Star Trek: Discovery 2x10

Star Trek: Discovery 2x10

In der Folge The Red Angel der US-Serie Star Trek: Discovery stehen einmal mehr Michael Burnham und der rote Engel im Fokus. Dessen Identität scheint geklärt, während unsere Crew sich mit der Hilfe von Sektion 31 daran macht, ihm eine Falle zu stellen.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Episode „The Red Angel“ (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Episode „The Red Angel“ (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Episode „The Red Angel“ (c) CBS All Access

Airiam

Jegliche Hoffnungen auf eine Wiederbelebung von Airiam (Hannah Cheesman) werden direkt zu Beginn mit der Löschung ihrer Erinnerungen zerschmettert. Diese Figur ist tot und die anschließende Trauerfeier zeigt sehr deutlich, wie viel Airiam unseren Charakteren bedeutet hat. Jeder erhält die Gelegenheit für ein paar abschließende Worte, die gesamte Besatzung ist anwesend und das Thema Familie - welches für The Red Angel noch eine größere Rolle spielen soll - wird angeschnitten. Ein Familienmitglied ist gestorben und wird von allen während der Beerdigung betrauert.

Ich muss zugeben, dass mich die Worte von Tilly (Mary Wiseman), Stamets (Anthony Rapp), Detmer (Emily Coutts) und den anderen durchaus berührt haben und ich den Verlust fühlen kann, den alle empfinden. Dennoch stehe ich außen vor und betrachte die Trauerfeier mit einer gewissen Distanz. Zwar habe ich Airiam bereits in der ersten Staffel immer wieder durchs Bild huschen sehen und durfte sie in der zweiten Staffel ein wenig kennenlernen, aber die größere Charakterisierung mit Hintergrundgeschichte erfolgte schlicht zu spät, als dass ich hier jetzt ebenfalls den Tod eines langjährigen Familienmitglieds beklagen würde.

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft anders mit den vermeintlichen Nebenfiguren umgegangen wird und wir Figuren wie Owo (Oyin Oladeyo), Detmer, Bryce (Ronnie Rowe) oder Rhys (Patrick Kwok-Choon) nicht erst kurz vor deren Ableben besser kennenlernen.

The Red Angel

Leland (Alan van Sprang) und Georgiou (Michelle Yeoh) melden sich diese Woche zurück und Tyler (Shazad Latif) darf sich wieder frei an Bord bewegen. Tillys Entdeckungen zum Projekt Daedalus setzen einiges in Bewegung und offenbaren noch vor dem Intro, wer (angeblich) der rote Engel ist. Anhand von „bioneuralen Signaturen" - die kurz darauf von Culber (Wilson Cruz) bestätigt werden - muss Michael Burnham (Sonqua Martin-Green) der rote Engel sein beziehungsweise in Zukunft dazu werden.

Diese erste „Überraschung" ließ sicher nicht nur mich mit den Zähnen knirschen. Dreisterweise wird das Großvater-Paradoxon sogar in der Episode angesprochen und von unseren Figuren geschluckt. Denn: Wie sollte Michael ihr jüngeres Ich retten, wenn sie ohne das eigene Einwirken gestorben wäre? Da hätte sie schon als Kind und bevor sie von ihrem neuen Zuhause weggelaufen ist, in die Zukunft reisen, diverse Handlungen durchführen und anschließend wieder vergessen müssen. Wie man es dreht und wendet, kommt Michael nicht als roter Engel infrage, was mindestens Spock (Ethan Peck) hätte auffallen müssen.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Andererseits, nun ja, hätte man durchaus die Spiegelwelt für eine Erklärung heranziehen können, denn wirklich sicher ist das Schicksal von Spiegelwelt-Michael nicht, womit sich eine Auflösung des Paradoxon-Dilemmas ergeben hätte. Zumindest formal, denn eine potentielle Spiegelwelt-Michael wäre sicher nicht als rettender Engel unterwegs. Diverse Hinweise auf die Spiegelwelt werden und wurden aber immer wieder eingebracht, womit diese Option immerhin als Möglichkeit in Betracht gezogen werden konnte.

