Star Trek: Discovery 2x13

Star Trek: Discovery 2x13

In der Folge Such Sweet Sorrow der US-Serie Star Trek: Discovery erweist sich der zerstörerische Plan von letzter Woche als nicht durchführbar. Michael hat eine neue Idee, die funktionieren könnte, aber etwas Zeit erfordert. Zeit, die wegen der Verfolgung durch Control sehr knapp bemessen ist.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Such Sweet Sorrow“ (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Such Sweet Sorrow“ (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Such Sweet Sorrow“ (c) CBS All Access

Eröffnung

In der Eröffnung von Such Sweet Sorrow läuft die Evakuierung der Discovery auf Hochtouren. Das Schiff soll zerstört werden, um so die Daten der Sphäre zu vernichten. Ein Plan, der sich (in dieser Form) als aussichtslos erweist. Denn offensichtlich beinhalten die Daten mehr als nur ... äh, Daten und kommen mit einem weitreichenden Schutz gegen Zerstörung daher. Ein Schutz, der auch die Kontrolle über Dinge wie Selbstzerstörungssequenzen ermöglicht und die Schilde aktiviert, wenn jemand auf Photonentorpedos zurückgreift.

Wie das funktionieren soll? Ich für meinen Teil interpretiere es so, dass die Sphäre eine Art (gutartige) Malware in die Daten eingebaut hat, die sich nicht detektieren ließ und darauf ausgelegt wurde, die Intention der Sphäre (den Erhalt ihres Wissens) zu sichern. Gedanklich muss ich mich da auch nicht weit aus dem Fenster lehnen und rückblickend ist ohnehin zu erwarten gewesen, dass die Selbstzerstörung der Discovery nicht nach Plan verlaufen wird. Schließlich ist anzunehmen, dass uns das Schiff noch eine Weile begleiten wird.

Die Prämisse ändert sich somit, wobei es abermals Michael (Sonequa Martin-Green) ist, die den Zielwechsel einleitet. Die Berührung des Zeitkristalls beschert ihr einen Blick auf die nahe Zukunft, wo Leland (Alan van Sprang) beziehungsweise Control erfolgreich sämtliche Widerstände auslöscht. Was aber tun, wenn sich die verhängnisvollen Daten, die Control erst zu dem machen werden, was wir jetzt bereits zu spüren bekommen, nicht vernichten lassen? Der Schritt zu einer Zeitreise in die Zukunft liegt tatsächliche nahe...

... und ist mit Schwierigkeiten verbunden. Den Blick auf mögliche Paradoxen erspare ich mir an dieser Stelle, schließlich wurde da im Review vor zwei Wochen bereits etwas näher drauf eingegangen. Statt also erneut zu überlegen, wie es mit Ursache und Wirkung aussieht, wollen wir uns mal auf die mögliche (paradoxe) Lösung einlassen und die Schwierigkeiten zur Durchführung des neuen Plans betrachten. Denn die sind nicht ohne. Ein neuer Anzug muss her, der Zeitkristall aufgeladen werden und letzten Endes ist Michael die einzige Person, die den Anzug tragen kann. Die Uhr tickt derweil, denn Lelands Flotte ist unseren Protagonisten dicht auf den Fersen.

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow - © CBS All Access

Enterprise

Als kurzes Intermezzo sei angemerkt, dass wir diese Woche einige Einblicke mehr auf das Innenleben der Enterprise und deren Crew bekommen, als noch im Staffelauftakt. Die Uniformen von Number One (Rebecca Romijin) und Co. stechen (abermals) besonders hervor, aber auch an anderer Stelle ist sichtbar, dass der Look von Kirks zukünftigem Schiff ein Upgrade bekommen hat.

