Star Trek: Discovery 2x01

Star Trek: Discovery 2x01

Mit der Folge Brother startet die US-Serie Star Trek: Discovery ihre zweite Staffel. Die Handlung setzt direkt am Ende der ersten Staffel ein und fördert ein Mysterium zutage, welches es zu untersuchen gilt. Unterstützung von neuen Figuren inbegriffen.

Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Brother“ (c) CBS All Access/Paramount
Szenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Brother“ (c) CBS All Access/Paramount
© zenenfoto aus der „Star Trek: Discovery“-Folge „Brother“ (c) CBS All Access/Paramount

Zweite Staffel

Der Krieg mit den Klingonen ist vorbei, Captain Lorca (Jason Isaacs) ist nicht mehr (zumindest die Version aus dem Spiegeluniversum ist Geschichte) und der einzigartige Sporenantrieb der Discovery steht kurz davor, eingemottet zu werden. Außerdem klopft ein gewisser Captain Christopher Pike (Anson Mount) an der Tür, um unsere Crew auf ein neues Problem (oder mögliches Problem, das gilt es noch zu erkunden) aufmerksam zu machen. Entsprechend ergibt sich die Chance, die Serie Star Trek: Discovery in der zweiten Staffel etwas leichter zu gestalten - ein bisschen weg von der Düsternis des Kriegsszenarios und des Spiegeluniversums und hin zum vertrauteren Umfeld dessen, was die Zuschauer des Star-Trek-Franchise gewohnt sind.

Diese Chance nutzen Alex Kurtzman und sein Team von Schreiberlingen, womit der geneigte Trekkie den Auftakt der zweiten Staffel sicher besser empfinden wird als so manches Horrorszenario aus Staffel eins. Böse Zungen mögen es vielleicht als zurückrudern bezeichnen, aber in meinen Augen passt man sich hier der von einigen Fans lautstark geäußerten Kritik an, Star Trek: Discovery sei keine „richtige" Star-Trek-Serie. Folglich gilt es nun, auf Entdeckungsreise zu gehen und den Ursprung der sieben mysteriösen und gleichzeitig aufgetretenen, energiereichen, roten Signale zu erforschen. Die Lösung des Rätsels erfolgt nicht mit dem Auftakt, sondern scheint (vorerst?) das Hauptthema der Staffel zu bilden.

Aufgelockert wird Brother dabei nicht nur durch das trekkigere Thema, die bunten Uniformen der „Neulinge" und allgemein hellere Farben, sondern auch durch verdächtig oft eingestreuten Humor. Ein Humor, der vorzugsweise darauf baut, dass wir unsere Crew bereits kennen - allen voran Plappermaul Silvia Tilly (Mary Wiseman), die sich wie gewohnt in amüsante bis peinliche Situationen hineinredet oder diese herbeiführt. Aber auch Sarus (Doug Jones) körperliche Reaktion auf Angst oder Stamets' (Anthony Rapp) Bemerkung, Tilly möge doch weniger reden, sorgen für kleine Schmunzler beim Zuschauer. Selbst Pike darf hier und dort eine unverhofft lockere Tonart anschlagen. Zuviel und zu albern ist da lediglich diese eine Szene im Turbolift, als der erkältete Linus (David Benjamin Tomlinson) seinen Schnodder in Richtung Connolly (Sean Connolly Affleck) schickt - solche Szenen können meinetwegen in The Orville eingebaut werden, aber bitte nicht hier.

Insgesamt gesehen passt der Staffelauftakt sich folglich ein wenig an, was aber aufgrund des beendeten Krieges nicht wirklich ein Wunder ist. Trotz dieser Anpassung und trotz einiger neuer Gesichter (wobei wir ein sehr prominentes noch nicht zu sehen bekommen) ist es dennoch wichtig, die bekannten Charaktere und die Ereignisse aus Staffel eins vor Augen zu haben. Denn ohne diese werden Neueinsteiger sicher weniger gut zurechtkommen.

Brother

Der Episodentitel teasert ganz offensichtlich Mr. Spock (Ethan Peck) an, den die in dessen Familie adoptierte Michael (Sonequa Martin-Green) als Bruder bezeichnen kann. Zu sehen bekommen wir allerdings im Auftakt „nur" einen Spock im Kindesalter, der aus Michaels Erinnerungen herrührt, von denen wir mehrere anhand von Rückblicken zu sehen bekommen. Kurioserweise steht in den Rückblicken aber nicht Michael im Zentrum, obwohl sie es müsste - denn schließlich ist sie die Titelfigur und „Ursprung" der Rückblicke. Da sollten wir zu sehen bekommen, wie sie auf Spocks anfängliche Abneigung ihr gegenüber reagiert und schließlich doch das von ihrem Bruder bekommt, was Sarek (James Frain) im Sinn hatte - Empathie.

