist schließlich Detmers Haiku über Paul Stamets, was der an sich gemütlichen Situation ein Ende beschert. Die Anspannungen entladen sich im Streit und Saru sitzt schließlich allein am Tisch. Also ein gescheiterter Versuch?

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Nein, offenbar nicht. Wobei die Einsicht und die Entschuldigungen anschließend aus heiterem Himmel zu kommen scheinen. Haben Sarus einleitende Worte doch einen Effekt ausgeübt, wie Tilly ihm versichert? Hat Hugh vielleicht noch mit Paul gesprochen, nachdem dieser als erster den Tisch verlassen hat? Und woher kommt Detmers Sinneswandel? War der Streit zu Tisch notwendig, um Dampf abzulassen und anschließend wieder zusammenzufinden?

Über eine Erklärung lässt sich nur spekulieren und das ist schade, wenngleich es natürlich schön ist, dass die hochgekommenen Differenzen beigelegt werden und anschließend Buster Keatons „Sherlock Holmes Jr.“ (1924) gemeinsam gesichtet wird. Unterm Strich sicher nicht verkehrt, die Strapazen der Besatzung zu thematisieren und ein paar Konflikte aufzuzeigen. Aber für die Auflösung scheint ein wichtiges Kapitel zu fehlen.

Fazit

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Nicht unbedingt schlecht, aber insgesamt zu erwartungsgemäß und auch zu einfach gestrickt. Forget Me Not konzentriert sich auf Adira und ihre Vergangenheit, nimmt sich außerdem unsere Besatzung vor und soll folglich eine charakterbasierte Episode der Woche darstellen, bei der erst am Ende der Schlüssel zum weiteren Weg der Discovery gefunden wird. Da sind stellenweise gute Ansätze und Erkenntnisse dabei, aber es fällt schwer, über diverse Ungereimtheiten hinwegzusehen, die immer wieder durchschimmern und im Schlussakt der Nebenhandlung gar ein Kapitel missen lassen. Von mir gibt es diese Woche drei von fünf Sternen. Und von Euch?

Hier noch der Trailer zur Episode Die Trying der US-Serie Star Trek: Discovery (3x05):

Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 6. November 2020

Star Trek: Discovery 3x04 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 4
(Star Trek: Discovery 3x04)
Deutscher Titel der Episode
Vergiss mich nicht
Titel der Episode im Original
Forget Me Not
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. November 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. November 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 6. November 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 6. November 2020
Autoren
Alan B. McElroy, Chris Silvestri, Anthony Maranville
Regisseur
Hanelle M. Culpepper

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 3x04

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