Die Identität des roten Engels wird am Ende der Episode gelüftet und lässt mich dann wiederum aufatmen. Natürlich ist es nicht Michael, die da unterwegs ist. Und wenn man die Folge ein wenig genauer betrachtet, ergeben sich auch zahlreiche Hinweise für die Offenbarung, dass Michaels Mutter (Sonja Sohn) der rote Engel ist. Angefangen mit der ominösen Signatur, die sich bei Familienmitgliedern möglicherweise gleicht, über Lelands Ausführungen zur Arbeit ihrer Eltern, die direkt am Zeitreiseprojekt beteiligt waren, bis hin zur Bedeutung von Michael für den roten Engel - schließlich würde eine Mutter alles tun, um ihre Tochter zu retten.

Kleinere Ansätze zur Kritik an dieser Enthüllung eröffnen sich natürlich auch. Denn weshalb sollte eine Mutter ihr Kind im Ungewissen darüber lassen, dass sie überlebt hat? Wie konnte sie den Klingonen überhaupt entkommen, wenn Michael damals als Ohrenzeugin auf Doctari Alpha ihren Tod vernommen hat? Weshalb hat sie in der ersten Staffel nicht schon eingegriffen, als die Klingonen zeitweise die Oberhand hatten und die Sternenflotte dezimierten? Ich hoffe, uns werden da nächste Woche ein paar stimmige Antworten geliefert - bis dahin halte ich mich mit der Kritik noch zurück.

Wobei uns hingegen mit Sicherheit Antworten erwarten werden, ist die größere Geschichte dieser Staffel. Der rote Engel kann nun befragt und die größere Bedrohung durch die künstliche Intelligenz aus der Zukunft näher beleuchtet werden. Da bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht.

The Michael Burnham Show

The Red Angel ist von zahlreichen Dialogen geprägt, die nicht selten expositorisch daherkommen, wenn sie Michael oder ihre Vergangenheit betreffen. Der Erklär-Bär ist hier stärker als sonst vertreten und vor allem bei Lelands Ausführungen über Michaels Eltern am Tanzen. Ich habe dabei nichts gegen Erläuterungen oder den Ausbau von Hintergrundgeschichten, hätte mir in dieser Folge aber eine bessere Verpackung dafür gewünscht. In Bezug auf Doctari Alpha vielleicht ein paar Rückblicke zur optischen Garnierung von Lelands Worten - schließlich geizt die Serie sonst auch nicht damit.

Glücklicherweise kann Michaels emotionale Achterbahnfahrt durch diverse Gespräche ein wenig von der Exposition ablenken. Martin-Green wird in vielen Szenen gefordert, absolviert diese mit Bravour und wird von Regisseurin Hanelle M. Culpepper (die übrigens auch den Piloten zur kommenden Picard-Serie inszenieren wird) gekonnt eingefangen. Besonders der gegenseitige Austausch mit Spock und Ash weiß zu gefallen - da werden einige Wogen geglättet und an den jeweiligen Beziehungen gearbeitet. Mit Blick auf den risikoreichen Plan, der Michaels Leben aufs Spiel setzt, musste sich hier aber auch einiges tun.

Womit wir nun zum Plan selbst kommen, der freilich sehr gewagt ist und vermutlich das Gros der Zuschauerkritik einfangen wird. Nicht unbedingt, weil Michael (mal wieder) Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist, sondern vielmehr, weil Figuren wie Pike (Anson Mount) oder Cornwell (Jayne Brook) dem Plan ihre Zustimmung geben, Spock unter direkter Befehlsverweigerung Burnhams Tod in Kauf nimmt und sich die Brückencrew den Todeskampf obendrein live anschaut.

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Natürlich lassen sich für jeden dieser Punkte die nötigen Erklärungen finden. Schließlich steht das Leben in der gesamten Galaxie auf dem Spiel, Spock ist vom Plan überzeugt und unsere Crew muss das Geschehen beobachten, um beim Auftritt des Engels direkt eingreifen zu können. Aber geht das nicht etwas sensibler mit Blick auf die Werte und Regeln der Föderation? Sicher, die Sternenflotte mag noch längst nicht dort angekommen sein, wo sie Jahre später mal landen wird. Das zeigt die Beteiligung von Sektion 31 an dieser Mission ohnehin. Aber es wird unterm Strich unnötig stark auf den Putz gehauen, um Spannung und Schockmomente zu generieren. Für mich wäre es jedenfalls logisch gewesen, wenn der rote Engel sich lange vor Michaels Tod gezeigt hätte. Als Zeitreisender sollte er Kontrolle darüber haben, wann er auftaucht und ein früheres Erscheinen hätte zahlreiche Kritikpunkte direkt weggewischt. Stattdessen erhält der Engel jetzt noch eine neue Fähigkeit und kann Tote wiederbeleben, womit weiterer Erklärungsbedarf besteht.

