Star Trek: Discovery 2x03

Star Trek: Discovery 2x03

In der Folge Point of Light der US-Serie Star Trek: Discovery erreicht ein unerwarteter Gast die Discovery. Tillys nicht ganz so imaginäre Freundin bereitet Probleme und außerdem melden die Klingonen sich zurück.

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Point of Light (c) CBS All Access/Paramount
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Point of Light (c) CBS All Access/Paramount
© zenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Point of Light (c) CBS All Access/Paramount

Spock

Point of Light lässt es sich als dritte Folge der zweiten Staffel nicht nehmen, ein weiteres Mal den ersten Auftritt von Spock (Ethan Peck) lediglich anzuteasern, ohne uns den Vulkanier zu zeigen. Vielmehr noch wird unser spitzohriger (Kindheits-)Held jetzt auch noch wegen mehrfachen Mordes gesucht, was nicht nur Pike (Anson Mount), Burnham (Sonequa Martin-Green) und - Gastauftritt! - Amanda (Mia Kirshner) stutzig macht. Captain und Crew müssen diese Woche allerdings etwas kürzertreten, denn eine echte Mission gibt es in dieser Episode (leider) nicht.

Insofern stehen die Charaktere im Vordergrund und in Sachen Spock vor allem Michael und Amanda, die uns einen Einblick in die Vergangenheit geben. So ist der rote Engel bereits mit Spock verbunden seit er ein Junge war. Das ist aber auch der einzige Hinweis auf das aktuelle, übergreifende Thema der Staffel und somit etwas wenig. Von Hinhaltetaktik möchte ich zwar (noch) nicht sprechen, aber im Vergleich zur ersten Staffel wurde schon ein wenig zurückgeschraubt und das ist irgendwie schade. Andererseits, wenn das große Mysterium sich über die ganze Staffel erstrecken sollte, kann auch ein Ausflug in vergangene Gefilde nicht schaden, um die Story mit entsprechender Geltung zu versehen. Was jetzt der Fall sein wird, gilt es abzuwarten.

Für mich ist der Exkurs in Spocks Vergangenheit so halb gelungen, halb erzwungen. Einerseits versuchen die Macher, den Werdegang anhand von Amandas Ausführungen halbwegs zu begründen - entsprechend wurde er anders als Michael erzogen und bekam kaum Mutterliebe zu spüren, ganz zu schweigen von Sareks (James Frain) Wahl, ihn traditionell vulkanisch zu erziehen. Das extreme Empathie-Defizit, was von den Ärzten auf Sternbasis fünf diagnostiziert wird, ergibt insofern schon Sinn. Andererseits hat aber gerade Sarek vor kurzem geäußert, dass er Michael adoptiert hat, um Spock Empathie zu vermitteln. Da deutet sich nun ein Widerspruch an, der mehr als ein Fragezeichen zurücklässt.

Charaktertechnisch begibt man sich hier jedenfalls auf einen sehr holprigen Weg. Wobei ich gleich anmerken möchte, dass es noch abzuwarten gilt, in welchem Zustand wir Spock tatsächlich vorfinden, sobald er seinen ersten „echten" Auftritt hat (und ich glaube kaum, dass wir da einen Psychopathen vorfinden werden). Viel irritierender ist aber der Ansatz, dass Amanda sich zunächst schuldig für Spocks Entwicklung fühlt, später aber nichts davon wissen will (oder zumindest nicht stark genug nachbohrt), weshalb beziehungsweise womit Michael ihren Bruder vor den Kopf stieß und somit eine jahrelange Funkstille erwirkte. Die Figuren arbeiten da letztlich gegeneinander, obwohl sie eigentlich im gleichen Boot sitzen und dasselbe wollen. Das stört einfach.

Zuletzt fehlt mir eine Diskussion mit Pike, nachdem die medizinische Akte geöffnet werden konnte. Denn was auch immer in früheren Jahren alles passiert ist oder nicht - Spock hat trotzdem einen Werdegang hingelegt, der sich sehen lassen kann. Pike nennt ihn anfangs einen Freund und glaubt nicht, was ihm da von Sternbasis fünf erzählt wird. Da liegt es doch nahe, dass er sich zum geistigen Zustand von Spock in den letzten Jahren äußern und die Ergebnisse der Akte entsprechend kommentieren kann, oder?

