Star Trek: Discovery 3x02

Star Trek: Discovery 3x02

In der Folge Far from Home der US-Serie Star Trek: Discovery verfolgen wir die Ankunft der Discovery und ihrer Besatzung in der Zukunft. Nach einer Bruchlandung stehen Reparaturen an, wobei eine Erkundung des unbekannten Planeten erforderlich wird.

Star Trek: Discovery (c) CBS All Access
Star Trek: Discovery (c) CBS All Access
© tar Trek: Discovery (c) CBS All Access

Far from Home

Nachdem uns der Staffelauftakt zeigte, wie Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) in der Zukunft angekommen ist, geht es in Far From Home um die Ankunft der U.S.S. Discovery und deren Besatzung im „unentdeckten Land“. Eine Bruchlandung auf einem fremden Planeten kann (auch hier) nicht verhindert werden, viele wichtige Systeme fallen aus - Sensoren, Schilde, Kommunikation, Antrieb -, so dass Saru (Doug Jones) richtigerweise die Schadensbehebung als Priorität ansieht und entsprechende Befehle erteilt. Aber ein Ausflug in die neue Umgebung wird schnell unabdingbar.

Es ließ sich erwarten, dass nach dem Staffelauftakt, der Michael Burnham in den Fokus stellte, in der zweiten Episode der dritten Staffel die Ankunft der Discovery thematisiert wird. Entsprechend gibt es erst gegen Ende etwas von Michael Burnham zu sehen, denn vorrangig muss sich die Crew der Discovery ein wenig zurechtfinden und das Schiff wieder flugtauglich machen, wobei das parasitäre Eis eine Deadline setzt, die nicht zu verachten ist. Die Special Effects Abteilung liefert mal wieder beeindruckende Bilder, wobei für die Außenaufnahmen erneut der Drehort Island genutzt wurde, welcher hier aber noch verstärkt durch diverse „Eigenschaften“ des Planeten (oder dessen Bewohner) aufgepeppt wird.

Saru

Auch wenn Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) im Spiegeluniversum Kelpianer zum Frühstück verspeist hat, dominiert Saru das Geschehen der Episode. Und zwar von vorne bis hinten mit kleinen Nebenhandlungen der restlichen Besatzung. Seine Anweisungen sind stets klar, ganz im Sinne der Föderation und auf die aktuelle Lage fokussiert. Es lässt sich zwar anmerken, dass ohne Georgious Eingreifen ein gewisser Zareh (Jake Weber) die Karten in der Hand behalten hätte und da tatsächlich ein wenig „Durchschlagskraft“ erforderlich war, aber Saru behält auch nach diesem Konflikt die Werte und die Moral der Föderation aufrecht - guter Mann, äh, Kelpianer.

Doug Jones mag unter seiner Maske unkenntlich sein, aber was er als Saru abliefert, ist einfach phänomenal. So sieht ein Captain in der Sternenflotte aus! Das Wesentliche im Auge behalten, Unruheherde (ihr wisst, wen ich meine) möglichst im Keim ersticken und „Neulingen“ wie Tilly (Mary Wiseman) eine Chance geben, um sich zu beweisen. Gleichzeitig Georgiou in die Grenzen weisen und beim ersten Kontakt mit Zareh die Nerven bewahren (auch wenn die Lage da einen schnellen Stimmungswechsel erfuhr).

Für mich steht jedenfalls fest, dass Saru in den weiteren Folgen den Ton angeben muss. Das hat sich bereits bei der Ankunft in der Zukunft manifestiert und wurde über die gesamte Folge getragen. Es gibt keine Entscheidung, die sich als falsch bewerten lässt, dafür umso mehr, was richtig ist oder war. Da ist jemand mit Herz und Verstand bei der Sache, der eben auch das Sagen haben sollte. Punkt.

Star Trek: Discovery
Star Trek: Discovery - © CBS All Access

Saru vs. Georgiou

Das Konfliktpotenzial zwischen Georgiou und Saru kommt natürlich nicht von irgendwo her. Die ehemalige Imperatorin des Spiegeluniversums setzt die Prioritäten anders, ist stets gewaltbereit - „you have some Leland on your shoes“ - und konnte bislang kaum Sympathien beim Zuschauer wecken, auch wenn ich ihr Auftreten immer als sehr erfrischend empfinde. Sie ist und bleibt ein großer Kontrast zur Föderationswelt, steht aber doch irgendwie unserer Besatzung zur Seite.

