Star Trek: Discovery 2x02

© zenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge New Eden (c) CBS All Access/Paramount
Spock
Auch diese Woche bekommen wir in Star Trek: Discovery von Spock (Ethan Peck) noch nichts zu sehen. Allerdings offenbart Pike (Anson Mount) gegenüber Burnham (Sonequa Martin-Green) in der Folge New Eden, dass Spock seinen Urlaub abgebrochen und sich in psychiatrische Behandlung begeben hat - ohne Familienangehörige darüber in Kenntnis zu setzen.
Diese Information ist nicht einfach zu verdauen und kommt unerwartet. Michaels Fund aus Brother deutete vielmehr darauf hin, dass Spock auf eigene Faust die Bedeutung der Signale ergründen will, die ihm bereits vor deren Erscheinung Rätsel aufgaben - und dazu seinen Urlaub verwendet. Mit Blick auf diese neue Erkenntnis dürfen wir nun raten, worin die besondere Verbindung zwischen dem Vulcanier und den Signalen (und eventuell auch dem „roten Engel") besteht. Was kann ihm geistig derart zu schaffen machen, dass er psychiatrische Hilfe aufsucht und sich zudem von seinem gesamten (vertrauten) Umfeld abkoppelt? Und was weiß er bereits jetzt schon, was unsere Crew und wir noch nicht wissen?
Die Intention der Macher ist eindeutig. Es soll Neugierde geweckt werden und zwar nicht nur auf Spock (und seinen derzeitigen Zustand), sondern auch auf das große Mysterium, welches im Staffelauftakt etabliert wurde. Für mich funktioniert das vorerst recht gut, allerdings sollten sich Showrunner und Autoren nicht zu lange Zeit lassen, um Ergebnisse zu liefern - sonst sieht es schnell nach einer Hinhaltetaktik aus, die im (mehrfach) wiederholten Fall die Sache madig werden lassen kann. Mit Blick auf die vom Tempo her recht rasante erste Staffel bin ich allerdings zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen wird. Außerdem liefert New Eden bereits weitere Hinweise zu den mysteriösen Signalen und der Engelsgestalt, die offenbar nicht nur in Michaels Kopf existiert.
Black Alert!
Dank Tilly (Mary Wiseman) - die diese Woche durch Einfallsreichtum geradezu glänzt - lässt sich eines der Signale ausfindig machen und lokalisieren. Dummerweise ist dieses aber zu weit weg, um mal eben mit Warpgeschwindigkeit dahin zu reisen. Was liegt da näher, als den Sporenantrieb wieder in Betrieb zu nehmen?
Nun, Bedenken werden kurz geäußert und auch mit Blick auf die erste Staffel angeführt. Letztlich fällt Pike die Entscheidung, den Antrieb zu verwenden und begründet diese mit der Wichtigkeit der Mission. Allerdings wäre es wohl plausibler gewesen, wenn er sich den Einsatz durch die Sternenflotte hätte bestätigen lassen und nicht einfach nur annimmt, dass diese es schon billigen wird. Schließlich ist ein Krieg etwas anderes als eine Forschungsmission, auch wenn man ihm zuvor bereits das Kommando über die Discovery gegeben hat und somit einen großen Anhaltspunkt für die Priorität seiner Mission liefert.
Für Stamets (Anthony Rapp) ergibt sich derweil die Frage, ob er Hugh (Wilson Cruz) im Sporennetzwerk erneut erblicken und ob er das verkraften wird. Dass er Tilly dabei ins Vertrauen zieht, bekräftigt erneut, wie weit beide Charaktere inzwischen zusammengewachsen sind. Sie begibt sich sogar in Gefahr, um die Möglichkeit eines alternativen Interface zwischen Antrieb und Steuermann mit Hilfe einer Asteroidenprobe auszuloten, damit Paul von der Aufgabe erlöst wird. Selbstlos agieren aber beide Figuren, denn Stamets führt trotz allem die Reisen durch und schlägt später sogar vor, den Antrieb für neuerliche Probleme zu verwenden - was er auch prompt macht. Bei mir blieb lediglich nach dem ersten Sprung zu „New Eden" das Gefühl zurück, eine wichtige Szene zu missen. Entweder einen Blick auf Hugh während des Sprungs oder aber eine kleine erklärende Szene zu Pauls Verhalten kurz danach. Außerdem wäre natürlich die Frage interessant, wie „real" der Culber im Netzwerk wirklich ist.
Stilly

