Star Trek: Discovery 2x11

Star Trek: Discovery 2x11

In der Folge Perpetual Infinity (aka der Zeitsturm) der US-Serie Star Trek: Discovery wird näher auf die Mission und den Werdegang des roten Engels eingegangen, wobei Michaels Gefühlswelt erneut auf die Probe gestellt wird. Sektion 31 mischt auch wieder mit, genau wie die große Bedrohung, die sich in neuer Form manifestiert.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Perpetual Infinity“ (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Perpetual Infinity“ (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Perpetual Infinity“ (c) CBS All Access

Lost in Space and Time

Dr. Gabrielle Burnham (Sonja Sohn), die uns in The Red Angel als roter Engel vorgestellt wurde, darf jede Menge Antworten auf brennende Fragen abliefern. Ob nun persönlich in diversen Gesprächen oder per (Video-)Einträgen im Logbuch ihres Anzugs. Die Exposition hält sich hier (ungleich der Vorwoche) in Grenzen, denn Perpetual Infinity setzt auf die Charaktere, um uns wie ihnen verschiedene Antworten aufzuzeigen (und zur Lösungsfindung zu animieren). So ist Gabrielles Wille, ihre Mission erfolgreich zu beenden, ihre treibende Kraft und Michaels (Sonequa Martin-Green) Neugierde über den Werdegang ihrer Mutter der Anlass, um sich die Einträge vorzunehmen.

Den Zuschauer erwarten somit zahlreiche Erklärungen, die auf eine beachtliche Anzahl vorheriger Episoden dieser Staffel (oder davor) zurückgehen. Die roten Signale mögen zwar außen vor bleiben, aber die Existenz von Episoden wie New Eden und An Obol For Charon rücken in ein neues Licht und uns wird offenbart, weshalb Spock (Ethan Peck) ein so wichtiger Ankerpunkt für Gabrielle ist - womit fast jede Folge der zweiten Staffel wichtig wird. Der rote Faden wird sichtbarer denn je, weil jede Menge zusammengeflochten wird, was für mich einen klaren Pluspunkt dieser Episode darstellt.

Gabrielles Situation lässt derweil wenig Aussicht auf Hoffnung. Die erste Nutzung des Anzugs sollte sie eigentlich bloß um eine Stunde in die Vergangenheit bringen, damit sie verhindern kann, was wir im anfänglichen Rückblick und im ersten Logbucheintrag zu sehen bekommen. Stattdessen findet sie sich 950 Jahre (hey, das ist ja fast bei dem Short Trek „Calypso" - ob das noch relevant wird?) in der Zukunft wieder und muss bei jedem erneuten Einsatz des Anzugs feststellen, dass sie immer wieder dorthin zurückgeholt wird. Außerdem ist der Anzug auf sie zugeschnitten, womit niemand anders ihn benutzen kann. Diese Limitierungen mögen nicht jeden Zuschauer erfreuen, aber sie sind irgendwo notwendig, damit sich das gesamte Konstrukt des roten Engels im Rahmen hält und auch die Nutzung des Anzugs nicht eskaliert (Kanon und so).

Sehr bitter sehe ich derweil Lelands (Alan van Sprang) Bemerkung, dass er Gabrielles Leiche gesehen hat. Kombiniert damit, dass Michael der Tod ihrer Mutter akustisch nicht verborgen blieb, lässt das auf kein gutes Ende für Gabrielle schließen. Meine Vermutung wäre, dass Mama Burnham den Zyklus abschließen muss (und genau dort stirbt, wo es eingangs besagt wurde). Wie es dazu kommen wird? Keine Ahnung. Aber Gabrielle wird mit Sicherheit kein Happy End mit ihrer Tochter bekommen. Schon gar nicht in der Vergangenheit, weil das nur paradox wäre.

The Burnham Show

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Die Überschrift mag abwertend klingend, ist aber keineswegs so gemeint. Sowohl Sonequa Martin-Green als auch Sonja Sohn liefern hier gekonnt ab und bilden das Herz der Episode. Nachvollziehbar von beiden Enden und mit wohlplatzierten, emotionalen Reaktionen.

Es beginnt schon damit, dass Gabrielle nur mit Pike (Anson Mount) sprechen will und unser Captain diesen Wunsch respektiert, wenngleich Michael da Widerworte liefert. Culber (Wilson Cruz) ergänzt das Geschehen wundervoll, indem er Michael darauf hinweist, dass ihre Mutter sich über die Jahre geändert haben könnte - seine eigenen Veränderungen durch sein persönliches Erlebnis natürlich vor Augen. Und weshalb sollte sich - aufgrund ihrer Mission, die trotz Zeitreise mit Sicherheit auf gut 20 Jahre kommen könnte - nicht auch ihre Einstellung zum Wiedersehen mit Michael geändert haben? Immerhin steht da mehr auf dem Spiel, als es eingangs der Fall war. Insofern kommt später der Schlag in Michaels Magengrube - als sie schließlich ihrer Mutter erstmals gegenübersteht - erwartungsgemäß.

