Star Trek: Discovery 2x14

© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Such Sweet Sorrow, Part 2“ (c) CBS All Access
Such Sweet Sorrow, Part 2
Wow. Unter der Regie von Olatunde Osunsanmi wird das bislang wohl größte visuelle Weltraum-Feuerwerk in der Seriengeschichte abgeliefert. Die Kämpfe gegen Control finden fast über die gesamte Laufzeit der Star Trek: Discovery-Episode mit dem deutschen Titel „Süße Trauer, Teil 2“ statt. Zusätzlich dazu bekommen wir die optische Umsetzung der Reisen mit dem Anzug zu sehen, welche mit der Flucht der Discovery in die ferne Zukunft einen Höhepunkt erreichen. Ferner gibt es auch an Bord der beiden Sternenflottenschiffe jede Menge Effekte zu sehen, wobei der Kampf Leland (Alan van Sprang) gegen Georgiou (Michelle Yeoh) und Nhan (Rachael Ancheril) während einer Fehlfunktion der künstlich erzeugten Gravitation sicher eine besondere Erwähnung verdient. Kurzum wird hier nicht gekleckert, sondern geklotzt, was die Special Effects angeht.
In der mehr als eine Stunde andauernden Episode finden die Autoren Alex Kurtzman, Michelle Paradise und Jenny Lumet derweil genug Zeit, zahlreiche Charaktermomente einzubauen und die übergreifende Handlung der zweiten Staffel zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen. Figurentechnisch gibt es mit L'Rell (Mary Chieffo) und vor allem Siranna (Hannah Spear) Überraschungsauftritte, wobei dennoch kaum eine Rolle der üblichen Verdächtigen zu kurz kommt, was ebenfalls Charaktere wie Number One (Rebecca Romijn) oder Po (Yadira Guevara-Prip) beinhaltet. Handlungstechnisch wird der Bogen zum Staffelauftakt geschlagen und das Geheimnis um die roten Signale endgültig geklärt. Das Ende liefert schließlich eine stimmige kanonische Betrachtung und löst Fragen zu Themen wie Sporenantrieb auf oder weshalb Spock (Ethan Peck) im weiteren Verlauf der Trekgeschichte seine Ziehschwester Michael (Sonequa Martin-Green) nicht mehr erwähnt. Zugegeben, was den Kanon angeht, wird dabei manchmal die Brechstange herausgeholt. Ähnliches gilt für den Auftritt der Kelpianer und der Ba'ul. Aber im Großen und Ganzen ist Such Sweet Sorrow ein gelungener Abschluss zur zweiten Staffel und rückt (teilweise zu bemüht) viele Dinge zurecht, die seit Serienbeginn lautstark kritisiert wurden.

Als Bryan Fuller damals das Serienkonzept CBS vorstellte, sollte Star Trek: Discovery eine Anthologie-Reihe werden. Jede Staffel sollte in einer anderen Ära spielen und für Trek das sein, was American Horror Story noch immer für Horror ist. Witzigerweise ist man jetzt fast dort angekommen, denn die dritte Staffel wird offensichtlich 930 Jahre später ansetzen - ein unentdecktes Land der Trek-Geschichte. Nur eben, dass keine neuen Rollen hermüssen, wird doch das gesamte Schiff und der größte Teil der Besatzung in die Zukunft befördert. Insofern kein kompletter Neustart, aber die große Chance für weitere Geschichten rund um die Crew und die Discovery, ohne dabei aufpassen zu müssen, dem Kanon auf die Füße zu treten. Ich bin gespannt, was die dritte Staffel bringen wird.
Michael Burnham und Spock

Der Stressfaktor ist bei allen Besatzungsmitgliedern sehr hoch, was uns eingangs präsentiert und durch die einsetzenden Kämpfe mit Control veranschaulicht wird. Jeder ist bemüht, in Windeseile und doch möglichst präzise den angesetzten Plan zum Erfolg zu führen. Die größte Last liegt dabei auf Michaels Schultern, denn es liegt einzig und allein an ihr, der Discovery (und somit den Daten der Sphäre) den Weg in die Zukunft zu ebnen. Dazu müssen zahlreiche Probleme gelöst werden, was nicht nur die Fertigstellung des Anzugs, die Aufladung des Zeitkristalls, die schwindenden Schilde der Schiffe, etc. beinhaltet, sondern auch die plötzliche Anwesenheit von Leland an Bord der Discovery. Da ist der Einsatz von allen und jede Menge Teamwork gefragt, wenngleich Michael die Hauptaufgabe erfüllen muss.
