Star Trek: Discovery 2x08

Star Trek: Discovery 2x08

In der Folge If Memory Serves (auf Deutsch: Gedächtniskraft) der US-Serie Star Trek: Discovery haben Michael und Spock Kurs auf Talos IV gesetzt. Sektion 31 ist ihnen auf den Fersen, während die Discovery mit der Analyse der Trümmer von letzter Woche ausgebremst werden soll. Hugh Culber hat derweil die Krankenstation verlassen.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „ If Memory Serves“ aka „Gedächtniskraft“ (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „ If Memory Serves“ aka „Gedächtniskraft“ (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „ If Memory Serves“ aka „Gedächtniskraft“ (c) CBS All Access

Empfehlung vorweg: „The Cage" noch einmal auffrischen (gibt es auch auf Netflix) oder gegebenenfalls erstmalig schauen. Das Intro zu If Memory Serves ist zwar hilfreich, liefert aber nur das Nötigste.

The Cage

Als sich letzte Woche ein Besuch von Michael (Sonequa Martin-Green) und Spock (Ethan Peck) auf Talos IV ankündigte, hat der eine oder andere Zuschauer sicher die Augenbraue skeptisch angehoben oder mit der Stirn gerunzelt. Ist der Planet nicht tabu? Passt If Memory Serves (aka „Gedächtniskraft") in den Kanon? Und wie wird die Verknüpfung zur allerersten, später in The Menagerie eingebauten Pilotfolge (NBC lehnte 1965 diesen Piloten ab und bestellte einen neuen) überhaupt gestaltet, wenn doch über 50 Jahre dazwischen liegen?

Antworten gibt es diese Woche reichlich: Ja, der Planet ist tabu. Ja, es passt in den Kanon - wobei ein kleines Detail (Jahre später hat laut Akte nur die Enterprise jemals den Planeten besucht) später noch geklärt werden muss. Und die Verknüpfung ist in meinen Augen hervorragend gelungen. Angefangen mit dem Intro, welches die Aufmerksamkeit selbstredend auf besagte Episode richtet und zu Vergleichen anregt. Rein optisch stellt der Unterschied von über 50 Jahren bereits eine große Herausforderung dar, die hier bravourös gemeistert wird. Die Macher haben sich sehr stark am 60er-Look des Planeten orientiert und ihm einen modernen Anstrich verpasst, der schlicht passt. Die Talosianer hätten vielleicht noch eine Spur andersartiger aussehen können (damals waren es unter der Maske Frauen, die mit Männerstimmen sprachen), sind aber grundsätzlich gut getroffen.

Einziger Knackpunkt meinerseits wäre die Beziehung zwischen Vina (Melissa George) und Pike (Anson Mount). Die Chemie zwischen den beiden Darstellern - auch wenn sich beide Mühe geben - will mich nicht so recht überzeugen. Bei Jeffrey Hunter und Susan Oliver war der Funke damals spürbarer, sowohl in der Mimik als auch in den jeweiligen Dialogen. Schade, dass das diese Woche bei Mount und George nicht ähnlich gut funktioniert.

Culber & Stamets & Tyler

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Bevor wir zum eigentlichen Geschehen kommen, verdienen die Problemkinder und deren kleine Nebenhandlung einen eigenen Absatz. Hugh Culber (Wilson Cruz) darf diese Woche die Krankenstation verlassen und ins Geschehen eingreifen, welches Paul Stamets (Anthony Rapp) in liebevoller Weise dazu nutzt, seinem wiederbelebten Gefährten ein Dinner zu bescheren, welches nicht wie gewünscht ausgeht.

Die Szenen zwischen den beiden enden, wie es zu erwarten war. Hugh ist tatsächlich nicht mehr der Hugh, der uns in der ersten Staffel (leider nur spärlich) präsentiert wurde. Sein Geschmack hat sich verändert, was zu Pauls Leidweisen nicht nur das Essen betrifft. Eine schmerzhafte Erfahrung für Stamets, wenngleich es durchaus möglich erscheint, dass die beiden in Zukunft doch wieder zusammenfinden. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Leicht störend bei dieser Beziehungskiste ist übrigens, dass wir von Hugh - also dem Hugh aus Staffel eins - nicht besonders viel wissen. Insofern ist sein Wandel in der neuen Inkarnation für uns nicht wirklich greifbar und kann (für uns) auch nicht die entsprechende Wirkung erzielen. Wir sind da fast ausschließlich auf Paul angewiesen, mit dem sich allerdings sehr gut mitfühlen lässt.