Sektion 31

Leland darf diese Woche nicht nur über Michaels Eltern Geheimnisse offenbaren. Es gibt viele Informationen zum roten Engel beziehungsweise dessen Anzug und wer den entwickelt hat und warum. Vor 20 Jahren wurde demnach bereits an Zeitreisemöglichkeiten gebastelt, um den Klingonen zuvor zu kommen, die sich ebenfalls mit der Technologie beschäftigten. Ob das Auslöschen der Menschheit in der Ursuppe zu den stolzen Kriegern passt, würde ich eher bezweifeln. Der Diebstahl des ominösen Zeitkristalls (werden die gebaut oder bilden die sich auf natürliche Art und Weise?) durch Leland stellt allerdings die nötige Verbindung zum Tod von Michaels Eltern dar - eine Erklärung, auf die man recht gespannt sein konnte, seit Georgiou sie vor ein paar Wochen angedeutet hat. Da fügt sich im Rahmen der größeren Geschichte diese Woche doch recht viel zusammen.

Georgiou konnte Leland derweil noch nicht das Kommando abluchsen, was ein wenig verwundert. Mit Blick auf das Ende - offenbar hatte der Engel doch wieder die KI im Schlepptau oder sie hat bloß ein wenig geschlummert - wird sie nun aber gewiss befördert. Es sei denn, Leland hat den Stich ins Auge überlebt, was aber eher unwahrscheinlich ist. Bester Georgiou-Moment dieser Woche ist bei mir übrigens die Szene mit Stamets und Culber.

Ash gelingt es derweil, seine Beziehung zu Michael wieder zu verbessern. Der wird sich bestimmt gegen Ende der Staffel wieder von Sektion 31 trennen, schließlich ist seine Loyalität zum Geheimdienst der größte Kritikpunkt, den Michael bei ihm hat. Und ganz ehrlich, ich würde gerne mal erfahren, was die Sektion 31 für gute Sachen bewirkt hat. Ein Beispiel würde schon reichen. Der bisherigen Vorgehensweisen dieser Organisation kann ich jedenfalls bislang nichts Gutes abgewinnen, auch wenn sie diese Woche zumindest auskunftsfreudiger erscheint.

Sonstiges

Die angeschlagene Beziehung zwischen Stamets und Culber wird in kleinen Nebenhandlungen aufgegriffen. Hugh erhält hier von Cornwell Hilfe und Rat, was ihm offenbar zu denken gibt und die Hoffnungen auf ein Happy End mit Paul wieder steigen lässt. Jedenfalls, sofern Paul irgendwann die Zeit für richtig hält und sich drauf einlässt.

Lieutenant Nilsson, die Airiams Station auf der Brücke übernimmt, wird von Sara Mitich gespielt. Mitich verkörperte Airiam in der ersten Staffel.

So sehr ich Tilly auch mag, als Georgiou ihr ein „stop talking“ entgegenwirft, musste ich schmunzeln. Derart direkt wurde Sylvia das noch nie gesagt. Mal schauen, ob sie ihre Plapperei in Zukunft etwas zurückschraubt.

Saru (Doug Jones) kommt etwas zu kurz. Gerade bei ihm hätte sich ein persönliches Gespräch mit Michael angeboten, bevor sie ihr Leben aufs Spiel setzt. Dass er vorher Leland im Auge behält, hat mir gefallen.

Fazit

Eine sehr informationslastige Folge, die Michaels Hintergrundgeschichte beleuchtet und die Identität des roten Engels preisgibt. Dank Martin-Greens Performance ist The Red Angel gleichzeitig emotionsgeladen, wodurch die Informationsflut weniger stark ins kritische Auge fällt. Insgesamt sehe ich diese Woche aber doch etwas schwächer als letzte, was hauptsächlich am waghalsigen Plan liegt, aber auch daran, dass die zahlreichen Antworten ebenso zahlreiche neue Fragen aufwerfen. Von mir daher 3,5 von 5 Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 22. März 2019

Star Trek: Discovery 2x10 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 10
(Star Trek: Discovery 2x10)
Deutscher Titel der Episode
Der rote Engel
Titel der Episode im Original
The Red Angel
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. März 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 22. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 22. März 2019
Autoren
Chris Silvestri, Anthony Maranville
Regisseur
Hanelle M. Culpepper

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x10

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