Dem einen mag das gefallen, dem anderen nicht. Mir für meinen Teil gefällt das neue, modernere Aussehen der Brücke und den anderen gezeigten Räumlichkeiten. Bei genauerem Hinsehen lassen sich zahlreiche Details von damals finden (und hören), die der damaligen Ära Tribut zollen - und ich spreche jetzt nicht nur von den Farben (oder den Tönen). Auf das eine oder andere Lensflare hätte sich zwar verzichten lassen, aber ich wäre durchaus bereit für ein weiteres Spin-off, welches Pike (Anson Mount), Number One, Spock (Ethan Peck) und Co. auf Missionen zeigt, die wir bislang noch nicht zu sehen bekommen haben. Bleibt zu hoffen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow - © CBS All Access

Tilly und Po

In den letzten Folgen wurde Tilly (Mary Wiseman) ein wenig vernachlässigt und durfte höchstens mal kurz auftreten. Die Zuschauer, die sich den Short Trek „Runaway" angesehen haben (kleine Empfehlung meinerseits, sich dieses kurze Kapitel vor der Folge anzuschauen), dürfen sich diese Woche über eine Rückkehr von Me Hani Ika Hali Ka Po (Yadira Guevara-Prip) freuen, denn das jüngste Signal führt die Discovery und die Enterprise zu ihrem Heimatplaneten, wobei das Wissen von Po gefragt ist, um eine der großen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Pike und Burnham dürfen hier dumm aus der Wäsche schauen, als Po die Discovery betritt und sich direkt über das Wiedersehen mit Tilly freut. Wobei auch die anfänglichen Bemerkungen unseres Fähnrichs über Po zu einem Grinsen einladen. Das Mehrwissen der „Runaway"-Zuschauer wird gut ausgenutzt und ganz nebenbei wird Tillys Verbindung zur jungen Königin nützlich in die Geschichte integriert. Dass beide Figuren bedeutsam an der Handlung beteiligt sind, ist für mich jedenfalls ein klarer Pluspunkt. Sowohl Tilly als auch Po lockern die ernste Lage ein wenig auf, was einen guten Kontrast zum übrigen Geschehen liefert. Gerne mehr davon.

Was die Short Treks betrifft, zeigen noch immer alle Zeichen auf „Calypso", während Harry Mudds (Rainn Wilson) „Houdini" wohl keine Rolle mehr spielen wird (was ich aber nicht schade finde). Tilly darf übrigens noch mehr zum Geschehen Beitragen und Michael überraschen, wozu gleich noch ein paar Worte verloren werden. Der Verbleib von Po zum Episodenende ist derweil ungewiss, aber ich nehme mal an, dass sie an Bord der Discovery bleiben und womöglich im Finale der zweiten Staffel erneut wichtig wird.

Michael Burnham

Einmal mehr steht Michael im Zentrum des Geschehens und darf sich im Folgenverlauf von zahlreichen Figuren verabschieden. Schließlich liegt es an ihr, den Anzug anzulegen und damit die Discovery in die Zukunft zu geleiten, wo sie und die Daten der Sphäre außerhalb der Reichweite von Control sein werden. Ferner wird die Theorie aufgestellt, dass Michael für die roten Signale verantwortlich ist und somit aus der Zukunft Hinweise liefert, um das Geschehen der zweiten Staffel zu einem guten Ende zu führen.

Kurzum wird hier das Staffelfinale vorbereitet und der Weg dahin vergleichsweise kurzweilig und nach der Eröffnung recht handlungsarm, aber dafür emotional gestaltet. Wobei ich mich da gleich frage, weshalb es überhaupt als Einbahnstraße für Michael ausgelegt wird. Sicher, Gabrielle (Sonja Sohn) wurde immer wieder in die Zukunft befördert, ist offenbar nach dem ersten Zeitsprung daran gebunden - das sollte entsprechend auch für Michael gelten, wenn sie den Anzug benutzt. Nur wird dieser Punkt nicht angesprochen. Stattdessen beschäftigen sich alle mit dem Ladevorgang, der aus kuriosen Gründen nur eine Reise zulassen soll. Und das passt mit Blick auf Gabrielles zahlreiche Reisen mal überhaupt nicht ins Bild. Ich mag mich da irren und möglicherweise etwas übersehen haben, aber für Mama Burnham haben sich im Verlauf der Jahre 800+ (dokumentierte) Einsätze ergeben, ohne dass sie ein Wort darüber verliert, den Kristall erneut aufgeladen zu haben, geschweige denn wie. Erst die Zerstörung des Kristalls durch Leland setzte Gabrielles Reisen ein Ende. Insofern sollten sich die meisten besorgt darüber zeigen, dass Michael im Fall der Fälle in der Zukunft verankert sein wird, aber eben nicht darüber, dass sie nicht zurückkehren kann.