Bleiben wir aber einen Moment bei Tilly, die während der Außenmission von Pike, Burnham und Owosekun (Oyin Oladejo) oft im Mittelpunkt der Handlung an Bord der Discovery steht. Rein charakterlich ist alles im grünen Bereich. Mehr noch, sie darf diese Woche zu drei großen Problemen Lösungen oder Lösungsversuche beisteuern, die in zwei Fällen sehr fruchtbar sind. Eine gute Portion Humor fehlt natürlich nicht, aber dass sie mehr als eine Karikatur oder ein Comic-Relief ist, steht außer Frage. Selbst Saru (Doug Jones), der sie nach ihrem Unfall ermahnt, mehr auf sich zu achten, zeigt sich (mehr als einmal) beeindruckt.
Wobei Tillys gesamte Handlungen darauf fokussiert sind, den anderen zu helfen. Sei es im Rahmen der Mission (Signale finden), aus Gründen einer persönlichen Hilfestellung (Stamets) oder beidem (Außenteam und Bewohner des Planeten vor dem Tod retten). Und das alles mit einer Leichtigkeit und Naivität, die selbst dem grummeligsten Zuschauer irgendwie Freude bereiten muss. Habe ich schon erwähnt, dass sie eine meiner Lieblingsfiguren ist?
Wobei gerade das letzte Problem, dem sie sich (unaufgefordert) widmet, nur durch Teamwork gelöst wird. Ohne Detmers (Emily Coutts) Flugkünste und ohne Stamets Einsatz wäre es nicht möglich gewesen, das „Extinction-Level Event“ zu verhindern. Außerdem natürlich schön, dass vom Zeitpunkt des Erkennens des Problems bis zur Lösung verschiedene Vorschläge von Saru gesammelt werden. Zwar trägt vor Tillys Auftritt keiner davon zur Lösung bei, aber es wird als Team versucht, einen Ausweg zu finden. Ganz fetter Pluspunkt.
Was unseren Fähnrich angeht, bleiben allerdings ein paar Sorgenfalten nach dieser Episode zurück. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sie sich den Kopf bei ihrem Unfall gestoßen hat. Vielleicht aber auch mit der Engelsgestalt, die nun nicht nur auf Michael, sondern auch auf „Stilly" einen Einfluss ausübt. Das Auftreten von May (Bahia Watson) gibt jedenfalls Rätsel auf und ich bin recht gespannt, worauf das hinausläuft.
Extinction-Level Event

Eben erst erwähnt, muss ich leider nochmal darauf zurückkommen. Denn da passt was nicht. Also, nicht mit dem eigentlichen Ereignis, welches das gesamte Leben auf dem Planeten bedroht. Vielmehr mit der Lösung, die uns da präsentiert und anfangs durch die Probennahme veranschaulicht wird. Das ist einfach eine Kröte, die sich nicht schlucken lässt.
Tillys Unfall und die vorherigen Begebenheiten verklickern uns, dass die Probe des Asteroiden eine enorm hohe Dichte hat und selbst Osmium als dichtestes Element (in unserer Welt) in den Schatten stellt, gell? Selbst dieses kleine Stückchen, welches der Probenkammer entgeht, faltet da einen Metalltisch zusammen, nachdem es außerhalb der Wirkung des Gravitationsdämpfers ist. Zur Lösung des Problems sicher nutzbar, ABER...
... wie konnte Michael im Staffelauftakt ein Stückchen davon anheben? Und warum hat der enorme Gravitationseffekt dieser Materie sich nicht auf die gesamte Umgebung ausgewirkt? Da hätte jeder, der auch nur einen Fuß auf das Ding setzt, sofort platt wie eine Flunder sein müssen. Ich bin jedenfalls weit über die Fähigkeit rationalen Denkens hinaus entsetzt. Denn Widersprüche mag ich gar nicht.
New Eden