Stattdessen fokussiert man sich im Auftakt zu sehr auf Spock. Nicht wirklich verwunderlich, ist er doch eine ikonische Figur des Franchise und somit sehnlichst erwartet - auch wenn Peck es schwer haben wird, an Leonard Nimoy heranzukommen. Aber für meinen Geschmack sollten die Eindrücke der jüngeren Michael (Arista Arhin) in den Rückblicken tragend sein und auch möglichst schnell erklärt werden, wie sich das Verhältnis der beiden entwickelt hat und wie es zu dem Bruch kam (also abseits dessen, was wir bereits aus Staffel eins wissen).

In der Gegenwart hingegen finde ich das Thema „Spock" durchaus gekonnt eingebaut. Sowohl Sarek als auch Michael haben Spock länger nicht gesehen und da wird ein gutes Maß an Spannung und Anspannung vermittelt. Dass es jetzt noch nicht zu einem Treffen kommt und Michael lediglich der Stimme lauschen darf, ist nicht weiter wild. Schließlich verbringt der bekannte Vulkanier seinen Urlaub offensichtlich damit, das gleiche Rätsel zu lösen, welches es auch für unsere Protagonisten zu ergründen gilt. Da wird man sich früher oder später über den Weg laufen. Ein Resultat aus der Tatsache übrigens, dass die Enterprise während des Klingonen-Konflikts in fernen Welten unterwegs war und von der Sternenflotte nicht zurückbeordert wurde. Pikes Gedankengänge scheinen (passenderweise) ähnlich zu sein, womit wir zur nächsten Figur kommen.

Captain Christopher Pike

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother - © CBS All Access/Paramount

Anson Mount ist schon jetzt eine Bereicherung der Serie. Die Ähnlichkeit des Darstellers mit Jeffrey Hunter mal außen vorgelassen, weiß er genau, wie er seine Rolle zu spielen hat und betritt die Bühne mit einer Dominanz, von der man gerne mehr sehen möchte. Saru, der ein wenig zum ermahnenden Zeigefinger der Sternenflottenregeln abgestempelt wird, kommt hier einem quasi-Spock gleich, respektiert aber offensichtlich sein Gegenüber.

Was uns vermittelt wird, ist ein Captain, der sehr gerne ins Geschehen eingreifen möchte, nachdem er beim Klingonen-Krieg im Abseits stand. Tatendrang steht hier im Vordergrund, zudem hat er sich gut mit den Geschehnissen aus Staffel eins der Discovery beschäftigt. Entsprechend muss Pike sich mit der Besatzung der Discovery auseinandersetzen, was ihm nach anfänglichen, kleineren Startschwierigkeiten auch gelingt. Zugegeben, vielleicht ein wenig zu locker für einen Captain. Aber da er betont, kein Lorca zu sein, auch wieder stimmig.

Ganz generell ging mir im Auftakt nur das Verhältnis zu Michael zu schnell. Gegenseitige Lebensrettungsaktionen sind schön und gut, aber in meinen Augen erhält Michael zu schnell die Lorbeeren und müsste sich ebendiese stärker erarbeiten. Kein Wort mehr davon, dass sie gemeutert hat und auf dem absteigenden Ast war. Aber gerade jemand wie Pike hätte in der Sache mal nachfragen oder eine kleine Portion Skepsis äußern können. Soll aber nur ein kleiner Kritikpunkt sein, denn im Großen und Ganzen liefert die Episode recht gekonnt ab, dass die beiden sich verstehen.

Dass Pike sich nun das Kommando mit Saru teilt, ist eindeutig ein Pluspunkt. Da wird Respekt für die Crew vermittelt, welche sich diesen im Verlauf des Auftakts während des ersten gemeinsamen Abenteuers erarbeitet hat. Vielleicht mag sich wegen der ausgedehnten Reparaturarbeiten an der Enterprise und Spocks unbestimmt langem Urlaub mit der Stirn runzeln lassen, aber wenn Pike dadurch länger an Bord der Discovery verweilt, soll mir das recht sein.

Kurz noch zu den anderen beiden Crewmitgliedern der Enterprise: Connolly trägt zwar keine rote Uniform und widerspricht mit seinem plötzlichen Ableben der Redshirt-Regel, aber einen besonders sympathischen Eindruck konnte er ohnehin nicht hinterlassen. Dennoch verwundert es, dass sein Tod später nicht zumindest kurz aufgegriffen und betrauert wird - schließlich zählt doch jedes Leben. Bei Nhan (Rachael Ancheril) fehlt währenddessen noch eine gute Portion Charakterisierung. Bislang würde ich sie aber als recht sympathisch einordnen.