Das gesagt, steht natürlich vorrangig Michaels Abschied im Vordergrund, zu dem auch Sarek (James Frain) und Amanda (Mia Kirshner) erscheinen und auf die Tränendrüse drücken. Das Thema Spock wird dabei elegant angeschnitten, ebenso wie die Verbindung zwischen Sarek und Michael, welche bereits zu Beginn der Episode den Auftritt der Zieheltern herbeibeschwört. Unsereins fragt sich derweil, weshalb Michael überhaupt allein losziehen sollte, wenn sie doch ein ganzes Schiff im Schlepptau haben wird und die Zukunft als unentdecktes Land mit Sicherheit eine Reise für jedes Mitglied der Sternenflotte wert wäre.

Und richtig, Michael soll nicht allein aufbrechen. Tilly sowie das Gros der Besatzung (inklusive Spock und Georgiou (Michelle Yeoh) werden ihr zur Seite stehen, was erneut zu bewegenden Momenten führen soll. Halbwegs funktioniert das auch, schließlich wird hier eine gemeinsame Verbundenheit ausgedrückt, die auch mit Blick auf die anschließenden Botschaften an die Familien, Freunde und Partner sehr bewegend ist. Aber leider nur halbwegs, weil diese Verbundenheit zuvor lediglich in Einzelfällen - Saru (Doug Jones) und Tilly beispielsweise - etabliert wurde.

Wie eine Nilsson (Sara Mitich) da ins Bild passt, ist ebenso schleierhaft wie Nhans (Rachael Ancheril) oder gar Renos (Tig Notaro) Entschluss, Michael Gesellschaft zu leisten. Fraglos freut es mich sehr, dass eine Figur wie Reno dabei ist und klar, sie wurde von unserer Crew gerettet und ist seitdem an Bord. Aber darüber, wie sie zu Michael steht, wissen wir bislang nichts bis wenig - schließlich sind sich die beiden (seit ihrer Rettung) kaum über den Weg gelaufen. Mit anderen Worten hätte die emotionale Tragweite hier leicht größer ausfallen können, als es tatsächlich der Fall ist. Und das ist schade.

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Such Sweet Sorrow - © CBS All Access

Sonstiges

Ash Tyler (Shazad Latif) begleitet Michael nicht in die Zukunft. Der Grund dafür ist nicht wirklich ersichtlich, dürfte aber mit Ashs Äußerung an Pike zusammenhängen, die uns wissen lässt, dass er etwas vorhat. Aber was? Er kann sich kaum in Lelands Reihen begeben und mir fällt gerade kein Grund ein, weshalb er L'Rell (Mary Chieffo) noch einen Besuch abstatten sollte.

Paul (Anthony Rapp) und Hugh (Wilson Cruz) erhalten eine kleine, gemeinsame Szene. Da schwingt irgendwie durch, dass sie sich gegenseitig verstehen und die Entscheidungen des anderen akzeptieren, aber Aussichten auf ein Happy End gibt es (vorerst) nicht. Also bloß Freunde? Abwarten.

Jett und Paul funktionieren derweil wieder sehr gut in den gemeinsamen Szenen. Gerne auch mit Tilly oder Po zusammen. Diese gegenseitige Hassliebe, die in An Obol for Charon etabliert wurde, darf weiter ausgeschöpft werden. Vielleicht kommt Jett nur mit, weil Paul dabei ist?

Die Frage danach, wer der neue Captain der Discovery sein wird, lässt sich für mich nur mit Saru beantworten.

