Star Trek: Discovery 2x09

© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Project Daedalus“ (c) CBS All Access
Admiral Cornwell
Zu Beginn von Project Daedalus betritt Admiral Cornwell (Jayne Brook) die Discovery. Offensichtlich sind nicht alle Sternenflottenkommandeure der Ansicht von Sektion 31 und Cornwell will zunächst überprüfen, wie die Lage tatsächlich aussieht. Entsprechend unterzieht sie Spock (Ethan Peck) einem Lügendetektortest, den dieser erfolgreich besteht. Ein Video zeigt allerdings, wie der Halbvulcanier die Morde begeht, für die er beschuldigt wird. Ein Widerspruch, der sich nicht einfach auflösen lässt - schließlich wurde der Bildbeweis nicht manipuliert. Ob Hologramme und Besprechungen über eben jene deshalb in Zukunft nicht mehr stattfinden, bleibt zu vermuten.
Cornwell ist aber nicht nur wegen Spock an Bord, denn - oh Wunder - mit Sektion 31 stimmt etwas nicht. Namentlich wird Admiral Patar (Tara Nicodemo) verdächtigt, als eine der Logik-Extremisten das Steuer des Geheimdienstes und ohne die übliche Rücksprache mit der Sternenflotte - die sämtliche Aktionen sanktionieren muss - in die Hand genommen zu haben. Nach allem, was wir bislang wissen, scheint diese Möglichkeit in der Tat plausibel zu sein, weshalb der spätere Twist in Sachen „Control" sich nicht kommen sehen lässt und seine Wirkung voll entfalten kann.

Cornwell hat aber nicht nur einen funktionellen Einsatz, um die Prämisse dieser Episode zu setzen und das nächste Abenteuer zu bestimmen. Charakterlich bleibt vor allem ihr Umgang mit Pike (Anson Mount) hängen, speziell ihre Erklärung dafür, weshalb die Enterprise dem Krieg mit den Klingonen fernbleiben sollte. Da nimmt sie seiner Argumentation gegen den Einsatz von Minen sehr schön den Wind aus den Segeln und zeigt gleichzeitig, dass die Sternenflotte in dieser Zeitperiode eben noch nicht dort angekommen ist, wo sie in den später angesiedelten Serien steht. Hier sind die Ideale, die Pike bereits vertritt, noch nicht überall gefestigt (wie der Mineneinsatz im Krieg zeigt), werden aber bereits als das Beste angesehen, was man zu bieten hat. Das geht nicht nur bei Pike runter wie Butter.
Spock
Zunächst sei angemerkt, dass Spock in seiner Verhaltensweise keine großen Sympathiepunkte bei mir ernten kann. Sowohl im Umgang mit Michael (Sonequa Martin-Green) als auch im Umgang mit Paul Stamets (Anthony Rapp) kommt mir da der Begriff der „seelischen Grausamkeit" in den Sinn, auch wenn er in beiden Fällen einen Punkt hat. Außerdem werden sich bestimmt einige Zuschauer über seinen kleinen emotionalen Ausbruch beschweren, bei dem er das Schachbrett vom Tisch wischt.
Und genau damit habe ich ein Problem. Spock ließ bereits letzte Woche durchblicken (Stichwort: Lächeln gegenüber Pike), dass bei ihm Emotionen noch eine kleine Rolle spielen. Wenn das aber der Fall ist, müsste er seinem Gegenüber (ob nun Michael oder Paul) doch weniger schroff auf bestimmte Verhaltensweisen (ob nun die eigenen bei Michael oder die von Hugh (Wilson Cruz) bei Paul) aufmerksam machen. Wobei ich mich mit seiner Reaktion auf Michaels Versuche, ihn dazu zu bewegen, die Motive des roten Engels zu ergründen, noch am ehesten verstehen kann. Das hat er schließlich schon selbst probiert und da hilft auch kein Schachspiel weiter. Bei Paul hätte er aber gewiss etwas besonnener vorgehen können.

Zum Grund, weshalb der rote Engel gerade Spock auserkoren hat, sollte unser Spitzohr vielleicht dem eigenen Rat gegenüber Paul folgen und sein Umfeld näher betrachten. Bei Paul fehlt aktuell in der Tat das Verständnis über das, was womöglich in Hugh vorgeht und dass da eben die eigene Persönlichkeit noch beziehungsweise wieder in der Findungsphase ist. Was einst war, kann eben noch werden, auch wenn Hugh zunächst Distanz von Paul sucht.