Und diese ist nicht nur durch das Kampfchaos erschwert. Zunächst will sich der rettende Weg in die Zukunft nicht öffnen und dann wird auch noch Spocks Shuttle - er lieferte ihr Geleitschutz - beschädigt, so dass er nicht zur Discovery zurückkehren kann. Auftakt zur Auflösung des großen Geheimnisses um die roten Signale - welches Spock zusammen mit Michael erörtert - und einem weiteren (tränenreichen) Abschied, der das Geschehen mitsamt der zu erwartenden Trennung der Geschwister emotional unterstreicht.
Denn selbstverständlich ließ sich kommen sehen, dass Spock zurückbleiben wird. Spätestens als er das Shuttle betritt, ist es klar, dass sich Probleme ergeben werden, die ihm die Rückkehr zur Discovery unmöglich machen. Die fehlende Überraschung wird aber durch die Szenen von Peck und Martin-Green mehr als wettgemacht. Nach jahrelanger Entfremdung haben sich Burnham und Spock gefunden, bilden ein Team und haben die große Bedeutung, die sie füreinander haben, erkannt. Jetzt werden sie erneut auseinandergerissen, was fraglos schmerzen muss. Letzte Worte samt gegenseitigen Ratschlägen werden ausgetauscht, womit Spocks weiterer Werdegang an Bord der Enterprise gesetzt wird und Michael in die Zukunft aufbrechen kann.
An Bord der Discovery
Die Besatzung unseres titelgebenden Schiffs ist von Beginn an gefragt, wobei jeder kleinere oder größere Aufgaben erhält. Saru (Doug Jones) nimmt im Captain's Chair Platz - ein Anblick, den wir in der dritten Staffel hoffentlich regelmäßig zu sehen bekommen werden - und muss jede Menge koordinieren. Die überraschende Ankunft von Siranna und den Streitkräften von Kaminar liefert nicht nur kampftechnisch dringend benötigte Hilfe, sondern sorgt für eine weitere kleine Abschiedsgeschichte sowie eine Antwort auf die Frage, wie es mit den Kelpianern weitergegangen ist und weshalb über Kaminar ein rotes Signal auftauchte.
Kritisieren lässt sich hier sehr leicht, wie gut die Kelpianer bereits mit der Technologie der Ba'ul zurechtkommen und dass wir nichts davon zu hören kriegen, wie die Situation der beiden Spezies auf dem Planeten nun aussieht. Sind die Kelpianer jetzt am Drücker oder teilen sie sich den Planeten mit den Ba'ul friedlich? Ein paar kleine Erklärungen am Rande hätten ausgereicht, um hier Klarheit zu schaffen. Beispielsweise hätte die Zeitanomalie aus Light and Shadows - der „Time Tsunami" - Auswirkungen auf den Planeten und seine Bevölkerung haben können, womit sich gegebenenfalls die Fortschritte der Kelpianer begründen ließen. Mit etwas Fantasie lassen sich jedenfalls Erklärungen finden, dennoch ist es schade, dass nicht direkt darauf eingegangen wird.
Jett Reno (Tig Notaro), Sylvia Tilly (Mary Wiseman), Paul Stamets (Anthony Rapp) und Hugh Culber (Wilson Cruz) erhalten eher kleinere Auftritte, die aber dennoch sehr einprägsam gestaltet sind. Renos direkte Art weiß abermals zu gefallen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund - „Get off my ass, Sir!“ - und wird uns mit ihren Sprüchen hoffentlich auch in der dritten Staffel erhalten bleiben. Tilly bleibt derweil kaum Zeit zum Plappern, was der Figur zur Abwechslung sehr gut steht. Die Krisensituation fordert eben jeden zum professionellen Handeln heraus, da bildet auch eine Sylvia Tilly keine Ausnahme, wenn sie Paul zur Krankenstation bringt oder später die Schilde wieder einsatzfähig macht. Das Bier wird ihr da sicher spendiert werden.
Pauls Verletzung lässt sich derweil leicht als Plot Device entlarven, schließlich gibt es dadurch ein Wiedersehen mit Hugh, der doch nicht auf der Enterprise bleiben will. Mir gefällt es zwar sehr, dass die beiden wieder zusammenkommen, aber da fehlt eindeutig die Vorarbeit. Gerne hätte man da gewusst und gesehen, wie Hugh zu der Erkenntnis kommt, dass ihm Paul doch so wichtig und lieb ist. Renos Worte vor zwei Wochen hätten vielleicht als Begründung gereicht, um Hugh in sich gehen zu lassen. Aber mit Blick darauf, dass es letzte Woche bei einer Freundschaft bleiben sollte, fehlt dem charakterlichen Wechsel mindestens eine Szene, die das verdeutlicht.