Cliffhanger

Wie schon letzte Woche gibt es auch dieses Mal einen Cliffhanger, denn Lelands Flotte taucht auf, bevor der eigentliche Plan umgesetzt werden kann. Durch Renos Einsatz - auweia, ihre Vision vom weiteren Geschehen sieht nicht gut für die Enterprise aus - wird es zwar gelingen, den Kristall rechtzeitig einsatzbereit zu haben, aber für die Zurückgebliebenen steht ein großer Kampf an, dessen Ausgang vorerst ungewiss bleibt. Gut möglich ist ebenfalls, dass außer der Discovery auch das eine oder andere Control-Schiffchen mit in die Zukunft fliegt und für Ärger sorgt. Der Spannungsfaktor ist jedenfalls sehr hoch, was das Finale angeht.

Gedämpft wird die Spannung mit Blick auf nächste Woche eigentlich nur durch die Anwesenheit von ein bis zwei Persönchen an Bord der Discovery. In erster Linie durch Spock, der auf jeden Fall in die Gegenwart zurückkehren muss, weil er an Bord der Enterprise unter Pike und später unter Kirk dient und überhaupt einer der wichtigsten Faktoren des gesamten Franchise ist. Echt jetzt, ohne Spock kein Star Trek - der wird nicht in der Zukunft bleiben.

Zum anderen ist da noch Philippa Georgiou, deren Spin-off über die Sektion 31 wohl kaum in der fernen Zukunft stattfinden wird (oder doch?) - wobei ich mich übrigens köstlich über ihre Bemerkung amüsiert habe, wie man eine Supernova auslösen könnte (und wie sie zu den Folgen steht). Pikes Augenzwinkern (offenbar wurde er ins Bild gesetzt, was die ehemalige Imperatorin angeht) zeigt sehr deutlich auf, wie auch wir diese Figur einschätzen sollten. Wobei ihre Handlungen im bisherigen Staffelverlauf eigentlich schon reichen, um den wesentlichen Punkt zu erkennen. Die Bösartigkeit ist zwar vorhanden, wie damals beim Spiegel-Spock eben auch, aber das heißt nicht, dass diese Figur ein durchtrieben böser Charakter ist.

Die Umfelder von Spiegeluniversum und „echtem" Universum mögen grundverschieden sein, aber gewisse charakterliche Merkmale sind dennoch universell. In Bezug auf Georgiou betrifft das ihr Verhältnis zu Michael, welches den großen und übergreifenden Ankerpunkt darstellt. Es mag schwerfallen, Georgiou als die Heldin einer eigenen Serie rund um Sektion 31 zu sehen. Aber allein der Gedanke, dass da eine Figur mit dem bösartigsten Hintergrund überhaupt in diesem Universum Fuß fasst und sich zu einer Heldin mausern könnte, ist der Inbegriff einer Utopie und gleichzeitig faszinierend.

Unterm Strich bin ich sehr gespannt auf das Staffelfinale. Gut möglich, dass die dritte Staffel in einer Zukunft stattfindet, die bislang noch unangetastet blieb. Andererseits müssen besagte ein bis zwei Personen noch einen Weg zurückfinden, was vielleicht auch für alle anderen eine Rückkehr bedeutet. Außerdem fehlen noch ein paar Signale, um die Sequenz zu beenden.

Fazit

In erster Linie mag Such Sweet Sorrow nur eine Vorbereitung zum großen Finale sein. Handlungstechnisch passiert auch nicht viel, abgesehen vom zu erwartenden Twist und dem neuen Ziel, welches auf eine Zeitreise in die Zukunft setzt. Charakterlich wird allerdings gut aufgefahren, auch wenn nicht immer alles sitzt. Was das kommende Finale angeht, habe ich keinen Plan. Da ist quasi alles möglich, denn nur wenige Figuren müssten (im Fall der Fälle) einen Weg zurückfinden. Ich verweile diese Woche bei vier von fünf Sternen. Und ihr?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 13. April 2019

Star Trek: Discovery 2x13 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 13
(Star Trek: Discovery 2x13)
Deutscher Titel der Episode
Süße Trauer
Titel der Episode im Original
Such Sweet Sorrow, Part 1
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 11. April 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. April 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 12. April 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 12. April 2019
Autoren
Michelle Paradise, Jenny Lumet, Alex Kurtzman
Regisseur
Olatunde Osunsanmi

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x13

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