Wirklich emotional wird es aber erst, als Gabrielle sich öffnet. In gewisser Weise vorhersehbar, schließlich hat sie Michael bereits als Kind gerettet und kam auch letzte Woche zur Hilfe. Die Mutter-Tochter-Bindung musste somit stark bleiben, auch wenn die diversen gemeinsamen Eigenschaften der beiden auf etwas anderes schließen lassen könnten. Für mich haben die jeweiligen Gespräche mitsamt Tränen und allem, was dazu gehört, jedenfalls wunderbar funktioniert. Die Burnhams sind stur und geradezu verbissen, wenn es darum geht, eine Mission zum Ende zu bringen beziehungsweise eine Lösung zu finden. Das haben Mutter und Tochter in der Tat gemeinsam, worauf große Teile der Episode fußen.

Sektion 31

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Ich wünschte ja, wir hätten Leland letzte Woche nicht zu sehen bekommen, als ihm sein Auge durchstochen wurde. Das hätte den Spannungsfaktor enorm erhöht, weil wir nicht gewusst hätten, dass er nicht mehr Leland ist, sondern die ominöse KI, die das Wissen der Sphäre haben möchte. Aber gut, es lässt sich auch so mit Georgiou (Michelle Yeoh) und Ash (Shazad Letif) mitfiebern, zumal die beiden hier schließlich zusammen und als Team agieren - jeder für sich mehr oder weniger erfolgreich.

Letzte Woche hatte ich Leland schon abgeschrieben und wurde durch einige gerechtfertigte Kommentare eines Besseren belehrt - man muss bei Star Trek: Discovery gewiss sehr genau hinschauen, um irgendwelche Prognosen anzustellen. Leland ist jedenfalls noch aktiv und mimt hier (nach anfänglicher Tortur) die große Bedrohung, die es zu verhindern gilt. Mir hat da sehr gefallen, wie erst Ash und schließlich sogar Georgiou (die Leland anfangs noch Komplimente zuschiebt) zur Ansicht kommen, dass da etwas nicht stimmen kann.

Wobei Leland wirklich einen guten Job macht, gerade was Georgiou angeht. Da wird jede Karte gezückt, die sich lohnen könnte - was man einer KI kaum glauben mag. Und genau darin liegt auch einer der Kritikpunkte zur Episode, denn sowohl Ash als auch Georgiou sind da eingangs zu leichtgläubig, was Lelands proklamierte Zweifel an Gabrielle angeht. Schließlich ist der rote Engel nicht freiwillig hier, sondern wurde gefangengenommen. Ganz zu schweigen von den Absichten, die auch mit Blick auf vergangene Geschichten von einer guten Natur zeugen. Da gehört schon einiges zu, um hier eine Missetäterin zu wittern.

Nichtsdestotrotz wissen alle drei Figuren der Sektion 31 zu gefallen. Jede hat da ein Eigenleben und andere Absichten, die gut ausgekostet werden. Um Ash lässt sich nun bangen, Philippa erscheint weniger böse - gutes Gespräch mit Gabrielle - und Leland ist jetzt der, der aufgehalten werden muss. Schöne Wendungen, die sich nicht unbedingt kommen sehen ließen.

Michael Burnham

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Fraglos steht Michael hier (erneut) im Fokus. Martin-Green heult sich quasi durch die Episode, aber jede Träne ist gerechtfertigt. Es gibt keinen Moment, der ihr Ruhe gibt und das merken wir auch, eindringlich. Jeder Moment sitzt da, sei es anfangs, als Mutti sie nicht sehen will oder wenig später, als Gabrielle eine offenkundige Abweisung preisgibt und zur (vorübergehenden) Rabenmutter wird.

Der emotionale Eindruck lässt auch später nichts zu wünschen übrig, als Gabrielle mit offenen Karten spielt. Das ist einfach großartig und ja, ich glaube schon, dass Michael nichts unversucht lassen wird, um Gabrielle zu retten. Ganz gleich, wie misslich die Lage nun bestellt ist. Es ist jetzt Michaels Mission, ihre Mutter aus der weit entfernten Zukunft zu retten. Ob das gelingen kann oder darf, nunja, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Es kommen aber auch andere Figuren zum Zuge, wenn es um Michael geht. Spock muss da unbedingt genannt werden, steht er doch laufend mit Rat und Tat (und Zitaten) zur Seite - stets die Mission im Fokus, aber doch sehr brüderlich agierend. Die Einladung zum Schachspiel am Ende stellt das Sahnehäubchen dar. Und irre ich mich oder gibt es des Öfteren den Hauch eines Lächelns auf seinem Gesicht zu sehen? „I love science.“ - bei dem Satz ist es geradezu greifbar.