CBS All Access/Paramount
CBS All Access/Paramount - © CBS All Access/Paramount

Tilly

Fähnrich Tilly (Mary Wiseman) ist auch diese Woche wieder hoch im Kurs. Training ist angesagt, welches sowohl Saru (Doug Jones) als auch Pike überwachen. Anfangs sind die Eindrücke von May (Bahia Watson) noch ungewollt hilfreich und verschaffen einen neuen Rekord im Wettlauf mit den anderen Anwärtern. Aber als es auf der Brücke zu glänzen gilt, redet Tilly sich in ein „I quit“ hinein, weil sie die imaginäre Freundin nicht ausblenden kann.

Na, wer hatte diesen kleinen grünen Punkt noch auf dem Schirm, der sich in der ersten Staffel auf Tilly niederließ? Eine kleine Szene, die man leicht übersehen konnte, aber hier zum Tragen kommt. Fungi oder Pilze sind ja ohnehin mit der Serie (und Stamets (Anthony Rapp)) verwoben, aber nach dem kleinen Unfall von letzter Woche hätte es sich auch bloß um dessen Nachwirkungen handeln können. Als (kleinen) Kritikpunkt möchte ich sofort anführen, dass es sehr blöd von Tilly war, nicht gleich mal in die Krankenstation zu gehen, nachdem sie May als „imaginär" entlarvt hat. Aufschieben von Symptomen - egal, wie sie ausschauen - ist nie eine gute Idee. Dr. Pollard (Raven Dauda) hätte sicher weiterhelfen und die Ursache finden können. Sich Michael anzuvertrauen lieferte allerdings wieder einige sehr starke Szenen, die ich nur ungern missen möchte (und die natürlich ebenfalls zur Lösung führen).

Was mich an diesem Handlungsbogen allerdings extrem stört, ist die Tatsache, dass niemand neugierig darauf ist, was May eigentlich will. Und weshalb sie Stamets, den „Sporen-Captain", auf dem Kieker hat. Wir haben es offensichtlich mit einer fremden Lebensform zu tun und nicht einfach mit Fußpilz oder so. Mindestens ein Crewmitglied ist außerdem in der Lage, mit dieser Lebensform zu kommunizieren. Sollte da nicht eine unserer Figuren auf die Idee kommen, Forschungsdrang zu zeigen? Okay, theoretisch kann das noch kommen. Aber nachdem May aus Tilly entfernt wurde, dürfte die Kommunikation wesentlich schwieriger ausfallen.

Klingonen

Wer sich gefragt hat, was L'Rell (Mary Chieffo) und Tyler/Voq (Shazad Latif) seit der letzten Staffel so getrieben haben, erhält diese Woche eine Antwort. Grundsätzlich finden sich einige interessante Aspekte in diesem Handlungsbogen wieder, von denen zwei bis drei direkt ins Auge fallen.

Da haben wir L'Rell als Kanzlerin. Eine Frau (und noch dazu die einzige, die uns diese Woche gezeigt wird), die sich gegenüber zahlreichen Männern behaupten und ihre Position festigen muss. Das lädt geradezu ein, um mit (Macht-)Intrigen und ausgefeilten Plänen zu spielen. Auf der anderen Seite gibt es TyVoq (so nenne ich ihn jetzt einfach mal), der offensichtlich mit Identitätsproblemen zu kämpfen hat - Mensch, Klingone oder beides? Ebenfalls ein interessantes Thema, aus dem bereits in der ersten Staffel was herausgeholt wurde. Zuletzt hätte man sich bei Kol-Sha (Kenneth Mitchell) oder einem beliebigen anderen Mitglied des hohen Rates charakterlich bemühen können, um die neue Situation - weiblicher Kanzler plus menschlich aussehender Fackelträger und Berater - zu verarbeiten.

Was uns aber geboten wird, ist eine schlechte Seifenoper mit nur minimalen Ausflügen in die gerade angeführten Themen. Obendrein noch mit sehr holprigen Überraschungen, die kaum Sinn ergeben oder wo der Sinn im Nachhinein erst noch geliefert werden muss. Beispiel für letzteres wäre die Schwangerschaft L'Rells, die mit einer Ex-Uterus Erklärung daherkommt. Beispiel für ersteres nicht unbedingt der Zeugungsakt, sondern die Romanze zwischen Voq und L'Rell - für die die beiden in der ersten Staffel kaum Zeit gehabt haben dürften. Wenn ich mich recht entsinne, saßen sie auf dem Schiff fest (wie sie dort weggekommen sind, bleibt wohl ein Geheimnis), wo sie ums Überleben kämpfen mussten und steckten kurz danach bereits voll im Plan, Voq als Spion in Form von Tyler einzusetzen. Ich sehe da keine Zeit für romantische Ausflüge (jedenfalls nicht, wie hier beschrieben - schließlich war der Krieg da bereits in vollem Gange).