Genau genommen spiegelt das Verhalten von Saru und Georgiou in Far From Home zwei Seiten einer Medaille wider, die scheinbar themengebend für die Staffel sind. Da haben wir die Werte und die Vorgehensweise der Föderation, durch Saru vertreten, und das zwar zielgerichtete, aber oft niederträchtige Handeln von Leuten wie Zareh oder Georgiou. Gewissermaßen ein Konflikt zwischen „Gut“ und „Böse“, wobei die Bösen aber nicht auf den Kopf gefallen sind, keine Abziehbilder von „böse, um des bösen Willens“ sind. Zareh kombiniert beispielsweise sehr gut, woher Saru und Tilly und die Discovery gekommen sind, weshalb die (in der Zukunft) einfache Reparatur an Bord des Schiffs nicht möglich war - er ist eben nicht dumm... Ähnlich kann man Georgiou betrachten und die Autoren, wieder Michelle Paradise, Jenny Lumet und Alex Kurtzman, setzen diesen Konflikt in der Folge sehr gut um.

Wie weit kommt man im Jahre 3188 beziehungsweise 3189 bei Leuten wie Zareh mit den Föderationswerten? Diese Frage bleibt leider offen, denn Georgiou betritt zum passenden Zeitpunkt die Bühne. Vielleicht hätte Saru noch weiter verhandeln können, wer weiß. Aber die Botschaft ist offenbar, dass man nicht immer mit möglichst diplomatischen Auftritten seine Ziele erreicht. Bei Kal (Jonathan Koensgen) und den restlichen Einheimischen dieser namenlosen Welt, die sich nur „The Colony“ nennt, konnte Saru erfolgreich verhandeln. Bei Zareh musste Georgiou eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern. Hier liegt ein Zwiespalt in der Vorgehensweise vor, der uns in diesem „Saloon“ (irgendwie schwang bei der Folge ein Western-Feeling mit) zur Geltung gebracht wird. Vielleicht braucht es beide Seiten, um in der Zukunft zu bestehen? Wobei auch deutlich gemacht wird, dass es Leute wie Kal gibt, die nach wie vor an die Föderation glauben und bloß ein wenig Antrieb brauchen, um mitzumachen.

Die Crew

Fangen wir mit Tilly an: „You, Ensign Tilly, are a wonderful first impression.“ Naja, da übertreibt Saru vielleicht ein wenig, aber das hatte seine Gründe. Tilly ist natürlich nervös, als es auf die Außenmission geht und wenn sie nervös ist oder Angst hat (oder es auch gar keinen Anlass dazu gibt), redet sie viel. Ich mag diese Figur jedenfalls seit der ersten Staffel und freue mich für sie, dass sie hier den Vorzug bekommt und Saru auf der Außenmission begleiten darf. Sie ist für mich die menschlichste Figur der Serie, hat deutliche Schwächen, aber eben auch Stärken und Saru weiß, dass er ihr vertrauen kann, was der wesentliche Punkt für ihre Teilnahme an der Mission ist. Es muss eben nicht jeder ein Streber oder Schönling sein, um in der Sternenflotte voranzukommen; ein Punkt, der immer wieder aufs Neue von dieser Figur verkörpert wird.

Detmer (Emily Coutts) ist während und nach der Bruchlandung und ebenfalls im Verlauf der Folge öfter mal im Augenmerk des Zuschauers und der Crew. Im Folgenverlauf können wir uns um sie sorgen, denn ihr Verhalten nach dem Crash wirkt ein wenig gestört. Zwar besucht sie die Krankenstation, aber irgendwie erweckt sie bis zum Ende der Episode nicht den Eindruck, wirklich „voll funktionsfähig“ zu sein. Vielleicht hätte ein Ingenieur mal ihr Implantat checken sollen? Ich bin aber gespannt, worauf das hinauslaufen soll.