Die anderen Besatzungsmitglieder wie Saru (Doug Jones), Stamets (Anthony Rapp), Culber oder Tilly (Mary Wiseman) erhalten derweil nur kleinere Szenen in dieser Michael-zentrierten Episode. Dennoch spürt man (vielleicht mit Ausnahme von Tilly) ihre Bedeutsamkeit in der Folge. Nicht durch persönliche Nebenhandlungen - die müssen diese Woche pausieren - sondern durch die jeweiligen, mit der Mission verbundenen Aufgaben. Auffällig durch Abwesenheit sind derweil Cornwell (Jayne Brook) und Pollard (Raven Dauda), die lediglich namentlich kurz genannt werden.

Zeitreisen sind meistens doof

Fraglos ist Perpetual Infinity eine gute bis sehr gute Folge. Für die Serie an sich, weil es viele (staffelübergreifende) Antworten gibt und auch für die Figuren beziehungsweise für die zentrale Hauptfigur, weil die eben so einiges durchmachen muss. Aber Zeitreisen sind ... mindestens kompliziert, schon gar nicht einfach und sorgen auch hier für diverse Knoten im Kopf.

Ich möchte das jetzt mal ein bisschen aufdröseln, weil ich einerseits diese ganzen Zeitreise-Geschichten mag, aber andererseits oftmals von diversen Problemen rausgerissen werde. Kurz und knapp ist die Prämisse hier nicht schlecht. Gabrielle will die KI aufhalten und somit den Tod einer Vielzahl von unschuldigen Leuten verhindern. Schön und gut, aber was passiert, wenn sie Erfolg hat, die KI nicht die Daten der Sphäre bekommt und somit nicht das gesamte Leben in der Galaxie ausgelöscht wird?

Dann landet Gabrielle bei ihrem ersten Trip 950 Jahre in der Zukunft und hat keinen Anlass mehr, die zahlreichen Veränderungen durchzuführen. Sie wird sich entsprechend nur auf ihre Familie konzentrieren und versuchen, ihren Mann (Kenric Green) und ihre Tochter vor dem Angriff der Klingonen zu bewahren (was ein anderes Paradoxon nach sich ziehen kann). Aber ohne die Veränderungen, die die KI aufhalten, wird die ursprüngliche Zeitlinie wiederhergestellt. Seht ihr den Widerspruch?

Das Problem liegt im Ursache-Wirkungs-Prinzip, welches dadurch auf den temporalen Kopf gestellt wird, dass Gabrielle aus der Zukunft agiert. Für sie muss das Leben in der Galaxie ausgelöscht werden (Ursache), damit sie dem entgegenwirken kann. Fällt die Ursache weg, dann verschwindet auch die Wirkung und das Problem bleibt bestehen. Die Auslöschung des Lebens in der Galaxie wird damit zum Fixpunkt für die (vergangenen) Einsätze des roten Engels und darf nicht wegfallen - sonst wird nämlich alles chaotisch und paradox.

Ich sehe da aktuell keinen Weg, der eine Lösung für das Problem liefert, ohne in einem Widerspruch zu enden. Höchstens vielleicht, indem man das Problem zwar löst, aber Gabrielle vorgaukelt, dass es nicht gelöst ist. Wie man das aber anstellen könnte? Keine Ahnung. Zuletzt sei noch angemerkt, dass die KI mittlerweile auch schon diverse Spuren in der Gegenwart hinterlassen hat, womit ihre Existenz nicht aufgehoben werden darf. Aber vielleicht übersehe ich ja etwas und ihr habt eine Lösung, die ohne Knoten im Kopf auskommt.

Fazit

Ich bin begeistert. Perpetual Infinity führt zahlreiche Fäden zusammen und lässt vergangene Episoden unter einem neuen Blickwinkel erscheinen. Die aktuelle Mission der Discovery wird greifbarer denn je, auch wenn noch diverse Fragen (wie die roten Signale) offenbleiben. Martin-Green und Sohn funktionieren derweil sehr gut in ihren Rollen und sorgen für ein emotionales Feuerwerk, während Lelands Wandlung für die nötige Spannung und das Actionspektakel am Ende sorgt. Kritik findet sich nur wenig, wobei mir noch am meisten zu schaffen macht, dass ich kein Szenario finden kann, welches mir eine befriedigende Lösung für das große Problem liefert. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen. Und von euch?

Trailer zur Star Trek: Discovery-Folge 2x12:

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 30. März 2019
Episode
Staffel 2, Episode 11
(Star Trek: Discovery 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Der Zeitsturm
Titel der Episode im Original
Perpetual Infinity
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. März 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 29. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 29. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 29. März 2019
Autoren
Alan B. McElroy, Brandon Schultz
Regisseur
Maja Vrvilo

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x11

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