Star Trek: Discovery 2x07

Star Trek: Discovery 2x07

In der Folge Light and Shadows der US-Serie Star Trek: Discovery besucht Michael ihre Familie auf Vulcan und macht eine Entdeckung. Unsere Crew schlÀgt sich derweil bei Kaminar mit einer Anomalie herum, die Pike und Tyler in eine missliche Lage bringt.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Light and Shadows“ (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Light and Shadows“ (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Light and Shadows“ (c) CBS All Access

Familie

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) stattet diese Woche Amanda (Mia Kirshner) und Sarek (James Frain) einen Besuch ab. Beim Betreten des (Zieh-)Elternhauses werden Erinnerungen geweckt, die uns in kleinen RĂŒckblicken prĂ€sentiert werden und auf ein besseres VerhĂ€ltnis zwischen ihr und Spock (Ethan Peck) in Kindertagen schließen lassen.

FĂŒr Michael ist dieser „Urlaub" kein leichter Schritt. Als wir sie und Amanda zuletzt gesehen haben, sind beide nicht gerade im Guten auseinandergegangen. Leider lĂ€sst sich Light and Shadows nicht besonders viel Zeit, um sich tiefer mit den beiden und ihrem angespannten VerhĂ€ltnis zu beschĂ€ftigen. Stattdessen wird auf die Tube gedrĂŒckt, um möglichst schnell zu Spock zu kommen, der in diesem Handlungsstrang (endlich) zum Hauptthema wird - auch wenn er selbst aufgrund seines Zustands eher Beiwerk als Akteur ist. Mehr Drama, ehe es ins Versteck geht, wĂ€re hier sinnvoll gewesen und hĂ€tte sich mit Blick auf die kurze Laufzeit der Episode sicher auch bewerkstelligen lassen.

Nichtsdestotrotz werden uns Einblicke in die ungewöhnlichen FamilienverhĂ€ltnisse prĂ€sentiert, inklusive einiger Hintergrundinformationen ĂŒber Spocks Kindheit und der Schwierigkeiten, denen Amanda sich bei seiner Erziehung stellen musste. Als Zuschauer fragt man sich da mitunter, wie diese Familie als solche ĂŒberhaupt funktionieren konnte und kann. FĂŒr eine Antwort muss man da besonders bei Sarek zwischen den Zeilen lesen, dessen Empfehlung oder vielmehr Anweisung lautet, dass Michael Spock zur Sektion 31 bringt und somit das Versteckspiel beendet. HĂ€tte eine Gedankenverschmelzung mit seinem Sohn nicht vielleicht helfen können? Dennoch ist eines sicher: Spock braucht Hilfe und jedes Familienmitglied möchte ihm diese zukommen lassen, wenngleich da jeder unterschiedliche Vorstellungen von der Art der Hilfe hat.

Unterm Strich hĂ€tte ich mir mehr Zeit auf Vulcan gewĂŒnscht. WĂ€hrend die Außenausnahmen eine echte Augenweide sind, bleibt mir das Familiendrama zu oberflĂ€chlich und ist mit einer zu hohen Informationsdichte versehen, um tatsĂ€chlich zu beeindrucken. Darstellerisch wird zwar das Beste herausgeholt, aber so richtig kann sich hier niemand wegen der KĂŒrze der Zeit entfalten.

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Spock

Nach sehr vielen (vielleicht etwas zu vielen) Teasern betritt Spock endlich die BĂŒhne. Aber wehe dem, der hier auf Antworten zum roten Engel und dessen Intention gehofft hatte. Die lassen weiterhin auf sich warten (und werden im anderen Handlungsbogen auf der Discovery nun tatsĂ€chlich in Frage gestellt). Denn Spock ist geistig nicht wirklich anwesend, rezitiert die GrundsĂ€tze der Logik oder „Alice im Wunderland" (schönes Spielchen mit logischer und emotionaler Seite, die in Konflikt miteinander stehen) und lĂ€sst nur anhand einer Zahlenfolge einen Hinweis zurĂŒck.

Pecks erster Auftritt als Spock wirft mehr Fragen auf, als einem lieb sein kann. Niemand vermag es, zu Spock durchzudringen, auch wenn er stellenweise auf seine Umgebung zu reagieren scheint. Ist es der Einfluss des roten Engels, der diesen Zustand herbeigerufen hat? In Kindheitstagen half ihm dieses Wesen, den Aufenthaltsort von der weggelaufenen Michael zu benennen. Jetzt - als Erwachsener - ruft diese EntitĂ€t möglicherweise innere Konflikte hervor, die sich logisch nicht deuten lassen und Spock derart zu schaffen machen, dass er tatsĂ€chlich den Verstand zu verlieren droht. Jetzt nehmen wir noch die Infos dazu, die uns bereits bekannt sind - so muss der Einfluss des Engels anfangs weniger stark ausgefallen sein, denn Spock hat sich freiwillig zur Sternbasis 5 in Behandlung begeben und zuvor sogar eine Nachricht ĂŒber die Signale hinterlassen. Seitdem muss sich sein Zustand folglich verschlechtert und irgendwann den Punkt erreicht haben, an dem er nicht mehr fĂ€hig war, „normal" zu agieren.