Insgesamt gefällt mir das Geschehen an Bord der Discovery aber sehr gut. Eben, weil alle zum Einsatz kommen, kein Gesicht fehlt und jeder sein Bestes gibt. Natürlich habe ich Nhan und Georgiou nicht vergessen, die erhalten jetzt einen eigenen Absatz.
Leland vs. Georgiou & Nhan

Das Senken der Schilde, damit Michael von Bord gehen oder vielmehr fliegen kann, beschert unserer Besatzung einen unliebsamen Gast. Control beamt sich in Form von Leland an Bord und hat es auf die Daten abgesehen, die die Entwicklung der KI erst vollenden werden. Georgiou und Nhan nehmen die Verfolgung auf.
Lelands Anwesenheit sorgt für ein großes Problem, denn mit Control an Bord kann die Discovery schlecht in die Zukunft aufbrechen. Uns beschert sein Auftritt an Bord folglich gute Portionen Action, kleinere Twists, aber auch die Erkenntnis, dass Leland das Geschehen nicht überleben wird. Dass er am Ende besiegt wird, ist keine Überraschung. Spannender ist das wie und da hätte gerne noch etwas mehr herausgeholt werden können, auch wenn mir diverse Ideen wie die Gravitationsgeschichte gut gefallen haben und das Team-up von Georgiou und Nhan sehr unterhaltsam gestaltet ist.
Auf die ehemalige Imperatorin in einer eigenen Serie bin ich nach wie vor neugierig. Da sie nun auch in der Zukunft ist, stellt sich die Frage, ob die Serie ebenfalls dort spielen oder sie einen Weg zurück finden wird. Abwarten.
Beim Thema Control stellen sich nur oberflächlich betrachtet ein paar Fragen. Mit der Vernichtung von Leland ist die Gefahr nämlich trotz der Tatsache, dass seine Schiffe die Kampfhandlungen einstellen, nicht gebannt. Irgendwo da draußen kann es noch weitere Schiffe geben, wo Control Fuß gefasst hat und die ganze Geschichte wieder von vorne starten. Wir erinnern uns kurz, dass die KI mit der Sonde aus der 500 Jahre entfernten Zukunft kam und wir nicht wissen, wo sie sich möglicherweise noch verteilt hat. Entsprechend muss die Discovery in die Zukunft verschwinden, um jegliches Restrisiko auszulöschen (und sicherzustellen, dass die Entwicklung nie stattfindet).
Mit den Zeitreisen wie beispielsweise dem Setzen der Signale durch Burnham habe ich nach wie vor ein paar Kopfschmerzen aus der Ecke Ursache und Wirkung. Allerdings fällt es mir nicht schwer, eine gewisse (serieninterne) Logik bei der Vorgehensweise auszumachen, womit ich da gut ein Auge zudrücken kann.
Ash Tyler
Ash Tylers (Shazad Latif) Aufbruch in Such Sweet Sorrow liefert erwartungsgemäß Verstärkung, als der Kampf immer aussichtsloser erscheint und auch die Hinweise von Po aufgrund der Überzahl der feindlichen Schiffe keine Wendung herbeiführen. Dass die Klingonen sich mit L'Rell zurückmelden würden, hatte ich da auf meinem Zettel stehen. Außerdem mussten die neuen Kampfschiffe noch zum Einsatz kommen.
Leicht verwundert darf man dennoch sein, da Ash neben L'Rell auf der Brücke steht, obwohl er vor den Klingonen als tot deklariert wurde. Mag sein, dass hier durch die Kanzlerin zur Geheimhaltung aufgerufen wurde, aber das Risiko sollte sie dennoch nicht eingehen. Nachvollziehen lässt sich derweil, dass die Klingonen mit in den Kampf ziehen und Tylers erste (aber überraschenderweise nicht einzige) Anlaufstelle sind. Wie das alles übrigens in den zeitlichen Rahmen passen soll, ist rätselhaft. Irgendwie machen die Klingonen innerhalb dieser Serie nur Ärger.
Bezüglich Tyler und L'Rell stellt sich außerdem die Frage, wie es da weitergehen soll. Aus Star Trek: Discovery sind beide Figuren wohl raus. Ashs Beförderung lässt darauf schließen, dass er womöglich in der Serie um Sektion 31 noch eine große Rolle spielen wird, was aber mit Blick auf Georgiou in der fernen Zukunft noch einer gewaltigen Erklärung bedarf. Da heißt es wohl, abwarten und Blutwein trinken.