Selbstredend erblickt Hugh außerhalb der Krankenstation Ash (Shazad Latif), womit eine Konfrontation der beiden eingeläutet wird. Diese Konfrontation nimmt ein überraschendes Ende, welches mit Blick auf beide Figuren und deren Vergangenheit durchaus gut (und vielleicht ein bisschen zu utopisch) gelöst wird. Der Schuh drückt aber bei Saru (Doug Jones), dessen charakterliche Veränderungen erneut zum Vorschein treten und - für ihn untypisch - den anderen zu verstehen gibt, den Kampf zwischen Ash und Hugh nicht zu unterbinden. Die anschließende Ermahnung von Pike hat er sich verdient und zwar nicht nur, weil solche Auseinandersetzungen nicht dem Standard der Sternenflotte entsprechen, sondern eben, weil einer von beiden ernsthaft hätte verletzt werden können. Rein charakterlich ist aber nichts an den Szenen (mitsamt Nachbesprechung zwischen Pike und Saru) auszusetzen. Hier greift, was zuvor etabliert wurde und somit würde ich beide Auseinandersetzungen (Ash vs. Hugh und Saru vs. Pike) unterm Strich positiv bewerten.

Talos IV

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Endlich dürfen wir Spock bei klarem Verstand sichten und erfahren, was Michael getan hat, um den Bruch mit ihrem (Zieh-)Bruder herbeizuführen und weshalb. Die Ereignisse auf Talos IV gehen in die Vollen, liefern ein paar Antworten zum roten Engel, aber eben auch zum Verhältnis Spock und Michael, wodurch auch Spocks Werdegang beleuchtet wird.

Fangen wir beim roten Engel an, der menschlich und weiblich ist. Uns wird veranschaulicht, was auf dem Spiel steht und weshalb sie in das vergangene Geschehen eingreift. Die präsentierte Zukunft lässt natürlich nur den Schluss zu, dass da entgegengewirkt werden muss. Die Signale sind da nur ein Anfang, zeugen aber davon, dass der rote Engel es tatsächlich gut mit unseren Figuren meint. Das große Übel kommt da von anderer Seite, welche offensichtlich auch die Sonde in der Zeit zurückgeschickt hat und Airiam (Hannah Cheesman) dazu animiert, Sabotage auszuüben.

Diese hat mit Tyler einen guten Sündenbock gefunden, der aufgrund seiner Vergangenheit und mit Blick auf seine Verbindung zur Sektion 31 auch gerne von Pike & Co. als solcher angenommen wird. Zudem ist Airiam involviert in die Nachforschungen zur Sonde und deren Auswirkungen, womit sie beliebig Ergebnisse präsentieren kann, die falsch sind. Mir schwant zwar, dass sie früher oder später (vermutlich früher) auffliegen wird, aber noch schwimmt sie unter dem Radar der Crew, was sich nicht unbedingt erwarten ließ.

Beim Verhältnis Michael und Spock gibt es derweil einige Offenbarungen, die in erster Linie grandios gelöst werden, andererseits aber auch zu Fragen einladen. Überhaupt keine Probleme ergeben sich bei den Rückblicken (sehr schön präsentiert). Wir verstehen Michaels Absicht und Spocks damalige Reaktion darauf, die auch seinen weiteren Werdegang definiert. Schön gelöst, weil hier die Basis für den „logischen" Weg des Halb-Vulcaniers gelegt wird. Andererseits, nunja, hat Spock über die Jahre des geschwisterlichen Bruchs erkannt, mit welcher Absicht dieser von Michael herbeigeführt wurde und kann ihre harten Worte von damals nachvollziehen. Das passt jetzt leider nicht zur jahrelangen Entfremdung der beiden, schon gar nicht mit Blick darauf, dass Spock auf Michael setzt, um wieder zu Verstand zu kommen. Ein Pike wäre da eine Möglichkeit gewesen. Oder ein Sarek (James Frain). Michael ins Boot zu holen, erscheint weniger logisch, wenngleich Spocks Verstand mit einigem zu kämpfen hat.