Insgesamt wird das Mysterium um den roten Engel gesteigert, weil es in Bezug auf Spock rĂ€tselhafter daherkommt. Der erste Auftritt von Peck gestaltet sich dadurch allerdings eher enttĂ€uschend als befriedigend, weil dadurch bloß noch mehr Fragen aufgeworfen werden. Ist zwar weiterhin spannend, aber eben (noch) nicht erfĂŒllend. Hoffentlich bietet der Hinweis, den Michael da mit „Talos IV" entschlĂŒsselt, ein paar ErklĂ€rungen. Da werden sicher die Talosianer gefragt sein, die unserem Vulcanier keine Unbekannten mehr sind - schließlich sind die Ereignisse aus The Cage bereits passiert.

Sektion 31

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CBS All Access - © CBS All Access

FĂŒr Sarek mag es logisch sein, dass Spock zur Sektion 31 gebracht wird. Bei mir erschließt sich dieser Schritt noch nicht so ganz, weil der Status dieses Geheimdienstes und vor allem die Rekrutierungsmethoden doch mehr als fragwĂŒrdig sind. Aber vielleicht hat Sarek schon bessere Erfahrungen mit Sektion 31 gemacht und vielleicht ist dieser Geheimdienst in dieser Zeitperiode eine gute Geschichte und konnte sich bereits durch Erfolge in den letzten Jahren hervortun, von denen wir noch nichts wissen (und weshalb dieser Geheimdienst nicht mehr ganz so geheim ist). Die Rangeleien zwischen Leland (Alan van Sprang) und Georgiou (Michelle Yeoh) deuten allerdings in eine andere Richtung, wenngleich Admiral Cornwells (Jayne Brook) Anwesenheit in diesen Reihen vor ein paar Wochen auf etwas Gutes schließen lĂ€sst.

In Bezug auf diese Woche kommt kurzzeitig auch tatsĂ€chlich das GefĂŒhl auf, Leland sei einer der Guten und möchte Spock helfen. Durch Georgiou wird das aber wieder in Frage gestellt, wobei es nicht leicht auszumachen ist, ob sie bloß daran interessiert ist, Leland zu diskreditieren (um befördert zu werden) oder die Wahrheit spricht. An Michaels Stelle (und ohne das bisherige Wissen um Sektion 31) wĂ€re ich vermutlich skeptischer gegenĂŒber Georgiou gewesen, hĂ€tte es aber auch nicht drauf ankommen lassen und Spock rausgehauen. NatĂŒrlich erst recht mit der Erkenntnis, dass die Zahlenfolge rĂŒckwĂ€rts ein neues Ziel hergibt.

Ich bin wirklich gespannt, wie die Serie um Sektion 31 ausfallen wird. Michelle Yeoh gefĂ€llt mir grundsĂ€tzlich und fĂŒhlt sich nach wie vor wohl in ihrer Rolle. Offenbar sind die Macher sehr aktiv, was Werbung fĂŒr die kommende Serie betrifft, weshalb der Geheimdienst auch in der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery verstĂ€rkt auftritt. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen mĂŒssen. Gespannt bin ich allemal. NatĂŒrlich auch darauf, ob Michael noch herausfinden wird, dass Leland fĂŒr den Tod ihrer leiblichen Eltern verantwortlich ist.

Anomalie bei Kaminar

Ganz so schnell lĂ€sst die Discovery den Ort des Geschehens der letzten Woche nicht zurĂŒck, denn der Auftritt des roten Engels hat Spuren hinterlassen. Deutlich zu sehen in einem „Spalt" beziehungsweise in einer Anomalie, die es zu erforschen gilt. Eine anfĂ€ngliche NĂ€herung und die Analyse, die eine sehr hohe Tachyonendichte offenbart, deutet bereits auf Zeitreisen hin. Und die schlagen sich auch in der Sonde nieder, die das PhĂ€nomen untersuchen soll.

Was unsere Crew angeht, werden alle Register gezogen. Das Motto „Discovery" wird angegangen, womit fast jeder beteiligt ist. Gut, die Leute im Maschinenraum (wie der unbekannte Chefingenieur und Jett Reno (Tig Notaro)) bleiben unbeteiligt, Ă€hnlich wie Hugh Culber (Wilson Cruz) auf der Strecke bleibt und vermutlich in der Krankenstation vor sich hinschlummert. Aber auf der BrĂŒcke und ein wenig darĂŒber hinaus (Stamets (Anthony Rapp)) kommen alle Figuren zum Zuge. Insofern ein weiterer Schritt in Richtung Ensemble, was der Cliffhanger um Airiam (Hannah Cheesman) bloß betont.