CBS All Access/Paramount
CBS All Access/Paramount - © CBS All Access/Paramount

Aber wie auch immer. L'Rells Herrschaft steht auf wackeligen Beinen, TyVoq ist nicht gerne gesehen und das gemeinsame Kind wird zum Plotpunkt, der den Fall der Kanzlerin herbeiführen soll. Nicht gerade geschmeidig erzählt und somit in Sachen Storytelling sehr platt. Freuen konnte man sich höchstens über Kleinigkeiten wie den jetzt wieder aufkommenden Haarwuchs (auch wenn das alles nach aufgeklebten Bärt(chen) oder Toupets aussah) der Klingonen oder das violette Blut, welches in den Actionszenen ordentlich spritzt. Oder wie wäre es mit dem Kampfschiff vom Anfang? Das hatte was. Reicht aber leider nicht. Zu schlechter Letzt erscheint die klingonische Heimatwelt sehr klingonenleer und kann nicht mit dem mithalten, was wir in der ersten Staffel davon zu sehen bekamen. Zu wenig Figuren, zu enge Sets und ganz allgemein eine Atmosphäre, die kaum Lust auf mehr macht.

L'Rell schafft es zwar, am Ende ihre Position zu festigen. Aber diese Szene kommt mit einem billigen Schockmoment daher, der sogleich aufgeklärt wird. Was hier einfach fehlt, sind Schlüsselszenen (meinetwegen auch in kleinen Rückblicken), die aufzeigen, dass man sich tatsächlich um die jeweiligen Figuren bemüht. Ansatzweise gibt es die zwar, aber es fehlt da eine ganze Menge, um diesen Handlungsbogen auch nur annähernd rund zu gestalten.

Section 31

Als Teaser zur kommenden Serie um Michelle Yeoh als Philippa Georgiou funktioniert das ganze Klingonengeschehen verdammt gut. Retterin in der Not und offensichtlich um einen adäquaten Ausweg bemüht, der doch nicht das Leben von Tyler oder dem namenlosen Kind kostet, ist jedenfalls etwas, womit ich mich anfreunden kann.

Natürlich kann und darf man diesen Plot zwiespältig sehen. Schließlich wissen wir alle, dass es hier um die Imperatorin aus dem Spiegeluniversum geht und - was noch etwas bitterer schmeckt - die „Section 31" offensichtlich keine Probleme damit hätte, ein Kleinkind und dessen Vater zu opfern. Was allerdings nicht getan wird (da fehlt erneut die Schlüsselszene, die das bekräftigt). Als Geheimdienst der Sternenflotte und mit Yeohs schauspielerischem Talent bin ich allerdings sehr neugierig darauf, wie die kommende Serie vonstattengeht. Insofern gerne mehr davon.

Und wird TyVoq jetzt ein neues Mitglied dieser Geheimorganisation? Sieht danach aus. Das kurz wahrgenommen, scheint es doch sehr wahrscheinlich, dass die kommende Serie aufgrund des Kontakts zu Michael schon sehr bald kommen dürfte. Da steckt jedenfalls eine gute Portion Potenzial drin, welches auch die kommenden Discovery-Abenteuer bereichern könnte. Mir sind zwar nicht die kürzlichen Neuigkeiten zum Thema entgangen, aber wenn man die neue Serie schon zu der Zeit ansiedelt, ergibt es einfach Sinn, diese parallel laufen zu lassen.

Fazit

Leider nicht so gut. Es gibt zwar zahlreiche Stellen in jedem Handlungsbogen, die zu gefallen wissen, aber es dominiert die unnötige Seifenoper. Obendrein tritt man beim großen Mysterium nahezu auf der Stelle, womit es diese Woche im großen Staffelbogen kaum weiter geht. Mit mehr Schatten als Licht versehen, würde ich hier nur zwei von fünf Sternen springen lassen. Und ihr?

Vorschau auf den Rest der zweiten Staffel von Star Trek: Discovery:

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 2. Februar 2019
Episode
Staffel 2, Episode 3
(Star Trek: Discovery 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Lichtpunkt
Titel der Episode im Original
Point of Light
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 31. Januar 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 1. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 1. Februar 2019
Autor
Andrew Colville
Regisseur
Olatunde Osunsanmi

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x03

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