Unsere Crew der Discovery

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother - © CBS All Access/Paramount

Fraglos und auch mit Blick auf den bereits geschriebenen Text weiter oben, steht Michael Burnham im Zentrum der Figuren. Vielleicht ein bisschen mehr als notwendig gewesen wäre, aber mit Blick auf ihre (Haupt-)Rolle, die sie in fast allen Handlungssträngen involviert, wenig verwunderlich. Wenn sich eine Kleinigkeit an ihr kritisieren lässt, dann (wie bereits erwähnt), dass sie zu schnell zu positiv von den Neuankömmlingen aufgenommen wird - da hätte sich durchaus mehr Skepsis angeboten.

Den Preis für die besten Szenen abseits der Haupthandlung geht diese Woche an Tilly und Stamets, als letzterer ihr seine Zukunftspläne verkündet. Hier zahlt sich alles aus, was wir über die beiden und deren Verhältnis zueinander in der ersten Staffel erfahren haben. Stamets Pläne sind nachvollziehbar. Er möchte in ein neues Umfeld gelangen, welches ihn nicht ständig an Hugh (Wilson Cruz) erinnert, dessen Tod ihm noch immer (und verständlicherweise) zu schaffen macht. Aber ob er tatsächlich wechseln wird, ist dennoch fraglich - gibt er sich am Ende doch recht begeistert der Teamarbeit mit Tilly hin, um die Probe des Asteroiden zu erhalten.

Tilly auf der anderen Seite sieht in Stamets ein Vorbild, welchem sie weiter folgen möchte. Sie ist eben nicht nur eine Witzfigur, die für Lacher zuständig ist, sondern ein eigenständiger Charakter mit Träumen und Wünschen und Freunden, die sie nicht verlieren möchte. Mary Wiseman beeindruckt einmal mehr als Silvia Tilly. Wir können mit ihr (und teilweise auch über sie) lachen, erhalten aber gleichzeitig eine Figur, mit der sich mitfühlen lässt und die ebenfalls in dramatischen Szenen zu überzeugen weiß. Eine meiner Lieblingsfiguren der Serie.

Von der Brückencrew bekommen wir im Auftakt mehr zu sehen als gewöhnlich. Da ist es äußerst hilfreich, wenn Pike in der Episode nach den Namen fragt. Unterm Strich fehlt es hier zwar noch an Charakterisierung und Figurenausbau, aber irgendwie bin ich mir sehr sicher, dass da im weiteren Staffelverlauf noch ein bisschen kommt. Schließlich müsste sich in Zukunft mehr auf der Brücke abspielen, was dazu einladen dürfte, diverse Crewmitglieder mal etwas in den Fokus zu rücken.

Sonstiges

Der Gastauftritt der Woche geht an Tig Notaro als Jett Reno, die sich monatelang allein durchschlagen musste und obendrein noch diverse Besatzungsmitglieder ihres Schiffes medizinisch versorgt hat. Schöne Einführung einer eher speziellen Figur, die gerne länger auf der Discovery verweilen darf.

Bei all dem (stellenweise mit Humor garniertem) Drama sollten die Actionsequenzen nicht vergessen werden. Atemberaubend und auf einem derart hohen Produktionsniveau, dass sich kaum glauben lässt, so etwas in einer Serie umsetzen zu können. Da wünscht man sich glatt eine Kinoauswertung der Episode.

Was das Rätsel der roten Signale angeht, mögen wir am Ende noch nicht weit gekommen sein. Aber die Staffel geht auch gerade erst los. Ob der „rote Engel", den Michael sieht, noch relevant wird? Welche Ergebnisse wird die Asteroidenprobe liefern? Liegt tatsächlich eine Bedrohung vor, wie Pike eingangs meint? Unsereins ist jedenfalls sehr interessiert an der Lösung des Rätsels, womit die neue Prämisse ihren Zweck erfüllt hat.

Fazit

Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother
Szenenfoto aus der Star Trek: Discovery-Folge Brother - © CBS All Access/Paramount

Mich hat der Auftakt aus den Socken gehauen. Kritikpunkte sind zwar vorhanden, aber lediglich mit der Lupe zu finden und fallen nicht großartig ins Gewicht. Die leicht angepasste Vorgehensweise weiß zu gefallen und ich bin sehr gespannt auf den weiteren Verlauf rund um das neue Mysterium, Spock, Pike und natürlich unsere wohlbekannte Crew. 4,5 von 5 Sternen lasse ich springen. Und ihr?

Vorschau auf den Rest der Staffel:

Verfasser: Christian Schäfer am Freitag, 18. Januar 2019

Star Trek: Discovery 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Star Trek: Discovery 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Bruder
Titel der Episode im Original
Brother
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Januar 2019 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. Januar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. Januar 2019
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 18. Januar 2019
Autoren
Ted Sullivan, Gretchen J. Berg, Aaron Harberts
Regisseur
Alex Kurtzman

Schauspieler in der Episode Star Trek: Discovery 2x01

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