An Bord der Enterprise

Pike (Anson Mount) ist die meiste Zeit damit beschäftigt, die Enterprise vor der Zerstörung zu bewahren und gleichzeitig die Discovery und Burnham zu decken. Keine leichte Aufgabe, erst recht nicht, als ein feindlicher Torpedo seinen Weg in die Untertassensektion findet und mit etwas Verspätung zu explodieren droht. Number One und Admiral Cornwell (Jayne Brook) versuchen, die Situation unter Kontrolle zu kriegen.
Vermutlich hat nicht nur Michael schwer geschluckt, als sie diesen Teil ihrer Vision erblicken musste. Irgendwo im Unterbewusstsein wird zwar jeder Zuschauer wissen, dass die Enterprise, Pike, Number One, etc. auf der sicheren Seite sein werden - schließlich müssen da noch weitere Abenteuer folgen, ehe ein gewisser James Tiberius Kirk das Kommando übernimmt. Aber spannend ist das Geschehen dennoch und liefert mit Cornwells Ableben noch einen kleinen Schock.
Mich hat es jedenfalls sehr gefreut, an Bord der Enterprise noch eine kleine Nebenhandlung zu bekommen und dass es auch von der Brücke und der Crew noch mehr zu sehen gibt. Das Episodenende mit einem frisch rasierten Spock, der seine spitzen Ohren nicht mehr verbirgt, weckt zudem den Eindruck, dass da tatsächlich noch mehr folgen könnte. Eine weitere Serie um Pike, Spock und Co. wird durch die abschließenden Szenen schließlich geradezu beworben. Und wäre es nicht Verschwendung, das Set nur für die beiden finalen Folgen der zweiten Disco-Staffel zu verwenden?
Die Frage wäre natürlich, ob die Darsteller auch bereit wären, dabei zu sein, falls CBS tatsächlich eine solche Serie in Erwägung zieht. Ethan Peck hat bereits Interesse bekundet und auch Anson Mount wäre wohl nach neuesten Aussagen (Quelle) bereit dazu, allerdings mit der kleinen Einschränkung, dass dafür noch viele kreative Gespräche hinter den Kulissen nötig seien. Hoffen wir mal das Beste.
Sternenflotte
Pike, Spock, Number One und Ash müssen sich am Ende vor einer mysteriösen Figur der Sternenflotte rechtfertigen und den Verlauf der Ereignisse wiedergeben. Alle vier lügen und erklären, dass die Discovery explodiert und die gesamte Besatzung tot ist. Sie wollen damit sicherstellen, dass jedwede Entwicklungen, die sich als gefährlich erweisen könnten (Sporenantrieb, Zeitreisen, künstliche Intelligenz), unter den Tisch fallen.
Hier wird ganz offensichtlich die Brechstange benutzt, um die letzten Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass sich die Geschichte anders als in den älteren Serien des Franchise entwickeln könnte. Das ist einerseits löblich, andererseits aber zu forciert, wobei Spocks Gespräch mit Amanda (Mia Kirshner) dem Ganzen noch die Krone aufsetzt. Von daher hätten diese Szenen gerne ausbleiben und der Fantasie des Zuschauers überlassen werden dürfen - die Minuten hätten sich dann angeboten, um etwas näher auf die Entwicklung auf Kaminar einzugehen.
Das Bild, was der Fragensteller der Sternenflotte hinterlässt, ist natürlich auch fragwürdig und entspricht nicht so ganz dem, was man aus den anderen Serien kennt. Ich schiebe das mal darauf, dass die Sternenflotte sich in den nächsten Jahren erst noch weiterentwickeln muss und schlicht noch nicht den späteren Status erreicht hat (worauf ja vieles hindeutet).
Fazit
Nachdem ich meine Kinnlade wieder vom Boden aufgehoben habe und sich die ganz große Begeisterung über Spektakel, zahlreiche Charaktermomente und die Auflösung der übergreifenden Handlung mitsamt Wiederherstellung des Kanons ein wenig gelegt hat, will ich mich jetzt mal an einer Wertung probieren. Die Bestnote kann ich leider nicht vergeben, denn dazu fallen mir doch noch zu viele Ungereimtheiten, Lücken oder Brechstangen auf. Als einzelne Episode betrachtet, würde ich aufgrund diverser Mängel zu 3,5 oder - mit zugedrücktem Auge - 4 Sternen greifen, weil das Positive schlicht überwiegt und hier mit Sicherheit kein Durchschnitt vorliegt. Ich möchte aber auch durchblicken lassen, dass ein großes Kapitel der Serie abgeschlossen wird, nicht ganz mit Bravour, aber doch sehr zufriedenstellend und mit einem sehr hoffnungsvollen Blick auf die dritte Staffel. Von meiner Seite gibt es daher 4,5 Sterne. Und von euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 19. April 2019(Star Trek: Discovery 2x14)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x14
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