Star Trek: Discovery
Star Trek: Discovery - © CBS All Access

Culber (Wilson Cruz), Stamets (Anthony Rapp) und Jett Reno (Tig Notaro) bekommen derweil eine kleine, aber feine Nebenhandlung. Wobei ich gar nicht erst auf die Wichtigkeit von Pauls Einsatz eingehen möchte (den er lieber wem anderes wie Nilsson (Sara Mittich) überlassen hätte). Vielmehr gibt es hier das alte Ehepaar zu sehen, welches sich stets kritisiert (in diesem Fall hauptsächlich Culber Stamets, der viel zu schnell wieder auf den Beinen steht), aber nicht ohne einander funktionieren kann. Die kleinen Szenen zwischen den beiden treffen jedenfalls ins Schwarze. Und Jett Reno? Ihre Kommentare sind immer eine kleine Wucht und auf den Punkt. Nach wie vor eine eher ungewöhnliche Figur in einer Star Trek Serie (ähnlich wie Tilly, aber nochmal anders), die kein Blatt vor den Mund nimmt und gerade dadurch punkten kann. „Bobcat?“ - „I don't know, I'm on drugs...“ Gerade das Zusammenspiel mit Paul gefällt da sehr, denn die Hassliebe zwischen diesen beiden Figuren ist einfach amüsant und angenehm.

Zuletzt sei noch Nhan (Rachael Ancheril) erwähnt, die sich von der Enterprise verabschiedet hat und nun für die Discovery zuständig ist. Hier wird im Austausch mit Georgiou der Arbeitsplatz thematisiert. Ein Punkt, der mich ins Grübeln brachte. Denn so ehrenwert die Einsätze aller Besatzungsmitglieder (hier, wie auch in anderen Serien des Franchise) sind, gehen sie doch gesundheitliche Risiken ein, am Arbeitsplatz. Paul ist diese Woche das große Beispiel dafür, aber auch Jett ist mit ihrem lädierten Rücken nicht fit und Detmer ignoriert ebenfalls, dass etwas nicht stimmen könnte. Und Fähnrich „Hazmat“ alias Gene (Adrian Pavone) dürfte jetzt auch nicht gerade glücklich über seinen Job (und Jetts Worte) sein. Fraglos ist jeder Einsatz löblich, aber es wird auch aufgezeigt, zu welchen Kosten das passiert. Und das alles für ein paar Wochen im Jahr auf Risa? Hmm, nee, ich glaube, ich werde kein Sternenflottenoffizier.

Michael Burnham

Ein Jahr ist also vergangen, seit Michael in der Zukunft angekommen ist. Und sie hat letztlich die Discovery gefunden. Aber weshalb musste sie es jetzt sein, die das Schiff aus dem Eis zieht? Die ganze Crew hat mit all ihren Stärken und Schwächen zusammengearbeitet und geschuftet, um das parasitäre Eis hinter sich zu lassen. Es gab Widrigkeiten und Herausforderungen, die gemeistert wurden. Trotzdem muss erst Michael kommen, damit die Situation gerettet werden kann? Hier hätte ich mir tatsächlich erhofft, dass „Captain Saru und seine tollkühne Crew“ aus eigenen Kräften der misslichen Lage entfliehen können. Anschließend wäre die Priorität dann eben der Kontakt mit Michael gewesen, was aufgrund der wiederhergestellten Kommunikation kein Problem sein sollte.

Aber nein, sie müssen gerettet werden. So spannend die Folge auch ist, das Ende mag da nicht so ganz schmecken, wenngleich ich sehr neugierig darauf bin, was Michael in diesem einen Jahr erlebt und womöglich auf die Beine gestellt hat. Schließlich ist die Föderation nicht tot, wie anhand vom Hoffnungsträger der Woche (Kal) festgestellt werden konnte. Es gibt sicher noch andere wie ihn da draußen, die auf eine Rückkehr der Föderation hoffen.

Fazit

Das Gegenstück zum Staffelauftakt, diesmal aus Sicht der Discovery und deren Besatzung. Auch hier ist die Lage direkt bei der Ankunft alles andere als rosig, doch unter Sarus vorbildlichem Kommando und mit dem Einsatz jedes einzelnen Besatzungsmitglieds wird nahezu unglaubliches geleistet. Außerdem gibt es bei der Außenmission weitere Eindrücke dieser Zukunft, die dringend eine große Portion Föderation benötigt. Einzig das Ende kommt bei mir ein wenig schlechter weg, weil die Rettung hier unverdienterweise durch „Fremdeinwirkung“ passiert. Von mir gibt es diese Woche erneut viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?

Der Trailer:

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 24. Oktober 2020

Star Trek: Discovery 3x02 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 2
(Star Trek: Discovery 3x02)
Deutscher Titel der Episode
Fern der Heimat
Titel der Episode im Original
Far from Home
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 22. Oktober 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 23. Oktober 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 23. Oktober 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 23. Oktober 2020
Autoren
Michelle Paradise, Jenny Lumet, Alex Kurtzman
Regisseur
Olatunde Osunsanmi

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 3x02

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