In Spocks Umfeld sollte sein Blick derweil auf Michael fallen. Der rote Engel wird nicht ohne Grund eingeschritten sein, um sie damals zu retten. Genau diesen Punkt sollte er näher betrachten, denn ich vermute, dass dort die Lösung liegen wird. Von daher schließt sich übrigens auch aus, dass Michael der rote Engel ist, denn sonst hätten wir ein Paradoxon (wie ein Kommentator unter dem letzten Review auch treffend bemerkt hat - danke dafür). Was den Kanon betrifft, muss Michael allerdings ihren Kindheitsausflug überlebt haben. Sonst wären die Ausflüge anderer Trek-Serien in die weiter entfernte Zukunft nicht möglich gewesen.

Michael Burnham
Was Michael angeht, lässt sich diese Woche nichts von den gerne kritisierten Themen finden. Sie ist eben keine „Mary Sue" oder gar eine Superheldin, die für jedes Problem eine Lösung parat hat. Diese Woche schafft sie es nicht, auf Spock einzuwirken, wird von ihm sogar auf heftigste Art und Weise kritisiert, ohne darauf eine Antwort geben zu können und kann somit die von Pike auferlegte Mission nicht erfüllen. Auch vermag sie es nicht, Airiam (Hannah Cheesman) das Leben zu retten. Und zur Frage, ob Tyler (Shazad Latif) ein Spion ist und den Antrieb sabotiert hat, kann sie ebenfalls nichts beitragen, wenngleich sie ihr Vorhaben da eingangs ankündigt. Die Frage um Ash wird vielmehr durch die Episode selbst und die Offenbarung, dass Airiam für die Sabotage verantwortlich ist, geklärt (womit Michael nichts oder nur wenig zu tun hat).
Darstellerisch sehe ich Martin-Green übrigens recht weit oben auf der Skala. Sie mag die Serie nicht allein tragen, schon gar nicht jetzt, wo die Reihe sich in Richtung Ensemble eingependelt hat (was übrigens auch schon in Staffel eins der Fall war, die ohne Saru (Doug Jones), Lorca (Jason Isaacs) oder Stamets undenkbar gewesen wäre, aber mit der zweiten Staffel eben noch mehr Charaktere einbindet). Aber sie ist eben eine Hauptfigur und der Dreh- und Angelpunkt für die meisten Geschichten.
Das gesagt, habe ich natürlich noch eine gute Portion Kritik für Michael und die Folge (im Schlussakt) parat. Eine generelle Frage wäre, weshalb der Transporter nicht benutzt wird. Vielleicht ist mir da etwas entgangen, aber hätte man Nhan (Rachael Ancheril), Burnham und Airiam nicht jederzeit rausbeamen können? Oder den Transporter anwenden können, als Airiam ausgeschleust wurde? Selbst wenn man innerhalb der Station den Transporter nicht verwenden konnte, hätte sie diesen kleinen Flug womöglich überlebt.
Bei Michael fehlt mir im Schlussakt derweil der Einsatz für Nhan. Es wird gekämpft (ziemlich gut inszeniert), Airiam wird vorerst isoliert, aber Michael schaut nicht nach, wie es um Nhan bestellt ist, die scheinbar mit dem Leben ringt. Ich rege mich zwar nur ungern über solche Details auf, aber hier komme ich nicht drumherum, diese zu monieren, auch wenn (oder gerade, weil) Jonathan Frakes auf dem Regiestuhl sitzt.
Airiam
Bereits vor ein paar Wochen gab es etwas mehr von Airiam zu sehen, als es um die Auswertung der Sphäre beziehungsweise deren Daten ging. Jetzt steht sie im Fokus und wir bekommen endlich eine Hintergrundgeschichte. Da trübt ihr Ableben das Bild leider.
Ich habe mich riesig gefreut, dass Airiam hier nicht nur als Bösewicht dargestellt wurde. Die Einblicke in ihren Alltag, die kleine Runde mit Tilly (Mary Wiseman), Owosekun (Oyin Oladejo) und Detmer (Emily Coutts) und die Kameraperspektiven konnten sich echt sehenlassen. Endlich wird eine Nebenfigur näher beleuchtet, die aufgrund ihres Aussehens ohnehin neugierig machte. Tragische Hintergrundgeschichten mag es zuhauf bei Star Trek: Discovery geben, aber hier ist sie besonders gut getroffen.