Kommen wir zur Handlung rund um den fremden Planeten, wo gar nicht mal so fremde Wesen (=Menschen) der Prä-Warp-Ära zu Hause sind. Dritter Weltkrieg, der im Jahre 2053 tobt, scheint leider auch heute noch recht plausibel zu sein. Womit auch schon ein aktuelles Thema angeschnitten wird, welchem jeder gerne aus dem Weg gehen würde. Aber da will ich gar nicht hin. Religion oder vielmehr die Zusammenführung mehrerer großer Weltreligionen wird kurz (leider zu kurz) behandelt. Ähnlich kurz wie die Kontroverse zwischen Religion und Wissenschaft. Da wäre in beiden Fällen sicher mehr drin gewesen, denn insgesamt schaut es da an allen Fronten eher harmlos aus und somit ungleich der Realität. Keine schlechten Themen, aber eben nicht vollends ausgeschöpft. Da wäre Potenzial für mehr vorhanden.
Kurz und knapp ist Jacob (Andrew Moodie) ein Verfechter der Wissenschaft, da er aus dieser Generation hervorgeht. Er überrumpelt unsere Truppe sogar und scheint recht aggressiv auf seine Ansicht zu pochen. Dass er sich am Ende damit begnügt, Recht zu haben und sich den Gegebenheiten seiner Welt hingibt, lässt sich nicht nachvollziehen. Schade um den Charakter und schade um die Möglichkeit, hier mal richtig in die Vollen zu gehen, wenngleich Moodie seine Rolle sehr gut spielt. Auf der anderen Seite haben wir die religiöse Führerin (Sheila McCarthy), die allzu sehr darauf aus ist, alle Begebenheiten durch eine höhere Gewalt zu deuten. Nicht wirklich verwunderlich, aber selbst sie hätte aufmerksam werden müssen, als Pike zu Boden geht. Von göttlicher Fügung konnte da jedenfalls nicht die Rede sein, zumal sehr klar gezeigt wurde, wofür Pike sein eigenes Leben aufs Spiel setzt und was ihn verletzt.
Unterm Strich ist es aber der Gedanke, der zählt. Und der ist mit der Vereinigung der Weltreligionen zu einem großen Ganzen sehr schön getroffen. Heutzutage undenkbar, dass verschiedene Glaubensrichtungen sich gegenseitig tolerieren, akzeptieren und schließlich zu einer Art großen Vereinheitlichung zusammenfinden. Geradezu utopisch, möchte ich meinen.
General Order One

Zu guter Letzt ist da noch der Konflikt im Außenteam, ob man der „General Order One" folgen soll. Pike und Burnham argumentieren ein wenig hin und her, wobei sich beide Standpunkte nachvollziehen lassen und vorerst der Anweisung des Captains gefolgt wird. Was Joann angeht, bleibt sie mir während der Diskussion und auch während des Aufenthalts auf dem Planeten ein bisschen zu sehr im Hintergrund. Dennoch schön, dass mal jemand anderes die Brücke verlassen darf und zumindest ein wenig mehr charakterliches Fleisch auf die Knochen bekommt.
Was die später als oberste Direktive bekannte „General Order One" angeht, stößt diese gegen Ende mit dem eigentlichen Missionsziel zusammen, womit Pike zumindest bei Jacob eine Ausnahme machen muss, um die Helmkamera zu erhalten. Durch diese gibt es nun einen sichtbaren Beweis für die Engelsgestalt, die offenbar hinter der Rettung der damaligen Flüchtlinge steckt und diese mitsamt der Kirche auf den fernen Planeten brachte.
Sehr viel weiter sind wir am Episodenende mit dem großen Rätsel zwar nicht, aber wie Saru bereits während der Folge vermutet, scheint die Absicht der Signale mit Rettungsmissionen verbunden zu sein. Erst das auf dem Asteroiden gestrandete Schiff, jetzt die radioaktiven Trümmer, die das Leben auf Terralisia bedrohen. Da lassen sich durchaus gute Absichten des „roten Engels" vermuten, während es fraglich bleibt, ob und wie da noch eine größere Bedrohung über dem Ganzen schwebt. Spannend bleibt es allemal, insofern darf die nächste Folge kommen.
Fazit
Jonathan Frakes inszenierte mit New Terra eine Episode, die sich bewusst stark auf unsere Crew als Team konzentriert, aktuelle Themen anschneidet und dabei die Richtung des klassischen Treks, die im Staffelauftakt bereits angegangen wurde, fortführt. Kombiniert wird das Ganze mit dem modernen Anstrich der ersten Staffel. Insgesamt eine gute Folge, die Lust auf mehr macht, stellenweise allerdings unter ihrem Potenzial bleibt und leider auch einen großen Widerspruch mit sich bringt. Von mir gibt es diese Woche vier von fünf Sternen. Und von euch?
Vorschau auf den Rest der zweiten Staffel:
Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 25. Januar 2019Star Trek: Discovery 2x02 Trailer
(Star Trek: Discovery 2x02)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x02
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