Neben dem Teamwork, was unsere Crew recht gut bewerkstelligt, gilt die Aufmerksamkeit aber hauptsĂ€chlich Pike (Anson Mount) und Tyler (Shazad Latif), die sich per Shuttle der Anomalie nĂ€hern und schließlich Gefahr laufen, von ihr verschlungen zu werden. Ein klassischer Schachzug, zwei Figuren, die ihre Differenzen miteinander haben, in eine isolierte Situation zu stecken, die lebensbedrohlich wird. Das hohe Tempo lĂ€sst zwar kaum ruhige Momente zu (die finden sich fast ausschließlich zu Beginn des Ausflugs), aber wenn man sich erst einmal gegenseitig das Leben gerettet hat, ist man hinterher viel besser auf einander zu sprechen. Insofern werden die Wogen zwischen Pike und Tyler geglĂ€ttet, wovon beide Figuren in Zukunft profitieren werden.

An Bord der Discovery sind Tilly (Mary Wiseman), Saru (Doug Jones) und schließlich Stamets die Hauptakteure. Tillys lockere Art samt Plapperei und Unsicherheit gefĂ€llt mir weiterhin - es hört sich vieles in der Tat besser an, wenn man „Time" davorsetzt. Bei Saru hĂ€tte sich vielleicht angeboten, seine persönlichen VerĂ€nderungen zu betonen, denn die scheinen wieder verschwunden zu sein. Allerdings lĂ€sst die aktuelle Mission, die schnell von Erforschung zu Rettung ĂŒberschwenkt, kaum Zeit fĂŒr charakterliche Erkundungen - er muss oft schnell und professionell agieren. Pluspunkt ist auf jeden Fall seine Idee, auf Stamets zurĂŒckzugreifen, weil dieser bereits in Magic to Make the Sanest Man Go Mad den Durchblick hatte. Und in der Tat ist es Paul mit seiner einzigartigen FĂ€higkeit, der den Tag retten darf.

Und jetzt?

Die Spannungsschraube um den roten Engel wird diese Woche angezogen und sorgt an zwei Fronten fĂŒr große Neugierde. Was werden Michael und Spock auf Talos IV (dem Tabuplaneten) erleben? Man kann sich recht sicher sein, dass die Talosianer Spock helfen werden und so zielt die Spannung hauptsĂ€chlich darauf ab, was er berichten wird, sobald er wieder in einem ansprechbaren Zustand ist.

Auf der Discovery bahnt sich durch den Zugriff der verĂ€nderten Sonde auf die Datenbank und Airiam das nĂ€chste Abenteuer an. Die grĂ¶ĂŸere Frage ist aber, was in 500 Jahren passiert und wer die Sonde modifiziert und zurĂŒckgeschickt hat. Das muss schließlich nicht der rote Engel gewesen sein, der sich bislang ausschließlich helfend gezeigt hat. Bei mir kommt da eher die Vermutung auf, dass noch eine andere Macht am Werk ist und der Engel sich um Schadensbegrenzung bemĂŒht.

Letzte Frage wĂ€re, ob und wie sich der „Time Tsunami" auf Kaminar auswirkt. Mindestens Saru sollte es interessieren und darauf bestehen, einmal nach seiner Heimatwelt zu schauen, nachdem die Wellen des Tsunamis wieder versiegt sind. Ein kleiner Nebensatz mit der Bemerkung, dass Kaminar außerhalb der Reichweite und sicher ist, hĂ€tte es natĂŒrlich auch getan.

Fazit

CBS All Access
CBS All Access - © CBS All Access

Spocks erster Auftritt lĂ€sst einen leicht ernĂŒchtert zurĂŒck, wenngleich das Ende der Episode mitsamt neuem Ziel Lust auf mehr macht. Insgesamt wird zu sehr durch die Handlungen gehetzt, die ihn und seine Familie betreffen. An Bord der Discovery gibt es derweil kaum etwas auszusetzen. Schönes Abenteuer mit nur kleineren Kritikpunkten. Wertungstechnisch finde ich mich erneut bei vier von fĂŒnf Sternen wieder. Und ihr?

Trailer zur Episode If Memory Serves der Serie Star Trek: Discovery (2x08):

Verfasser: Christian SchÀfer am Samstag, 2. MÀrz 2019
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Star Trek: Discovery 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Licht und Schatten
Titel der Episode im Original
Light and Shadows
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. Februar 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. MĂ€rz 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 1. MĂ€rz 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 1. MĂ€rz 2018
Regisseur
Marta Cunningham

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x07

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