Schade nur, dass Airiam nicht vorher schon auf diese Art und Weise beleuchtet wurde. Das hätte ihr Opfer am Ende noch deutlich gesteigert. So, wie hier geschehen, wird alles in eine Episode gequetscht und wirkt daher unglücklich. Fraglos geben sich die Schreiberlinge Mühe, was die Figur angeht, müssen sich aber die Blöße geben, zu spät am Drücker zu sein. Entsprechend kommt ihr Ableben auch nicht mit dem nötigen emotionalen Eindruck daher, weil wir Airiam gerade erst kennengelernt haben. Man mag zwar trotzdem mitgenommen sein, aber der musiklose Abspann wäre in meinen Augen (oder Ohren) nicht nötig gewesen. Sicher werde ich Airiam vermissen, aber man hätte eben besser mit dieser Figur umgehen können, ganz zu schweigen von den oben weiter angeführten potenziellen Auswegen.
Sonstiges
Pike und Tilly sind mal wieder awesome. Pike sowieso, weil er einen (mehr als) guten Captain abgibt, was ihm ohnehin durch Cornwell bestätigt wird. Tilly, weil sie abermals ihrem Charakter gerecht wird. Da wird eben gegenüber Cornwell geplappert, ehe Pike ermahnt und nach der eigentlichen Information fragt. Später wird sie von Airiam eingeflochten, was sehr gut zur präsentierten Vierer-Runde passt. In den Augen einiger Zuschauer mag das nervig wirken, aber mich freut ihr sehr menschliches Verhalten ungemein, was durch Airiams Bitte, sie möge doch an ihrer Seite bleiben, noch einmal gestärkt wird.
Okay, zu den Lensflares habe ich mich bis dato nicht geäußert. Bislang habe ich das eben der Moderne zugeschrieben und dieser optische Effekt hat mich nicht großartig gestört. Letzte Woche allerdings schon, wobei ich das den Talosianern zuschreiben würde, deren Handeln womöglich optisch untermauert werden sollte. Diese Woche ist mir dieser Effekt aber tatsächlich eher störend aufgefallen, während ich einige Kamerafahrten (gerade zu Beginn der Folge) genossen habe. Keine Frage, visuell sieht man deutlich, wie viel Geld da hineingesteckt wird und das ist toll. Aber bei den Hilfsmittelchen, die den Zuschauer geradezu blenden, sollte man vielleicht ein wenig zurückschrauben.
Nur kurz angemerkt und eigentlich unnötig. Aber ist euch aufgefallen, dass das Geschehen hauptsächlich durch weibliche Protagonisten passiert? Im Außenteam haben wir Michael, Nhan und Airiam. Auf der Discovery ist neben Cornwell (die das Kommando hat, aber gerne an Pike weiterreicht) Tilly sehr stark vertreten. Detmer und Owo spielen bei Airiams „Erinnerungen" eine große Rolle und eine kleinere auf der Brücke. Und das Ganze, ohne dass es einem aufs Auge gedrückt wird.
Dafür, dass die Episode „Project Daedalus" heißt, geht es nicht wirklich um dieses Projekt. Das wird bloß angeteasert, womit der Titel fraglich ist.
Skynet?
Was die große Geschichte um den roten Engel angeht, liefert Project Daedalus mindestens einen interessanten Ansatzpunkt. Denn „Control" hat sich offensichtlich dem Führungsstab entledigt und lässt auch die Sternenflotte außen vor. Offenbar möchte eine künstliche Intelligenz die Herrschaft übernehmen und alles (bewusste) Leben innerhalb der Galaxie auslöschen. Einflüge per (überarbeiteter) Sonden aus der Zukunft nicht ausgeschlossen. Da bin ich sehr gespannt, wie das alles ausgeht.
Fazit
Im Vergleich zur letzten Woche nicht ganz so gut gelungen, weil sich die Kritikpunkte doch etwas stärker häufen. Dennoch werden viele Dinge, sowohl in charakterlicher als auch in inhaltlicher Sicht, gut vorangetrieben. Der Todesfall vermag vielleicht nicht die nötige Bedeutung erlangen, wiegt aber dennoch schwer. Von meiner Seite gibt es vier von fünf Sternen. Und von euch?
Trailer zur Episode The Red Angel der Serie Star Trek: Discovery (2x10):
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 16. März 2019Star Trek: Discovery 2x09 Trailer
(Star Trek: Discovery 2x09)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x09
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