Discovery

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Abgestempelt zum schnöden Trümmersammeln und -auswerten, damit ja niemand auf die Idee kommt, Michael hinterherzujagen, ist die Mission von Anfang an klar. Pike lässt zwar der vorgegebenen Aufgabe nachgehen, aber auch nichts unversucht, um Burnhams potenziellen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Eine Gradwanderung, was die Befehlskette betrifft und wofür er auch von Tyler kritisiert wird. Aber welcher Captain würde schon anders handeln?

Die Kontaktaufnahme per talosianischer Illusion (schöner Kniff) liefert schließlich die nötigen Informationen für Pike, um sich tatsächlich den Befehlen zu widersetzen und Kurs auf Talos IV zu nehmen. Spock ist kein Mörder und Sektion 31 wollte an seine Erinnerungen per terranischer Technologie und ohne Rücksicht auf Verluste heran. Es liegt somit auf der Hand, wer die Morde (sollten sie tatsächlich stattgefunden haben) begangen hat und sich bösartiger Methoden bedient. Tolle Praktiken, die der Geheimdienst der Sternenflotte da anwendet und weshalb er über kurz oder lang wohl von der offiziellen Bildfläche verschwinden wird.

Pikes Entscheidung, nach Talos IV aufzubrechen und Michael und Spock an Bord zu holen, ist bereits hier nachvollziehbar und richtig. Den besten Moment hebt sich die Episode aber für das Ende auf, als der Captain die Besatzung fragen will, ob sie den eingeschlagenen Weg mitgehen wollen und dabei direkt von Detmer (Emily Coutts) unterbrochen wird. „Course heading, sir?

Dieser Zusammenhalt trotz unsicheren Ausgangs (die Unsicherheit spiegelt sich auf vielen Gesichtern wider), ist genau das, was die Episode auf einer hohen Note enden lässt. Das Team ist komplett, die große, scheinbar unlösbare Aufgabe gesetzt und man wird sich ohne Hilfe oder Rückendeckung durchschlagen müssen. Bei dieser Prämisse huscht nicht nur Spock ein kleines Lächeln durchs Gesicht. Auch bei mir ist die Vorfreude auf die weiteren Folgen sehr groß.

Sektion 31

Eigentlich möchte ich gar nicht viele Worte über Sektion 31 verlieren. Für mich gibt es dort nur eine interessante Figur und die heißt Georgiou (Michelle Yeoh). Für Leland (Alan van Sprang) dürfte die weitere Reise nach dem neuesten Misserfolg ohnehin vorbei sein, schließlich hat „Control" - die Hintermänner und -frauen lassen sich diese Woche erstmalig blicken - bereits zuvor zum Ausdruck gebracht, wem sie Gehör schenken.

Georgiou bleibt derweil angenehm undurchschaubar und verfolgt eine eigene Agenda, für die sie Leland erneut auflaufen lässt. Zweifelsohne werden wir sie nächstes Mal in der Führungsrolle sehen. Dann wird sie für den Erfolg der weiteren Missionen verantwortlich sein und ich bin gespannt, wohin die Reise da gehen wird.

Fazit

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

If Memory Serves ist ein Highlight der zweiten Staffel. Der Brückenschlag zum Piloten „The Cage" ist gelungen, unsere Crew wird komplettiert, es gibt zahlreiche Antworten zu beziehungsweise von Spock und Michael und nun ist endlich klar, welche Aufgabe es zu bewerkstelligen gilt. Kleinere Unstimmigkeiten mögen ein wenig an der Bestwertung kratzen, aber ich lasse diese Woche 4,5 von 5 Sternen springen. Und ihr?

Trailer zur Episode Project Daedalus der Serie Star Trek: Discovery (2x09):

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 9. März 2019

Star Trek: Discovery 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(Star Trek: Discovery 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Gedächtniskraft
Titel der Episode im Original
If Memory Serves
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. März 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 8. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 8. März 2019
Autoren
Dan Dworkin, Jay Beattie
Regisseur
T.J. Scott

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?